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	<title>beim wort genommen &#187; Journalismus</title>
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	<description>weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</description>
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		<title>Es war einmal Norwegen?</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 15:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schnell verlinkt]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
		<category><![CDATA[Oslo]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Christoph Bertram schreibt heute auf Zeit-Online unter der Überschrift &#8220;Es war einmal Norwegen&#8221;: &#8220;Noch kann niemand hier wirklich glauben, was er sieht und hört. Und wenn das kleine Land mit seinen fünf Millionen Menschen irgendwann aus dem Schock erwacht, wird das Trauma dieser Tage auf alle Zeit auf ihm lasten. Anzeige Es wird ein anderes, [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/23/es-war-einmal-norwegen/">Es war einmal Norwegen?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Bertram <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-07/norwegen-attentat/komplettansicht">schreibt heute</a> auf Zeit-Online unter der Überschrift &#8220;Es war einmal Norwegen&#8221;:</p>
<blockquote><p>&#8220;Noch kann niemand hier wirklich glauben, was er sieht und hört. Und wenn das kleine Land mit seinen fünf Millionen Menschen irgendwann aus dem Schock erwacht, wird das Trauma dieser Tage auf alle Zeit auf ihm lasten.<br />
Anzeige<br />
Es wird ein anderes, sich seiner Fragilität bewußteres Norwegen sein.</p>
<p>[...]</p>
<p>Und dennoch: Das Land ist nach der Katastrophe vom 22.Juli 2011 nicht mehr wie es vorher war. Der Schatten einer verwundbaren Welt wird es nicht mehr verlassen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wie auf Zuruf: ein Beispiel<sup class='footnote'><a href='#fn-1220-1' id='fnref-1220-1' onclick='return fdfootnote_show(1220)'>1</a></sup> für genau diese Art von unreflektierter (und floskelhafter) Idenitätskonstruktion, die ich<a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/22/wird-jetzt-in-norwegen-alles-anders/"> gestern kritisiert</a> habe.</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-1220'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-1220-1'>Vermutlich nicht das einzige <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1220-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/23/es-war-einmal-norwegen/">Es war einmal Norwegen?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Wird jetzt in Norwegen alles anders?&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 20:31:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
		<category><![CDATA[Oslo]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kurzer Zwischenruf zu den Ereignissen in Oslo. Habe eben sowohl bei N24 als auch einige Zeit vorher bei Al-Jazeera English gehört, wie Augenzeugen vor Ort zugeschaltet wurden. Das ist natürlich völlig legitim. Auf beiden Sendern – und ich würde tippen, dass es auf anderen Sendern weltweit ähnlich gehandhabt wurde – wurde den Augenzeugen irgendwann sinngemäß [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/22/wird-jetzt-in-norwegen-alles-anders/">&#8220;Wird jetzt in Norwegen alles anders?&#8221;</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurzer Zwischenruf zu den Ereignissen in Oslo.</p>
<p>Habe eben sowohl bei N24 als auch einige Zeit vorher bei Al-Jazeera English gehört, wie Augenzeugen vor Ort zugeschaltet wurden. Das ist natürlich völlig legitim. Auf beiden Sendern – und ich würde tippen, dass es auf anderen Sendern weltweit ähnlich gehandhabt wurde – wurde den Augenzeugen irgendwann sinngemäß die Frage gestellt: Und, wie geht es jetzt weiter mit Norwegen, wie geht es weiter mit Oslo?</p>
<p>Einmal davon abgesehen, dass die Frage ohnehin wenig fruchtbar ist, denn woher soll das irgendjemand wissen? Also davon einmal abgesehen, stört mich noch etwas: Die Antworten gingen in beiden Fällen in die Richtung, es sei schrecklich, ein fürchterlicher Tag für Norwegen, klar müsse man versuchen, normal weiterzuleben, aber das werde Norwegen schon verändern.<br />
Und auch verschiedene Analysten sprachen davon, Norwegen habe seine Unschuld verloren (was für eine schräge Metapher) und nun werde alles anders.</p>
<p><span id="more-1217"></span></p>
<p>Nun ist diese Antwort der Augenzeugen nicht erstaunlich. Wir alle haben gelernt, dass unabhängig von echtem Mitgefühl Betroffenheit eine angemessene Reaktion ist und eben auch, dass nach solchen Anschlägen – New York, London, Madrid – nichts mehr ist, wie es war. Oft genug haben wir es gehört und gelesen. Was also soll ein medienunerfahrener Augenzeuge anderes sagen auf diese Frage, auf die es ohnehin keine sinnvolle Antwort geben kann?</p>
<p>Und natürlich ist etwas anders geworden. Für die Menschen, die Angehörige und Freunde verloren haben und deren Schmerz ich mir weder vorstellen kann noch wirklich vorstellen will, wird wahrscheinlich alles anders. Für das Leben in Norwegen wird natürlich auch etwas anders – aber auch nicht nur in dem trivialen Sinne, dass sich irgendetwas verändert hat?<br />
Möglich, dass es so ist, aber muss es so sein? Sollte es nicht vielleicht gerade das Ziel sein, zu verhindern, dass alles anders wird – weil das genau das Ziel der Terroristen ist, egal ob es nun Dschihadisten waren, Rechtsextremisten oder eine ganz andere Gruppierung (oder, was unwahrscheinlich ist, gar keine Gruppierung) und weil ja in diesem Fall die Norweger ganz gut mit dem Status Quo Ante zu leben schienen.</p>
<p>Wenn man annimmt, dass es auf die Frage, ob durch ein Ereignis das Land ein anderes wird, ob also dieses eine Ereignis die Identität einer Nation prägt, keineswegs nur die Antwort „Ja“ gibt; wenn man stattdessen annimmt, dass die Frage durch Reden und Handeln und die damit verbundene Identitätskonstruktion beantwortet wird – dann haben alle die Verantwortung, zu reflektieren, wie sie zu dieser Identitätskonstruktion beitragen.</p>
<p>Vor allem gilt das für die Massenmedien (aber auch für die twitternden Massen), die jetzt live und später rückblickend berichten. So naheliegend es scheinen mag, einen Epochenwechsel zu proklamieren, so sehr unnötig scheint es mir.</p>
<p>Der Gedanke ist ja nicht neu, aber wichtig: Wollen wir – als Norweger, Europäer, Westler, was auch immer – wirklich unsere Identität von Terroristen prägen lassen? Wollen wir das? Und wenn wir es nicht wollen: Tun wir es nicht in dem Moment, in dem wir unüberlegt die völlige Veränderung postulieren?</p>
<p>Mutmaßlich von der Situation überforderte und  von der Wucht des Augenblicks mitgerissene Augenzeugen nach den Folgen der Anschläge für das ganze Land zu fragen, halte ich angesichts dessen für ganz schön unüberlegt und kontraproduktiv.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/22/wird-jetzt-in-norwegen-alles-anders/">&#8220;Wird jetzt in Norwegen alles anders?&#8221;</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein lauter Schrei nach? – Einfach nur ein lauter Schrei</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2011/07/19/ein-lauter-schrei-nach-%e2%80%93-einfach-nur-ein-lauter-schrei/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 21:24:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifstreit]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Michael Stepper hat bei Philibuster den offenen Brief von Daniel Stahl an die Verleger kommentiert – in Form eines offenen Briefs an die lieben jungen Journalisten. Ich bin vermutlich einer der Angesprochenen, denn ich habe den offenen Brief neulich unterzeichnet. Obwohl ich manches anders formuliert hätte, übrigens. Mittlerweile habe ich Steppers Brief dreimal gelesen und [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/19/ein-lauter-schrei-nach-%e2%80%93-einfach-nur-ein-lauter-schrei/">Ein lauter Schrei nach? – Einfach nur ein lauter Schrei</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michael Stepper hat bei Philibuster den <a href="http://www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-von-nachwuchsjournalisten-an-die-deutschen-zeitungsverleger">offenen Brief von Daniel Stahl</a> an die Verleger <a href="http://www.philibuster.de/themen/stroemungen/junge-journalisten-ein-stummer-schrei-nach-liebe.html">kommentiert</a> – in Form eines offenen Briefs an die lieben jungen Journalisten. Ich bin vermutlich einer der Angesprochenen, denn ich habe den offenen Brief neulich <a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/05/in-eigener-zukunftiger-sache-offener-brief-an-verleger/">unterzeichnet</a>. Obwohl ich manches anders formuliert hätte, übrigens.<br />
Mittlerweile habe ich Steppers Brief dreimal gelesen und bin unverändert überzeugt, dass er sich in zwei Fehlschlüssen verheddert und damit am Ende nichts sagt, zumindest nichts mit Substanz. Eigentlich hatte ich keine Lust auf so ein Replikduell, weil es erfahrungsgemäß ziemlich anstrengend werden kann. Aber der Text wird so fleißig verbreitet<sup class='footnote'><a href='#fn-1199-1' id='fnref-1199-1' onclick='return fdfootnote_show(1199)'>1</a></sup>, dass ich nicht anders konnte. Wenn offenbar alle gut finden, was dort steht, muss ja irgendwer den Kritiker mimen.</p>
