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	<title>beim wort genommen &#187; Uni-Streik</title>
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	<description>weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</description>
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		<title>Bachelor und Master: Architekturstudenten allein auf weiten Fluren</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 22:59:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Vor allem in der Anfangszeit dieses Blogs habe ich viel über das Bologna-System geschrieben. Unter anderem habe ich argumentiert, dass der während der Studentenproteste oft als Lösung präsentierte achtsemestrigen Bachelor eher ein Feigenblatt sei. Damals ist auch dieser Text hier entstanden, der aus verschiedenen Gründen nie irgendwo erschienen ist. Ich habe ihn jetzt wieder aus [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/02/04/bachelor-und-master-architekturstudenten-allein-auf-weiten-fluren/">Bachelor und Master: Architekturstudenten allein auf weiten Fluren</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor allem in der Anfangszeit dieses Blogs habe ich viel über das Bologna-System <a href="http://beim-wort-genommen.de/tag/uni-streik/">geschrieben</a>. Unter anderem habe ich argumentiert, dass der während der Studentenproteste oft als Lösung präsentierte achtsemestrigen Bachelor eher ein Feigenblatt sei. Damals ist auch dieser Text hier entstanden, der aus verschiedenen Gründen nie irgendwo erschienen ist. Ich habe ihn jetzt wieder aus der Mottenkiste geholt, auch vor dem Hintergrund <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/11/19/verwaltungsgericht-munster-masterzulassung-nur-aufgrund-der-bachelor-note/">dieser Entscheidung</a> des Verwaltungsgerichts Münster.<sup class='footnote'><a href='#fn-854-1' id='fnref-854-1' onclick='return fdfootnote_show(854)'>1</a></sup> Ich glaube nämlich, dass das Kernproblem immer noch existiert.</p>
<p><strong>Masterplatz: Nicht für jeden</strong></p>
<p>Dass das Bachelor-Master-System nicht zwingend für jeden Bachlor-Absolventen einen Masterplatz <a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/12/14/kultusministerkonferenz-verbesserungen-im-hochulsystem-von-wegen/" target="_blank">vorsieht</a>, ist bekannt. Einen Masterplatz erhält nur, wer von den Hochschulen zu bestimmende Kriterien erfüllt: In den seltensten Fällen genügt ein Bachelorabschluss, bzw. ein anderer akademischer Abschluss allein.<br />
Zwar existieren entgegen mancher Gerüchte keine vorgeschriebenen Masterquoten, die festlegen, wie vielen Studenten deutschlandweit oder auch nur hochschulintern ein Masterplatz zusteht; und weil die neuen Studiengänge noch jung sind, gibt es auch keine validen Zahlen dazu, wie viele Studenten abgelehnt oder angenommen werden. Fakt ist aber: Beschränkungen gibt es an sehr vielen Hochschulen. Jede Universität muss selbst entscheiden, wie sie ihre Mittel investiert, wie viele Bachelor- und wie viele Masterplätze sie jeweils einrichtet. Einen Anspruch auf einen Masterplatz gibt es nicht.</p>
<p>Oft gibt es spezielle Aufnahmetests. Außerdem verlangen die Hochschulen häufig eine „gute“ Abschlussnote, also mindestens 2,5. Das führt dazu, dass trotz vorhandener Kapazitäten Studenten abgewiesen werden und Plätze unbesetzt bleiben &#8211; wie zum Beispiel im Wintersemester 2009/10 im Master Architektur an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, die für die Aufnahme sogar einen Schnitt von 2,3 voraussetzte.</p>
<p>Und speziell für Architekturstudenten kann diese Praxis handfeste Konsequenzen haben. Denn formal ist Bachelor zwar ein berufsqualifizierender Abschluss – aber Theorie und Praxis unterscheiden sich hier. </p>
<p><strong>Kammerzugang erst nach acht Semestern</strong></p>
<p>Wer in Deutschland die Berufsbezeichnung Architekt tragen möchte, muss nämlich Mitglied in einer Landesarchitektenkammer sein. Dazu nötig ist unter anderem ein abgeschlossenes Studium. Das Problem: Wo vorher generell das fünfjährige Diplom stand, stehen künftig sechs-, sieben- oder achtsemestrige Bachelor als berufsqualifizierende Abschlüsse. Die Frage, welche Studiengänge zur Anerkennung durch die Kammern führen, musste neu geregelt werden. Dabei bestimmen zwei überstaatliche Richtlinien den Architektenalltag:<br />
<a href="http://www.uia-architectes.org/texte/england/Menu-7/Charteformationarchi-e.html">Die erste</a> kommt von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Union_Internationale_des_Architectes">Union Internationale des Architectes</a>, der mit der UNESCO kooperierenden Weltvereinigung der Architekten: Sie fordert ein mindestens fünfjähriges Vollzeitstudium.<br />
Die zweite ist eine <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31985L0384:DE:HTML">EU-Richtlinie</a>, die mindestens vier Jahre Studium vorschreibt. An dieser EU-Richtlinie orientieren sich auch die Deutschen Architektenkammern. </p>
<p>Das heißt: Wer als Architekturstudent nach sechs oder sieben Semestern den Bachelor abschließt und keinen Masterplatz bekommt, kann kein Mitglied in einer Kammer werden, sich mithin nicht Architekt nennen; nur als solcher darf man aber Bauanträge einreichen und hat damit die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten. Lediglich angestellt könne man ohne Kammermitgliedschaft arbeiten, gibt die Bundesarchitektenkammer auf Anfrage Auskunft.</p>
<p>In einer Branche, die jedes Jahr mehr Absolventen aufnehmen muss, als benötigt werden, und durchschnittliche Arbeitslosenquoten von konstant etwa 15% aufweist, ist das fatal. Zumal die <a href="http://www.hoai.de/">Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure</a> ausschließlich für selbstständige Architekten gilt. Gehälter von angestellten Architekten können frei verhandelt werden. Angesichts der großen Konkurrenz sind die Angestellten hier in einer denkbar schwachen Verhandlungsposition. </p>
<p>Mit einem sechs oder sieben Semester dauernden Bachelor ist man als angehender Architekt also zwingend auf einen Masterplatz angewiesen. Weil in Deutschland die Mehrzahl der Universitäten<sup class='footnote'><a href='#fn-854-2' id='fnref-854-2' onclick='return fdfootnote_show(854)'>2</a></sup> einen Bachelor, der kürzer ist als acht Semester, anbieten, betrifft das auch die Mehrheit der Studenten. </p>
<p><strong>Sackgasse Bachelor</strong></p>
<p>Die Bayerische Architektenkammer (ByAK) <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/01/10/architekten-mit-bachelor-allein-auf-weiten-fluren/">erklärte</a> auf Anfrage, eine sechsemestrige Ausbildung reiche einfach nicht aus, um als Architekt zu arbeiten. Darauf, dass derlei kurze Studiengänge nicht dazu berechtigen, einer Architektenkammer beizutreten, hätten die Kammern von Anfang an hingewiesen. Außerdem gebe es ja die Möglichkeit, einen nicht-konsekutiven Masterstudiengang zu besuchen.</p>
