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Im Westen viele Fehler

Mittwoch, 4. November 2009 16:04

DerWesten hat ein Interview mit Waldemar Hartmann geführt. Darin erzählt er, warum er Sportjournalist geworden ist; außerdem spricht er über sein Kabarett-Programm. Das alles ist nicht so richtig spektakulär, allerdings kommt beim Lesen die Frage auf, was genau der zuständige Redakteur beim Redigieren eigentlich gemacht hat. Redigiert hat er jedenfalls nicht.
Dass versucht wurde, Hartmanns Dialekt auch in der Transkription Rechnung zu tragen, ist in Ordnung. Dass sehr sehr viele Sätze mit „und“ beginnen und viele Sätze eher abgehackt klingen, liegt vielleicht an Hartmann selbst und daran, dass die Redaktion nicht so viel am Originaltext verändern wollte. Geschenkt.
Aber so viele Fehler sollten in einem redigierten Text nun wirklich nicht zu finden sein.

Der [Rudi Völler, Anm. von bwg.de] ist ja damals auf Dellinger und Netzer losgegangen.

Der Name ist falsch geschrieben: Delling.

Das war wie ne Situation wie die, als das Tor in Madrid beim BVB-Spiel umgefallen ist.

Ein Wort („wie”) ist zu viel.

Aber ich schon auch so’n paar Sendungen, die ein bisschen mehr waren als ein normales Interview.

Es fehlt ein Verb.

Wir haben damals 40 Minuten überzogen, weil alle begannt vor dem Fernseher saßen, auch die Sendeleitung.

Ein Wort ist völlig falsch geschrieben.

Und dann auch so manches Gespräch, das ich mit Hoeness geführt habe. Das waren schon immer welches, wo es schon gefunkt hat.

Der Name ist falsch geschrieben (Hoeneß) und eine furchtbar falsche Relativsatz-Konstruktion.

Sie haben ein Buch veröffentlich „Born to be Waldi”.

Es fehlt je ein Buchstabe und ein Satzzeichen.

Die Idee ist entstanden, als ich mich mit Frank Elstner vor eineinhalb Jahren nach einer Sendung zusammengesessen bin. Wir haben über alte Geschichten gesprochen. Und der Unterhaltungschef des Südwestfunks sagte damals, Sie müssen Ihre Geschichten mal alle aufschreiben. Und Frank sagte: Ne, Du musst sie erzählen. Das war so mal der erste Gedanke. Und dann hat mir Harald Schmidt bei der Olympiade in Peking da gleiche sagt.

Ein Wort („mich”) ist zu viel, es fehlen zweimal Anführungszeichen und es fehlt ein Buchstabe.

Und das sind ne ganze Menge an Geschichten…

Die Verbform ist falsch, denn eine Menge „ist”.

Den [Stefan Reuter, Anm. von bwg.de] kannte ich ja noch als 17-Jährigen, als er beim Club in die Bundesliga gekommen ist. Und besucht mich heute noch bei Geburtstagsfeiern oder bei meiner Hochzeit.

Es fehlt ein Wort, genauer das Subjekt.

Doch habe ich auch zu den handelnden Personen einen Draht. Josef Schneck.

Ein Name steht nach einem Punkt als eigener Satz. Hier fehlen so einige Satzteile.

Zu Watzke habe ich weniger Kontakt. Kloppo natürlich auch. Über die Zeit, etwa auch Jürgen Kohler, Thomas Helmer. Meistens die, die von Bayern zum BVB gekommen sind.

Ein Verb fehlt – und dadurch wird der Bezug unklar: Hat Kloppo nun zu Watzke wenig Kontakt oder zu Hartmann? Der folgende Satz ist völlig fehlkonstruiert,

Und da hab ich dann auch meine Maul zu weit aufgerissen.

Ein Buchstabe ist überschüssig.

Hier kommen sie, weil sie mich sehen wollen, zahlen und wollen nicht irgendein Sportevent.

Dieser Satz ist ebenfalls völlig fehlkonstruiert.

Weihnachten werde ich dann feststellen: Schaffe ich das? Oder ist es mir – auch physisch – zu heavy? Dann sage ich, wir treten kürzer.

