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	<title>beim wort genommen &#187; Journalismus</title>
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	<description>weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</description>
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		<title>Schreiben auf Transparenzpapier</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 12:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Quellen]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Michalis Pantelouris (print-würgt.de) wagt etwas Neues. Der freie Journalist und Blogger wird sich nach Athen begeben und dort versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einer jungen Frau, die vergangenes Jahr unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Er wird dabei jeden Schritt seiner Recherchen dokumentieren; jedes Gespräch, jeden Kontaktversuch per Telefon, jede Aktenstudie. Pantelouris hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michalis Pantelouris (<a href="http://print-wuergt.de/uber-mich/">print-würgt.de</a>) wagt etwas Neues. Der freie Journalist und Blogger wird sich nach Athen begeben und dort versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einer jungen Frau, die vergangenes Jahr unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Er wird dabei jeden Schritt seiner Recherchen dokumentieren; jedes Gespräch, jeden Kontaktversuch per Telefon, jede Aktenstudie. Pantelouris hat in seinem Blog <a href="http://print-wuergt.de/2010/07/18/die-live-reportage/">ausführlich geschildert</a>, wie es zu diesem Projekt kam, wie es genau aussieht und warum er glaubt, dass der (Online-)Journalismus mehr Transparenz braucht. </p>
<p>Stefan Niggemeier, bei dem ich davon erfahren habe, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/livestylejournalismus/">kommentiert das Projekt</a> und spricht wichtige Fragen an: Ist es vertretbar, vom Tod einer Frau so detailliert zu berichten? Die Eltern zu besuchen, zum Tatort zu reisen, mit Bekannten zu sprechen, die Akten zu studieren, die Umstände zu schildern – und das alles in einem „<a href="http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/justiz_und_verbrechen/314744.html">live-blog</a>“ auf neon.de? Wird hier nicht menschliches Leid zu einer Inszenierung, mit der vor allem Voyeurismus befriedigt wird?</p>
<p>Ich weiß es nicht. Wohl ist mir dabei auch nicht. </p>
<p>Aber das Unwohlsein liegt am Thema. Grundsätzlich finde ich das Projekt toll. Deshalb: Bitte alle die Texte von Pantelouris und Niggemeier lesen und ein eigenes Urteil bilden.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Im Übrigen erinnert mich das Projekt an einen Text, den ich vor fast drei Monaten geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe; der Text blieb im Ordner, weil ich das darin angesprochene „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ noch nicht fertig hatte. (Und auch noch nicht habe: Aber es ist schon begonnen und hiermit erhöhe ich offiziell den Druck auf mich selbst, es endlich einmal zu Ende zu schreiben). </p>
<p>Ich nutze hiermit die Gelegenheit, den Text endlich online zu stellen. Zeit wird es. Weil ich finde, dass Pantelouris Recht hat, wenn er mehr Transparenz fordert. Und weil es im Internet so einfach ist, diese Forderung zu erfüllen.</p>
<p><strong>Text vom 28.04.10:</strong><br />
&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p>„Internetpublizistik ist vom Prinzip her lustgetrieben: Wer Spaß hat, über ein Thema zu schreiben, tut das, wenn er keine Lust mehr hat, hört er auf. Und wenn gerade andere Dinge wichtiger sind, sind andere Dinge eben wichtiger.“ Habe ich eben gelesen – und mich ein bisschen schlecht gefühlt. Recht hat sie ja, die Eva-Marie Schnurr: Lustgetrieben das alles. Andererseits hat sie auch Recht, und andere Dinge sind gerade nun mal wichtiger.<br />
Wie dem auch sei: Ich dachte, der lesenswerte Text „<a href="http://www.freitag.de/politik/1016-wie-der-blauflossenthunfisch ">Wie der Blauflossenthunfisch</a>“, aus dem obiges Zitat entnommen ist, könnte Anlass sein, den Blog hier zu beleben – und eine Idee umzusetzen, die mir schon länger im Kopf herumschwirrt.</p>
<p>„In den USA gehen Journalismusprojekte inzwischen diesen Weg: Sie legen offen, was eine Recherche kostet. Warum nicht auch Transparenz darüber, wie lange der Journalist recherchiert hat, ob er vor Ort war oder nur telefonieren konnte? Wer die Reise bezahlt hat. Ob ein Profi am Werk war oder ein Hobbyautor.“</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Schon länger denke ich mir, dass es möglich sein müsste, die viel beschworene Transparenz im Netz Wirklichkeit werden zu lassen. Denn, mal ehrlich, bis heute ist es damit nicht so wirklich weit her. Ja, Quellen werden verlinkt, sicher. Manche Autoren versehen manche ihrer Beiträge mit einem „Disclosure“, wenn sie etwa über ehemalige oder aktuelle Arbeitgeber schreiben. Alles gut und wichtig. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich häufig auf mir bisher unbekannten Blogs lande, mich umschaue – und nichts finde, das mir helfen könnte, den Autor besser einzuschätzen. Der erste Klick geht immer ins Impressum, lieber zu einem „About“. Doch meistens hilft auch das nicht wirklich weiter. Dabei will ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Rechtsradikaler, Linksradikaler, Kirchengläubiger, Kirchenhasser, Kulturpessimist, Konstruktivist, Kriegsbefürworter oder Pazifist, hü oder hott? Denn wenn ich weiß, wo jemand politisch oder generell weltanschaulich zu verorten ist, kann ich seine Texte besser einordnen. </p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sich die Lage auf beim-wort-genommen nicht anders darstellt: Viel erfährt der Leser schließlich nicht über mich. Bisher steht da auf „Über diese Seite“: „Beim-wort-genommen steht keiner Partei, keinem Unternehmen, keiner Kirche, keinem Verein und keiner wie auch immer gearteten Vereinigung nahe. Der Autor fühlt sich allenfalls der Wahrheit, gutem Journalismus und den universellen Menschenrechten verpflichtet.“<br />
Klingt ja ganz nett <sup class='footnote'><a href='#fn-709-1' id='fnref-709-1'>1</a></sup>, aber: Kann dadurch jemand einschätzen, warum ich für X und gegen Y argumentiere, oder warum ich A ablehne und B nicht? Welchen Wahrheitsbegriff habe ich, was verstehe ich unter gutem Journalismus und wie eigentlich begründe ich meine Unterstützung für die Menschenrechte? Mit Gott? Rechtspositivistisch? Gar nicht – es ist halt so?<br />
Auch mein About versucht noch, eine Art Objektivität zu suggerieren. Aber bedeutet die Tatsache, dass ich keiner Partei nahe stehe, etwa auch, dass ich nicht Grundüberzeugungen habe, die mit den Ideen der einen besser zu vereinbaren sind als mit denen der anderen? Die Information, dass beim-wort-genommen kein Parteiblog ist, ist notwendig, aber keineswegs hinreichend.</p>
<p>Irgendwie ist das so kein zufriedenstellender Zustand. Ich möchte, dass ein neuer Leser auf meiner Seite einschätzen kann, wie ich zu meinen Aussagen komme. Ich möchte, dass er dann entscheiden kann, ob er meine Positionen teilt oder ob er meine Haltung ablehnt und mich deshalb nie wieder lesen wird. Ich möchte, dass er die Chance hat, meine Argumentation zu analysieren und gegebenenfalls logische Fehler zu entdecken (und mich dann in den Kommentaren darauf hinzuweisen).</p>
