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	<title>beim wort genommen &#187; Grundgesetz</title>
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	<description>weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</description>
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		<title>Chaos Computer Club seziert Bundestrojaner: Programm mit illegalen Funktionen</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 23:33:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Oha, da liegt ein handfester politischer Skandal in der Luft: Der Chaos Computer Club (CCC) hat Festplatten mit (unzureichend gelöschten) Trojanern in die fachkundigen Hände bekommen und seziert, bei denen es sich nach Aussage des CCC um Bundestrojaner handeln soll. Die Untersuchung ergab unter anderem, dass diese Trojaner mehr konnten, als Bundestrojaner dürfen, zum Beispiel [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/10/09/chaos-computer-club-seziert-bundestrojaner-programm-mit-illegalen-funktionen/">Chaos Computer Club seziert Bundestrojaner: Programm mit illegalen Funktionen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oha, da liegt ein handfester politischer Skandal in der Luft: Der Chaos Computer Club (CCC) hat Festplatten mit (unzureichend gelöschten) Trojanern in die fachkundigen Hände bekommen und seziert, bei denen es sich nach Aussage des CCC um <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Bundestrojaner">Bundestrojaner</a> handeln soll. Die Untersuchung ergab unter anderem, dass diese Trojaner mehr konnten, als Bundestrojaner dürfen, zum Beispiel per Keylogger die Tatstatureingaben mitschreiben oder in regelmäßigen Abständen Screenshots anfertigen.</p>
<p>Gespannt, wie es weitergeht. Wie man liest, wird die morgige (heutige) FAS dem Thema einiges an Platz widmen.<br />
Online finden sich bei der FAZ schon mal eine ausführliche <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-amtlicher-trojaner-anatomie-eines-digitalen-ungeziefers-11486473.html">Darstellung von CCC-Sprecher Frank Rieger</a> und eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/staatstrojaner-code-ist-gesetz-11486546.html">Analyse</a> von Frank Schirrmacher; dazu ein <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2011-10/ccc-bundestrojaner-onlinedurchsuchung/komplettansicht?commentstart=25#comments">Frage-Antwort-Stück</a> von Kai Biermann bei Zeit-Online.<br />
Den Untersuchungsbericht des CCC, der für den Normalnutzer wenig verständlich sein dürfte, gibt es <a href="http://www.ccc.de/system/uploads/76/original/staatstrojaner-report23.pdf">hier als pdf</a>.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2011/10/09/chaos-computer-club-seziert-bundestrojaner-programm-mit-illegalen-funktionen/">Chaos Computer Club seziert Bundestrojaner: Programm mit illegalen Funktionen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kommentar zu Köhlers Rücktritt: Vielleicht bedauerlich, aber nötig</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 13:52:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Horst Köhler tritt zurück, mit sofortiger Wirkung. Dieser in der Bundespolitik beispiellose Schritt kommt überraschend. Und wenn man sieht, wie Köhler die Erklärung verliest, wie er mit den Worten schließt, es sei eine Ehre gewesen, Deutschland zu dienen – da kann man fast ein wenig Mitleid haben. Den Rücktritt zu erklären, das war nicht nur [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/31/kommentar-zu-kohlers-rucktritt-vielleicht-bedauerlich-aber-notig/">Kommentar zu Köhlers Rücktritt: Vielleicht bedauerlich, aber nötig</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Horst Köhler <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/31/horst-kohler-tritt-zuruck/">tritt zurück</a>, mit sofortiger Wirkung. Dieser in der Bundespolitik beispiellose Schritt kommt überraschend. Und wenn man sieht, wie Köhler die Erklärung verliest, wie er mit den Worten schließt, es sei eine Ehre gewesen, Deutschland zu dienen – da kann man fast ein wenig Mitleid haben. Den Rücktritt zu erklären, das war nicht nur ein überraschender Schritt von Horst Köhler, es war mit Sicherheit auch kein leichter für ihn. Dafür gebührt ihm Respekt. </p>