<p><span id="more-1199"></span></p>
<p align="center">&#8230;</p>
<blockquote><p>„Seid mir nicht böse, Ihr jungen Journalisten, aber vielleicht habe ich da auch einfach etwas falsch verstanden: Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt?“</p></blockquote>
<p>Protest gegen Lohnkürzungen um ein gutes Viertel kommen einer Forderung nach Hinternpudern gleich? Wirklich?<br />
Aber egal, das ist nur ein Randaspekt.</p>
<blockquote><p>„Nur um das mal klarzustellen: In der Welt der Verleger existiert dieses Märchen vom Qualitätsjournalismus höchstens als Witz, den man sich erzählt, wenn man gerade keine Lust hat, über ein Leistungsschutzrecht für Verlage, dieses gemeine Google oder eine feindliche Übernahme der Medienwelt durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schimpfen. </p>
<p>Eure Worte sollten wohl klingen wie ein feuriger Apell an eine Bastion alter Sturköpfe, die junge Journalisten als Kanonenfutter an der Contentfront verheizt. Die ihnen durch mehrmonatige Praktika die Lust auf das Abenteuer Journalismus austreibt und den gutausgebildeten, studierten Qualitätsgaranten mit Auslandserfahrung am Ende auch noch das Einstiegsgehalt kürzt. Ja, das sehe ich ein. Das sind alles gute Gründe, um sich aufzuregen, um Frust über die eigene Situation Luft zu machen. Zur Not in einem offenen Brief. Aber mal ehrlich, was zur Hölle wollt Ihr damit erreichen? Hat Euch die Causa Kachelmann nicht gelehrt, wie weit es mit dem Qualitätsjournalismus in Deutschland gekommen ist? Wie er zur Auslegungssache verkommen ist, die einzig zur Profilierung der einzelnen Verlagshäuser dient? </p>
<p>Ich will Euch ja nicht Eure Illusion nehmen, aber gehört es eigentlich nicht zum Handwerkszeug eines Journalisten, sich zu informieren? In Eurem Fall über die Vorgänge in Eurer Branche? Oder seid Ihr bereits jetzt in dem Stadium angekommen, für das man Eure älteren Kollegen müde belächelt? Diese Damen und Herren, die seit Jahrzehnten an ihren Sesseln klammern, die noch zu den „guten Zeiten“ mollig warm gesessen werden konnten? Zeiten in denen Worte existierten wie „Reiseetat“ oder „Spesenkonto“. Wo man Recherchen noch „vor Ort“ durchführte und nicht via virtueller Google-Earth-Tour. Wo man nicht für jede „Story“ einen Hinterbänkler zum Experten kürte, der einem dann brav die Parteilinie ins Blatt diktiert.“</p></blockquote>
<p>Ich finde es ermüdend, immer wieder abgebrühte Ergüsse von sich selbst für weitsichtig haltenden Berufszynikern zu lesen, die dann noch lakonisch erklären, wie die Welt wirklich ist (und natürlich ist sie vorzugsweise schlecht, womit sich abzufinden die heilige Pflicht des Zynikers ist). Ehrlich, einfach nur ermüdend.</p>
<p>Ja, „was zur Hölle&#8221; will man wohl erreichen, wenn man in einem Tarifstreit öffentlich für seine Position wirbt? Öffentlichkeit herstellen. Die eigene Position dadurch stärken. Sich nicht abfinden damit, dass etwas einfach ist, wie es ist. <sup class='footnote'><a href='#fn-1199-2' id='fnref-1199-2' onclick='return fdfootnote_show(1199)'>2</a></sup><br />
Selbst wenn, was zu erwarten ist, die Wirkung gering oder gar keine Wirkung erkennbar ist: Wo wäre das Problem? </p>
<p>Nicht, dass es ganz falsch wäre, was Stepper über die Causa Kachelmann schreibt<sup class='footnote'><a href='#fn-1199-3' id='fnref-1199-3' onclick='return fdfootnote_show(1199)'>3</a></sup>. Die Berichterstattung darüber war in vielen Medien wahrlich kein Glanzstück. Nur: Was soll daraus folgen?<br />
Wenn ich all die Girlanden entferne, welches Argument macht der obige Absatz denn? Keines. </p>
<p>Er bleibt stehen bei der verschleierten Feststellung, Verleger seien nun mal nur auf Rendite aus – und daraus würde irgendetwas folgen.<br />
Ich komme mir ja bald selber blöd vor, wenn ich,<a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/05/21/de-maiziere-ist-nicht-kohler-aber-betont-deutschlands-fuhrungsanspruch-in-europa/#comment-3615"> unabhängig</a> vom <a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/12/gedanken-zum-kontrollverlust/">Kontext</a>, immer wieder schreibe: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Humes_Gesetz">Aus dem Sein folgt kein Sollen</a>. Das was ist, hat nichts damit zu tun, was sein soll. Und wenn die Verleger nur auf die Rendite starren, dann kann ich trotzdem kritisieren und sagen: Ich finde, es sollte nicht so sein.<br />
Wie unnötig unverschämt ist es da, den Unterzeichnern zu unterstellen, sie müssten sich endlich mal richtig informieren, weil ihr Handeln nur von Unwissenheit herrühren könne. </p>
<p>Vielleicht reagiere ich deswegen etwas gereizt, weil mich diese Haltung gerade in Bezug auf Politik häufig in den Wahnsinn treibt: Realpolitik, so ist es nun mal, Sachzwang, sorry. Das ist, ich wiederhole mich schon wieder, die Kapitulation des Politischen; es ist das Verleugnen der eigenen Möglichkeiten und der eigenen Verantwortung. Im Fall der Tarifverhandlung verhält es sich nicht anders. </p>
<p>Deshalb ist es eigentlich ein schlechter Scherz, wenn im nächsten Absatz steht:</p>
<blockquote><p>Wenn ich Euren offenen Brief so lese und die Kommentare zu Eurer Online-Petition, dann sehe ich Euch bereits jetzt in der selben Position. Ist das alles, was Ihr zu bieten habt? Jammern über das Unausweichliche? </p></blockquote>
<p>Anderen vorwerfen, sie seien verstockt und borniert (sie haben ja nicht mehr, nichts anderes mehr zu bieten), nur weil sie sich nicht in das „Unausweichliche“ fügen, und stattdessen fordern, sich in das „Unausweichliche“ zu fügen: Man kann das tun, sicher. Aber es ist eben nicht die Forderung nach gedanklicher Öffnung, sondern das genaue Gegenteil: Es ist die Forderung nach gedanklicher Beschränkung. </p>
<p>Zumal natürlich ein weiterer Fehlschluss vorliegt, der genau in diesem beschränkenden Denken wurzelt und der das eigentliche Problem von Steppers Beitrag darstellt: Nur, weil jemand X tut (hier: einen offenen Brief schreiben), folgt daraus nicht, dass er Y und Z nicht tut (zum Beispiel „die Medienwelt revolutionieren“ und „mit Qualität bereichern“). Es folgt also nicht, dass er oder sie „nur X zu bieten“ hat.</p>
<p>Darauf aber baut der ganze Text auf. Jungs und Mädels, die Welt (zumindest der Teil, der nicht unausweichlich nicht vor euch liegt) liegt vor euch &#8211; also legt los und tut etwas, und jammert nicht die ganze Zeit. Ich für meinen Teil habe vermutlich keine fünf Minuten gebraucht, den Brief zu lesen und mich einzutragen. Ziemlich sicher habe ich danach die Medienwelt nicht revolutioniert und vielleicht habe ich sie noch nicht einmal mit Qualität bereichert. Fall dem so ist, hat mich jedenfalls nicht das Jammern davon abgehalten.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Man kann den offenen Brief natürlich trotzdem blöd finden und man kann auch der Meinung sein, dass (junge) Journalisten generell zu viel jammern. Nur sind falsche Dichotomien („nicht jammern, sondern machen“ <sup class='footnote'><a href='#fn-1199-4' id='fnref-1199-4' onclick='return fdfootnote_show(1199)'>4</a></sup>) keine gute Grundlage für einen ausführlichen Rant.</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/54468bfa51e945eb98b07a202598eff2" width="1" height="1" alt=""></p>
<div class='footnotes' id='footnotes-1199'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-1199-1'>unter anderem von <a href="https://twitter.com/#!/tknuewer/status/93274998340460544">Thomas Knüwer</a>, <a href="http://www.bildblog.de/31974/murdoch-henri-nannen-preis-beamtenstuben/">Bildblog</a>, <a href="https://twitter.com/#!/sixtus/status/93393059332624385">Mario Sixtus</a> und von <a href="https://twitter.com/#!/ojour_de/status/93295411116253184">Online-Journalismus.de verlinkt</a>, vom <a href="https://twitter.com/#!/DJV_MV/status/93297770366115840">DJV</a> Mecklenburg-Vorpormmern für „lesenswert“ befunden, gefällt Jens Weinreich wie 125 anderen bei Facebook <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1199-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1199-2'>Wäre ich ein abgebrühter und mich selbst für weitsichtig haltender Berufszyniker würde ich jetzt sagen: So laufen Tarifstreitigkeiten nun mal ab, das hat sich in einem pragmatischen Sinne durchaus bewährt und ist auch theoretisch möglicherweise wünschenswert. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1199-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1199-3'>auch wenn ich den Passus mit dem diffusen „zur Auslegungssache verkommenen“ Journalismus gerne noch einmal präziser erklärt hätte und auch, wenn durchaus nicht alle JournalistInnen eine schlechte Figur gemacht haben <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1199-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-1199-4'>Auf Twitter wurde Steppers Artikel vielfach so beworben. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1199-4'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/19/ein-lauter-schrei-nach-%e2%80%93-einfach-nur-ein-lauter-schrei/">Ein lauter Schrei nach? – Einfach nur ein lauter Schrei</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>In eigener zukünftiger Sache: Offener Brief an Verleger</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jul 2011 17:44:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Verlage]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Zur Zeit befinden sich Journalistengewerkschaften und Presseverleger im Tarifstreit. Manch einer wird mitbekommen haben, dass gestreikt wurde, dass die Zeitung hin und wieder etwas dünner war als normal. Im Streit um die Löhne von Journalisten liegen Angebote der Verlage auf dem Tisch, die sich in einer außergewöhnlichen Größenordnung bewegen: Sie wollen den Lohn nicht nur [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/05/in-eigener-zukunftiger-sache-offener-brief-an-verleger/">In eigener zukünftiger Sache: Offener Brief an Verleger</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit befinden sich Journalistengewerkschaften und Presseverleger im Tarifstreit. Manch einer wird mitbekommen haben, dass gestreikt wurde, dass die Zeitung hin und wieder etwas dünner war als normal. </p>