<p>In der Wissenschaft gehört es zum Fundament einer jeden Arbeit, dass Quellen und Prämissen offengelegt werden. Nur so wird Wissenschaft nachvollziehbar und damit sinnvoll kommunizierbar. Im Journalismus der Knappheit, in dem Zeitungsseiten genauso rar waren wie Sendeminuten, konnte man dieses Prinzip nicht sinnvoll umsetzen – obwohl es genauso hilfreich wäre wie in der Wissenschaft.<br />
Und vielleicht können noch nicht einmal Internet-Zeitungen so vorgehen, weil so viele Autoren involviert sind. Aber: Ich kann hier meine Prämissen und Quellen offenlegen. Jeder Blogger kann das tun – und, wenn man mich fragt: Jeder Blogger sollte es.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Deshalb habe ich jetzt eine Seite „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ <sup class='footnote'><a href='#fn-709-2' id='fnref-709-2'>2</a></sup> eingerichtet. Darin versuche ich zu erklären, von welchen +Annahmen ich ausgehe, welches Menschenbild ich habe, von welcher Realität ich ausgehe.<br />
Um auch hier transparent zu sein: Vieles davon ist Stückwerk. In vielen Punkten muss ich selbst noch innere Widersprüche auflösen, bevor ich eine klare Haltung formulieren kann. Oft werde ich in Artikeln meine Prämissen weiter spezifizieren müssen. Das Ganze ist ein Versuch, Transparenz herzustellen, nicht mehr. Es erhebt nicht den Anspruch, vollständig kohärent und umfassend zu sein. Und, ganz wichtig: Diese Seite kann immer und jederzeit bearbeitet werden – so wie sich auch Einstellungen mit der Zeit verändern können. </p>
<p>Außerdem werde ich versuchen, zu jedem Beitrag anzugeben, auf welche Quellen ich mich stütze. Ein bisschen wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Im Journalismus ist die Versuchung groß, so zu tun, als sei man völlig informiert. Man schreibt eine Geschichte, suggeriert dem Leser völlige Selbstsicherheit – und hofft danach fingernägelkauend, dass sich kein Fehler eingeschlichen hat und wenn doch, dass es keinem auffallen möge. <sup class='footnote'><a href='#fn-709-3' id='fnref-709-3'>3</a></sup> Und bitte bitte, es möge doch niemand bemerken, dass man hier und da noch tiefer hätte recherchieren können.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Man mag von Jeff Jarvis halten, was man will; im <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0424/magazin/0002/index.html">Interview mit der Berliner Zeitung</a> hat er neulich etwas sehr Kluges gesagt: „Die Schlüsselqualifikation für Journalisten wird in Zukunft eher sein, zu sagen, was wir nicht wissen, als was wir wissen. Wir müssen zugeben, dass wir nicht allwissend und allmächtig sind. Hier ist die ganze Geschichte, hieß es früher. Bullshit, es war nie die ganze Geschichte, konnte es gar nicht sein, schließlich entwickelt sich die Geschichte weiter, während die Zeitung gedruckt wird. Muss ich deswegen meinen Artikel hundertmal umschreiben? Nein. Im Blog kann man den Prozess verfolgen, in den Links stecken die Fußnoten und die Quellen.“</p>
<p>Bullshit, es ist nie die ganze Geschichte. Wie Recht er hat. Und zum Thema Fehler führt Jarvis aus: „Als ich ein Reporter war, habe ich mich immer geschämt, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich wollte mich verstecken und hoffte, dass niemand es entdeckt und wir keine Korrektur drucken müssen. In der Blogwelt habe ich gelernt, dass seine Fehler zu korrigieren, die eigene Glaubwürdigkeit vergrößert. Man beseitigt den Fehler nicht, man streicht ihn durch und zeigt, dass man es nun besser macht.“<br />
Vielleicht geht es nur mir so, aber ich kenne diese Angst vor dem Fehler; eine Angst, die auch entsteht, weil ein gedruckter Fehler nun mal ein gedruckter Fehler ist. Zunächst einmal nicht mehr veränderbar. Eine Angst, die verstärkt wird durch die Fassade der Fehlerfreiheit. Dabei ist Freiheit vor Fehlern eine Uropie. „Wir machen alle welche! […] Wir sind Menschen. Überraschung!“, sagt Jarvis. Eben. Deshalb: Unter jedem Text wird sich künftig eine Liste mit Quellen finden.</p>
<p>Wenn es keine gibt, weil ich aus dem Kopf geschrieben habe, wird da stehen, dass es keine gibt. Wenn es Internetseiten sind, werde ich darauf verlinken. Wenn es Mails gibt, werde ich sie, so es erlaubt ist, hochladen (und darauf hinweisen, wenn ich es nicht darf). Wenn es – was für den Blog selten vorkommt – Telefonate sind, werde ich es vermerken. <sup class='footnote'><a href='#fn-709-4' id='fnref-709-4'>4</a></sup></p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Oft genug frage ich mich selber, woher Autor X seine Informationen hat. Klingt überzeugend und informiert – aber verkauft er mir gerade Wikipedia-Halb-Wissen <sup class='footnote'><a href='#fn-709-5' id='fnref-709-5'>5</a></sup> oder hat er stundenlang in der Bibliothek wissenschaftliche Aufsätze gewälzt und mit Experten telefoniert?</p>
<p>Mit einer ordentlichen Auflistung aller Quellen wird eine möglicherweise dünne Recherche nicht weniger dünn und angreifbar als vorher – aber es behauptet dann auch keiner, mehr oder gar alles wissen. Das nimmt Druck vom Autor und ist vor allem fair dem Leser gegenüber. </p>
<p>Über Meinungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge <sup class='footnote'><a href='#fn-709-6' id='fnref-709-6'>6</a></sup> freue ich mich genauso wie über Blogger, die dem Beispiel möglicherweise folgen.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8211;
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-709-1'>Darf man so eigene (langweilige) Selbstbeschreibungen beschreiben? <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-2'>Mein Blog heißt beim-wort-genommen.de – ich darf sperrige Titel wählen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-3'>In Zeiten, da Medienblogs Hochkonjunktur haben und Kommentarfunktionen Webstandard sind, ist diese Hoffnung allerdings oft vergebens. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-4'>Bei Links, die ich ja normalerweise auch jetzt schon im Text setze, muss ich mir noch überlegen, ob ich eine andere Linkfarbe für Quellenlinks und solche, die für den Leser ergänzend eingebaut wurden, wähle (z.B. Wikipedia-Links, die ich für den konkreten Text nicht genutzt habe). Denn die Links nur am Ende aufzuführen, wäre wohl dem Textverständnis nicht dienlich. Bis auch Weiteres werde ich es wohl mit folgendem Muster versuchen: Gefettete Links sind Recherchequellen, nicht-gefettete sind ergänzend. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-5'>Nicht missverstehen: Ich liebe Wikipedia, ich nutze Wikipedia und ich halte Wikipedia für eine meistens sehr verlässliche Quelle, sofern man grundlegende Spielregeln beachtet (Diskussionsseite checken, Versionenseite checken, Quellenlage checken, eventuell Weblinks lesen). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-6'><del datetime="2010-07-18T20:48:04+00:00"> Bitte bitte: Wie kann ich ordentliche Fußnoten erstellen, so wie z.B. bei <a href="http://coffeeandtv.de">coffee-and-tv</a>? Hilfe?!</del> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-6'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 11:23:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Enke]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Bildblog: Stefan Frommann, Sportchef der Berliner Morgenpost, heute in seinem Kommentar auf Seite 2 (auch bei morgenpost.de und Welt Online): So wie die Liebe zwischen Teresa und Robert Enke kein Happy End bekam, verhält es sich jetzt leider auch für das Partyvolk und diese hoffnungsvolle Mannschaft. Lukas Heinser im Bildblog: &#8220;Manche Sachen muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem <a href="http://www.bildblog.de/20363/lustig-die-witwe/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+bildblog+%28BILDblog%29">Bildblog</a>:</p>