<p>Diese nicht-konsekutiven Masterstudiengänge gibt es tatsächlich. Allein: Auch hier gibt es mehr Bewerber als Plätze, auch hier müssen Bewerber bestimmte Qualifikationen – z.B. Notendurchschnitte – nachweisen, die Studiengänge sind meist extrem spezialisiert und teuer. Die TU Berlin etwa bietet den weiterbildenden Master-Studiengang „Real Estate Management“ für Studenten mit überdurchschnittlichem Studienabschluss an &#8211; und zusätzlich gegen Gebühren von 3450 Euro pro Semester. Diese Summen zu finanzieren, ist für Studenten mit einem Wochenarbeitspensum über dem eines Vollzeitjobs kaum möglich.</p>
<p>Studentengerecht ist diese Umsetzung des Bologna-Prozesses nicht. Es wird noch etwas dauern, bis die ersten Jahrgänge flächendeckend ihr Bachelorstudium beenden. Und erst nach und nach wird man dann feststellen, ob diese strukturellen Probleme tatsächlich auch praktische Folgen zeitigen. Falls dem aber so sein sollte, könnte sich der Bachelor für ganze Generationen von Architekturstudenten als Sackgasse erweisen. </p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-854'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-854-1'>Der Text sah mal deutlich anders aus, was ausführlicher, hat auch andere Aspekte behandelt. Ich habe ihn also gekürzt und umgeschrieben und hoffe, er ist trotzdem einigermaßen lesbar und verständlich. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-2'>Stand November 2009 waren es 54 von 66 Hochschulen; Quelle: Studienführer Architektur und Stadtplanung, Nicolai-Verlag, Berlin; eigene Aufstellung. Mittlerweile dürften es mehr Hochschulen sein, die achtsemestrige Bachelor anbieten. Diesem Buch sind auch die Angaben zu Studiengebühren entnommen. Ich weise also darauf hin, dass es sich um Angaben handelt, die im Winter 2009 gültig waren. Falls sich daran etwas geändert hat, bin ich gerne bereit, die Angaben zu ändern. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/02/04/bachelor-und-master-architekturstudenten-allein-auf-weiten-fluren/">Bachelor und Master: Architekturstudenten allein auf weiten Fluren</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Studenten, hört meinen Rat! &#8211; Replik auf Klaus Werle</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/03/11/studenten-hort-meinen-rat-replik-auf-klaus-werle/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 18:36:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
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		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Junge Studentengeneration: Volle Kraft in die Optimierungsfalle“, so betitelt Zeit-Online einen Artikel von Klaus Werle, Redakteur des manager magazins, der erklärt, dass das Streben nach einem perfekten Lebenslauf Studenten eher schaden als nützen könne. Als Lösung empfiehlt er, den Teufel mit den Beelzebub auszutreiben. Freilich, Werle sinniert in dem Artikel: „Pragmatisch bis in die Knochen [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/03/11/studenten-hort-meinen-rat-replik-auf-klaus-werle/">Studenten, hört meinen Rat! &#8211; Replik auf Klaus Werle</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„<a href="http://www.zeit.de/campus/2010/02/arbeiten-polemik?page=all">Junge Studentengeneration: Volle Kraft in die Optimierungsfalle</a>“, so betitelt Zeit-Online einen Artikel von Klaus Werle, Redakteur des manager magazins, der erklärt, dass das Streben nach einem perfekten Lebenslauf Studenten eher schaden als nützen könne. Als Lösung empfiehlt er, den Teufel mit den Beelzebub auszutreiben.</strong></p>
<p>Freilich, Werle sinniert in dem Artikel: „Pragmatisch bis in die Knochen arbeiten sich die Post-Bologna-Studenten so effizient und fokussiert durch ihr Pensum wie kaum eine Generation vor ihnen. Die Antennen stets auf die vermeintlichen Erwartungen der Wirtschaft, die Tipps der Karriere-Ratgeber und die eigene employability ausgerichtet.“ Und er hat ein „apokalyptischen Trommelfeuer von Wirtschaftsverbänden, Politikern und Jobexperten“ ausgemacht, das Studenten einschärfe: „Du kannst alles schaffen, aber es wird verdammt hart!“<br />
Das führe dazu, dass Studenten „mit ihrem Ehrgeiz, sich möglichst schnell möglichst perfekt aufzustellen, [...] mit voller Kraft in die Perfektionierungsfalle“ liefen.<br />
Eine Diagnose, die nicht unplausibel scheint, sicher.</p>
<p>Plausibler jedenfalls als die kühne These, die Proteste aus den vergangenen beiden Jahren hätten sich nicht gegen die „Grundideen der Bachelorreform“ gewandt, sondern seien von der Angst getrieben gewesen „im neuen System nicht mehr mithalten zu können“.<br />
Diese Aussage kann berechtigt angezweifelt werden. Doch, und das ist das eigentlich entscheidende, selbst wenn Werle mit seiner Kritik recht hätte &#8211; welche Schlüsse zieht er daraus? Etwa, dass Studenten sich dem Trommelfeuer der Jobexperten widersetzen müssten, dass sie weniger auf Jobprognosen und Anforderungsprofile schielen, denn ihre Interessen vertiefen, kurz: dass sie sich wieder bilden statt ausbilden sollten?</p>
<p>Nein. Studenten sollten, so ist zu lesen, zwar keinen „normierten Ausbildungskanon“ absolvieren und schon gar nicht „in Rekordtempo“; sie sollten am Ende nicht vergessen haben, „was sie wollen“, aber vor allem nicht, „worin sie wirklich gut sind“ &#8211; denn, wie ironisch, solche „Passepartout-Absolventen, die für alles und gar nichts stehen“, brauche in der Wirtschaft niemand. Ein eigenes Profil, die Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten und Kreativität, das seien die Eigenschaften, die in der Wirtschaft wirklich rar und gefragt seien.</p>
<p>So orakelt ein die Ratgeber geißelnder Ratgeber; einer, der empfiehlt, sich nicht an den Anforderungen der Unternehmen zu orientieren, und stattdessen Eigenschaften zu entwickeln, die, natürlich, den Anforderungen von Unternehmen entsprechen; einer, der klagt, vom Perfektionierungsstreben der Studenten profitierten „erst einmal andere“, etwa private Hochschulen, und der ein 19,90 Euro teures Buch geschrieben hat, auf das unter dem Text  hingewiesen wird.<br />
Einer also, der die Studenten animiert, genau das zu tun, was sie seiner Ansicht nach schon jetzt tun – sich anpassen, Ratgebern gehorchen, sich vermarktbar machen -, nur auf eine neue, eine von ihm selbst empfohlene Art und Weise nämlich.<br />
Gemeinhin nennt man so etwas, den (hier die Apokalypse beschwörenden) Ratgeber-Teufel mit dem Beelzebub austreiben.</p>
<p>(Dass neben dem Artikel das neue „Che-Hochschulranking“ verlinkt ist, das „Gewinner und Verlierer“ unter den deutschen Hochschulen zu ermitteln verspricht, ist angesichts der inhaltlichen  Widersprüche dann nur noch ein weiterer ironischer Nebenaspekt.)</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/03/11/studenten-hort-meinen-rat-replik-auf-klaus-werle/">Studenten, hört meinen Rat! &#8211; Replik auf Klaus Werle</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kultusministerkonferenz: Verbesserungen im Hochulsystem? Von wegen!</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 21:56:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsstreik]]></category>