<p>Als Begründung führte Köhler die Kritik an seinen <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">Äußerungen</a> zu Militäreinsätzen an. Die Kritik sei so weit gegangen, dass man ihm unterstellte, er befürworte Einsätze, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Derlei Vorwürfe entbehrten jeder Rechtfertigung und ließen den Respekt vor seinem Amt vermissen, so Köhler in seiner kurzen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6A2D437D5C094F678A6F77D736AEBC2C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Erklärung</a>.</p>
<p>Man muss dabei betonen und ihn so weit in Schutz nehmen: Köhler hat Militäreinsätze zur Sicherung des Wohlstandes tatsächlich nicht befürwortet. Aber er hat sie für unter Umständen notwendig erklärt. Schon das ist nicht verzeihlich. Als jemand, der dem Grundgesetz qua Amtseid verpflichtet ist, müsste er solchen Gedankenspielen eine klare Absage erteilen.</p>
<p>Dass er genau das nicht getan hat, mag der Übermüdung geschuldet gewesen sein oder mangelndem rhetorischen Geschick. Darum kann es, darum darf es aber nicht gehen.<br />
Die Kritik am Deutschlandradio-Interview war im Kern völlig berechtigt – und sie fußte allein auf dem Wortlaut des Interviews und auf dem Wortlaut der Klarstellung durch das Bundespräsidialamt. Sie war mithin gut begründet. </p>
<p>Müßig zu spekulieren, ob die aktuelle Kritik einziger Auslöser für den Rücktritt war, oder ob verschiedene Faktoren zusammenkamen; Köhler war in den letzten Monaten häufiger wegen seiner Amtsführung in der Kritik. Laut ARD gab es auch Reibungen im Bundespräsidialamt. </p>
<p>Den Zeitpunkt des Rücktritts in einer ohnehin von politischen Turbulenzen geprägten Zeit kann man ungünstig finden. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen muss nun unvorbereitet die Geschäfte übernehmen, Bundestagspräsident Norbert Lammert muss innerhalb von 30 Tagen eine Bundesversammlung einberufen, Kandidaten müssen gefunden werden. Bei alldem muss das Tagesgeschäft reibungslos weiterlaufen.<br />
Man kann den Rücktritt auch bedauerlich finden. Horst Köhler war während seiner gesamten Zeit sicherlich kein schlechter Bundespräsident. Er wird durch seine Aussagen auch kein Kriegstreiber. Persönliche Angriffe auf den Menschen Köhler sind daher genauso zu unterlassen wie Häme.</p>
<p>Doch darf gerade der Bundespräsident als oberster Repräsentant der Verfassung nie den Eindruck erwecken, nicht mehr voll hinter dem Grundgesetz zu stehen.<br />
Erst aus dem Respekt vor dem politischen System, das in seinem Wesen eben durch die Verfassung konstituiert wird, kann schließlich Respekt vor dem Amt erwachsen. Deshalb greift auch Köhlers Begründung nicht.<br />
Weil bei ihm der Eindruck aufkam, er orientiere sich nicht strikt an der Verfassung, musste er gehen.</p>