<p>Stefan Frommann, Sportchef der Berliner Morgenpost, heute in seinem Kommentar auf Seite 2 (auch bei morgenpost.de  und Welt Online):</p>
<blockquote><p>So wie die Liebe zwischen Teresa und Robert Enke kein Happy End bekam, verhält es sich jetzt leider auch für das Partyvolk und diese hoffnungsvolle Mannschaft.</p></blockquote>
<p>Lukas Heinser im Bildblog:<br />
&#8220;Manche Sachen muss man gar nicht groß anmoderieren.&#8221;</p>
<p>Oder abmoderieren.</p>
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		</item>
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		<title>Wutmäander zur Köhler-Kritik</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/wutmaander-zur-kohler-kritik/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 15:50:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Über Horst Köhler ist vor allem gestern doch noch viel geschrieben worden. Und so lese ich mich zunehmend frustrierter durch den Blätterwald, durch Blogs, Foren und Kommentare und muss gestehen: Ich verstehe nicht. Eine Wutrede. &#8230; Ich verstehe nicht, wieso Horst Köhlers Aussagen häufig direkt und nur auf Afghanistan bezogen werden. Ja, Köhler hat dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über Horst Köhler ist vor allem gestern doch noch viel geschrieben worden. Und so lese ich mich zunehmend frustrierter durch den Blätterwald, durch Blogs, Foren und Kommentare und muss gestehen: Ich verstehe nicht.<br />
Eine Wutrede.</p>
<p align=center>&#8230;</p>
<p>Ich verstehe nicht, wieso Horst Köhlers Aussagen häufig <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2691999_Koehler-muss-sich-erklaeren.html">direkt</a> und nur <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/es-gibt-kein-oel-am-hindukusch/">auf</a> Afghanistan <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1191929/">bezogen</a> werden. Ja, Köhler hat dieses Interview nach seinem Besuch in Masar-i-Sharif gegeben, aber er hat doch nicht ausdrücklich gesagt, dass es Ziel des Afghanistan-Einsatzes sei, Handel, Arbeit und Sozialprodukt zu sichern. Um den Afghanistan-Einsatz und dessen Legitimität ging es bei der Kritik am Militär-Interview nie – oder sollte es nie gehen.<br />
Die Kritik ist eine viel <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">grundsätzlichere</a>.</p>
<p>Köhler hat nämlich gesagt, dass er den Eindruck habe, nun sei auch die Bevölkerung auf dem Weg, zu verstehen, dass Militäreinsatz zur Sicherung von Arbeit und Einkommen notwendig sei – wohl gemerkt: Jetzt versteht langsam auch die Bevölkerung. Bis jetzt verstanden, das klingt hier an, nur die Entscheider. Köhler erkennt einen Prozess, den er als notwendig ansieht, weil die Situationen auch in Zukunft auftreten können.</p>
<p>Gerade weil er sich nicht nur auf Afghanistan bezieht, sondern eine generelle Aussage trifft, lässt sich auch eine generelle Kritik formulieren: Köhlers Verständnis von Militäreinsätzen ist nicht grundgesetzkonform.</p>
<p align=center>&#8230;</p>
<p>Ich verstehe die sich selbst für <a href="http://www.freitag.de/politik/1021-praesidialer-kriegserklaerer">weitsichtig</a> haltenden Zyniker nicht, die jetzt <a href="http://www.tagesschau.de/kommentar/kommentar454.html">erklären</a>, wer das wolle, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html">wisse</a> doch schon <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/steht-doch-schon-im-weisbuch-so-ein-unsinn/">längst</a>, dass Wirtschaftsinteressen hinter allen Militäreinsätzen stünden – wozu also die Aufregung? Nun rede <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2696046_Horst-Koehlers-Stunde-der-Wahrheit.html">mal</a> einer Klartext und dann kritisiere man noch. Und noch weniger verstehe ich diejenigen, die <a href="http://www.zeit.de/meinung/2010-05/koehler-bundeswehr-wirtschaftsinteressen">meinen</a>, so <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/horst-koehler-der-misstoener/1847948.html">wirklich</a> falsch seien die Aussagen ja an sich nicht oder Köhler habe sich nur im falschen Rahmen oder zum falschen <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1191551/">Zeitpunkt</a> geäußert.</p>
<p>Ja, vermutlich standen bisher hinter vielen Kriegen der Menschheitsgeschichte wirtschaftliche Interessen. Sicher gibt es Unternehmen und Einzelpersonen, die an jedem Militäreinsatz verdienen. Aber nein: Bisher wussten nicht alle, dass Deutschlands oberste Staatsmänner Militäreinsätze zur Aufrechterhaltung des Wohlstandes für legitim halten. </p>
<p>Bisher galt das Grundgesetz, das man individuell kritisieren kann, das natürlich von Menschen gemacht ist, das dessen ungeachtet trotzdem Fundament dieses Staates ist – bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine neue Verfassung in Kraft tritt. Und dieses Grundgesetz, dieses normative Wertefundament, erlaubt nun einmal keine Militäreinsätze zur Aufrechterhaltung des Wohlstandes.<br />
Solange das Grundgesetz in diesem Land akzeptiert wird und in Kraft ist, hat sich auch die Politik daran zu halten. Tut sie es nicht, muss sie kritisiert werden. Handelt ein Vertreter, der sich qua Amt sogar explizit zum Grundgesetz bekannt hat, den darin enthaltenen Grundsätzen zuwider, hat er seinen <a href="http://dejure.org/gesetze/GG/56.html">Amtseid</a> gebrochen: „Ich schwöre, dass ich [...] das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen [...] werde“.</p>
<p>Das ist keine Lappalie. Wer, getrieben von einem fatalistischen Schein-Realismus, jede normative Kritik daran abblitzen lässt mit dem Verweis auf die Empirie, der muss bedenken, welche Implikationen so eine Haltung mit sich bringt: Die logisch zwingende völlige Lossagung von all jenen normativen Werten, die eingeführt wurden, um rein zweckrationales politisches Handeln einzudämmen.</p>
<p>Selbst wenn Köhlers Aussagen inhaltlich von allen politischen Entscheidungsträgern unterstützt würden, nähme das der normativen Kritik überhaupt nicht die Grundlage.<br />
Wer kein Problem damit hat, zu fordern, dass vorgebliche Realpolitik zu jedem Mittel greifen kann, um bestimmte Zwecke zu erreichen, der kann Köhlers Aussagen gerne weiterhin als alltäglich abtun und die Kritik als unnötige Aufregung abkanzeln. Wer sich dazu bekennt, was legitim ist, möge aber in Zukunft nicht Eingriffe in die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit oder die Versammlungsfreiheit monieren, sich über den Überwachungsstaat mokieren oder auf seine im Grundgesetz verbrieften Persönlichkeitsrechte pochen. Entweder Realpolitik soll ihre Schranken im Grundgesetz finden oder sie soll es nicht. Wofür man sich entscheidet, ist jedem überlassen, aber die Entscheidung ist eine dichotome. Es gibt keine Mitte.<br />
Alle, die keinen schrankenlosen Staat wollen, sollten sich einmal über die Tragweite ihrer Relativierungen klar werden.</p>