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		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Vergangene Woche tagten – natürlich begleitet von Studentenprotesten – die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn. Dort wurde eine Reform der Reform beschlossen, glaubt man der Pressemitteilung (und verschiedenen Medienberichten). Doch stimmt das? Was verkündet die KMK – was ist all das wert und was verrät es über das aktuelle System? Eine Analyse. [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/12/14/kultusministerkonferenz-verbesserungen-im-hochulsystem-von-wegen/">Kultusministerkonferenz: Verbesserungen im Hochulsystem? Von wegen!</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vergangene Woche tagten – natürlich begleitet von Studentenprotesten – die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn. Dort wurde eine Reform der Reform beschlossen, glaubt man der Pressemitteilung (und verschiedenen Medienberichten). Doch stimmt das?<br />
Was verkündet die KMK – was ist all das wert und was verrät es über das aktuelle System? Eine Analyse.</strong></p>
<p>Am 10.12.09 gaben HRK und KMK eine <a href="http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/kultusministerkonferenz-und-hochschulrektorenkonferenz-handeln-gemeinsam.html">gemeinsame Pressemitteilung</a> heraus. Darin heißt es unter anderem:</p>
<blockquote><p>Der Erfolg des Bologna-Prozesses setzt gute Studienbedingungen für die Studierenden voraus. Die Studierbarkeit der Studiengänge steht dabei an vorderster Stelle. Probleme, die bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses aufgetreten sind, müssen behoben werden.</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich richtig. Ein gutes Studium setzt gute Studienbedingungen voraus und die wiederum sind nur gegeben, wenn Studiengänge studierbar sind. So weit, so tautologisch und bekannt.<br />
Weil die beiden Konferenzen aber genau das (erst?) jetzt auch erkannt haben, wollen sie</p>
<blockquote><p>die Arbeitsbelastung für die Studierenden  [...] überprüfen und ein realistisches und vertretbares Maß [...] gewährleisten,</p></blockquote>
<p>Das ist eine sehr schöne Formulierung und eine sehr schöne Forderung, gegen die man eigentlich nichts einwenden kann; allerdings frage ich mich, warum man die Arbeitsbelastung nicht von Beginn an auf ein realistisches und vertretbares Maß reduziert hat. Bzw., warum man bisher offensichtlich Studiengänge mit nicht-vertretbarem Arbeitsaufwand geduldet hat, wenn man das doch nicht, nun, vertreten konnte.<br />
Studiebare Studiengänge zu gestalten sollte eigentlich grundsätzlich das Ziel derjenigen (gewesen) sein, die Studiengänge gestalten.</p>
<p>Dazu gibt es noch eine <a href="http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/ergebnisse-der-328-plenarsitzung-der-kultusministerkonferenz-am-10-dezember-2009.html">andere Pressemitteilung</a> der KMK, ebenfalls vom 10.12.09: „Ergebnisse der 328. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember 2009“. Hier wird die KMK konkreter.<br />
Denn weil die „Strukturvorgaben müssen den differenzierten Entwicklungen in den Hochschulen und im Studierverhalten der Studierenden gerecht werden “,  „hat die Kultusministerkonferenz am 10.12.2009 folgende Änderungen zur Korrektur der Ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Master- Studiengängen und die Rahmenvorgaben für die Einführung von Leistungspunktsystemen und die Modularisierung beschlossen“.<br />
Im Einzelnen führt die Mitteilung auf:</p>
<blockquote><p><strong> 1) Studierbarkeit verbessern und Mobilitätsfenster integrieren</strong></p>
<p>Die Regelstudienzeit für ein Vollzeitstudium von Bachelor-Studiengängen kann sechs, sieben oder acht Semester und von Master-Studiengängen vier, drei oder zwei Semester betragen. Die Gesamtregelstudienzeit für ein Vollzeitstudium in konsekutiven Studiengängen beträgt fünf Jahre (zehn Semester). Kürzere und längere Regelstudienzeiten sind bei entsprechender studienorganisatorischer Gestaltung in Ausnahmefällen möglich. Die Studiengänge sind so zu gestalten, dass sie Zeiträume für Aufenthalte an anderen Hochschulen und in der Praxis ohne Zeitverlust bieten („Fenster“ zur Förderung der Mobilität der Studierenden).“</p></blockquote>
<p>Der bayerische Kultusminister Ludwig Spänle etwa wurde mit folgenden Worten zitiert: &#8220;Hier soll Flexibilität des Fachbezogenen kürzere und längere Studien ermöglichen, insgesamt aber soll die Gesamtdauer inklusive des Master-Studiums bei zehn Semestern bleiben&#8221; </p>
<p>Ich habe schon vor einigen Wochen befürchtet, dass es so kommen wird. </p>
<p>Man muss sich eines ganz deutlich bewusst machen: Die KMK legt hier etwas fest, was schon lange festgelegt ist. Denn der Bachelor kann schon heute, kann schon seit Jahren acht Semester dauern und der Master nur zwei – die Entscheidung, den Bachelor sechs- sieben- oder achtsemestrig zu machen, liegt bei den Hochschulen. Schon lange gibt es einzelne BA-Studiengänge, die sich über acht Semester erstrecken.<br />
Diese vermeintliche Neuerung ist also keine. Sie dient nur dem Zweck, sich hinter der angeblichen Verbesserung zu verstecken.</p>
<p>Um Missverständnissen vorzubeugen: Achtsemestrige Bachelor sind nicht schlecht. Möglicherweise haben sie sogar einige Vorteile dem sechssemetrigen gegenüber. Es wäre daher begrüßenswert, würde der achtsemestrige Bachelor die Regel. Aber: Der achtsemestrige Bachelor bietet kosmetische Korrekturen, keine, die das Problem des meist überfrachteten Bachelors im Kern antasten, geschweige denn lösen.<br />
Zur Vertiefung empfehle ich meinen älteren Artikel „<strong><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/">Feigenblatt achtsemestriger Bachelor</a></strong>“.</p>
<p>Übrig ist die Forderung nach mehr Mobilität für die Studierenden: Auch hier bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Schon von Beginn an sollte das Bachelor-Master-System Hochschulwechsel vereinfachen; das Gegenteil ist eingetreten. Wenn man nun derartige „Probleme, die bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses aufgetreten sind“, beheben möchte, muss man schon erklären, wie das erreicht werden soll, anstatt einfach noch einmal zu verkünden, man wolle exakt das Ziel erreichen, das man schon vorher erreichen wollte.<br />
Eine neuerliche Beteuerung behebt das Problem nicht.</p>
<blockquote><p><strong> 2) Individuelle Studienverläufe sichern</strong></p>
<p>Für den Bachelor-Abschluss sind nicht weniger als 180 ECTS-Punkte nachzuweisen. Nachgewiesene gleichwertige Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden, sind bis zur Hälfte der Leistungspunkte anzurechnen. Für den Master-Abschluss werden unter Einbeziehung des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses 300 ECTS-Punkte benötigt. Davon kann bei entsprechender Qualifikation der Studierenden im Einzelfall abgewichen werden. Das gilt auch, wenn nach Abschluss eines Master-Studiengangs 300 Leistungspunkte nicht erreicht werden.</p></blockquote>