<p>Im Streit um die Löhne von Journalisten liegen Angebote der Verlage auf dem Tisch, die sich in einer außergewöhnlichen Größenordnung bewegen: Sie wollen den Lohn nicht nur nicht erhöhen, sondern im Gegenteil massiv kürzen. Nach dem Vorschlag der Verleger würden Neueinsteiger bis zum Ende ihrer Laufbahn etwa 25% weniger verdienen als bereits arbeitende Journalisten. Zur Einordnung: Bisher verdient ein Journalist in seinen ersten beiden Jahren als Volontär bei einer Tageszeitung laut Tarif &#8220;<a href="http://www.djv.de/Volontariat.2544.0.html">zwischen 1.521 und 1.955 Euro</a>&#8220;. </p>
<p><span id="more-1164"></span></p>
<p>Wer mehr wissen will: <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/zeitungen_zeitschriften/tarifstreit103_page-2.html">ZAPP</a>, <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/tarifstreit-der-zeitungen-in-eigener-sache-1.1093212">Süddeutsche</a>.</p>
<p>Gestern hat Daniel Stahl von der Uni Bamberg einen <a href="http://www.openpetition.de/petition/online/offener-brief-von-nachwuchsjournalisten-an-die-deutschen-zeitungsverleger">offenen Brief an die Verleger</a> veröffentlicht. Er fordert darin, das neue Tarifwerk zu verwerfen und sicherzustellen, dass auch künftig Journalisten von ihrem Beruf leben können. Einem Beruf, möchte ich hinzufügen, in dem ein Studium und eine etwa zweijährige Ausbildung gängige Qualifikation sind.</p>
<blockquote><p>&#8220;Bei allem Respekt: Wir glauben, dass derzeit von den Universitäten und Journalistenschulen der am besten ausgebildete Journalistennachwuchs kommt, den es in Deutschland jemals gab. Viele von uns arbeiten seit Jahren zielstrebig auf einen Beruf als Reporter oder Redakteur hin. Wir haben schlecht bezahlte Praktika in Ihren Verlagen gemacht und jahrelang für Zeilengeld gearbeitet. Wir haben studiert, kennen uns in Spezialgebieten in Politik, Wirtschaft oder Kultur aus, haben Auslandserfahrung, sprechen mehrere Sprachen. Wir können schreiben, Videos drehen, kennen uns mit den Techniken des Web 2.0 aus. Wir sollen in den Verlagen Wochenenddienste schieben, Abendtermine wahrnehmen, uns tief in gesellschaftliche Probleme einarbeiten und Überstunden machen, die wir natürlich niemals bezahlt bekommen. Und jetzt soll auch noch das Einstiegsgehalt für junge Journalisten um 30 Prozent gekürzt werden?</p>
<p>Wir sind Idealisten. Wir lieben diesen Beruf. Und wir glauben, dass Medien eine wichtige Rolle in der Demokratie spielen. Aber wissen Sie was? Wenn Sie die Löhne so drastisch senken, geben Sie uns das Gefühl, dass Sie nicht mehr so recht an den Journalismus glauben. Es wirkt auf uns, als wären Zeitungen für Sie nur noch Spekulationsobjekte, die bis zum endgültigen Zusammenbruch des Geschäftsmodells eine größtmögliche Rendite abwerfen sollen. Aber Journalismus hat eine Aufgabe.</p>
<p>[...]</p>
<p>Sehr geehrte Verleger, zeigen Sie, dass auch Sie an den Journalistennachwuchs und die Zukunft des Journalismus glauben. Wir fordern Sie auf, die Pläne für ein neues Tarifwerk zu verwerfen. Wer guten Nachwuchs möchte, muss auch faire und angemessene Bezahlung bieten. Das erwarten wir.&#8221;</p></blockquote>
<p>Man kann diesen offenen Brief mitzeichnen. Stand heute, 05.0, 19.25 Uhr, haben das 1113 Menschen getan. Ich auch, weil ich finde, dass man sich auch mal für die eigenen Belange einsetzen darf. Vielleicht kennen Sie, kennt Ihr, werte Leser, ja Menschen, die dasselbe tun wollen. Vielleicht sind Sie, seid ihr ja selbst betroffen.</p>
<p>Ansonsten helfen vielleicht auch Blog-Links, Facebook-Likes, Twitter-Tweets und Google-Plus&#8217; dabei, Öffentlichkeit herzustellen &#8211; und ob man es glaubt oder nicht, gerade Journalisten haben damit derzeit so ihre Probleme.<br />
Ich sage schon mal: danke in eigener zukünftiger Sache.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/07/05/in-eigener-zukunftiger-sache-offener-brief-an-verleger/">In eigener zukünftiger Sache: Offener Brief an Verleger</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Linkpfanne (5)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jun 2011 13:42:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schnell verlinkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Vier Lesebefehle, die mit Griechenland zu tun haben: Stephan Kaufmann liefert in der Berliner Zeitung in zwei Artikeln die wichtigsten Fakten zu Griechenland, den Ursachen der Krise und den Hilfen. Faktencheck: Von wegen faule Pleite-Griechen Faktencheck: Wieso die Deutschen von der Griechenland-Krise profitieren Ein schöner Satz daraus: &#8220;Ob es dann &#8220;pleite&#8221; ist, hängt von der [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/06/23/linkpfanne-5/">Linkpfanne (5)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Lesebefehle, die mit Griechenland zu tun haben:</p>
<p>Stephan Kaufmann liefert in der Berliner Zeitung in zwei Artikeln die wichtigsten Fakten zu Griechenland, den Ursachen der Krise und den Hilfen.</p>
<ul>
<li>Faktencheck: <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wirtschaft/348780/348781.php">Von wegen faule Pleite-Grieche</a>n</li>
<li>Faktencheck: <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wirtschaft/348955/348956.php">Wieso die Deutschen von der Griechenland-Krise profitieren</a></li>
</ul>
<p>Ein schöner Satz daraus: &#8220;Ob es dann &#8220;pleite&#8221; ist, hängt von der Bereitschaft der anderen Euro-Staaten ab, ihm mit Krediten auszuhelfen. Zwischen Staaten ist &#8220;Pleite&#8221; also ein politischer Beschluss.&#8221;</p>
<p>Siehe dazu auch Frank Lübberding bei weissgarnix: <a href="http://www.weissgarnix.de/2011/06/21/die-zukunft-des-euro-entscheidet-sich-nicht-in-athen/">Die Zukunft des Euro entscheidet sich nicht in Athen</a></p>
<p>Und weil gestern die Bild-Redakteure Nicolaus Blome und Paul Ronzheimer (derjenige, der den &#8220;Pleitegriechen&#8221; die Drachme zurück&#8221; gab) für ihre Berichterstattung über die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone den Herbert-Quandt-Medienpreis erhalten haben, sei noch ein Text von Lukas Heinser bei coffeeandtv empfohlen: <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/22/jugend-hetzt/">Jugend hetzt</a>.<br />
 Er rekonstruiert den Werdegang des erst 25 Jahre alten Ronzheimers und fragt sich ratlos, warum Ronzheimer schreibt, was er schreibt: &#8220;In der Person Ronzheimers, der zu diesem Zeitpunkt schon einige Drecksarbeit für die Volksverhetzungs-Taskforce von “Bild” erledigt hatte, überschritt die Zeitung an jenem Tag endgültig die Grenze zwischen Berichterstatter und Akteur. Es war ein “wir” (“Bild”, Deutschland, die Guten) gegen ein “die” (die Pleite-Griechen) geworden (&#8230;)&#8221;</p>
<p>Ich teile Heinsers Ratlosigkeit.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/06/23/linkpfanne-5/">Linkpfanne (5)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Nie wieder Malaria&#8221; &#8211; Tagesschau.de über Homöopathen in Afrika</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2011/06/02/nie-wieder-malaria-tagesschau-de-ueber-homoeopathen-in-afrika/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Jun 2011 13:16:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Homöopathie]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Keine chemischen Keulen, ein ganzheitlicher Ansatz, sehr gute Arbeit, und ein Mann, der von Malaria geheilt wird: Ein Artikel auf tagesschau.de erzählt von der Arbeit der Homöopathen ohne Grenzen in Sierra Leone. Vergeblich sucht man nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema. &#8230; Am 30.05 veröffentlichte die Website der Tagesschau einen Artikel mit dem Titel [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/06/02/nie-wieder-malaria-tagesschau-de-ueber-homoeopathen-in-afrika/">&#8220;Nie wieder Malaria&#8221; &#8211; Tagesschau.de über Homöopathen in Afrika</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>Keine chemischen Keulen, ein ganzheitlicher Ansatz, sehr gute Arbeit, und ein Mann, der von Malaria geheilt wird: Ein Artikel auf tagesschau.de erzählt von der Arbeit der Homöopathen ohne Grenzen in Sierra Leone. Vergeblich sucht man nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema.</i></p>