<p align=center>&#8230;</p>
<p>Ich verstehe nicht, wieso Köhlers nachgeschobene Erklärung <a href="http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_5623935,00.html">weitgehend</a> als <a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article7843482/Pannen-Serie-beim-Praesidenten.html">nachvollziehbare</a> <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1315198/Koehler-relativiert-Kriegs-Aussage.html">Relativierung</a> seiner Aussagen <a href="http://www.fr-online.de/top_news/2690653_aerger-um-Koehler-aeusserungen-Das-boese-Wort-vom-Wirtschaftskrieg.html&#038;em_comment_page=2">hingenommen</a> <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/pr-hilfe-fuer-koehler/">wird</a>.<br />
Das konnte freilich nur passieren, weil sich Kritiker zu sehr auf den Fall Afghanistan eingeschossen hatten. Denn was sagte der Sprecher des Bundespräsidenten <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/auslandseinsatz-der-bundeswehr-koehler-will-es-anders-gemeint-haben_aid_512986.html">laut welt.de</a> eigentlich? Köhler sehe nur das UN-Mandat als Begründung für den Afghanistan-Einsatz, keine Wirtschaftsinteressen.<br />
Und Köhler habe lediglich als Beispiele für die Begründung militärischer Einsätze – abgesehen von UN-Mandaten – auch die Verhinderung regionaler Instabilität und den Schutz freier Handelswege genannt. Diese Äußerungen bezögen sich auf die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Einsätze der Bundeswehr wie die Operation Atalanta gegen Piraterie.</p>
<p>Eben. Genau das hat Horst Köhler gesagt und genau deswegen sollte er kritisiert werden. Nicht der Afghanistan-Einsatz steht zur Debatte – Köhlers Verständnis des Grundgesetzes steht zur Debatte.<br />
Der Pressesprecher wiederholte hier fast exakt Köhlers Aussagen, meint, damit sei irgendetwas erklärt, weil ja der Aspekt Afghanistan relativiert wurde – und scheint mit dieser Strategie Erfolg zu haben. </p>
<p>Warum die Erklärung nur fast exakt Köhlers Aussagen wiedergibt? Weil Köhler die Verhinderung regionaler Instabilitäten nicht als Selbstzweck genannt hat, wie es mehr oder weniger die UN tun: Er nannte die Verhinderung von Instabilitäten als Unterziel, um so zu verhindern, das Handel, Arbeit und Einkommen in Deutschland negativ beeinflusst werden.</p>
<p>Das Bundespräsidialamt setzt sich mit seiner Erklärung endgültig in die Nesseln und bestätigt genau den inkriminierten Punkt: Köhler hält die Sicherung des Handels für einen hinreichenden Grund für einen Militäreinsatz. Das ist, ich wiederhole mich, vom Grundgesetz nicht gedeckt.</p>
<p>Im Übrigen geht es bei der Atalanta-Mission zumindest den <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Europa/Downloads/sr1846-somalia.pdf">UN zufolge</a> primär um den <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/001/1700179.pdf">Schutz</a> von humanitären <a href="http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd443DnQHSYGZASH6kTCxoJRUfW99X4_83FT9AP2C3IhyR0dFRQCsXOUq/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfQ18yODI5?yw_contentURL=%2FC1256EF4002AED30%2FW27N9GEJ513INFODE%2Fcontent.jsp#par3">Hilfslieferungen</a> und die Stabilisierung einer Krisenregion – zum Schutze weltweiten Sicherheit, nicht zur Sicherung des Handels. Zudem agiert die Bundeswehr hier vornehmlich in internationalen Gewässern, also auf neutralem Boden, und nur reaktiv, das heißt nur dann, wenn ein Angriff durch Piraten erfolgt. Dass auch rein wirtschaftliche Interessen bei Atalanta eine Rolle spielen, kann vermutet werden, doch lassen sich fraglos Argumente für den Einsatz formulieren, die mit Grundgesetz und Völkerrecht vereinbar sind – egal, wie überzeugend sie letztlich sind.<br />
Nicht so bei Köhlers Aussagen.</p>
<p align=center>…</p>
<p>Ich verstehe nicht, wieso es die Handelswege sind, die in den Medien zitiert werden, und nicht Arbeit und Einkommen – das waren doch die Punkte, die Köhler als eigentliches Oberziel genannt hat. Regionale Instabilitäten gelte es zu beseitigen, hat Köhler gesagt, weil die negative Auswirkungen auf Handel, Arbeit und Einkommen haben können. Genau diesen letzten Teil hat die Tagesschau gestern <a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemandarchiv100.html">nicht zitiert</a>.<br />
Wie aber sollen Menschen die Tragweite begreifen, wenn sie den entscheidenden Part nicht zu hören bekommen?</p>
<p>Ich verstehe nicht, wieso sich die Medien, die nun langsam in die Berichterstattung eingestiegen sind, sich so sehr auf die Opposition beziehen. Die Opposition <a href="http://www.stern.de/politik/ausland/koehler-steht-weiter-in-der-kritik-entweder-unkenntnis-oder-ungeschicklichkeit-1569808.html">kritisiert</a>, heißt es da, einen <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/05/27/riesen-wirbel-um-horst-koehler/praesident-stellt-verteidigungspolitik-und-wirtschaftsinteressen-in-zusammenhang.html">Wirbel</a> gebe es um Horst Köhler. Und wenn nicht die Kritik dargestellt wird, werden die Kritiker selbst kritisiert. Thomas Opperman sagt dieses, dabei hat Thomas Opperman doch selbst jenes gemacht. Klar, für die Linkspartei ist die causa ein gefundenes Fressen, die Union sieht das ganz anders. Die Opposition übertreibt und stellt <a href="http://www.open-report.de/artikel/Westerwelle+verteidigt+K%F6hler/60650.html">falsche</a> Bezüge her. Und in diesem Ton fort geht die Litanei.</p>
<p>Warum <a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article7815556/Koehler-irritiert-mit-Afghanistan-Bemerkung.html">beschränkt</a> sich der hiesige Journalismus <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,697144,00.html">auf</a> das <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/horst-koehler-es-war-nicht-so-gemeint/1846680.html">bloße</a> <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/koehler-bundeswehr-wirtschaft-2">Abbilden</a> <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gfxizURxPWGIRdwak4lCE_Rvskqg">der</a> Kritik – oder die ungefährliche <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7850">Kritik</a> der Kritiker? Warum wird über Kritik berichtet, anstatt selbst zu kritisieren?</p>
<p>Warum lese ich nichts davon, dass Militäreinsätze zur Aufrechterhaltung des Wohlstandes nicht vom Grundgesetz gedeckt sind? Warum lese ich keine ausführlichen Analysen der rechtlichen Situation? </p>
<p>Warum ist die Würde des Amtes <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/koehler-zu-militaereinsaetzen-schwadroneur-im-schloss-bellevue-1.950985">offenbar</a> ein Kriterium, aber nicht die Verantwortung, die damit einhergeht? Wer die Würde des Amtes respektiert, kann das konsistent nur tun, wenn er auch den Staat, der durch den Bundespräsidenten repräsentiert wird, anerkennt – und mit ihm sein Wertefundament. Die Würde des Amtes genießt demnach nur solange Schutz, wie sich der Amtsinhaber innerhalb des Werterahmens bewegt, der als richtig anerkannt wurde – und genau das ist nicht der Fall. Wieso gewinne ich den Eindruck, dass nicht das Gedankenkonstrukt der Bundesrepublik den größten Schutz verdient, sondern seine Vertreter?</p>
<p>Warum kommen Verfassungs- und Staatsrechtler nur <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,8075225,00.html">sehr spärlich</a> zu Wort?<br />
Warum finde ich keine ausgiebige Analyse des Gesagten und der nachträglichen Rechtfertigung?</p>