<p>Heißt: Es bleibt bei 300 Leistungspunkten für zehn Semester (außer in Einzelfällen bei entsprechender Qualifikation, was für das Gros der Studierenden keinerlei Relevanz haben wird.)<br />
Da es offenbar beim kalkulierten Arbeitsaufwand für einen LP bleibt, ändert sich – nichts.</p>
<blockquote><p><strong> 3) Breite wissenschaftliche Qualifizierung sichern</strong></p>
<p>In Bachelor-Studiengängen werden wissenschaftliche Grundlagen, Methodenkompetenz und berufsfeldbezogene Qualifikationen entsprechend dem Profil der Hochschule und des Studiengangs vermittelt. Damit wird insgesamt eine breite wissenschaftliche Qualifizierung in Bachelor-Studiengängen sicher gestellt.</p></blockquote>
<p>Dieser Punkt ist leider völlig nichtssagend, denn er enthält nichts Neues. Der Bachelor vermittelt also Wissen und Kompetenzen; nun, fernab von allen Kritikpunkten: Der Bachelor ist immer noch ein Studium. Natürlich tut er das.</p>
<blockquote><p><strong> 4) Master-Zugang flexibilisieren</strong></p>
<p>Zugangsvoraussetzung für einen Masterstudiengang ist in der Regel ein berufsqualifizierender Hochschulabschluss. Die Landeshochschulgesetze können vorsehen, dass in definierten Ausnahmefällen an die Stelle des berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses eine Eingangsprüfung treten kann. Zur Qualitätssicherung oder aus Kapazitätsgründen können für den Zulassung zu Master-Studiengängen weitere Voraussetzungen bestimmt werden.</p></blockquote>
<p>Die Überschrift klingt vielversprechend, der Absatz darunter enttäuscht. Gut, nun ist als Voraussetzung für einen Masterplatz nicht mehr zwingend, der Bachelor; auch eine Eingangsprüfung kann also erfolgen. Das mag unter Umständen den erfreulichen Effekt haben, dass auch Studenten mit einer schlechten Bachelornote einen Masterplatz erhalten – doch bleibt bei den Zugangsbeschränkungen an sich alles beim Alten. Kein Wort darüber, dass die Zahl der Masterplätze erhöht werden könnte; kein Wort darüber, dass gar, wie von den Studierenden gefordert, der Master als Regelabschluss eingeführt wird und jedem Studierenden ein Masterplatz zusteht.<br />
Die Grundproblematik bleibt: Zu wenig Masterplätze für zu viele Studenten.</p>
<blockquote><p><strong> 5) Transparenz des gestuften Studiensystems erhöhen</strong></p>
<p>Master-Studiengänge sind als vertiefende, verbreiternde, fachübergreifende oder fachlich andere (konsekutive) Studiengänge oder als Weiterbildungs-Studiengänge nach einer berufspraktischen Erfahrung von in der Regel nicht weniger als einem Jahr gestaltet.</p></blockquote>
<p>Nichtssagend und bekannt.</p>
<blockquote><p><strong> 6) Studierbarkeit in Akkreditierung prüfen</strong></p>
<p>Die Schlüssigkeit des Studienkonzepts und die Studierbarkeit des Studiums unter Einbeziehung des Selbststudiums sind von den Hochschulen sicher zu stellen und in der Akkreditierung zu überprüfen und zu bestätigen.</p></blockquote>
<p>Bisher ging ich ja davon aus, dass die Studierbarkeit auch schon jetzt ein Kriterium bei der Zulassung eines Studiengangs ist. Entweder dem war nicht so – dann ist dieser Absatz ein Offenbarungseid – oder dem war auch bisher schon so: Dann ist dieser Absatz völlig nichtssagend, weil bekannt.</p>
<blockquote><p><strong> 7) Kompetenz benennen</strong></p>
<p>Informationen über das dem Studienabschluss zugrunde liegende Studium enthält das „Diploma Supplement“, das Bestandteil jedes Abschlusszeugnisses ist.</p></blockquote>
<p>Nichtssagend, weil bekannt.</p>
<blockquote><p><strong> 8) Prüfungsleistungen reduzieren</strong></p>
<p>In Modulen werden thematisch und zeitlich abgerundete, in sich geschlossene und mit Leistungspunkten belegte Studieneinheiten zusammengefasst. Sie können sich aus verschiedenen Lehr- und Lernformen zusammensetzen (z. B. Vorlesungen, Übungen, Praktika, E-Learning, Lehrforschung etc.). Zur Reduzierung der Prüfungsbelastung werden Module in der Regel nur mit einer Prüfung abgeschlossen, deren Ergebnis in das Abschlusszeugnis eingeht. In besonders begründeten Fällen können auch mehrere Module mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Die Prüfungsinhalte eines Moduls sollen sich an den für das Modul definierten Lernergebnissen orientieren. Der Prüfungsumfang ist dafür auf das notwendige Maß zu beschränken. Die Vergabe von Leistungspunkten setzt nicht zwingend eine Prüfung sondern den erfolgreichen Abschluss des jeweiligen Moduls voraus. Die Voraussetzungen für die Vergabe von Leistungspunkten sind in den Studien- und Prüfungsordnungen und den Akkreditierungsunterlagen präzise und nachvollziehbar zu definieren. Um einer Kleinteiligkeit der Module, die ebenfalls zu einer hohen Prüfungsbelastung führt, entgegen zu wirken, sollen Module mindestens einen Umfang von 6 ECTS aufweisen.</p></blockquote>
<p>Das ist tatsächlich eine interessante Neuerung. Die Frage, die noch zu klären wäre, ist die nach der Berechnung der Note. Bisher ist es so, dass jede erbrachte benotete Leistung (Referate etc.) gemeinsam mit einer etwaigen Klausur oder Hausarbeit am Ende des Semesters zu einer Semestergesamtnote für die jeweilige Veranstaltung verrechnet wird; diese Noten, die auf dem Schein stehen, zählen dann genauso wie die Bachelorprüfung zur Endnote.<br />
Die Frage ist jetzt: Gibt es von nun an wieder mehr unbenotete „Sitzscheine“ für Vorlesungen und nur die Klausuren/Hausarbeiten am Modulende fließen mit den Bachelorprüfungen in die Gesamtnote ein?<br />
Zählen auch Hausarbeiten als Prüfungen im obigen Sinne? Zählen vielleicht sogar Referate als Prüfungen? Oder gibt es in Seminaren genauso viele Referate und ähnliche Leistungsnachweise, die dann die Semesterendnote für jede Veranstaltung bilden ?<br />
Kurz: Wie genau soll sich die Endnote künftig zusammensetzen? Wenn hier wieder jede Uni ihr eigenes Süppchen kochen sollte, dürfte das der geforderten Vereinfachung eines Hochschulwechsel eher nicht zuträglich sein.</p>
<blockquote><p><strong> 9) Anerkennung verbessern</strong></p>
<p>Die wechselseitige Anerkennung von Modulen bei Hochschul- und Studiengangswechsel ist mit handhabbaren Regelungen in den Studien- und Prüfungsordnungen zu verankern und in der Akkreditierung zu bestätigen. Sie beruht auf der Qualität akkreditierter Studiengänge und der Leistungsfähigkeit staatlicher oder akkreditierter nichtstaatlicher Hochschulen im Hinblick auf die erworbenen Kompetenzen der Studierenden (Lernergebnisse) entsprechend den Regelungen der Lissabon-Konvention (Art. III). Demzufolge ist die Anerkennung zu erteilen, sofern keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der erworbenen Kompetenzen bestehen.</p></blockquote>
<p>Nichtssagend, weil schon lange Anliegen des Bologna-Prozesses.</p>
<blockquote><p><strong> 10) Arbeitsbelastung flexibilisieren</strong></p>
<p>In der Regel werden pro Studienjahr 60 Leistungspunkte vergeben, d. h. 30 pro Semester. Dabei wird für einen Leistungspunkt eine Arbeitsbelastung der Studierenden im Präsenz- und Selbststudium von 25 bis max. 30 Stunden angenommen, so dass die Arbeitsbelastung im Vollzeitstudium pro Semester in der Vorlesungs- und vorlesungsfreien Zeit insgesamt 750 bis 900 Stunden beträgt ( = 32 bis 39 Stunden pro Wochen in 46 Wochen pro Jahr). Die Hochschulen haben die Studierbarkeit des Studiums unter Berücksichtigung der Arbeitsbelastung der Studierenden im Akkreditierungsverfahren nachvollziehbar darzulegen.</p></blockquote>