Auch hier sind die Bezüge seltsam: Hartmann sagt, er werde feststellen „ob” es ihm zu viel ist, wobei er feststellen müsste, „dass” es zu viel ist – oder eben nicht. Und dann wird „er” feststellen, dass „sie” (Wer?) kürzer treten.

Wie so etwas passieren kann, ist ein Rätsel. Zumal es sich um eine Vielzahl von verschiedenen Fehlern handelt, die nicht alle mit Tippfehlern erklärbar sind.
Aber wenigstens in einer Sache kann man beim Westen sicher sein: An einer abgeschriebenen dpa-Meldung liegt es nicht…

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via bildblog

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Der FT zu Gast bei Freunden – Monika-Hohlmeier-Porträt

Montag, 24. August 2009 22:32

Der Fränkische Tag (FT), die in einer Auflage von etwa 70.000 Exemplaren erscheinende Lokalzeitung mit quasi-monopolartiger Stellung im Großraum Bamberg, ist nicht eben berühmt für kritischen Journalismus. Weniger charmant formuliert: hier wird gelegentlich Hofjournalismus betrieben.
Dass der FT nicht die SZ ist und nicht der Spiegel und nicht in regelmäßiger Folge politische Skandale aufdecken kann, versteht sich von selbst. Das kann, das darf man nicht erwarten.
Allerdings gibt sich der FT im lokaljournalistischen Alltag zumeist noch nicht einmal Mühe, eine kritische Grundhaltung einzunehmen.
Einen negativen Höhepunkt stellt das am 14.08.09 auf Seite 3 erschienene „Porträt“ der einstigen bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier dar. Es ist ein haarsträubend anbiedernder Text, der eins zu eins aus der Feder von Hohlmeiers PR-Abteilung stammen könnte und quasi keine für ein Porträt relevante Information enthält.

Dabei verlief Hohlmeiers politische Karriere durchaus turbulent: Im Jahr 2004 war die damalige Kultusministerin und Münchner CSU-Chefin über die Münchner Wahlfälschungsaffäre gestolpert und von ihren Ämtern zurückgetreten. Auch der Versuch, 2008 bei der Landtagswahl ein Mandat zu erringen, war gescheitert. Hohlmeiers politische Karriere schien beendet. Kurz vor der Europawahl 2009 aber gab die Tochter von Franz Josef Strauß ihren Umzug von Oberbayern nach Oberfranken bekannt – vom oberfränkischen Listenplatz eins aus startete sie prompt ihre Rückkehr in die Politik. Nicht wenige kritisierten dieses Vorgehen und so wurde die Tochter von Franz Josef Strauß in ihrer Wahlheimat nicht gerade begeistert empfangen.

All das hätte man schreiben können.
All das war für den Fränkischen Tag aber kein Thema. Genauso wenig übrigens, wie Hohlmeiers politische Ziele oder ihre Arbeit in Straßburg und Brüssel.
Stattdessen sprach FT-Redakteur Matthias Einwag mit ihr darüber „wie sie sich in Franken eingelebt hat.“