<p>Ist das vielleicht ein zeitgenössisches Verständnis von journalistischer Objektivität und Neutralität? Von Distanzierung? Meta-Kritik als aufklärerischer Akt? Natürlich sind alle hier verlinkten Artikel an sich guter Journalismus &#8211; guter abbildender Journalismus, der alle Seiten zu Wort kommen lässt. Keine Frage.<br />
Aber mit der reinen Deskription erschöpfen sich doch die Aufgaben des Journalismus nicht. Wird nicht allenthalben davon gesprochen, der Qualitätsjournalismus müsse einordnen helfen? Wie sollen die Menschen denn einordnen können, wenn die Medien umfangreiche Information über Hintergründe und Implikationen nicht bieten? </p>
<p align=center>…</p>
<p>Ich verstehe nicht, wie sich, wie in den letzten zwei Tagen geschehen, eine Welle der Berichterstattung erheben kann, die gleichwohl jetzt schon wieder zu verebben oder in von der Politik angelegte Kanäle auszulaufen scheint. Die sich nicht in einem Mal und mit Furor bricht und mehr Kraft hat, als nur an die Deiche zu klopfen, sondern die in immer und immer kleinere Wellen zerfällt, die allenfalls noch die Kraft haben, selbst gebaute Sandburgen aus Oppositionskritik wegzuschwemmen.<br />
Als die großen Medien anfingen, zu berichten, hatte ich gehofft, dass die Kritik nachhaltig sein wird. Das ist jetzt genau zwei Tage her &#8211; und ich habe jetzt schon den Eindruck, dass nichts bleiben wird.</p>
<p align=center>…</p>
<p>Ich glaube zu verstehen, dass die Mechanismen der Medien und der Politik dafür sorgen werden, dass Köhlers Fauxpas in Kürze kein Thema mehr sein wird. Andere Themen werden die Schlagzeilen beherrschen. Manche werden von einer <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/kritik-an-horst-koehler-mit-dem-bumerang-auf-praesidentenjagd-1569853.html">Präsidentenjagd</a> schreiben. Köhler wird es aussitzen und schweigen und gelegentlich relativieren und irgendwann wieder eine größere Ansprache halten. Er wird Bundespräsident bleiben und die Kritik wird noch nicht einmal groß an seinem Image gekratzt haben. </p>
<p align=center>…</p>
<p> „Ich schwöre, dass ich […] das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen [...] werde“.<br />
Entschuldigung? Ich glaube, ich verstehe nicht.
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			</a>
		</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Horst Köhler und die Militäreinsätze: Reaktionen der Medien und Politik (Update)</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-die-militareinsatze-reaktionen-der-medien-und-politik/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 14:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Verteidigungspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier werde ich alle Reaktionen der Medien und Politik sammeln, die auf meine Anfragen eingehen &#8211; falls denn welche eingehen. &#8212; Vor einer halben Stunde hat Kirsten Haake von zeit-online auf Twitter geantwortet: @beimwort: Danke für den Hinweis auf das Köhler-Interview. http://bit.ly/cuFJXU Wir gehen dem nach. (kh) Update, 27.05.2010, 16.30 Uhr: Zeit-Online berichtet jetzt auch: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier werde ich alle Reaktionen der Medien und Politik sammeln, die auf meine Anfragen eingehen &#8211; falls denn welche eingehen.</p>
<p>&#8212;<br />
Vor einer halben Stunde hat Kirsten Haake von <strong>zeit-online</strong> auf Twitter <a href="http://twitter.com/zeitonline/status/14764610776">geantwortet</a>:</p>
<blockquote><p>@beimwort: Danke für den Hinweis auf das Köhler-Interview. http://bit.ly/cuFJXU  Wir gehen dem nach. (kh)</p></blockquote>
<p><strong>Update, 27.05.2010, 16.30 Uhr:</strong> Zeit-Online berichtet jetzt auch: &#8220;<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/koehler-bundeswehr-wirtschaft-2">Bundeswehr: Militäreinsatz für deutsche Wirtschaftsinteressen?</a>&#8221;</p>
<p>Offenbar hatte die Redaktion von Köhlers Äußerungen bis zu meiner Anfrage per Twitter wirklich keine Notiz genommen &#8211; jedenfalls bedankt sich Kirsten Haake in den Kommentaren noch einmal für den Hinweis. </p>
<p>&#8212;<br />
Der <strong>Freitag</strong>, den ich nicht kontaktiert hatte, in dessen Community Köhlers Äußerungen aber aufgegriffen worden waren, hat jetzt als meines Wissens erstes größeres Medium einen Artikel online: &#8220;<a href="http://www.freitag.de/politik/1021-deutsches-interesse">Deutsches Interesse</a>&#8220;.<br />
Leider zitiert Janusz Biene Köhlers Äußerungen nur teilweise; Deutschland müsse bereit sein, seine Interessen auch mit Militäreinsatz zu verfolgen &#8211; der wichtigste Teil fehlt. Denn auch die Selbsterhaltung ist ein Interesse Deutschlands, zu dessen Erreichung auch das Grundgesetz als unser Werterahmen einen Militäreinsatz für legitim erklärt. Richtig brisant wurde Köhlers Zitat ja erst dadurch, dass er die Interessen spezifizierte: Einkommen, Arbeitsplätze, freie Handelswege.</p>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 14.43 Uhr</strong>:</p>
<p>Auch die <strong>Frankfurter Rundschau</strong> hat sich auf meine Anfrage hin gemeldet und für meinen Hinwies bedankt: Die &#8220;banale Antwort&#8221; auf die Frage, warum die FR vorher nicht berichtet habe, laute, dass dort niemand das Interview wahrgenommen habe.<br />
Mittlerweile prangt als &#8220;Top-News&#8221; ein Artikel auf der Startseite von fr-online: &#8220;<a href="http://www.fr-online.de/top_news/2690653_aerger-um-Koehler-aeusserungen-Das-boese-Wort-vom-Wirtschaftskrieg.html">Ärger um Köhler-Äußerungen &#8211; Das böse Wort vom Wirtschaftskrieg</a>&#8221;<br />
Und auch in der morgigen Print-Ausgabe, so schreibt man mir, soll ein größerer Artikel dazu erscheinen.</p>
<p>&#8212;<br />
<strong>Spiegel-Online</strong> hat sich nicht bei mir gemeldet; immerhin findet sich jetzt auch dort ein Bericht: &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html">Bundeswehr in Afghanistan &#8211; Köhler entfacht neue Kriegsdebatte</a>&#8221;</p>
<p>&#8212;<br />
Wird langsam eine Presseschua hier: Der <strong>Deutschlandfunk</strong> hat ein Interview mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschnusses, Ruprecht Polenz (CDU) geführt: &#8220;<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1190941/">Er wollte keine neue Militärdoktrin für Deutschland verkünden</a>&#8221;</p>
<p>&#8212;<br />
Auch die <strong>Süddeutsche</strong> antwortet nicht auf Anfragen, zieht jetzt aber inhaltlich nach: &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehreinsaetze-koehler-wirtschaftsinteressen-militaerisch-durchsetzen-1.950594">Köhler: Krieg für freien Handel</a>&#8221;</p>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 15.57 Uhr:</strong></p>
<p>Nun hat auch die <strong>dpa</strong> auf meine Anfrage geantwortet. Sprecher Justus Demmer erklärt den Grund dafür, dass die dpa noch nicht berichtet hatte: Das Wortlaut-Interview habe nicht zur Verfügung gestanden.</p>
<p>Hier Demmers Mail:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Schaible,</p>