<p>Grundsätzlich enthält auch diese Maßgabe keine neuen Informationen: Es bleibt bei den durchschnittlichen 30 LP pro Semester (siehe Punkt 2), die weiterhin für 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand stehen.<br />
Ändern könnte sich höchstens etwas, wenn die Universitäten bei der Ausarbeitung der Studiengänge darauf achteten, dass diese Vorgaben auch etwa eingehalten werden und wenn der Akkreditierungsrat das kontrollierte (was angesichts der Anzahl der Studiengänge quasi unmöglich ist). Bisher ist es nämlich meistens so, dass die Zahl von 30 Stunden Aufwand im Präsenz- und Selbststudium pro Leistungspunkt utopisch ist; Anwesenheit in den Veranstaltungen, Vorbereitung, Nachbereitung, Vorbereitung von Referaten und Hausarbeiten und Lernen für Klausuren nehmen für gewöhnlich weitaus mehr Zeit in Anspruch.<br />
Abhilfe würde da nur eine Reduktion der Stofffülle schaffen – nur so wäre die „Studierbarkeit“ wirklich gegeben.<br />
Die wird zwar eingangs gefordert, tatsächlich liefert die Kultusministerkonferenz aber nicht einen Vorschlag, der geeignet wäre, dieses Ziel in greifbare Nähe zu rücken.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Konkret: Neben der vagen Formulierung von Zielen, die schon von Beginn an Teil der Bologna-Reform waren, verspricht die KMK die begrüßenswerte, wenn auch ebenfalls vage Verringerung der Prüfungszahlen. Ansonsten beinhalten die Pläne der KMK Folgendes nicht:</p>
<ul>
<li>Eine Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss</li>
<li>Eine verbindliche Handlungsanweisung, um die Stofffülle zu reduzieren</li>
<li>Eine Reduktion der Zahl der Leistungspunkte</li>
<li>Eine Änderung der Beschränkung des Zugangs zum Master</li>
<li>Eine Abschaffung der Studiengebühren</li>
<li>Mehr Mitsprache für Studenten</li>
</ul>
<p>Und das sind nur die ganz grundlegenden Forderungen. Es ist richtiggehend unverschämt, wenn HRK und KMK in ihrer Pressemitteilung schreiben:</p>
<blockquote><p>Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz haben damit Kritikpunkte der Studierenden zum Bologna-Prozess aufgenommen und Entscheidungen getroffen. Sie sind der Auffassung, dass es an der Zeit ist, wieder zu einem geregelten Studienbetrieb überzugehen.</p></blockquote>
<p>Offensichtlich hat von den Verantwortlichen entweder niemand begriffen, worum es geht, oder niemand hat Interesse daran, wirklich etwas zu ändern.<br />
Beides wäre gleichermaßen beschämend.</p>
<p>&#8212;<br />
<strong>Ergänzung, 15.12.09, 23.23 Uhr:</strong></p>
<p>Weil ich in den Kommentaren darauf hingewiesen wurde: Dass zur Zeit nicht nur Studenten protestieren und für bessere Bildung kämpfen, sondern auch Schüler, würdigt die KMK ebenfalls mit keiner Silbe. Auf die Anliegen der Schüler wird überhaupt nicht eingegangen.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/12/14/kultusministerkonferenz-verbesserungen-im-hochulsystem-von-wegen/">Kultusministerkonferenz: Verbesserungen im Hochulsystem? Von wegen!</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Feigenblatt achtsemestriger Bachelor</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 11:52:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Er ist en vouge, dieser Tage. Die Hamburgische Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) fordert ihn. Die parteilose sächsische Staatsministerin für Bildung, Sabine von Schorlemer, fordert ihn. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) fordert ihn. Der Tübinger Universitäts-Rektor Bernd Engler hat ihn angekündigt. Er soll eine Lösung sein für die Probleme im Bildungssystem, die gerade von tausenden [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/">Feigenblatt achtsemestriger Bachelor</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er ist en vouge, dieser Tage.<br />
Die Hamburgische Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/gaaaanz-viel-verstaendnis/">fordert</a> ihn.<br />
Die parteilose sächsische Staatsministerin für Bildung, Sabine von Schorlemer, fordert ihn.<br />
Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/niedersachsen-nach-bildungsstreikprotesten-reformen-bei-bachelor-studiengaengen-angekuendigt_aid_455185.html">fordert</a> ihn.<br />
Der Tübinger Universitäts-Rektor Bernd Engler hat ihn angekündigt.<br />
Er soll eine Lösung sein für die Probleme im Bildungssystem, die gerade von tausenden Studenten angeprangert werden: der achtsemestrige Bachelor.</p>
<p>Es ist eine verständliche Reaktion, dass Politiker derzeit versuchen, die protestierenden Studenten zu besänftigen. Man zeigt sich verständnisvoll, gesprächsbereit und bietet Lösungen an. Die müssen griffig sein und umsetzbar, so dass am Ende niemand sagen kann, es sei nichts passiert. Der achtsemestrige Bachelor ist so eine Lösung.</p>
<p><strong>Der Bachelor ist ein Fehlkonstrukt</strong></p>
<p>Auf den ersten Blick klingt das auch sinnvoll: Der Bachelor, für gewöhnlich in sechs Semestern abgeleistet, wird zu Recht gegeißelt als überladen, hektisch, durchgeplant, einengend. Er erlaubt keine Auseinandersetzung mit fachfremden Themengebieten oder auch nur eine tiefere, deutlich über die Pflichtlektüre hinausgehende Beschäftigung mit dem studierten Fach. Er verpflichtet zur permanenten Anwesenheit und erlaubt kaum individuelle Schwerpunktsetzung. Er ist gespickt mit Präsentationen und Prüfungen und weitaus verpflichtender als Schule, weil zumeist radikal Fehlzeiten notiert werden; wer mehr als zwei oder drei Fehlpunkte sammelt, muss die Veranstaltung in einem späteren Semester wiederholen. Wenn es in einem Seminar schon ausreichen kann, sechsmal fünf Minuten zu spät zu kommen, im Ganzen also 30 Minuten gefehlt zu haben, damit das Seminar als nicht bestanden gewertet wird, dann ist der Vorwurf der Verschulung sogar noch schmeichelhaft.<br />
Der Bachelor ist in seiner derzeitigen Form ein Fehlkonstrukt.<br />
Da liegt es nahe, die ungeliebte Reform abermals zu reformieren.</p>
<p>Allein: Die Umstellung auf einen achtsemestrigen Bachelor trüge nichts dazu bei, an diesen Problemen auch nur irgendetwas zu ändern.<br />
Das liegt daran, dass die Struktur des gesamten Studiums im Rahmen des Bologna-Prozesses festgelegt ist. Bachelor plus Master ergeben eine Gesamtheit von zehn Semestern Regelstudienzeit. Die Krux ist folglich: Wird der Bachelor um ein Jahr verlängert, verkürzt sich gleichzeitig der Master um ein Jahr.</p>
<p>Statt 180 LP, so genannten Leistungspunkten oder Credit Points, müsste ein Student in acht Semestern Bachelor eben 240 LP sammeln. Diese Leistungspunkte sollen den Arbeitsaufwand normieren, wobei ein Punkt etwa 30 Stunden Arbeit für einen durchschnittlichen Studenten entsprechen soll.<br />