<p><span id="more-1127"></span></p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Am 30.05 veröffentlichte die Website der Tagesschau einen Artikel mit dem Titel „<a href="http://www.tagesschau.de/ausland/homoeopathen100.html">Homöopathen ohne Grenzen &#8211; Mit Milchzuckerkugeln gegen Malaria</a>“. Der Autor besucht die Homöopathen ohne Grenzen (HOG) in einem kleinen Dorf.<br />
Nach kurzer Einleitung konstatiert der Autor: „Ganze Dorfgemeinden schwören auf Naturheilkunde und homöopathische Globuli. Denn die, sagen sie, helfen gegen Krankheiten aller Art &#8211; auch gegen die gefürchtete Malaria.“</p>
<p>Zwei deutsche Heilpratikerinnen, so erfahren wir, sitzen bei brütender Hitze in einer Hütte und versorgen die kranken Menschen. Eine der beiden darf verkünden: </p>
<blockquote><p>&#8220;Die Anamnese läuft hier unwahrscheinlich einfach und klar […] weil die Leute hier sehr deutlich ihre Symptome beschreiben können. Und wir sind absolut überrascht, wie gut die Homöopathie hier hilft, denn die Leute sind noch sehr rein, sie leben mit der Natur und sind noch sehr sensibel vom Organismus her.&#8221;</p></blockquote>
<p>Leider konkretisiert weder Homöopathin noch Journalist, was es heißt, sensibel vom Organismus her zu sein, wann ein Mensch rein ist und in welchem Sinne, wie man eigentlich ohne die Natur leben kann (im Gegensatz zu den Menschen in Sierra Leone, die ja noch mit der Natur leben) – und wieso all das helfen soll, die Wirksamkeit der Homöopathie zu steigern.<br />
Anders gesagt: Der Autor verzichtet auf jede Einordnung des Beschriebenen.</p>
<p><b>„Nie wieder Malaria!&#8221;</b></p>
<p>Dann lesen wir vom Dorfältesten Usman Dao, der kein Geld für teure Medikamente habe und an Malaria erkrankt sei. Dao habe sich also zu den Homöopathen „geschleppt“. Dort habe er für lediglich 80 Cent Kügelchen bekommen – und die Malaria sei verschwunden, berichtet freudig der Patient: „Als ich diese kleinen Kügelchen gegen Malaria genommen habe, ging es mir gleich viel besser. […] Das Fieber ging runter, ich konnte sogar auf dem Feld arbeiten. Nie wieder Malaria!&#8221; </p>
<p>Nun ist es durchaus interessant zu sehen, dass Menschen wie dieser Dorfälteste den deutschen Homöopathen vertrauen, die ihnen Kügelchen geben, in denen „ein pflanzlicher Wirkstoff versteckt [sei], stark verdünnt, aber mit geistiger Kraft“.</p>
<p>Möglicherweise würde man sich als Leser aber doch fragen, was es mit dieser geistigen Kraft auf sich hat, woher sie kommt und wie sie wirkt – oder wirken soll. Man würde vielleicht gerne wissen, ob es denn denkbar ist, mit solchen Kügelchen für nur 80 Cent eine Krankheit wie Malaria zu heilen. Allein: Man erfährt es nicht. </p>
<p>Stattdessen kommt wieder die behandelnde Homöopathin zu Wort, die sich „durch solche Behandlungserfolge bestätigt“ sieht – dass es ein Behandlungserfolg war, dass also die Kügelchen kausal verantwortlich waren für die Genesung (und dass es überhaupt eine Genesung gab), wir hier schon als gegeben hingenommen: </p>
<blockquote><p>„Homöopathie ist Wahnsinn. Wenn man sieht, was man damit erreichen kann, dann kann man nur dabei bleiben. Ich hab auch anders angefangen und dann alles weggelassen, weil dies das am besten wirkende Mittel war, und auch am einfachsten anzuwenden, wenn man die Prinzipien kennt.“</p></blockquote>
<p>Wahnsinn, in der Tat: Das am einfachsten anzuwendende Mittel ist gleichzeitig das am besten wirkende Mittel? Kann das wirklich sein?<br />
Nun. Vielleicht.<br />
Im Text jedenfalls erfährt es der Leser nicht.</p>
<p><b>Keine chemischen Keulen, keine Nebenwirkungen, ganzheitlicher Ansatz</b></p>
<p>Stattdessen fasst der Journalist die Homöopathie noch einmal in kurzen Worten zusammen: „Keine chemischen Keulen, keine Nebenwirkungen, dafür ein ganzheitlicher Ansatz.“</p>
<p>Nur: Was ist ein ganzheitlicher Ansatz genau, wie sieht er aus, was ist stattdessen ein nicht-ganzheitlicher Ansatz? Was genau sind chemische Keulen? Und was ist eigentlich das Gegenstück: nicht-chemische Nicht-Keulen? Nicht-chemische Keulen? Oder chemische Nicht-Keulen?</p>
<p>Hier werden bekannte PR-Floskeln als journalistische Erkenntnisse verkauft, ohne auch nur kurz zu hinterfragen, was sie eigentlich bedeuten, ohne sie zu reflektieren oder wenigstens aus der PR-Sprache in Alltagssprache zu übersetzen. Das alleine ist bereits journalistisch unsauber.</p>
<p><b>Nicht bewiesen. Auch nicht widerlegt?</b></p>
<p>Noch unsauberer wird es aber im Anschluss.<br />
Im letzten Drittel des Artikel erklärt der Autor dem Leser zum ersten Mal, dass es durchaus Kritik gibt an der Arbeit der Homöopathen ohne Grenzen. Die „Schulmedizin“ nämlich sei „skeptisch“, die Wirkung der Homöopathie „nicht wissenschaftlich bewiesen“. </p>
<p>Zwar wurden – getreu dem Motto: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Audiatur_et_altera_pars">audiatur et altera pars</a> – die Ärzte ohne Grenzen oder die Weltgesundheitsorganisation um Stellungnahme gebeten; aber als keine der angefragten Organisationen sich zu den Homöopathen in Sierra Leone äußern wollte, übernahm nicht etwa der Autor die Aufgabe, die Kritikpunkte auszuführen, sondern fuhr fort:</p>
<blockquote><p>„Kristina Lotz <i>[Anm. Eine der HOGs]</i> kennt ihre Kritiker. Schon oft musste sie sich anhören, Globuli seien nichts als fauler Zauber, wirkten nur wie Placebos, also wie  Scheinmedikamente &#8211; und seien außerdem das Letzte, was arme Menschen in Afrika brauchten: &#8220;Also, da kann man reden, was man will, diese Debatte interessiert mich überhaupt nicht. Die Leute kommen, weil sie wissen, es tut ihnen gut. Heute morgen habe ich eine Frau behandelt wegen Menstruationsprobemen, jetzt sagt sie schon, es geht ihr besser. Gibt’s etwas Schnelleres? Für mich nicht. Also, ich bin wirklich überzeugt davon.&#8221;</p></blockquote>
<p>Anstatt also die Kritik zu explizieren, wird die Kritisierte selbst mit der Aussage zitiert, was sie tue, wirke eben doch. Die Homöopathin räumt dann zwar ein, dass Homöopathie bei Aids oder Diabetes an ihre Grenzen stoße, schlussfolgert aber: Was in Deutschland funktioniere, könne in Afrika nicht schlecht sein. Kein Wort zur darin enthaltenen Behauptung, es sei erwiesen, dass Homöopathie in Deutschland funktioniere.</p>
<p>Und wer dennoch Zweifel daran hat, dass die Homöopathin Recht hat, hört noch einmal „Dorfchef Usman Dao“, der „ehrfürchtig“ von den &#8220;deutschen Wunderheilerinnen&#8221; spricht: „Sie machen sehr gute Arbeit. Ich will, dass sie wiederkommen und für immer hierbleiben!&#8221; </p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p><b>Welche Informationen vermittelt der Artikel?</b></p>
<ul>
<li>Die Homöopathen ohne Grenzen bieten den Menschen in Sierra Leone billige Behandlung an, ohne chemische Keulen und mit ganzheitlichem Ansatz </li>
<li>Die Homöopathie ist nicht wissenschaftlich bewiesen, aber kann offenbar Malaria und Menstruationsbeschwerden heilen, allerdings kein Aids, keine schweren Verletzungen und keine Diabetes</li>
<li>Die Menschen in Sierra Leone sind begeistert</li>
<li>Schulmediziner sind skeptisch</li>
<li>Im Infokasten lernen wir außerdem: Homöopathie funktioniert nach dem Prinzip „Heile Ähnliches mit Ähnlichem“ und die Wirkstoffe werden stark verdünnt</li>
</ul>
<p><b>Welche Informationen enthält der Artikel nicht?</b></p>
<ul>
<li>Das Prinzip „Heile Ähnliches mit Ähnlichem“ fußt auf einem induktiven Schluss des Homöopathie-Gründers Samuel Hahnemann aufgrund einer einzigen Beobachtung; es ist mithin theoretisch kaum haltbar und empirisch zumindest im Sinne des Falsifikationismus leicht zu widerlegen</li>
<li>Die Verdünnung ist oft so stark, dass rein rechnerisch kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr in der Endsubtanz vorliegen kann</li>
<li>Wie Homöopathie funktionieren soll, ist also theoretisch absolut nicht klar – es widerspräche vielen Erkenntnissen, die wir als wahr annehmen (zum Beispiel die, dass Wasser keine diffusen Informationen transportieren kann)</li>
<li>Nun könnten diese Annahmen ja allesamt falsch sein: Die Hypothese „Homöopathie wirkt (anders als jedes beliebige Scheinmedikament“ musste aber auch in zahlreichen empirischen Studien verworfen werden (wie eine <a href="http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2805%2967177-2/fulltext">Meta-Studie</a> zeigte)</li>
<li>Wir können eine Wirksamkeit der Homöopathie in einem kausalen Sinne also nur annehmen, wenn wir die Möglichkeit, mit naturwissenschaftlichen Methoden überprüfbares Wissen zu generieren und damit auch fundamentale naturwissenschaftliche Erkenntnisse per se ablehnen; und wenn wir gleichzeitig dennoch behaupten, durch unsere Beobachtung eines empfundenen Heilungserfolges kausale Mechanismen wahrnehmen zu können. <sup class='footnote'><a href='#fn-1127-1' id='fnref-1127-1' onclick='return fdfootnote_show(1127)'>1</a></sup></li>