<p>meine Berliner Kollegen haben mich über Ihre Anfrage in Kenntnis gesetzt, herzlichen Dank für das Interesse an unserer Arbeit. Sie sehen ja, dass das Thema inzwischen sehr wohl medienwirksam geworden ist, inklusive aller dazugehörenden Mechanismen und Aufgeregtheiten des politischen Berlins. Wir wollen Ihnen trotzdem die Antwort auf Ihre ursprüngliche Frage nicht vorenthalten, denn den von Ihnen genannten Aspekt aus dem Interview des Deutschlandradios mit Bundespräsident Köhler hätte man tatsächlich aufgreifen können. Uns lag am Wochenende allerdings nur eine redaktionelle Fassung &#8211; und nicht der Wortlaut &#8211; des Interviews vor, wobei uns das in Ausschnitten wiedergegebene Zitat zu vage und unkonkret erschien. Wir haben das von Ihnen aufgeworfene Thema aber im Blick behalten und verfolgen es natürlich auch aktuell weiter. Hier wird ein Muster sichtbar wird, dass sich im Berliner Betrieb immer wieder wiederholt: Eine Äußerung verhallt zunächst ungehört, sie wird von interessierter politischer Seite wieder in den Ring geworfen, verhallt evtl. erneut, wird zum Thema &#8211; die Reihe lässt sich fast beliebig verlängern.</p>
<p>Beste Grüße, bis zum nächsten Mal,</p>
<p>Justus Demmer
</p></blockquote>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 16.10 Uhr</strong></p>
<p>Der <strong>ddp</strong> antwortet auf meine Anfrage. Tatsächlich hat der ddp schon am Samstag (22.05.10) um 08.03 Uhr über Köhlers Interview berichtet &#8211; direkt, nachdem das Deutschlandradio um 07.47 Uhr eine Pressemitteilung herausgegeben hatte.<br />
Den Schwerpunkt legte der ddp zwar auf den &#8220;Respekt&#8221;, den Köhler gefordert hatte, doch enthielt die Meldung eigentlich alle relevanten Aussagen:</p>
<blockquote><p>Es sei in Ordnung, wenn in Deutschland kritisch über den Einsatz der Bundeswehr diskutiert werde. Ein Land &#8220;unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit&#8221; müsse aber zur Wahrung seiner Interessen &#8220;im Zweifel&#8221; auch zu militärischen Mitteln greifen. Es gelte, &#8220;ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen&#8221; und sich somit negativ auf Handel, Arbeitsplätze und Einkommen auswirkten.</p></blockquote>
<p> &#8211; <em>Anmerkung: Ich versuche gerade herauszubekommen, welche Medien der ddp beliefert. Aus dem Kopf und dem Bauch heraus würde ich meinen, dass eigentlich alle großen überregionalen Medien den ddp-Basisdienst beziehen, aber versuche, das genauer heruaszufinden.<br />
Update, 27.05.2010, 18.33 Uhr: Die Liste der Kunden des ddp sind Interna und dürfen leider nicht herausgegeben werden. Mal sehen, ob ich anders an die Liste komme &#8211;> Twitter.<br />
Die SZ ist ddp-Kunde, der Spiegel nicht, der Stern führt im Impressum die abonnierten Agenturen nicht auf, de</em>-
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			</a>
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		</item>
		<item>
		<title>Horst Köhler und Militäreinsätze: Anfragen an Bundestagsfraktionen</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-militareinsatze-anfragen-an-bundestagsfraktionen/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 12:39:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verteidigungspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Fürs Protokoll: Soeben habe ich Presseanfragen an alle fünf Bundestagsfraktionen geschickt und um eine Stellungnahme zu den Äußerungen Horst Köhlers gebeten. Sollte ich Antworten erhalten, werde ich sie in einem neuen Beitrag veröffentlichen. Als Dokumentation, hier meine Anfrage: Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur einer Äußerung des Bundespräsidenten Horst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fürs Protokoll: Soeben habe ich Presseanfragen an alle fünf Bundestagsfraktionen geschickt und um eine Stellungnahme zu den <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">Äußerungen Horst Köhlers</a> gebeten. Sollte ich Antworten erhalten, werde ich sie in einem neuen Beitrag veröffentlichen.<br />
Als Dokumentation, hier meine Anfrage:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur einer Äußerung des Bundespräsidenten Horst Köhler bitten. Herr Köhler hat am Samstag, dem 22.05.10, in einem Interview mit dem Deutschlandradio zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr Folgendes gesagt:</p>
<p>„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen – negativ, durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“</p>
<p>(Quelle (Audio): http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/05/22/drk_20100522_0609_46a27ea3.mp3 )</p>
<p>Die Äußerung wurde in den Massenmedien bisher nicht diskutiert, obschon sie durchaus kontrovers sind. Mich würde interessieren, was die [name der Fraktion]-Fraktion zu diesen Äußerungen sagt.</p>
<p>Ich würde Ihre Antwort, so Sie damit einverstanden sind, möglicherweise in meinem Blog veröffentlichen.</p>
<p>Vielen Dank im Voraus.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Jonas Schaible<br />
beim-wort-genommen.de</p></blockquote>
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			</a>
		</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Lose Gedanken zur &#8220;Future Face of Media&#8221;-Konferenz</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/19/lose-gedanken-zur-future-face-of-media-konferenz/</link>
		<comments>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/19/lose-gedanken-zur-future-face-of-media-konferenz/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 19 May 2010 18:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Paid Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Große Namen waren da, gestern, bei der „Future Face of Media“-Konferenz in Frankfurt. Und ich war da, ein kleiner Name, zusammen mit einigen Onlinejournalismus-Studenten aus Darmstadt, die ich dort zufällig getroffen habe (und auf deren Projekt-Blog bei der taz ich hier einfach mal verweise). Wir kleiner Haufen unbedeutender Medienmacher, die wir allesamt über carta an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Große Namen waren da, gestern, bei der „<a href="http://www.malekigroup.com/web/media/event/de/The-Future-Face-of-Media_Programme_2010_11764.pdf">Future Face of Media</a>“-Konferenz in Frankfurt. Und ich war da, ein kleiner Name, zusammen mit einigen Onlinejournalismus-Studenten aus Darmstadt, die ich dort zufällig getroffen habe (und auf deren Projekt-Blog bei der taz ich hier einfach mal <a href="http://blogs.taz.de/neuewelt/">verweise</a>). Wir kleiner Haufen unbedeutender Medienmacher, die wir allesamt über carta an Tickets gekommen waren (danke dafür), sahen also den Großen zu, wie sie debattierten über die Zukunft der Medien.</p>
<p>Und was soll ich sagen? Alles rosig, alles top, vor allem dem zweiten Panel zu Folge. Christoph Keese war sich sicher, in fünf Jahren seien die Fragen nach der Zukunft der großen Verlage hinfällig, weil die sich ohnehin durchsetzen werden. Man habe ja auch den Bürgerjournalismus besiegt – besiegt! &#8211; und man verstehe auch das Internet besser als andere, weil die Verlage selbst die eigentlichen Pioniere des Netzes sind. Die anderen Vertreter bliesen, mehr oder weniger, ins gleiche Horn.<br />
Ein Geburtsfehler des Internets sei es gewesen, dass Medieninhalte von Anfang an kostenlos verfügbar waren, meinte Laurent Joffrin von Liberation. Einig war man sich, dass Paid Content unumgänglich sei. Nicht mehr Content, sondern Encouragement sei jetzt King, erklärte Rona Fairhead von der Financial Times. Arthur J. Sulzberger von der NY Times erklärte das geplante metred System, musste aber einräumen, noch nicht so genau zu wissen, was genau vor oder hinter der Paywall zu finden sein wird. Und so weiter und so weiter.</p>