Wenn aber der Bachelor nicht nur um zwei Semester verlängert, sondern auch inhaltlich proportional aufgestockt wird, ändert sich nichts. Ob 180 in sechs oder 240 in acht Semestern – netto stehen 30 LP pro Halbjahr.<br />
Auch im achtsemestrigen Bachelor werden also Leistungsdruck, Struktur und Lernzwänge herrschen.</p>
<p align="center"><img src="http://beim-wort-genommen.de/wp-content/uploads/2009/11/Bildungsstreik_Göttingen_1770.jpg" alt="" /><em>Wie im Sommer 2009 hier in Göttingen protestieren dieser Tage europaweit Studenten gegen das Hochschulsystem<br />
<font size="1"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Bildungsstreik_G%C3%B6ttingen_1770.jpg">Bild</a>: Jonathan Groß, CC-BY-NC-SA</font></em></p>
<p><strong>Argumentative Nebelkerzen</strong></p>
<p>Die geforderten Reformen sind demnach nichts als argumentative Nebenkerzen, die die eigentlichen Probleme verschleiern sollen. Und sie sind zudem scheinheilig, weil achtsemestrige Bachelorstudiengänge seit Beginn möglich sind und in Einzelfällen auch angeboten werden. Eine Regel, nach der ein B.A. in sechs Semestern abzuleisten sei, gab es nie.</p>
<p>Genauso scheinheilig ist es, wenn der eingangs erwähnte Lutz Stratmann fordert, der Bachelor müsse „der erste berufsqualifizierende akademische Abschluss sein“  &#8211; das ist er nämlich der offiziellen Darstellung zufolge schon heute.<br />
Dass sogar dort de facto verbessert werden muss, wo de jure kein Verbesserungsbedarf bestehen kann, zeigt nur, wie unfertig das Bachelor/Master-System eigentlich ist.</p>
<p>Den einzig positiven Effekt, den eine flächendeckende Umstellung auf den achtsemestrigen Bachelor hätte, wäre der, dass jeder Student diese vier Jahre studieren kann. Angesichts der Tatsache, dass nur etwa ein Drittel der B.A.-Absolventen einen Masterplatz bekommt, ist das nicht selbstverständlich.<br />
Allerdings: Es ist zu befürchten, dass ein System 4 + 1 – also vier Jahre Bachelor, ein Jahr Master – als Vorwand dienen könnte, um genau diese ungleiche Verteilung zu rechtfertigen.<br />
Der geringere Unterschied würde womöglich als geringere Benachteiligung gesehen, die notwendige, aber freilich kostspielige Schaffung von mehr Studienplätzen könnte so vermieden werden. Die Masterquote könnte bleiben.<br />
Gerade, da in den nächsten Jahren etliche „Doppeljahrgänge“, also zwei Abiturjahrgänge pro Bundesland, anstehen, wäre der achtsemestrige Bachelor eine billige Rechtfertigungs-Alternative zur Abschaffung der Masterquote.</p>
<p><strong>Nur eine Verlängerung der Gesamtstudienzeit löste effektiv Probleme</strong></p>
<p>Die Forderung nach einem achtsemestrigen Bachelor wäre nur dann hilfreich, wenn damit eine Verlängerung des gesamten Studiums einherginge – womit eine Ausdünnung des Stoffes möglich würde.<br />
Wer dagegen innerhalb eines bestehenden Zeitfensters von zehn Semestern die Grenze zwischen Bachelor und Master verschieben möchte, ohne gleichzeitig die Stofffülle zu reduzieren oder die Masterquote abzuschaffen, der fordert keine Verbesserung des Systems, sondern eine Maskierung des Problems durch blinden Aktionismus. Eine solche Reform wäre ein Feigenblatt. Sie zu fordern ist blanker Populismus.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/">Feigenblatt achtsemestriger Bachelor</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Uni-Streik: Tübinger Studenten besetzten Hörsaal erneut</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/17/uni-streik-tubinger-studenten-besetzten-horsaal-erneut/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 23:54:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Tübingen]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Nachdem das Rektorat am vergangenen Donnerstag die Räumung polizeilich hatte durchsetzen lassen, haben jetzt erneut Tübinger Studenten den Hörsaal 25 im Kupferbau besetzt. Im Anschluss an eine Studium-Generale-Vorlesung, bei der Thomas Urban von der SZ über das deutsch-polnische Verhältnis referiert hatte, wurde der Hörsaal wieder in Beschlag genommen. Schon kurz darauf verbreiteten sich die ersten [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/17/uni-streik-tubinger-studenten-besetzten-horsaal-erneut/">Uni-Streik: Tübinger Studenten besetzten Hörsaal erneut</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem das Rektorat am vergangenen Donnerstag die Räumung polizeilich hatte durchsetzen lassen, haben jetzt erneut Tübinger Studenten den Hörsaal 25 im Kupferbau besetzt.<br />
Im Anschluss an eine Studium-Generale-Vorlesung, bei der Thomas Urban von der SZ über das deutsch-polnische Verhältnis referiert hatte, wurde der Hörsaal wieder in Beschlag genommen.</p>
<p>Schon kurz darauf verbreiteten sich die ersten Gerüchte, wonach die Polizei bereits anrücke – Gerüchte, die sich allerdings als falsch herausstellten. Stattdessen erschienen Rektor Bernd Engler und Prorektorin Stefanie Gropper, die entweder vorab informiert worden waren oder aber ein ausgesprochen feines Gespür für die Situation haben.</p>
<p>Es entbrannte in der Folge eine Diskussion, die im Grunde genauso verlief, wie alle anderen Diskussionen zwischen Rektorat und Studenten zu vor: Man warf sich gegenseitig fehlende Kooperation vor und appellierte an die andere Seite, doch mehr zu kooperieren, wobei die eigene Kooperationsbereitschaft lobend erwähnt wurde.</p>
<p>Immerhin: Die aufgrund des nach wie vor ausgesprochenen Hausverbots immer noch drohende Räumung ist zunächst einmal vom Tisch. Rektor und Studenten einigten sich auf eine spezielle Form der Besetzung: Die Studenten versuchen, in Eigenregie Lehrveranstaltungen auszulagern; sollte das aber nicht möglich sein, weil etwa kein Hörsaal mit ausreichend Plätzen verfügbar ist, machen die Besetzer der Vorlesung Platz, um danach wieder als Besetzer einzuziehen.<br />
Unter dieser Bedingung – es fallen keine Lehrveranstaltungen aus – und solange nicht gekocht wird, was dem Rektorat zufolge gegen die Brandschutzordnung verstößt, duldet die Universität die Besetzung.</p>
<p>Nun kann man diese Light-Version einer Besetzung lachhaft finden – und einige Studenten äußerten sich genau so -, doch folgen die Parteien damit dem Credo Englers, der zu Beginn fragte: Cui bono? Also: wem nützt das Besetzen?<br />
Wie ein Student sinngemäß formulierte: Der Raum an sich wird für die inhaltliche Arbeit und den Diskurs mit der Uni-Leitung nur teilweise benötigt. Natürlich ist der größte Hörsaal ein gutes Forum, doch auch andere Hörsäle oder eben die Foyers der Gebäude könnten genutzt werden.<br />
Dagegen  wird die Botschaft „Besetzt!“ vor allem für die Presse, für die Öffentlichkeit benötigt, um strukturelle Probleme zu thematisieren und andere, außeruniversitäre Ansprechpartner zu erreichen. Dabei ist es dann auch egal, ob die Besetzer für einige Stunden den Hörsaal freigeben.</p>
<p>Problematisch war dann höchstens noch, dass während einiger Minuten Studenten am Betreten des Hörsaalgebäudes gehindert wurden. Die Uni-Mitarbeiter – zeitweise war von „Sicherheitsleuten“ die Rede – hätten nach Aussage Englers nicht auf seine Anweisung hin gehandelt. Dennoch entgegnete er auf die Forderung, er solle doch also den Einlass anordnen, damit würde er ja die Besetzung implizit legitimieren und das könne man wohl kaum von ihm verlangen.<br />