Und so erfährt man aus dem Artikel unter anderem, dass sie „mediterranes Gemüse und Kronfleisch“ mag, dass sie „Lebensfreude“ ausstrahlt, „heiter und gelöst“ wirkt und eine „rote Hose“ und ein „weißes Shirt“ trägt – was beides ebenso wie die „rot-weiße Himbeersahnetorte“ zeigt, dass Monika Hohlmeier „offenbar in Franken angekommen“ ist.
Es folgen die üblichen warmen Worte (Die Menschen in ihrem Wohnort Bad Staffelstein seien „herzlich, nett, unkompliziert und überhaupt unberührt von negativen Meldungen“), gefolgt von der kleinen sympathischen Unvollkommenheit, denn obwohl ihr Haus noch nicht bezugsfertig ist, habe „Monika Hohlmeier […] offenbar kein Problem damit, diese Übergangszeit in einer Ferienwohnung zu verbringen“.
Außerdem betont der Artikel die harte Arbeit Hohlmeiers – „44 Wochen sei sie in Brüssel und Straßburg, nur knapp acht Wochen dürfe sie nach Hause“ – und ihre Volksnähe: Weil die Angler so gerne „ratschen“, betreibe sie „Jogging mit Unterbrechungen“.
Ihre Rollen als Ehefrau eines Mannes, der sich anfangs so gar nicht wohl fühlte in der Öffentlichkeit an der Seite einer so prominenten Frau und als sorgende Mutter von Kindern, die ja zum Glück „anders aufwachsen dürfen“ als die während des deutschen Herbstes permanent unter Personenschutz stehende Hohlmeier selbst, kommen auch nicht zu kurz.
Schließlich darf sich Monika Hohlmeier noch unwidersprochen und unkommentiert über „unwahre Veröffentlichungen“ über ihren Vater in „Stern und Spiegel“ ärgern, über jene „Form des Journalismus, der ein festes Bild von Franz Josef Strauß gemauert hat“ und der seit seinem Tod angeblich noch „verbissener“ gegen ihn kämpft.
Und wer dann noch nicht überzeugt davon ist, dass Monika Hohlmeier einfach nur nett, bodenständig und patent ist und sich so richtig pudelwohl fühlt im schönen Franken, wo es die Bratwürste gibt, die sie genauso liebt wie Karl Theodor zu Guttenberg, der bekommt dann noch den Holzhammer in Form einer 16-teiligen Bildergalerie auf den Kopf. (Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Bilder 5 und 13, 8 und 14, 2 und 15 sowie 7 und 16 jeweils die gleichen sind.)
Die Bilder zeigen ausnahmslos Monika Hohlmeier im Porträt und sind beispielsweise untertitelt mit „Monika Hohlmeier bereitete für unseren Redakteur extra einen Kuchen vor“ oder „Und wenn die Wäsche dreckig ist, wird natürlich auch im Hause Hohlmeier gewaschen.“
Als Sahnehäubchen sei noch das im Artikel gebotene Video empfohlen.
Man darf annehmen, dass die Frage „So, und das ist jetzt also italienischer Kaff, äh, Espresso?“ die kritischste Frage ist, die Monika Hohlmeier an diesem Tag gestellt wurde.


update, 28.08.09: Auch der Blog baminfo hat sich des Artikels angenommen.

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Zeillos verwirrt

Montag, 24. August 2009 22:14

In der Samstags- und Sonntagsausgabe des Fränkischen Tages vom 14./15.08.09 bat Redakteur Martin Utz den bayerischen Wirtschaftsminister, Martin Zeil (FDP), zum Interview, dem eine halbe Seite eingeräumt wurde.
Zeil ist gerade unterwegs auf einer „Bratwursttour durch Oberfranken“. Vielleicht, weil es auch bei der anstehenden Wahl um die Wurst geht oder weil es einfach super volksnah und bodenständig wirken soll. Wie auch immer.
Das Interview beginnt so:

FT: „Ist diese Wahlkampf-Bartwurst-Tour nicht schlecht für die Gesundheit?“
MZ: „Gar nicht! Sie enthalten ja wertvolle Ingredienzien. Und ich habe mit der Bratwursttour vor der Landtagswahl den Grundstein für den Erfolg gelegt.“

Martin Zeil hat also, das zumindest steht in diesem Absatz, behauptet, Namensvetter Utz enthalte wertvolle Ingredienzien. Interessant.[1]
Nach diesem furiosen Einstieg leitet Utz kurz darauf zu den „ernsten Themen“ über.

FT: „Zeigt Ihnen der Fall Quelle, dass der Staat nicht alles richten kann?“

Einmal davon abgesehen, dass die Frage unsinnig ist, weil der Glaube, der Staat könne alles richten, völlig utopisch ist und diese Behauptung mit Ausnahme Utz’ auch keiner in den Raum gestellt hat – also einmal abgesehen von alldem, bleibt eigentlich nur eine Steilvorlage übrig für den Vertreter einer Partei, die weithin dafür bekannt ist, dass sie lieber auf die Selbstheilungskräfte des Marktes als auf staatliche Intervention setzt; noch verworrener ist allerdings Zeils Antwort.