<p>Letztlich war der Schritt konsequent und nötig. Der Rücktritt an sich ist zu begrüßen.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/31/kommentar-zu-kohlers-rucktritt-vielleicht-bedauerlich-aber-notig/">Kommentar zu Köhlers Rücktritt: Vielleicht bedauerlich, aber nötig</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Steht doch schon im Weißbuch&#8221; &#8211; so ein Unsinn!</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/steht-doch-schon-im-weisbuch-so-ein-unsinn/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 22:53:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Bevor ich morgen (hoffentlich) Weiteres zu Horst Köhler und den Reaktionen der Medien schreibe, und bevor ich noch auf die Erklärung des Bundespräsidialamtes zu sprechen komme, möchte ich kurz ein viel gelesenes Argument derjenigen, die Köhlers Äußerungen für nicht wirklich schlimm halten, entkräften: &#8220;Das steht doch schon im Weißbuch der Bundeswehr von 2006.&#8221; Köhler habe [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/steht-doch-schon-im-weisbuch-so-ein-unsinn/">&#8220;Steht doch schon im Weißbuch&#8221; &#8211; so ein Unsinn!</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich morgen (hoffentlich) Weiteres zu Horst Köhler und den Reaktionen der Medien schreibe, und bevor ich noch auf die Erklärung des Bundespräsidialamtes zu sprechen komme, möchte ich kurz ein viel gelesenes Argument derjenigen, die Köhlers Äußerungen für nicht wirklich schlimm halten, entkräften: &#8220;Das steht doch schon im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fbuch_%28Bundeswehr%29">Weißbuch der Bundeswehr</a> von <a href="http://www.bmvg.de/fileserving/PortalFiles/C1256EF40036B05B/W26UYEPT431INFODE/WB_2006_dt_mB.pdf"><strong>2006</strong></a>.&#8221;</p>
<blockquote><p>Köhler habe lediglich darauf hingewiesen, dass zu den neuen Aufgaben der Bundeswehr auch der Schutz von Handelswegen gehöre. „Das steht bereits im Weißbuch“, sagte Hoff [Elke Hoff, FDP, Anm. bwg].</p></blockquote>
<p>Zitiert nach dem <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/horst-koehler-es-war-nicht-so-gemeint/1846680.html">Tagesspiegel</a></p>
<p>Blogger nosferatu <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/nosferatu/krieg-fuer-oekonomische-interessen-die-aeusserungen-von-koehler">schreibt</a> in der community des Freitags: </p>
<blockquote><p>Das Weißbuch stammt aus dem Jahr 2006 und ist auf der Internetseite des Bundesverteidigungsministerium frei verfügbar. Also hat der Bundespräsident letztlich nichts neues gesagt, wozu also die Aufregung?</p></blockquote>
<p>Und auch <a href="http://www.fr-online.de/top_news/2690653_aerger-um-Koehler-aeusserungen-Das-boese-Wort-vom-Wirtschaftskrieg.html&#038;em_comment_page=2">andere</a> Kommentatoren <a href="http://meta.tagesschau.de/id/36642/krieg-fuer-wirtschaftsinteressen">blasen</a> auf verschiedensten Plattformen in dasselbe Horn. </p>
<p>Einmal davon abgesehen, dass die Äußerungen des höchsten Repräsentanten Deutschlands, der sich explizit zum Grundgesetz als seinem normativen Fundament bekennen muss, auch dann genauso kritikwürdig wären, gäbe es andere Dokumente oder Aussagen gleicher Art: Das ist Unsinn. Das Weißbuch beschreibt ausdrücklich nicht als Aufgabe der Bundeswehr, „den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstandes zu fördern“.</p>
<p>Diese Aufgabe wird zwar formuliert, doch als eine der Sicherheitspolitik, nicht der Bundeswehr. So zitiert es es auch Nosferatu in seinem Blog.<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitspolitik">Sicherheitspolitik</a> ist nämlich keinesfalls gleichzusetzen mit Militäreinsatz. Zur Sicherheitspolitik gehören auch klassisch politische Maßnahmen wie Diplomatie.</p>
<p>Deshalb trägt das Argument, Köhler habe doch nur gesagt, was schon im Weißbuch stünde, nicht. Es ist Unsinn.</p>