Möglich also, dass die Verantwortlichen also tatsächlich auf eigene Faust gehandelt haben. Möglich aber auch, dass das nur als Legitimation des Handelns vorgeschoben wurde. </p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/17/uni-streik-tubinger-studenten-besetzten-horsaal-erneut/">Uni-Streik: Tübinger Studenten besetzten Hörsaal erneut</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Replik auf carta: Bildungsstreik analog statt digital?</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/13/replik-auf-carta-bildungsstreik-analog-statt-digital/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 14:29:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[social web]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Mathhias Schwenk hat auf Carta einen Artikel darüber geschrieben, wie wenig die demonstrierenden Studenten hierzulande auf die Möglichkeiten des social web zurückgreifen. Auf einige Punkte möchte ich gerne eingehen. Obwohl die Studenten von heute oft als “Digital Natives” gesehen und ihnen daher eine hohe Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet zugeschrieben wird, zeigen die aktuellen [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/13/replik-auf-carta-bildungsstreik-analog-statt-digital/">Replik auf carta: Bildungsstreik analog statt digital?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mathhias Schwenk hat auf Carta <a href="http://carta.info/18102/bildungsstreik-analog-statt-digital/">einen Artikel</a> darüber geschrieben, wie wenig die demonstrierenden Studenten hierzulande auf die Möglichkeiten des social web zurückgreifen. Auf einige Punkte möchte ich gerne eingehen.</p>
<blockquote><p>Obwohl die Studenten von heute oft als “Digital Natives” gesehen und ihnen daher eine hohe Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet zugeschrieben wird, zeigen die aktuellen Vorgänge rund um den Bildungsstreik im Grunde fast das Gegenteil. Die Studenten koordinieren sich ganz überwiegend offline und führen Blogs, Twitter und Fanseiten auf StudiVZ bzw. Facebook nur nebenher.</p></blockquote>
<p>Diese Analyse scheint mir zutreffend zu sein – allerdings nicht nur in Bezug auf den Bildungsstreik. Eine auf eigenen Erfahrungen basierende Einschätzung ist nun nicht wirklich generalisierbar, doch scheint mir der „internetaffine“ Teil der Menschen die Reichweite, den Einfluss und die Nutzung des Internet etwas zu überschätzen.<br />
Junge Menschen nutzen das Netz, ohne Frage. Beinahe jeder hat ein Mail-Postfach, fast genauso viele nutzen Wikipedia und die schnelle google-Suche bei Referaten und privatem Interesse; ein nicht unerheblicher Teil nutzt Nachrichtenseiten (dabei vor allem Spiegel-Online); im StudiVZ angemeldet sind ebenfalls viele, weil man dort Bilder hochladen kann und Kontakt halten und herstellen kann; und einige wenige nutzen sogar interessenspezifische Foren. Und gerade fürs Studium läuft viel Organisatorisches nur noch über das Internet. So weit, so gut. </p>
<p><strong>Blogs als Tagebuch, Twitter als Frühstückmelder</strong></p>
<p>Darüber hinaus sieht es jedoch so aus:<br />
Nur ein winziger Teil liest Blogs, ein noch kleinerer Teil schreibt selber für einen. Für viele ist ein Blog nach wie vor dieses diffuse Etwas, in dem von Weltschmerz zerfressene Selbstdarsteller Geschichten aus ihrem privaten Leben ausbreiten.<br />
Das Verständnis, dass Blogs kritische Instanzen sein, echte Gegenöffentlichkeit herstellen und Partizipation ermöglichen können, haben die Wenigsten.<br />
Von Twitter gar nicht erst nicht zu reden. Twitter ist der Ort, an dem jemand der Welt mitteilt, was er gerade gefrühstückt hat.<br />
In meinem Serminar über Print- und Online-Medien bin ich von etwa 30 Medienwissenschaftsstudenten der einzige, der bloggt.</p>
<p>Junge Menschen sind keine Digital Natives oder wenn sie es doch sind, dann nur in dem Sinne, dass sie grundsätzlich mit dem Internet umgehen können. Sie nutzen das www, es ist nicht wegzudenkender Teil ihres Lebens. Das haben sie der Elterngeneration vielleicht voraus. Aber sie sehen es in der Mehrheit eben auch als das: als Normalität, nicht als Gelegenheit. Sie gehen nicht in die Tiefe, suchen nicht gezielt, sie setzten sich nicht mit Möglichkeiten und Problemen auseinander.</p>
<p>Allein die Tatsache, dass es das Internet gibt, hat die Generation der Digital Natives nicht per se zu internetinteressierteren Menschen gemacht; also zu solchen, die Technik nicht nur nutzen, sondern sich auch damit beschäftigen.</p>
<p>All das ändert natürlich nichts am Problem, das Matthias Schwenk beschrieben hat. Wenn in der größten Plenumssitzung der Uni-Tübingen direkt vor der Räumung am Anfang gefragt wird, ob denn jemand der Admins vom offiziellen Streik-Account aus twittere oder das tun wolle und der offizielle Account dann nur wenige tweets in den Äther schickt, dann ist das den Zielen der Streikenden nicht dienlich.</p>
<p>Allein: Ich sehe das Problem nicht als derart zentral an. Viel wichtiger scheint mir der nächste Punkt. </p>
<p><strong>Auch das social web macht Studenten nicht politischer</strong></p>
<blockquote><p>Das Schielen auf die Presse zeigt, dass die Studenten sich noch nicht in der Lage sehen, die Öffentlichkeit über das Internet direkt anzusprechen und sich dazu die erforderliche Reichweite selbst aufzubauen.</p></blockquote>
<p>Allein die Tatsache, dass es neue Möglichkeiten der politischen Partizipation gibt, hat die Generation der Digital Natives noch lange nicht zu politischeren Menschen gemacht.</p>
<p>Das Problem der Studentenproteste ist nicht die fehlende Mobilisierung via facebook und twitter, sondern die fehlende Mobilisierung an sich.<br />
In Tübingen erschienen zur Plenumssitzung direkt vor der Räumung wohl etwa 500 Studenten. So viele wie nie. Das sind in etwa zwei Prozent der 24 000 Studierenden.<br />
Kurz: Die Öffentlichkeit will offenbar gar nicht angesprochen werden.</p>
<p>Klar, viele wussten noch nicht einmal, dass besetzt worden war, als die Polizei die Besetzer bereits geräumt hatte – aber das lag dann an mangelndem Interesse, nicht an der Öffentlichkeitsarbeit der Besetzer.<br />
So viel das social web vermag: In einer Kleinstadt wie Tübingen, deren Einwohner zu einem Drittel Studenten sind, ist es immer noch weniger effektiv als die anaolge Werbung. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt keinen Campus, aber fast alle Uni-Gebäude stehen in einem Bereich, der vermutlich kleiner ist als viele Campi. Nicht umsonst besagt ein Spruch: „Tübingen hat keine Uni, Tübingen ist eine Uni.“<br />
Wenn in einer so kleinen Stadt Solidaritätsplakate an beinahe jedem Hörsaalgebäude, dazu Aufkleber, Infoplakate und Flyer in der ganzen Stadt, sogar auf den Toiletten der Universität, die Studenten nicht einmal dazu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann wollen sich diese Studenten auch nicht damit auseinandersetzen.</p>