</ul>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Der Artikel bezieht, ob gewollt oder ungewollt, eindeutig Position – und zwar ohne über die Kritik an dieser Position hinreichend zu informieren.<br />
Genau das wäre aber, auch jenseits von Forderungen nach Objektivität oder Werturteilsfreiheit, die Aufgabe eines journalistischen Artikels gewesen.</p>
<p><strong>Update, 02.06.11, 17.27:</strong> Bis eben stand in meinem Artikel noch, der Tagesschau-Text sei von einer Autorin geschrieben worden. Das ist natürlich Unsinn, der Autorenname ist ja einsehbar. Ich fand den Namen des Autors/der Autorin für meine Kritik nicht relevant, habe ihn deshalb nicht nachgeschaut, deshalb fiel mir nicht auf, dass mir meine Erinnerung einen Streich gespielt hatte, warum auch immer. Peinlich, peinlich, zugegeben. Ich habe das korrigiert und bitte, diesen Fehler zu entschuldigen!</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/5f50d82123b642208a585ed3ab9c046c" width="1" height="1" alt=""></p>
<div class='footnotes' id='footnotes-1127'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-1127-1'>Ob diese Haltung überzeugend oder wenigstens aus pragmatischer Perspektive brauchbar ist, muss jeder für sich entscheiden. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1127-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/06/02/nie-wieder-malaria-tagesschau-de-ueber-homoeopathen-in-afrika/">&#8220;Nie wieder Malaria&#8221; &#8211; Tagesschau.de über Homöopathen in Afrika</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Jakubetz&#8217; Journalismusbuch</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 10:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten. Mit Freuden erledigt. Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, Jakblogger, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch/">Jakubetz&#8217; Journalismusbuch</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten.</p></blockquote>
<p>Mit Freuden erledigt.</p>
<p>Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, <a href="http://www.blog-cj.de/blog/">Jakblogger</a>, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) Journalisten, weil er findet, man solle diese Aufgaben nicht den &#8220;alten Männern&#8221; überlassen.</p>
<p>Dafür bittet er um Spenden, Ideen, Mitarbeit und Verbreitung der Idee, damit er mehr Spenden, Ideen und Mitarbeiter findet. </p>
<p>Bitte <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2010/09/19/ein-buch-eine-idee-und-ihre-hilfe/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=ein-buch-eine-idee-und-ihre-hilfe">seinen Artikel dazu</a> lesen. Bitte ihn unterstützen. Ich bin gespannt und drücke die Daumen, dass es klappt. (Und zumindest die <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2010/09/20/ein-buch-das-update-1-uberwaltigt-vom-feedback/">ersten Reaktionen</a> sind offenkundig viel versprechend).</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch/">Jakubetz&#8217; Journalismusbuch</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Jakubetz&#039; Journalismusbuch</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 10:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten. Mit Freuden erledigt. Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, Jakblogger, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch-2/">Jakubetz&#039; Journalismusbuch</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten.</p></blockquote>
<p>Mit Freuden erledigt.</p>
<p>Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, <a href="http://www.blog-cj.de/blog/">Jakblogger</a>, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) Journalisten, weil er findet, man solle diese Aufgaben nicht den &#8220;alten Männern&#8221; überlassen.</p>
<p>Dafür bittet er um Spenden, Ideen, Mitarbeit und Verbreitung der Idee, damit er mehr Spenden, Ideen und Mitarbeiter findet.</p>
<p>Bitte <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2010/09/19/ein-buch-eine-idee-und-ihre-hilfe/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=ein-buch-eine-idee-und-ihre-hilfe">seinen Artikel dazu</a> lesen. Bitte ihn unterstützen. Ich bin gespannt und drücke die Daumen, dass es klappt. (Und zumindest die <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2010/09/20/ein-buch-das-update-1-uberwaltigt-vom-feedback/">ersten Reaktionen</a> sind offenkundig viel versprechend).</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/20/jakubetz-journalismusbuch-2/">Jakubetz&#039; Journalismusbuch</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sarrazins 18 Prozent: Und, was können Sie sich so vorstellen?</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/09/06/sarrazins-18-prozent-und-was-konnen-sie-sich-so-vorstellen/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 15:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Sarrazin]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Bildblog hat sich verdienstvollerweise schon um die Umfrage gekümmert, der zufolge sich 18 Prozent der Deutschen vorstellen könnten, eine Partei mit Thilo Sarrazin zu wählen. Ich möchte dazu noch einige Worte mehr verlieren. Um es kurz zu sagen: Die Fragebögen &#8211; und damit die Ergebnisse &#8211; sind das Papier nicht wert, auf dem sie [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/06/sarrazins-18-prozent-und-was-konnen-sie-sich-so-vorstellen/">Sarrazins 18 Prozent: Und, was können Sie sich so vorstellen?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Bildblog hat sich verdienstvollerweise schon um die Umfrage <a href="http://www.bildblog.de/22159/und-katzen-wuerden-whiskas-kaufen/">gekümmert</a>, der zufolge sich 18 Prozent der Deutschen vorstellen könnten, eine Partei mit Thilo Sarrazin zu wählen. Ich möchte dazu noch einige Worte mehr verlieren. </p>
<p>Um es kurz zu sagen: Die Fragebögen &#8211; und damit die Ergebnisse &#8211; sind das Papier nicht wert, auf dem sie möglicherweise gedruckt wurden. Möglicherweise, schreibe ich, und hier beginnen bereits die Probleme.<br />
Denn weder auf der Emnid-Seite noch auf Bild.de finde ich detaillierte Angaben zur Ausarbeitung der Studie. Es fehlen sämtliche Hintergrundinformationen, es fehlt alles, das Ergebnisse einer Studie eigentlich überprüfbar macht, das erlaubt, eine Studie einzuschätzen. Ich kann zum Beispiel nicht wissen, ob die Befragung telefonisch durchgeführt wurde oder schriftlich oder vis–à–vis. Das mag noch zu verschmerzen sein, weitaus problematischer ist, dass unklar bleibt, wie viele Personen befragt wurden und wie sie ausgewählt wurden. Wer auch nur ein wenig Ahnung davon hat, wie eine Befragung bewertet werden kann, wird an dieser Stelle schon extrem vorsichtig. Zum Beispiel macht es einen extrem großen Unterschied, ob die Probanden zufällig oder eben nicht zufällig ausgewählt wurden. Auch die Größe der Stichprobe ist relevant &#8211; zumindest, wenn es sich um eine Zufallsauswahl handelt. Aber eben: Nichts. </p>
<p>Gut. Oder eben: Nicht gut. Aber glücklicherweise findet sich auf <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/09/05/sarrazin-partei/achtzehn-prozent-wuerden-sarrazin-partei-waehlen.html">Bild.de eine Klickstrecke</a>, die die Fragen und Ergebnisse detailliert auflistet. <sup class='footnote'><a href='#fn-752-1' id='fnref-752-1' onclick='return fdfootnote_show(752)'>1</a></sup> Ein Blick auf die Fragen lohnt sich definitiv.</p>
<p><strong>Und, was können Sie sich so vorstellen?</strong></p>
<p>Zunächst die zentrale Frage: &#8220;Könnten Sie sich vorstellen, eine neue Partei zu wählen, wenn Thilo Sarrazin Vorsitzender dieser Partei wäre?&#8221;<br />
Dazu hat, wie erwähnt, Stefan Sichermann im Bildblog schon einiges geschrieben. Trotzdem noch einmal: Der Witz an dieser Frage ist ihre Unbestimmtheit. Könnten Sie sich vorstellen, wird da gefragt, und vorstellen kann man sich zunächst einmal vieles. Die Beispiele Linkspartei und Horst Schlämmer sind im Bildblog ja aufgeführt und illustrieren das Problem ganz anschaulich. Also, wenn man die Frage aufschlüsselt, steht da:</p>
<p>1) Es gibt eine hypothetische neue Partei.<br />
2) Deren Vorsitzender ist Thilo Sarrazin.<br />
3) Es gibt keine Angabe zum Zeitpunkt.<br />
4) Es gibt keine Angabe zu den Inhalten, die diese Partei vertritt. Noch nicht einmal eine Einordnung ins Parteiensystem nach dem klassischen Rechts-Links-Schema.<br />
5) Es gibt keine Angabe zur Art der Wahl. (Kommunalwahl? Landtagswahl? Bundestagswahl? Europawahl?).</p>
<p>Punkt 4) ist dabei der wichtigste. In der Frage steht nicht, dass diese Partei eine rechte, rechts-populistische oder rechts-extreme, jedenfalls eine rechts der Union wäre. Ich für meinen Teil könnte mir zum Beispiel schon eine Konstellation vorstellen, in der ich eine neue Partei, deren Vorsitzender Thilo Sarrazin ist, wählen würde. Es fällt mir schwer, aber ich könnte. Wie ich mir so vieles möglicherweise vorstellen könnte.<br />