<p>Leider wischt auch Tagesschau-Redakteur Christian Thiels den Unterschied zwischen Sicherheitspolitik und Bundeswehr wie beiläufig zur Seite, obwohl er ihn erkennt und darauf eingeht. Ich habe auch <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7850">dort, in den Kommentaren im Tagesschau-Blog</a>, noch einmal &#8211; und vielleicht ausführlicher &#8211; erklärt, warum es einen Unterschied gibt zwischen den Äußerungen Köhlers und dem, was im Weißbuch steht.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/steht-doch-schon-im-weisbuch-so-ein-unsinn/">&#8220;Steht doch schon im Weißbuch&#8221; &#8211; so ein Unsinn!</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&quot;Steht doch schon im Weißbuch&quot; &#8211; so ein Unsinn!</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 22:53:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich morgen (hoffentlich) Weiteres zu Horst Köhler und den Reaktionen der Medien schreibe, und bevor ich noch auf die Erklärung des Bundespräsidialamtes zu sprechen komme, möchte ich kurz ein viel gelesenes Argument derjenigen, die Köhlers Äußerungen für nicht wirklich schlimm halten, entkräften: &#8220;Das steht doch schon im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fbuch_%28Bundeswehr%29">Weißbuch der Bundeswehr</a> von <a href="http://www.bmvg.de/fileserving/PortalFiles/C1256EF40036B05B/W26UYEPT431INFODE/WB_2006_dt_mB.pdf"><strong>2006</strong></a>.&#8221;</p>
<blockquote><p>Köhler habe lediglich darauf hingewiesen, dass zu den neuen Aufgaben der Bundeswehr auch der Schutz von Handelswegen gehöre. „Das steht bereits im Weißbuch“, sagte Hoff [Elke Hoff, FDP, Anm. bwg].</p></blockquote>
<p>Zitiert nach dem <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/horst-koehler-es-war-nicht-so-gemeint/1846680.html">Tagesspiegel</a></p>
<p>Blogger nosferatu <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/nosferatu/krieg-fuer-oekonomische-interessen-die-aeusserungen-von-koehler">schreibt</a> in der community des Freitags:</p>
<blockquote><p>Das Weißbuch stammt aus dem Jahr 2006 und ist auf der Internetseite des Bundesverteidigungsministerium frei verfügbar. Also hat der Bundespräsident letztlich nichts neues gesagt, wozu also die Aufregung?</p></blockquote>
<p>Und auch <a href="http://www.fr-online.de/top_news/2690653_aerger-um-Koehler-aeusserungen-Das-boese-Wort-vom-Wirtschaftskrieg.html&#038;em_comment_page=2">andere</a> Kommentatoren <a href="http://meta.tagesschau.de/id/36642/krieg-fuer-wirtschaftsinteressen">blasen</a> auf verschiedensten Plattformen in dasselbe Horn.</p>
<p>Einmal davon abgesehen, dass die Äußerungen des höchsten Repräsentanten Deutschlands, der sich explizit zum Grundgesetz als seinem normativen Fundament bekennen muss, auch dann genauso kritikwürdig wären, gäbe es andere Dokumente oder Aussagen gleicher Art: Das ist Unsinn. Das Weißbuch beschreibt ausdrücklich nicht als Aufgabe der Bundeswehr, „den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstandes zu fördern“.</p>
<p>Diese Aufgabe wird zwar formuliert, doch als eine der Sicherheitspolitik, nicht der Bundeswehr. So zitiert es es auch Nosferatu in seinem Blog.<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitspolitik">Sicherheitspolitik</a> ist nämlich keinesfalls gleichzusetzen mit Militäreinsatz. Zur Sicherheitspolitik gehören auch klassisch politische Maßnahmen wie Diplomatie.</p>
<p>Deshalb trägt das Argument, Köhler habe doch nur gesagt, was schon im Weißbuch stünde, nicht. Es ist Unsinn.</p>
<p>Leider wischt auch Tagesschau-Redakteur Christian Thiels den Unterschied zwischen Sicherheitspolitik und Bundeswehr wie beiläufig zur Seite, obwohl er ihn erkennt und darauf eingeht. Ich habe auch <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7850">dort, in den Kommentaren im Tagesschau-Blog</a>, noch einmal &#8211; und vielleicht ausführlicher &#8211; erklärt, warum es einen Unterschied gibt zwischen den Äußerungen Köhlers und dem, was im Weißbuch steht.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/28/steht-doch-schon-im-weisbuch-so-ein-unsinn-2/">&quot;Steht doch schon im Weißbuch&quot; &#8211; so ein Unsinn!