<p>Natürlich, in Großstädten sieht das anders aus und dort ist das social web womöglich weitaus wichtiger.<br />
Dennoch: Offensichtlich sieht die Mehrzahl der Studenten keinen Grund, zu protestieren.<br />
Ich habe mich im Laufe der letzten Woche immer wieder einmal umgehört und es scheint mehrere Gründe zu geben:</p>
<p><strong>1) Unwissenheit</strong><br />
Ein erschreckender Teil wusste nicht, dass und vor allem warum besetzt war. Oftmals hatte das mit dem nächsten Punkt zu tun.<br />
<strong>2) Gleichgültigkeit</strong><br />
Vielen ist das alles schlicht egal. Sie möchten ihr Studium durchbekommen, mehr nicht. Ob nun so, wie es jetzt ist oder anders. Sollte sich etwas ändern, dann sei es so, aber sie müssten sich auf ihr Studium konzentrieren.<br />
Dazu gehören auch jene, die zwar mit den Besetzern sympathisierten, aber nicht einmal im besetzten Hörsaal erschienen.<br />
<strong>3) Ablehnung den Besetzern gegenüber</strong><br />
Einige sehen bzw. sahen die Besetzer als linke Chaoten an, denen es vorwiegend darum gehe, auch einmal einen Hörsaal zu besetzen und dort zu feiern. Daraus resultierte prinzipielle Ablehnung dem Streik gegenüber.<br />
<strong>4) Akzeptanz der/Zufriedenheit mit der Situation</strong><br />
Einige haben kein Problem damit, Studiengebühren zu zahlen, Vorlesungen per Audiostream mitzuverfolgen, in einem extrem verschulten Studiengang zu studieren, oder damit, dass nur ein Teil auch einen Masterplatz bekommt. Ihnen gehe es gut.<br />
Ein sehr kleiner Teil dieser Gruppe findet all das auch einfach gut und richtig.<br />
<strong>5) Resignation</strong><br />
Der meiner Einschätzung nach häufigste Grund. Viele sympathisieren zwar mit den Ideen und auch Methoden der Streikenden, sind aber der Meinung: Das bringt doch eh nichts. Und wenn etwas ohnehin nichts bewirken kann, versuchen sie es gar nicht.</p>
<p><strong>Können die Proteste etwas bewirken?</strong></p>
<p>Ich weiß nicht, ob das eine spezifische Eigenschaft der aktuellen Studentengeneration ist oder ob es nicht vielmehr schon immer so war, dass nur ein kleiner Teil politisch aktiv wurde und der Großteil nicht. Auch der Verweis auf die APO und die gesamte Studentenbewegung der 68er ist fehl am Platz. Der Vergleich wird beiden nicht gerecht. Die Studenten von damals haben mit denen von heute allenfalls gemein, dass sie Studenten sind. Die Gründe für den Protest sind genauso verschieden wie die verfolgten Ziele &#8211; und damit auch die gewählten Mittel.</p>
<p>Die jetzige Protestwelle kann aber in jedem Fall nur dann etwas bewirken, wenn erstens noch viel mehr Universitäten sich anschließen und zweitens mehr Studenten aktiv werden. Ersteres halte ich für möglich, bei Letzterem bin ich skeptisch.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/13/replik-auf-carta-bildungsstreik-analog-statt-digital/">Replik auf carta: Bildungsstreik analog statt digital?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Live-Gezwitscher aus der Uni-Tübingen</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/11/live-gezwitscher-aus-der-uni-tubingen/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 19:23:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenbei bemerkt]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich weise auch hier darauf hin: @beimwort &#8211; live-tweets aus dem Hörsaal 25 in Tübingen, wo gleich über eine Räumung oder einen Umzug abgestimmt werden wird.</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/11/live-gezwitscher-aus-der-uni-tubingen/">Live-Gezwitscher aus der Uni-Tübingen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich weise auch hier darauf hin: <a href="http://twitter.com/beimwort">@beimwort</a> &#8211; live-tweets aus dem Hörsaal 25 in Tübingen, wo gleich über eine Räumung oder einen Umzug abgestimmt werden wird.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/11/live-gezwitscher-aus-der-uni-tubingen/">Live-Gezwitscher aus der Uni-Tübingen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Uni-Streiks erreichen Deutschland</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 22:19:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenbei bemerkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wie ich eben bei carta gelesen habe, haben die östereichischen Uni-Streiks jetzt auch Deutschland erreicht. Sowohl in Heidelberg als auch in Münster und Potsdam besetzen Studenten derzeit jeweils den Audimax. In Anlehnung an das österreichische Vorbild &#8220;unsereuni&#8221; wurde die Homepage &#8220;unsereunis.de&#8221; gegründet, die Nachrichten aus allen deutschen Unis, in denen gestreikt wird, gesammelt werden. Der [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/04/uni-streiks-erreichen-deutschland/">Uni-Streiks erreichen Deutschland</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich eben bei <a href="http://carta.info/17579/heidelberger-protest-bildungsstreik/">carta</a> gelesen habe, haben die östereichischen Uni-Streiks jetzt auch Deutschland erreicht.</p>
<p>Sowohl in <a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=170956901323&#038;v=info">Heidelberg</a> als auch in <a href="http://www.ustream.tv/channel/muensterbrennt">Münster</a> und <a href="http://www.unsereunis.de/?cat=7">Potsdam</a> besetzen Studenten derzeit jeweils den Audimax.</p>
<p>In Anlehnung an das österreichische Vorbild &#8220;unsereuni&#8221; wurde die Homepage &#8220;<a href="http://www.unsereunis.de/">unsereunis.de</a>&#8221; gegründet, die Nachrichten aus allen deutschen Unis, in denen gestreikt wird, gesammelt werden.<br />
Der allgemeine Studierendenausschuss AStA, der mir vor einigen Tagen noch per Mail erklärt hatte, sich nicht politisch äußern zu dürfen, begrüßt die Streiks.</p>
<p>Für den 17.11.2009 sind in ganz Deutschland <a href="http://www.bildungsstreik.net/">Bildungsstreiks geplant</a>.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
<em>Siehe auch:</em>
<ul>
<li>beimwortgenommen: <a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/10/29/uni-besetzungen-in-osterreich-weiten-sich-aus/">Uni-Besetzungen in Österreich weiten sich aus</a></li>
<li>Ibbenbürener Volkszeitung zur Besetzung in <a href="http://www.ivz-online.de/lokales/muenster/nachrichten/1152703_Studenten_besetzen_den_Audimax.html">Münster</a></li>
<li>Süddeutsche Zeitung: <a href="http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/684/493035/text/">Studentenproteste in Österreich &#8211; Sackhüpfen gegen das System</a></li>
<li>taz: <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/einfuehrung-in-den-audimaxismus/">Studentenproteste in Österreich &#8211; Einführung in den Audimaxismus</a></li>
</ul>
<p>Allgemein ist die Resonanz in den deutschen Medien aber eher gering.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/11/04/uni-streiks-erreichen-deutschland/">Uni-Streiks erreichen Deutschland</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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