Zum Beispiel, wenn diese Partei Positioonen verträte, die ich selbst teile und die ich so in keiner anderen Partei repräsentiert sehe. Eine solche Partei könnte keinesfalls die Inhalte vertreten, die Sarrazin in der, nennen wir sie: Integrationsdebatte vertritt &#8211; aber in der Frage steht mit keinem Wort, dass sie das tut. Der Vorsitzende Sarrazin müsste sich vermutlich auch persönlich ändern, damit die Partei für mich wählbar wäre &#8211; das glaube ich nicht, aber thereotisch vorstellen kann ich es mir.<br />
Doch selbst wenn Sarrazin weiter ein Rassist mit kruden Thesen bliebe, könnte ich mir möglicherweise eine Konstellation vorstellen &#8211; vielleicht auf kommunaler Ebene -, in der ich seine Partei doch wählte, solange er der einzige Rassist mit kruden Thesen in der Partei wäre (und möglicherweise schon massiv an seinem Stuhl gesägt würde).<br />
Was ich mit alldem sagen möchte: Die Frage ist höllisch unpräzise formuliert. Hätte ich sie beantworten müssen, ich hätte wohl eigentlich antworten müssen &#8220;Ja, zumindest theoretisch könnte ich mir das in bestimmten Konstellationen vorstellen&#8221;; trotzdem hätte ich wohl &#8220;Nein&#8221; angekreuzt, weil ich zu glauben weiß, wie die Antwort interpretiert wird. Wenn eine Frage derart unpräzise formuliert ist<sup class='footnote'><a href='#fn-752-2' id='fnref-752-2' onclick='return fdfootnote_show(752)'>2</a></sup>, kann man das Ergebniss in die Tonne treten. Es ist nicht belastbar, weil das Antwortverhalten der Befragten nicht einschätzbar ist. </p>
<p>Dazu kommt noch, dass ich bei dieser Frage ja theoretisch unendlich viele Stimmen habe. Jeder der Befragten könnte etwa auf die Frage &#8220;Könnten Sie sich vorstellen CDU/SPD/GRÜNE/FDP/LINKE/Eine-neue-Sarrazin-Partei zu wählen&#8221; sechsmal Ja antworten. Die Aussage: Sarrazin würde bei einer Wahl wohl 100% bekommen, kann man daraus trotzdem nicht ableiten. Wollte man eine halbwegs verlässliche Aussage in diese Richtung treffen, müsste man vielleicht eine Art Sonntags-Frage stellen und zusätzlich zu den etablierten Parteien eine neue &#8211; inhaltlich definierte &#8211; Sarrazin-Partei aufführen.<br />
Aus der schon extrem unpräzisen Aussage &#8220;18 Prozent könnten sich vorstellen, eine Partei mit Sarrazin an der Spitze zu wählen&#8221; die Aussage &#8220;18 Prozent würden Sarrazin ihre Stimme geben&#8221; zu machen, ist nicht einmal mehr nur unzulässig verkürzt.</p>
<p><strong>Wie sähe die Zukunft im Vergleich zu einer anderen Zukunft aus, wenn die Vergangenheit anders ausgesehen hätte?</strong></p>
<p>Aber es geht ja noch weiter, der Bogen beinhaltet noch mehr Fragen, von denen es mir zwei andere besonders angetan haben.<br />
Diese hier ist zum Beispiel hübsch: &#8220;Glauben Sie, es wäre für die Zukunft Deutschlands besser, wenn diese [= die bisherige. <em>Anm. bwg</em>] Zuwanderung rückgängig gemacht werden könnte?&#8221;<br />
Ob ich glaube, dass eine andere Zukunft als die wirkliche &#8211; die ich ja auch nicht kennen kann, immerhin ist es die Zukunft &#8211; besser wäre, wenn ich die Vergangenheit ändern könnte, was ich nicht kann &#8211; auch wenn ich nicht weiß, wie die Vergangenheit ansonsten ausgesehen hätte. Ich muss als Befragter, bevor ich antworte, also erst einmal die Vergangenheit einschätzen, dann die Zukunft, dann die geänderte Vergangenheit und die geänderte Zukunft, sage aber niemanden, wovon ich ausgehe: Und dann möchte aus meiner Antwort jemand irgendetwas ableiten? Auch wenn ich mir legitimerweise als Alternativ-Vergangenheit eine ausmalen kann, in der es keine Einwanderung gab, aber eine höhere Geburtenrate, oder eine mit wenig Einwanderung, aber niedriger Geburtenrate, oder eine, in der die Wiedervereinigung nie stattgefunden hat?<br />
Wer meint, aus solchen Antworten etwas ablesen zu können, sollte sich einmal als Astrologe versuchen. Er könnte Talent haben. </p>
<p><strong>Ist mangelnde Präzision ein Problem?</strong></p>
<p>Und noch eine schöne Frage: &#8220;Thilo Sarrazin fordert, bei mangelndem Integrationswillen von Einwanderern Sozialleistungen zu kürzen. Stimmen Sie dem zu?&#8221;<br />
Ein Grundprinzip bei der Fragebogenkonstruktion ist es, den Befragten nicht zu lenken. Suggestivfragen oder stark wertbesetze Begriffe sind zu vermeiden. Eine andere Grundregel besagt, man solle hinreichend präzise Begriffe verwenden. Integration ist aber kein präziser Begriff. Der eine stellt sich darunter vor, dass Einwanderer Deutsch lernen; der andere versteht unter Integration, dass Einwanderer ihr Muslim-Sein aufgeben (falls sie Msulime sind); der Dritte versteht unter Integration nur, dass das Grundgesetz oder Strafgesetze anerkannt werden. Es kann sich also jeder heraussuchen, welchen Integrationsbegriff er anlegt, wenn er die Frage beantwortet. Wie sollen da vergleichbare, aggregierbare Ergebnisse zustande kommen?<br />
Außerdem ist Integration, würde ich zumindest behaupten, ein hochgradig positiv besetzer Begriff. Egal ob rechts oder links, dass sich Ausländer irgendwie integrieren sollen, da ist man sich einig. Integration &#8211; ja, gelungene Integration &#8211; ist ein anerkanntes Ziel von Einwanderungspolitik. Und zwar auch, weil der Begriff so unscharf ist: Für die einen meint er völlig Anpassung an eine nebulöse Leitkultur, für die anderen nur Bereitschaft zum harmonischen Miteinander, bei allen kulturellen Unterschieden.<br />
Und dann noch: Mangelnd. Mangelnde Integration. Alleine das Wort mangeln drückt ja schon aus, dass der Zustand unerwünscht ist. Mangelernährung, eine Mangelhaft in der Deutsch-Arbeit, das möchten wir nicht. Es mangelt in der Frage also, leider, an etwas, das doch für alle wünschenswert ist.<br />
Und, finden Sie das jetzt schlecht? Wirklich? Erstaunlich. <sup class='footnote'><a href='#fn-752-3' id='fnref-752-3' onclick='return fdfootnote_show(752)'>3</a></sup></p>
<p><strong>Sarrazin würde von Menschen gewählt!</strong></p>
<p>Zusammengefasst sagt der Artikel hier, was schon am Anfang stand: Die Umfrage, die Emnid für die Bild am Sonntag durchgführt hat, taugt nichts. Sie ist nichts wert. Man kann ihre Ergebnisse getrost ignorieren. Nun ist das an sich noch nicht verwerflich.<br />
Ich vermute, dass bei Emnid durchaus fähige Meinungsforscher arbeiten, die wissen, dass ihre Umfrage handwerklich schlecht ist. Ich vermute aber auch, dass die BAMS  bei solchen Auftragsstudien nicht viel Wert auf eine methodisch saubere Arbeit legt, sondern für möglichst wenig Geld Ergebnisse möchte, die sich publizistisch irgendwie verwerten lassen. Emnid liefert und solange die Informationen zur Studie unter Verschluss bleiben, ist das für alle Seiten in Ordnung. Solange, ja solange nicht andere Medien die verkürzten und unzulässig uminterpretierten Ergebnisse einer handwerklich völlig untauglichen Studien verbreiten.</p>
<p>&#8230;</p>
<p><strong>RP-Online</strong>: <a href="http://nachrichten.rp-online.de/politik/angst-vor-der-sarrazin-partei-1.99100">Angst vor der Sarrazin-Partei</a>.<br />
&#8220;Nach einer in der Zeitung &#8220;Bild am Sonntag&#8221; veröffentlichten Emnid-Umfrage würden 18 Prozent einer von Thilo Sarrazin angeführten Partei ihre Stimme geben.&#8221;</p>
<p><strong>Die Welt</strong>: <a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article9426548/Sarrazin-Partei-waere-ein-Erfolg.html">&#8220;Sarrazin-Partei&#8221; wäre ein Erfolg</a>.<br />
&#8220;Fast jeder fünfte Deutsche würde Thilo Sarrazin wählen. Sollte er eine eigene Partei gründen, könnte er mit großem Zuspruch rechnen. Für 18 Prozent der Bürger ist es nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der &#8220;Bild am Sonntag&#8221; vorstellbar, eine &#8220;Sarrazin-Partei&#8221; zu wählen.&#8221;</p>
<p><strong>Frankfurter Rundschau</strong>: <a href="http://www.fr-online.de/politik/spezials/zulauf-fuer-die-sarrazin-partei/-/1472610/4619490/-/index.html">Zulauf für die Sarrazin-Partei</a><br />
&#8220;Eins hat Thilo Sarrazin geschafft: Laut einer Emnid-Umfrage würden 18 Prozent der Deutschen eine von ihm geführte Partei wählen.&#8221;</p>
<p><strong>Kleine Zeitung</strong>: <a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2469656/deutschland-streitet-ueber-integrationspolitik.story">Deutschland streitet über Integrationspolitik</a>.<br />
&#8220;Kanzlerin Merkel und SPD-Chef Gabriel versuchen, eine Debatte über Migration zu versachlichen. 18 Prozent würden eine Partei von Sarrazin wählen.&#8221;</p>
<p><strong>Stern</strong>: <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/bestwerte-fuer-sarrazin-fast-jeder-fuenfte-wuerde-thilo-waehlen-1600472.html">Bestwerte für Sarrazin: Fast jeder Fünfte würde Thilo wählen</a><br />
&#8220;Noch will Sarrazin keine Partei gründen, aber er könnte. Eine Umfrage sieht ihn bei 18 Prozent.&#8221;<br />
Immerhin schreibt der Autor richtigerweise: &#8220;Ob Sarrazin bei einer kommenden Wahl tatsächlich 18 Prozent der Stimmen erhalten würde, sagt die Umfrage nicht.&#8221; Vielleicht gehen Überschrift und Lead ja nicht auf das Konto des Autors. </p>
<p><strong>Spiegel-Online</strong>: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715751,00.html">Umfrage sieht großes Potential für Protestpartei</a>.<br />