<p>Das erste Panel zum Thema Agenda-Setting ging etwas an mir vorbei, weil ich zu spät kam und dann so recht den Einstieg nicht mehr schaffte. Hängen blieben vor allem zwei Aussagen: Chris Ahearn von Reuters Thomson stellte richtig fest, es gebe nicht die eine richtige Agenda, die man setzen müsse, sondern viele Agenden; und Katharina Borchert von SPON forderte mehr Revolution, bitte! von Journalistenschülern, die sich in ihren Augen keine Gedanken mehr zum Thema Qualität im Journalismus machen (was man vermutlich bezweifeln kann).<br />
Sie und taz-Chefin Ines Pohl im letzten Panel schienen die einzigen zu sein, denen es ein Anliegen war, primär über Qualität zu reden und darüber, was Qualität letztlich ausmacht (wenn Ines Pohl nicht gerade ihr Smartphone in der Hand hielt). Die Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen gaben (gerne) zu, privilegiert zu sein. Die Vertreter des privaten Rundfunks und der Verlage warfen den ÖR vor, mit dem Engagement im Netz ein tragfähiges Geschäftsmodell unmöglich zu machen. Springer möchte mit dem Leistungsschutzrecht ein Business-to-Business-Erlösmodell eingeführt wissen – ich hatte keine Lust, Christoph Keese zu fragen, wie das denn mit freien Journalisten sei, die ja auch irgendwo „Business“ sind; die Fragen stellte vor allem Thomas Knüwer. Kai Diekmann schaute still zu. Robin Meyer-Lucht schien beim Moderieren irrsinnigen Spaß zu haben. Man weiß mittlerweile, dass es, natürlich, gute und kluge Blogs gibt, weiß aber genauso, dass das, natürlich, sehr sehr wenige Ausnahmen sind.</p>
<p>Und irgendwie ist dieser Text hier genauso, wie die Konferenz war: Ich hatte nichts Bahnbrechendes oder wirklich Neues zu sagen, was man nicht auch <a href="http://carta.info/27679/future-face-of-media-rettet-lieber-das-altbekannte-eine-nachbetrachtung/">anderswo</a> schon <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/05/das-future-face-of-media-es-qualt-die-stille-es-klaffen-die-widerspruche/">gelesen</a> haben könnte, aber am Ende waren dann doch sieben Stunden vorbei (oder ~ 3000 Zeichen getippt). Irgendwie. Zusammenfassen könnte ich meinen Eindruck von der Konferenz wohl in etwa mit: Joahöhm. Ok. </p>
<p>Doch so wirklich verwunderlich ist das auch nicht: Woher soll denn irgendjemand plötzlich wissen, wie sich professioneller Journalismus in Zukunft finanzieren kann? Wieso sollten sich Private und ÖR plötzlich einig sein? Wie sollten sich die Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern des Leistungsschutzrechtes auch aufgelöst haben?<br />
Auch die einflussreichsten Medienmacher haben auf die drängende Frage nach dem künftigen Gesicht der Medien keine Antwort. Egal, wie viele die Maleki Group auch auf einem Fleck versammelt.<br />
Das ist zwar nicht die beruhigendste Erkenntnis, die man als junger/angehender Journalist mitnehmen kann, aber immerhin doch eine Erkenntnis.</p>
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		<title>Von politischem Journalismus und Politikjournalismus</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 09:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Deutschlandfunk hat es getan. Wikipedia tut es. Heribert Prantl hat es getan. Und das ist nur eine willkürliche Auswahl. Sie alle sprechen vom politischen Journalismus oder dem politischen Journalisten. Sie alle meinen: Politikjournalismus oder den Politikjournalisten.[1] Diese Unterscheidung mag wie eine unwichtige semantische Kleinigkeit anmuten, sie verändert aber die Aussage zentral. Es ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/470556/">Deutschlandfunk</a> hat es getan. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Wefing_%28Journalist%29">Wikipedia</a> tut es. <a href="http://www.goethe.de/wis/med/dos/jou/pfr/de2298880.htm">Heribert Prantl</a> hat es getan. Und das ist nur eine willkürliche Auswahl.</p>
<p>Sie alle sprechen vom politischen Journalismus oder dem politischen Journalisten. Sie alle meinen: Politikjournalismus oder den Politikjournalisten.[1]</p>
<p>Diese Unterscheidung mag wie eine unwichtige semantische Kleinigkeit anmuten, sie verändert aber die Aussage zentral. Es ist ein Unterschied, ob sich jemand als Politikjournalist versteht oder als politischer Journalist: Der eine berichtet über Politik, der andere macht Politik, oder möchte sie machen.</p>
<p>Das Wirtschaftsressort ist nicht automatisch ein wirtschaftliches Ressort (auch wenn viele Verleger Freudensprünge machten, wäre dem so) und das Kulturressort ist nicht zwingend ein kulturelles Ressort. Ein Sportjournalist kann durchaus ein überaus unsportlicher Journalist sein, ein Religionsjournalist kann über Religion schreiben, aber nicht religiös sein.</p>
<p><strong>Politischer Journalismus braucht keinen Politikjournalismus – und umgekehrt</strong></p>
<p>Politischer Journalismus kann auch im Feuilleton oder im Wirtschaftsteil stattfinden. Wenn ein Kulturredakteur einen Roman eines bekannten chinesischen Regimekritikers rezensiert (und sich darauf beschränkt), ist das mitunter ein hochgradig politischer Akt – und wird dadurch trotzdem kein Politikjournalismus.<br />
Und umgekehrt betreibt auch der sich als völlig unpolitisch verstehende Sportjournalist, der als Aushilfe in der Lokalzeitung den Ablauf der Gemeinderatssitzung protokollieren muss, in diesem Moment Politikjournalismus. </p>
<p>Will heißen: Das Politikressort bleibt zunächst einmal das Politikressort und nicht das politische Ressort. Dass Politikjournalisten im Politikressort nicht nur Politikjournalismus, sondern auch politischen Journalismus machen können, steht außer Frage, betrifft aber eine andere Ebene. Das Politisch-Sein ist keine notwendige Bedingung für das Arbeiten als Politikjournalist – und umgekehrt. Denn: &#8220;Politikjournalist&#8221; ist eine Berufsbezeichnung. &#8220;Politischer Journalist&#8221; ist ein individuelles Selbstverständnis.</p>
<p><strong>Das Publikum hat ein Recht auf begriffliche Präzision</strong></p>
<p>Wenn nun ein Journalist dieses Selbstverständnis über die Berufsbezeichnung stellt und sich als politischer Journalist bezeichnet, betont er damit das Einmischen, das Gestalten. Damit verlässt er aktiv die Rolle des Vermittlers zwischen Politik und Publikum. Das ist vermutlich ein legitimes Berufsverständnis, aber eben ein völlig anderes als das des klassischen objektiven Berichterstatters, der sich mit keiner Sache gemein macht. Und das Publikum sollte erfahren, woran es ist. </p>
<p>Umso wichtiger ist es, die Begriffe des politischen Journalismus und des Politikjournalismus reflektiert und bewusst zu gebrauchen – und nicht synonym. </p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
[1] Das ist in den einzelnen Fällen natürlich Interpretation. Es ist natürlich möglich, dass jeder Benutzung des Begriffs &#8220;politischer Journalismus&#8221; die im Artikel dargestellte Unterscheidung zugrunde liegt. Den Eindruck habe ich unter Berücksichtigung des Kontexts, in dem der Begriff jeweils fällt, allerdings nicht. Ich kann diesen Eindruck aber nicht im Einzelfall beweisen, das gebe ich gerne zu &#8211; das ändert aber auch nichts an der generellen Aussage des Textes.