MZ: „Wir erkennen, dass viele schwierige Entscheidungen, die wir akzeptieren müssen, ihre Ursachen weit im Vorfeld der Finanzkrise haben. Insofern war es richtig, dass wir in Bayern – und generell – äußerst zurückhaltend waren. Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Auch durch den Massenkredit, den wir vergeben haben, besteht nun die gute Chance, einen guten Teil des Unternehmens zu erhalten.“

Die Frage lautete: Zeigt der Fall Quelle, dass der Staat nicht alles richten kann?
Martin Zeil gelingt hier das Kunststück, nicht nur nicht auf die Frage zu antworten, sondern in seiner ausweichenden Antwort auch noch nichts zu sagen. Es gab also irgendwelche schwierige Entscheidungen (viele!), die irgendwann vor der Krise von irgendwelchen Leuten getroffen wurden und irgendein diffuses „wir“ erkennt das jetzt.
Es gibt allerdings „aber“ auch noch eine gute Nachricht – womit zumindest geklärt wäre, dass die schwierigen Entscheidungen (viele!) vorher eher schlechte Nachrichten waren. Warum auch immer.
Die gute Nachricht heißt dann, etwas ummodelliert: Wir wissen nicht, wie viel unser Massenkredit hilft, aber wahrscheinlich löst sich das Unternehmen nicht ganz auf.
Das wäre wohl sogar wirklich eine gute Nachricht, hat allerdings weder einen Bezug zu den ominösen schwierigen Entscheidungen noch zu der Frage des Interviewers.

Später möchte Utz von Zeil wissen, welche Defizite er bei der Union sehe.
Zeil sagt darauf: „Wir erwarten von der Union, dass sie sich klar bekennt, statt die FDP zu beschimpfen. Für mich ist das ein Akt der Hilflosigkeit. Mir ist unerklärlich, warum die Union nicht in der Lage ist, sich der Sorgen und Ängste der Bürger anzunehmen. Statt Konzepten für die Zukunft zeigen sich einige sehr überheblich und verhandeln schon über Ministerämter.“

Gut, der erste Satz kann, betrachtet man die vorausgehenden Fragen zu möglichen Koalitionen noch so interpretiert werden, dass Zeil gerne eine klare Koalitionsaussage der Union hätte. Nur: Horst Seehofer, Volker Kauder und Ronald Pofalla haben sich bereits für eine Koalition mit der FDP ausgesprochen – und fordern ihrerseits die FDP auf, Farbe (nämlich schwarz-gelb) zu bekennen.
Alles Folgende enthält außer Worthülsen keine Aussage. Abgesehen von der Kritik am Feilschen um Ministerämter – das „statt Konzepte[n] für die Zukunft“.[2]

Leider kann ich nicht alles zitieren, das lässt das Zitatrecht nicht zu und online gibt es nur eine grobe Zusammenfassung mit einem Verweis auf die gedruckte Ausgabe.
Die drei letzten (von insgesamt 14) Fragen drehen sich um Horst Schlämmer, der bei einer Kandidatur 18% der Stimmen erhalten würde, das habe eine „durchaus seriöse Umfrage“ ergeben[3] und darum, ob man Hape Kerkelings Film „Isch kandidiere“ statt des TV-Duells von Angela Merkel und Frank(-Walter) Steinmeier schauen solle.

Martin Utz fand das Interview übrigens „spannender als gedacht“ und „Aufmacher-tauglich“ und für Martin Zeil ist zu hoffen, dass es das auch war, und nur die falschen Ausschnitte gedruckt wurden. Denn er sagte auch:
„Wir haben doch ganz klar gesagt, wofür wir stehen“.
Das wäre dann doch etwas arg wenig.


[1] 100 Gramm Bratwurst enthalten laut dieser Quelle übrigens „rund 20 bis 35 Gramm“ Fett. Das nur am Rande.
[2] Das Verb habe nicht ich weggelassen!
[3] Warum das Unsinn ist, erklärt z.B. Stefan Niggemeier.

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