&#8220;Der Unmut vieler Bürger über die etablierten Parteien wächst &#8211; und das Potential für eine bürgerliche Protestpartei in Deutschland ist zurzeit enorm: Wie eine repräsentative Emnid-Umfrage für &#8220;Bild am Sonntag&#8221; ergab, würden 18 Prozent aller Deutschen eine neue Partei wählen &#8211; wenn ihr Chef der Migrationskritiker Thilo Sarrazin wäre. Damit stellt sich fast jeder fünfte Deutsche eindeutig hinter dessen umstrittene Thesen.&#8221;</p>
<p><strong>Zeit-Online</strong> und <strong>Tagesspiegel</strong>: <a href="http://www.zeit.de/politik/2010-09/protestwaehler-umfrage-sarrazin">Die Nicht-Partei der Grummeldeutschen</a><br />
&#8220;Siebzehn Prozent würden ihn also wählen, genauer gesagt eine Partei, die von Thilo Sarrazin geführt würde. Das hat das Demoskopie-Institut Emnid im Auftrag der Bild am Sonntag herausgefunden.&#8221;</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Herrje. Und das sind nicht alle &#8211; selbst wenn man die automatisiert übernommenen Agenturmeldungen gar nicht betrachtet<sup class='footnote'><a href='#fn-752-4' id='fnref-752-4' onclick='return fdfootnote_show(752)'>4</a></sup></p>
<p>Dass über so viele Studien ungeprüft und ohne Blick in die Umsetzung berichtet wird, halte ich für eines der größten Ärgernisse im Journalismus. Nicht nur hier. Aber auch hier.</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-752'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-752-1'>Zumindest nehme ich an, dass in der Klickstrecke auch die wirklichen Fragen zu finden sind. Sollte Bild.de da selber herumformuliert haben, gehen meine Ausführungen natürlich am Thema vorbei, sind aber allgemein und losgelöst vom konkreten Fall immer noch gültig. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-752-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-752-2'>- einmal abgesehen davon, dass hypothetische Fragen ohnehin vermieden werden sollten &#8211;  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-752-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-752-3'>Kleine inhaltliche Randbemerkung. Man erkläre mir mal, wo diese ganzen Einwanderer herkommen sollen, die Sozialleistungen beziehen. Und ich meine wirkliche Einwanderer. Also ausländische Staatsbürger, nicht in Deutschland geboren, ohne deutsche Staatsbügerschaft. Deutsche mit etwa türkischen Wurzeln sind nämlich auch Deutsche. Und Deutsche, die zum Islam konvertieren oder muslimisch erzogen werden, sind auch Deutsche. Sollen die sich integrieren? Wie denn jetzt genau? Die Ausländer, die es sich im deutschen Sozialstaat bequem machen, mag es, das kann ich nicht beurteilen, früher einmal gegeben haben; heute halte ich sie für eine Schimäre. Ein Blick in das seit 2005 gültige <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/">Aufenthaltsgesetz</a> zeigt nämlich, dass Bedingung für einen längerfristigen &#8211; oder gar unbefristeten &#8211; Aufenthaltstitel ist, dass eine Person ihren Lebenshalt selbst finanzieren kann. Davon ausgenommen sind selbstverständlich politische Flüchtlinge. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-752-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-752-4'>Die <strong>taz</strong> <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/18-prozent-wuerden-sarrazin-waehlen/">machts</a> ganz unautomatisiert. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-752-4'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/09/06/sarrazins-18-prozent-und-was-konnen-sie-sich-so-vorstellen/">Sarrazins 18 Prozent: Und, was können Sie sich so vorstellen?</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schreiben auf Transparenzpapier</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 12:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Quellen]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Michalis Pantelouris (print-würgt.de) wagt etwas Neues. Der freie Journalist und Blogger wird sich nach Athen begeben und dort versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einer jungen Frau, die vergangenes Jahr unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Er wird dabei jeden Schritt seiner Recherchen dokumentieren; jedes Gespräch, jeden Kontaktversuch per Telefon, jede Aktenstudie. Pantelouris hat [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/07/18/schreiben-auf-transparenzpapier/">Schreiben auf Transparenzpapier</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michalis Pantelouris (<a href="http://print-wuergt.de/uber-mich/">print-würgt.de</a>) wagt etwas Neues. Der freie Journalist und Blogger wird sich nach Athen begeben und dort versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einer jungen Frau, die vergangenes Jahr unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Er wird dabei jeden Schritt seiner Recherchen dokumentieren; jedes Gespräch, jeden Kontaktversuch per Telefon, jede Aktenstudie. Pantelouris hat in seinem Blog <a href="http://print-wuergt.de/2010/07/18/die-live-reportage/">ausführlich geschildert</a>, wie es zu diesem Projekt kam, wie es genau aussieht und warum er glaubt, dass der (Online-)Journalismus mehr Transparenz braucht. </p>
<p>Stefan Niggemeier, bei dem ich davon erfahren habe, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/livestylejournalismus/">kommentiert das Projekt</a> und spricht wichtige Fragen an: Ist es vertretbar, vom Tod einer Frau so detailliert zu berichten? Die Eltern zu besuchen, zum Tatort zu reisen, mit Bekannten zu sprechen, die Akten zu studieren, die Umstände zu schildern – und das alles in einem „<a href="http://www.neon.de/kat/sehen/gesellschaft/justiz_und_verbrechen/314744.html">live-blog</a>“ auf neon.de? Wird hier nicht menschliches Leid zu einer Inszenierung, mit der vor allem Voyeurismus befriedigt wird?</p>
<p>Ich weiß es nicht. Wohl ist mir dabei auch nicht. </p>
<p>Aber das Unwohlsein liegt am Thema. Grundsätzlich finde ich das Projekt toll. Deshalb: Bitte alle die Texte von Pantelouris und Niggemeier lesen und ein eigenes Urteil bilden.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Im Übrigen erinnert mich das Projekt an einen Text, den ich vor fast drei Monaten geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe; der Text blieb im Ordner, weil ich das darin angesprochene „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ noch nicht fertig hatte. (Und auch noch nicht habe: Aber es ist schon begonnen und hiermit erhöhe ich offiziell den Druck auf mich selbst, es endlich einmal zu Ende zu schreiben). </p>
<p>Ich nutze hiermit die Gelegenheit, den Text endlich online zu stellen. Zeit wird es. Weil ich finde, dass Pantelouris Recht hat, wenn er mehr Transparenz fordert. Und weil es im Internet so einfach ist, diese Forderung zu erfüllen.</p>
<p><strong>Text vom 28.04.10:</strong><br />
&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p>„Internetpublizistik ist vom Prinzip her lustgetrieben: Wer Spaß hat, über ein Thema zu schreiben, tut das, wenn er keine Lust mehr hat, hört er auf. Und wenn gerade andere Dinge wichtiger sind, sind andere Dinge eben wichtiger.“ Habe ich eben gelesen – und mich ein bisschen schlecht gefühlt. Recht hat sie ja, die Eva-Marie Schnurr: Lustgetrieben das alles. Andererseits hat sie auch Recht, und andere Dinge sind gerade nun mal wichtiger.<br />
Wie dem auch sei: Ich dachte, der lesenswerte Text „<a href="http://www.freitag.de/politik/1016-wie-der-blauflossenthunfisch ">Wie der Blauflossenthunfisch</a>“, aus dem obiges Zitat entnommen ist, könnte Anlass sein, den Blog hier zu beleben – und eine Idee umzusetzen, die mir schon länger im Kopf herumschwirrt.</p>
<p>„In den USA gehen Journalismusprojekte inzwischen diesen Weg: Sie legen offen, was eine Recherche kostet. Warum nicht auch Transparenz darüber, wie lange der Journalist recherchiert hat, ob er vor Ort war oder nur telefonieren konnte? Wer die Reise bezahlt hat. Ob ein Profi am Werk war oder ein Hobbyautor.“</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Schon länger denke ich mir, dass es möglich sein müsste, die viel beschworene Transparenz im Netz Wirklichkeit werden zu lassen. Denn, mal ehrlich, bis heute ist es damit nicht so wirklich weit her. Ja, Quellen werden verlinkt, sicher. Manche Autoren versehen manche ihrer Beiträge mit einem „Disclosure“, wenn sie etwa über ehemalige oder aktuelle Arbeitgeber schreiben. Alles gut und wichtig. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich häufig auf mir bisher unbekannten Blogs lande, mich umschaue – und nichts finde, das mir helfen könnte, den Autor besser einzuschätzen. Der erste Klick geht immer ins Impressum, lieber zu einem „About“. Doch meistens hilft auch das nicht wirklich weiter. Dabei will ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Rechtsradikaler, Linksradikaler, Kirchengläubiger, Kirchenhasser, Kulturpessimist, Konstruktivist, Kriegsbefürworter oder Pazifist, hü oder hott? Denn wenn ich weiß, wo jemand politisch oder generell weltanschaulich zu verorten ist, kann ich seine Texte besser einordnen. </p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sich die Lage auf beim-wort-genommen nicht anders darstellt: Viel erfährt der Leser schließlich nicht über mich. Bisher steht da auf „Über diese Seite“: „Beim-wort-genommen steht keiner Partei, keinem Unternehmen, keiner Kirche, keinem Verein und keiner wie auch immer gearteten Vereinigung nahe. Der Autor fühlt sich allenfalls der Wahrheit, gutem Journalismus und den universellen Menschenrechten verpflichtet.“<br />