</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Horst Köhler und die Militäreinsätze: Reaktionen der Medien und Politik (Update)</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-die-militareinsatze-reaktionen-der-medien-und-politik/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 14:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Hier werde ich alle Reaktionen der Medien und Politik sammeln, die auf meine Anfragen eingehen &#8211; falls denn welche eingehen. &#8212; Vor einer halben Stunde hat Kirsten Haake von zeit-online auf Twitter geantwortet: @beimwort: Danke für den Hinweis auf das Köhler-Interview. http://bit.ly/cuFJXU Wir gehen dem nach. (kh) Update, 27.05.2010, 16.30 Uhr: Zeit-Online berichtet jetzt auch: [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-die-militareinsatze-reaktionen-der-medien-und-politik/">Horst Köhler und die Militäreinsätze: Reaktionen der Medien und Politik (Update)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier werde ich alle Reaktionen der Medien und Politik sammeln, die auf meine Anfragen eingehen &#8211; falls denn welche eingehen.</p>
<p>&#8212;<br />
Vor einer halben Stunde hat Kirsten Haake von <strong>zeit-online</strong> auf Twitter <a href="http://twitter.com/zeitonline/status/14764610776">geantwortet</a>:</p>
<blockquote><p>@beimwort: Danke für den Hinweis auf das Köhler-Interview. http://bit.ly/cuFJXU  Wir gehen dem nach. (kh)</p></blockquote>
<p><strong>Update, 27.05.2010, 16.30 Uhr:</strong> Zeit-Online berichtet jetzt auch: &#8220;<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/koehler-bundeswehr-wirtschaft-2">Bundeswehr: Militäreinsatz für deutsche Wirtschaftsinteressen?</a>&#8221;</p>
<p>Offenbar hatte die Redaktion von Köhlers Äußerungen bis zu meiner Anfrage per Twitter wirklich keine Notiz genommen &#8211; jedenfalls bedankt sich Kirsten Haake in den Kommentaren noch einmal für den Hinweis. </p>
<p>&#8212;<br />
Der <strong>Freitag</strong>, den ich nicht kontaktiert hatte, in dessen Community Köhlers Äußerungen aber aufgegriffen worden waren, hat jetzt als meines Wissens erstes größeres Medium einen Artikel online: &#8220;<a href="http://www.freitag.de/politik/1021-deutsches-interesse">Deutsches Interesse</a>&#8220;.<br />
Leider zitiert Janusz Biene Köhlers Äußerungen nur teilweise; Deutschland müsse bereit sein, seine Interessen auch mit Militäreinsatz zu verfolgen &#8211; der wichtigste Teil fehlt. Denn auch die Selbsterhaltung ist ein Interesse Deutschlands, zu dessen Erreichung auch das Grundgesetz als unser Werterahmen einen Militäreinsatz für legitim erklärt. Richtig brisant wurde Köhlers Zitat ja erst dadurch, dass er die Interessen spezifizierte: Einkommen, Arbeitsplätze, freie Handelswege.</p>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 14.43 Uhr</strong>:</p>
<p>Auch die <strong>Frankfurter Rundschau</strong> hat sich auf meine Anfrage hin gemeldet und für meinen Hinwies bedankt: Die &#8220;banale Antwort&#8221; auf die Frage, warum die FR vorher nicht berichtet habe, laute, dass dort niemand das Interview wahrgenommen habe.<br />
Mittlerweile prangt als &#8220;Top-News&#8221; ein Artikel auf der Startseite von fr-online: &#8220;<a href="http://www.fr-online.de/top_news/2690653_aerger-um-Koehler-aeusserungen-Das-boese-Wort-vom-Wirtschaftskrieg.html">Ärger um Köhler-Äußerungen &#8211; Das böse Wort vom Wirtschaftskrieg</a>&#8221;<br />
Und auch in der morgigen Print-Ausgabe, so schreibt man mir, soll ein größerer Artikel dazu erscheinen.</p>
<p>&#8212;<br />
<strong>Spiegel-Online</strong> hat sich nicht bei mir gemeldet; immerhin findet sich jetzt auch dort ein Bericht: &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html">Bundeswehr in Afghanistan &#8211; Köhler entfacht neue Kriegsdebatte</a>&#8221;</p>
<p>&#8212;<br />