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			</a>
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		<title>&#8220;Trifft sie das?&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 21:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nebenbei bemerkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem &#8220;Klartext-Interview&#8221; der Bild am Sonntag mit Angela Merkel: BamS: Der SPD-Vorsitzende hat Ihnen vorgeworfen, Sie hätten die Deutschen belogen und hinters Licht geführt, weil Sie zunächst den Eindruck erweckt hätten, deutsches Steuergeld werde für Griechenland nicht benötigt. Trifft Sie der Vorwurf? Nicht: Ist der Vorwurf berechtigt? Oder: Was antworten sie auf diesen Vorwurf? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem &#8220;<a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/05/02/angela-merkel-interview/wie-lange-muessen-wir-fuer-die-griechen-zahlen-teil-1.html">Klartext-Interview</a>&#8221; der Bild am Sonntag mit Angela Merkel:</p>
<blockquote><p>BamS: Der SPD-Vorsitzende hat Ihnen vorgeworfen, Sie hätten die Deutschen belogen und hinters Licht geführt, weil Sie zunächst den Eindruck erweckt hätten, deutsches Steuergeld werde für Griechenland nicht benötigt. Trifft Sie der Vorwurf?</p></blockquote>
<p>Nicht: Ist der Vorwurf berechtigt? Oder: Was antworten sie auf diesen Vorwurf? Sondern: Trifft sie der Vorwurf? (Suggeriert wird: Es gibt ein Verhalten, das treffen kann, also einen ungerechtfertigten persönlichen Angriff.)<br />
Das sind die Feinheiten der Interviewführung, die man beherrschen muss, wenn man gleichzeitig Klartext reden und der Kanzlerin eine Bühne geben will.<br />
Alles klar.</p>
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		<title>Linkempfehlung: Bild und die Griechenland-Hetze</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/04/28/linkempfehlung-bild-und-die-griechenland-hetze/</link>
		<comments>http://beim-wort-genommen.de/2010/04/28/linkempfehlung-bild-und-die-griechenland-hetze/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 11:29:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linkempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Stefan Sichermann erklärt im Bildblog mit bitterem Sarkasmus, wie Bild man in 13 Schritten eine erfolgreiche Hetzkampagne gegen ein ganzes Land und die dort lebenden Menschen aufbauen kann. Lesen und sich bewusst werden, wie niederträchtig diese Kampagne wirklich ist. Leitfaden: Wie hetze ich gegen ein Land auf?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan Sichermann erklärt im Bildblog mit bitterem Sarkasmus, wie <del datetime="2010-04-28T11:24:57+00:00">Bild</del> man in 13 Schritten eine erfolgreiche Hetzkampagne gegen ein ganzes Land und die dort lebenden Menschen aufbauen kann.<br />
Lesen und sich bewusst werden, wie niederträchtig diese Kampagne wirklich ist.</p>
<p><a href="http://www.bildblog.de/18326/leitfaden-wie-hetze-ich-gegen-ein-land-auf/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+bildblog+%28BILDblog%29"><strong>Leitfaden: Wie hetze ich gegen ein Land auf?</strong><br />
</a>
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			</a>
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		<title>Geld für guten Journalismus: Jens Weinreich</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/02/22/geld-fur-guten-journalismus-jens-weinreich/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 15:33:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nebenbei bemerkt]]></category>
		<category><![CDATA[Jens Weinreich]]></category>
		<category><![CDATA[Paid Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine weitere kurze Notiz: Der von mir hoch geschätzte Sportjournalist Jens Weinreich hat heute einen Artikel veröffentlicht, der den Titel &#8220;Online-Gebühren: Über den Wert von Qualitätsjournalismus&#8221; trägt. Ich empfehle sehr, den Text zu lesen. Weinreich beschreibt darin nicht nur sein beispielhaftes Verständnis von gutem Journalismus, sondern auch seine aktuellen Ideen und Versuche, künftig mit ebenjenem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine weitere kurze Notiz: Der von mir hoch geschätzte Sportjournalist Jens Weinreich hat heute einen Artikel veröffentlicht, der den Titel &#8220;<a href="http://jensweinreich.de/2010/02/22/online-gebuhren-uber-den-wert-von-qualitatsjournalismus/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+jensweinreich%2FGEtX+%28jens+weinreich%29">Online-Gebühren: Über den Wert von Qualitätsjournalismus</a>&#8221; trägt. Ich empfehle sehr, den Text zu lesen.</p>
<p>Weinreich beschreibt darin nicht nur sein beispielhaftes Verständnis von gutem Journalismus, sondern auch seine aktuellen Ideen und Versuche, künftig mit ebenjenem Journalismus (etwas mehr) Geld zu verdienen.<br />
Dazu gehört die Möglichkeit, via Paypal oder, nachdem sich Kommentatoren über die Beschränkung auf dieses Bezahlsystem mokiert hatten, Überweisung einen kleinen Obulus zu entrichten.<br />
Dazu gehören auch folgende Ideen:</p>
<blockquote><p>Ich bemühe mich um Werbung und Mäzene. Bin aber völlig unfähig, mich zu vermarkten. Wenigstens sind endlich die ersten Gespräche geführt. Das Grundproblem besteht natürlich darin: Journalismus, wie ich ihn betreibe, der also dorthin geht, wo es weh tut, der nicht kuschelt, ist nicht gerade das, was Werbepartner suchen, zumal, wenn sie aus der Branche kommen, über die berichtet wird. Das ist ein altes Problem, kein neues.</p>
<p>Im März/April soll www.sportandpolitics.de starten. Dort will ich die sportpolitische Berichterstattung zu neuen Höhen führen. Hier wird es dann ein bisschen privater. Ich habe lange über Sinn und Unsinn eines zweiten Blogs nachgedacht und bin hin- und hergerissen. Ich glaube, dass die Chancen damit steigen, ein – ich traue es mich kaum zu sagen – Geschäftsmodell zu entwickeln. Das Thema würde ich gern diskutieren.</p>
<p>Zur Fußball-WM soll es ein E-Book geben, ich will es endlich mal ausprobieren und hätte es längst tun müssen.</p>
<p>Und vielleicht überwinde ich auch meine Feigheit, mich mit einem Projekt ähnlich wie spot.us, das ich schon lange verfolge, zu blamieren.</p></blockquote>
<p>Ich bin richtig gespannt. Und ich finde es begrüßenswert. Denn Weinreichs Blog ist so etwas wie das Musterbeispiel für leidenschaftlichen, guten und gut gemachten Nischenjournalismus, wie ihn Journalismus-Berater, Blogger, Glaskugelseher und Jeff Jarvis als Journalismus der Zukunft propagieren. Der Versuch Weinreichs wird zumindest zeigen, ob dieses Modell überhaupt funktionieren kann. Ich wünsche es ihm.</p>
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