Klingt ja ganz nett <sup class='footnote'><a href='#fn-709-1' id='fnref-709-1' onclick='return fdfootnote_show(709)'>1</a></sup>, aber: Kann dadurch jemand einschätzen, warum ich für X und gegen Y argumentiere, oder warum ich A ablehne und B nicht? Welchen Wahrheitsbegriff habe ich, was verstehe ich unter gutem Journalismus und wie eigentlich begründe ich meine Unterstützung für die Menschenrechte? Mit Gott? Rechtspositivistisch? Gar nicht – es ist halt so?<br />
Auch mein About versucht noch, eine Art Objektivität zu suggerieren. Aber bedeutet die Tatsache, dass ich keiner Partei nahe stehe, etwa auch, dass ich nicht Grundüberzeugungen habe, die mit den Ideen der einen besser zu vereinbaren sind als mit denen der anderen? Die Information, dass beim-wort-genommen kein Parteiblog ist, ist notwendig, aber keineswegs hinreichend.</p>
<p>Irgendwie ist das so kein zufriedenstellender Zustand. Ich möchte, dass ein neuer Leser auf meiner Seite einschätzen kann, wie ich zu meinen Aussagen komme. Ich möchte, dass er dann entscheiden kann, ob er meine Positionen teilt oder ob er meine Haltung ablehnt und mich deshalb nie wieder lesen wird. Ich möchte, dass er die Chance hat, meine Argumentation zu analysieren und gegebenenfalls logische Fehler zu entdecken (und mich dann in den Kommentaren darauf hinzuweisen).</p>
<p>In der Wissenschaft gehört es zum Fundament einer jeden Arbeit, dass Quellen und Prämissen offengelegt werden. Nur so wird Wissenschaft nachvollziehbar und damit sinnvoll kommunizierbar. Im Journalismus der Knappheit, in dem Zeitungsseiten genauso rar waren wie Sendeminuten, konnte man dieses Prinzip nicht sinnvoll umsetzen – obwohl es genauso hilfreich wäre wie in der Wissenschaft.<br />
Und vielleicht können noch nicht einmal Internet-Zeitungen so vorgehen, weil so viele Autoren involviert sind. Aber: Ich kann hier meine Prämissen und Quellen offenlegen. Jeder Blogger kann das tun – und, wenn man mich fragt: Jeder Blogger sollte es.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Deshalb habe ich jetzt eine Seite „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ <sup class='footnote'><a href='#fn-709-2' id='fnref-709-2' onclick='return fdfootnote_show(709)'>2</a></sup> eingerichtet. Darin versuche ich zu erklären, von welchen +Annahmen ich ausgehe, welches Menschenbild ich habe, von welcher Realität ich ausgehe.<br />
Um auch hier transparent zu sein: Vieles davon ist Stückwerk. In vielen Punkten muss ich selbst noch innere Widersprüche auflösen, bevor ich eine klare Haltung formulieren kann. Oft werde ich in Artikeln meine Prämissen weiter spezifizieren müssen. Das Ganze ist ein Versuch, Transparenz herzustellen, nicht mehr. Es erhebt nicht den Anspruch, vollständig kohärent und umfassend zu sein. Und, ganz wichtig: Diese Seite kann immer und jederzeit bearbeitet werden – so wie sich auch Einstellungen mit der Zeit verändern können. </p>
<p>Außerdem werde ich versuchen, zu jedem Beitrag anzugeben, auf welche Quellen ich mich stütze. Ein bisschen wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Im Journalismus ist die Versuchung groß, so zu tun, als sei man völlig informiert. Man schreibt eine Geschichte, suggeriert dem Leser völlige Selbstsicherheit – und hofft danach fingernägelkauend, dass sich kein Fehler eingeschlichen hat und wenn doch, dass es keinem auffallen möge. <sup class='footnote'><a href='#fn-709-3' id='fnref-709-3' onclick='return fdfootnote_show(709)'>3</a></sup> Und bitte bitte, es möge doch niemand bemerken, dass man hier und da noch tiefer hätte recherchieren können.</p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Man mag von Jeff Jarvis halten, was man will; im <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0424/magazin/0002/index.html">Interview mit der Berliner Zeitung</a> hat er neulich etwas sehr Kluges gesagt: „Die Schlüsselqualifikation für Journalisten wird in Zukunft eher sein, zu sagen, was wir nicht wissen, als was wir wissen. Wir müssen zugeben, dass wir nicht allwissend und allmächtig sind. Hier ist die ganze Geschichte, hieß es früher. Bullshit, es war nie die ganze Geschichte, konnte es gar nicht sein, schließlich entwickelt sich die Geschichte weiter, während die Zeitung gedruckt wird. Muss ich deswegen meinen Artikel hundertmal umschreiben? Nein. Im Blog kann man den Prozess verfolgen, in den Links stecken die Fußnoten und die Quellen.“</p>
<p>Bullshit, es ist nie die ganze Geschichte. Wie Recht er hat. Und zum Thema Fehler führt Jarvis aus: „Als ich ein Reporter war, habe ich mich immer geschämt, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich wollte mich verstecken und hoffte, dass niemand es entdeckt und wir keine Korrektur drucken müssen. In der Blogwelt habe ich gelernt, dass seine Fehler zu korrigieren, die eigene Glaubwürdigkeit vergrößert. Man beseitigt den Fehler nicht, man streicht ihn durch und zeigt, dass man es nun besser macht.“<br />
Vielleicht geht es nur mir so, aber ich kenne diese Angst vor dem Fehler; eine Angst, die auch entsteht, weil ein gedruckter Fehler nun mal ein gedruckter Fehler ist. Zunächst einmal nicht mehr veränderbar. Eine Angst, die verstärkt wird durch die Fassade der Fehlerfreiheit. Dabei ist Freiheit vor Fehlern eine Uropie. „Wir machen alle welche! […] Wir sind Menschen. Überraschung!“, sagt Jarvis. Eben. Deshalb: Unter jedem Text wird sich künftig eine Liste mit Quellen finden.</p>
<p>Wenn es keine gibt, weil ich aus dem Kopf geschrieben habe, wird da stehen, dass es keine gibt. Wenn es Internetseiten sind, werde ich darauf verlinken. Wenn es Mails gibt, werde ich sie, so es erlaubt ist, hochladen (und darauf hinweisen, wenn ich es nicht darf). Wenn es – was für den Blog selten vorkommt – Telefonate sind, werde ich es vermerken. <sup class='footnote'><a href='#fn-709-4' id='fnref-709-4' onclick='return fdfootnote_show(709)'>4</a></sup></p>
<p align="center">&#8230;</p>
<p>Oft genug frage ich mich selber, woher Autor X seine Informationen hat. Klingt überzeugend und informiert – aber verkauft er mir gerade Wikipedia-Halb-Wissen <sup class='footnote'><a href='#fn-709-5' id='fnref-709-5' onclick='return fdfootnote_show(709)'>5</a></sup> oder hat er stundenlang in der Bibliothek wissenschaftliche Aufsätze gewälzt und mit Experten telefoniert?</p>
<p>Mit einer ordentlichen Auflistung aller Quellen wird eine möglicherweise dünne Recherche nicht weniger dünn und angreifbar als vorher – aber es behauptet dann auch keiner, mehr oder gar alles wissen. Das nimmt Druck vom Autor und ist vor allem fair dem Leser gegenüber. </p>
<p>Über Meinungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge <sup class='footnote'><a href='#fn-709-6' id='fnref-709-6' onclick='return fdfootnote_show(709)'>6</a></sup> freue ich mich genauso wie über Blogger, die dem Beispiel möglicherweise folgen.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-709'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-709-1'>Darf man so eigene (langweilige) Selbstbeschreibungen beschreiben? <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-2'>Mein Blog heißt beim-wort-genommen.de – ich darf sperrige Titel wählen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-3'>In Zeiten, da Medienblogs Hochkonjunktur haben und Kommentarfunktionen Webstandard sind, ist diese Hoffnung allerdings oft vergebens. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-4'>Bei Links, die ich ja normalerweise auch jetzt schon im Text setze, muss ich mir noch überlegen, ob ich eine andere Linkfarbe für Quellenlinks und solche, die für den Leser ergänzend eingebaut wurden, wähle (z.B. Wikipedia-Links, die ich für den konkreten Text nicht genutzt habe). Denn die Links nur am Ende aufzuführen, wäre wohl dem Textverständnis nicht dienlich. Bis auch Weiteres werde ich es wohl mit folgendem Muster versuchen: Gefettete Links sind Recherchequellen, nicht-gefettete sind ergänzend. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-5'>Nicht missverstehen: Ich liebe Wikipedia, ich nutze Wikipedia und ich halte Wikipedia für eine meistens sehr verlässliche Quelle, sofern man grundlegende Spielregeln beachtet (Diskussionsseite checken, Versionenseite checken, Quellenlage checken, eventuell Weblinks lesen). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-709-6'><del datetime="2010-07-18T20:48:04+00:00"> Bitte bitte: Wie kann ich ordentliche Fußnoten erstellen, so wie z.B. bei <a href="http://coffeeandtv.de">coffee-and-tv</a>? Hilfe?!</del> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-709-6'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/07/18/schreiben-auf-transparenzpapier/">Schreiben auf Transparenzpapier</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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