Uni-Streik: Tübinger Studenten besetzten Hörsaal erneut
Dienstag, 17. November 2009 0:54
Nachdem das Rektorat am vergangenen Donnerstag die Räumung polizeilich hatte durchsetzen lassen, haben jetzt erneut Tübinger Studenten den Hörsaal 25 im Kupferbau besetzt.
Im Anschluss an eine Studium-Generale-Vorlesung, bei der Thomas Urban von der SZ über das deutsch-polnische Verhältnis referiert hatte, wurde der Hörsaal wieder in Beschlag genommen.
Schon kurz darauf verbreiteten sich die ersten Gerüchte, wonach die Polizei bereits anrücke – Gerüchte, die sich allerdings als falsch herausstellten. Stattdessen erschienen Rektor Bernd Engler und Prorektorin Stefanie Gropper, die entweder vorab informiert worden waren oder aber ein ausgesprochen feines Gespür für die Situation haben.
Es entbrannte in der Folge eine Diskussion, die im Grunde genauso verlief, wie alle anderen Diskussionen zwischen Rektorat und Studenten zu vor: Man warf sich gegenseitig fehlende Kooperation vor und appellierte an die andere Seite, doch mehr zu kooperieren, wobei die eigene Kooperationsbereitschaft lobend erwähnt wurde.
Immerhin: Die aufgrund des nach wie vor ausgesprochenen Hausverbots immer noch drohende Räumung ist zunächst einmal vom Tisch. Rektor und Studenten einigten sich auf eine spezielle Form der Besetzung: Die Studenten versuchen, in Eigenregie Lehrveranstaltungen auszulagern; sollte das aber nicht möglich sein, weil etwa kein Hörsaal mit ausreichend Plätzen verfügbar ist, machen die Besetzer der Vorlesung Platz, um danach wieder als Besetzer einzuziehen.
Unter dieser Bedingung – es fallen keine Lehrveranstaltungen aus – und solange nicht gekocht wird, was dem Rektorat zufolge gegen die Brandschutzordnung verstößt, duldet die Universität die Besetzung.
Nun kann man diese Light-Version einer Besetzung lachhaft finden – und einige Studenten äußerten sich genau so -, doch folgen die Parteien damit dem Credo Englers, der zu Beginn fragte: Cui bono? Also: wem nützt das Besetzen?
Wie ein Student sinngemäß formulierte: Der Raum an sich wird für die inhaltliche Arbeit und den Diskurs mit der Uni-Leitung nur teilweise benötigt. Natürlich ist der größte Hörsaal ein gutes Forum, doch auch andere Hörsäle oder eben die Foyers der Gebäude könnten genutzt werden.
Dagegen wird die Botschaft „Besetzt!“ vor allem für die Presse, für die Öffentlichkeit benötigt, um strukturelle Probleme zu thematisieren und andere, außeruniversitäre Ansprechpartner zu erreichen. Dabei ist es dann auch egal, ob die Besetzer für einige Stunden den Hörsaal freigeben.
Problematisch war dann höchstens noch, dass während einiger Minuten Studenten am Betreten des Hörsaalgebäudes gehindert wurden. Die Uni-Mitarbeiter – zeitweise war von „Sicherheitsleuten“ die Rede – hätten nach Aussage Englers nicht auf seine Anweisung hin gehandelt. Dennoch entgegnete er auf die Forderung, er solle doch also den Einlass anordnen, damit würde er ja die Besetzung implizit legitimieren und das könne man wohl kaum von ihm verlangen.
Möglich also, dass die Verantwortlichen also tatsächlich auf eigene Faust gehandelt haben. Möglich aber auch, dass das nur als Legitimation des Handelns vorgeschoben wurde.
Thema: Hochschulpolitik | Kommentare (1) | Autor: Jonas Schaible