Wird langsam eine Presseschua hier: Der <strong>Deutschlandfunk</strong> hat ein Interview mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschnusses, Ruprecht Polenz (CDU) geführt: &#8220;<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1190941/">Er wollte keine neue Militärdoktrin für Deutschland verkünden</a>&#8221;</p>
<p>&#8212;<br />
Auch die <strong>Süddeutsche</strong> antwortet nicht auf Anfragen, zieht jetzt aber inhaltlich nach: &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehreinsaetze-koehler-wirtschaftsinteressen-militaerisch-durchsetzen-1.950594">Köhler: Krieg für freien Handel</a>&#8221;</p>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 15.57 Uhr:</strong></p>
<p>Nun hat auch die <strong>dpa</strong> auf meine Anfrage geantwortet. Sprecher Justus Demmer erklärt den Grund dafür, dass die dpa noch nicht berichtet hatte: Das Wortlaut-Interview habe nicht zur Verfügung gestanden.</p>
<p>Hier Demmers Mail:</p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Schaible,</p>
<p>meine Berliner Kollegen haben mich über Ihre Anfrage in Kenntnis gesetzt, herzlichen Dank für das Interesse an unserer Arbeit. Sie sehen ja, dass das Thema inzwischen sehr wohl medienwirksam geworden ist, inklusive aller dazugehörenden Mechanismen und Aufgeregtheiten des politischen Berlins. Wir wollen Ihnen trotzdem die Antwort auf Ihre ursprüngliche Frage nicht vorenthalten, denn den von Ihnen genannten Aspekt aus dem Interview des Deutschlandradios mit Bundespräsident Köhler hätte man tatsächlich aufgreifen können. Uns lag am Wochenende allerdings nur eine redaktionelle Fassung &#8211; und nicht der Wortlaut &#8211; des Interviews vor, wobei uns das in Ausschnitten wiedergegebene Zitat zu vage und unkonkret erschien. Wir haben das von Ihnen aufgeworfene Thema aber im Blick behalten und verfolgen es natürlich auch aktuell weiter. Hier wird ein Muster sichtbar wird, dass sich im Berliner Betrieb immer wieder wiederholt: Eine Äußerung verhallt zunächst ungehört, sie wird von interessierter politischer Seite wieder in den Ring geworfen, verhallt evtl. erneut, wird zum Thema &#8211; die Reihe lässt sich fast beliebig verlängern.</p>
<p>Beste Grüße, bis zum nächsten Mal,</p>
<p>Justus Demmer
</p></blockquote>
<p>&#8212; <strong>Update, 27.05.2010, 16.10 Uhr</strong></p>
<p>Der <strong>ddp</strong> antwortet auf meine Anfrage. Tatsächlich hat der ddp schon am Samstag (22.05.10) um 08.03 Uhr über Köhlers Interview berichtet &#8211; direkt, nachdem das Deutschlandradio um 07.47 Uhr eine Pressemitteilung herausgegeben hatte.<br />
Den Schwerpunkt legte der ddp zwar auf den &#8220;Respekt&#8221;, den Köhler gefordert hatte, doch enthielt die Meldung eigentlich alle relevanten Aussagen:</p>
<blockquote><p>Es sei in Ordnung, wenn in Deutschland kritisch über den Einsatz der Bundeswehr diskutiert werde. Ein Land &#8220;unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit&#8221; müsse aber zur Wahrung seiner Interessen &#8220;im Zweifel&#8221; auch zu militärischen Mitteln greifen. Es gelte, &#8220;ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen&#8221; und sich somit negativ auf Handel, Arbeitsplätze und Einkommen auswirkten.</p></blockquote>
<p> &#8211; <em>Anmerkung: Ich versuche gerade herauszubekommen, welche Medien der ddp beliefert. Aus dem Kopf und dem Bauch heraus würde ich meinen, dass eigentlich alle großen überregionalen Medien den ddp-Basisdienst beziehen, aber versuche, das genauer heruaszufinden.<br />
Update, 27.05.2010, 18.33 Uhr: Die Liste der Kunden des ddp sind Interna und dürfen leider nicht herausgegeben werden. Mal sehen, ob ich anders an die Liste komme &#8211;> Twitter.<br />
Die SZ ist ddp-Kunde, der Spiegel nicht, der Stern führt im Impressum die abonnierten Agenturen nicht auf, de</em>- </p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-die-militareinsatze-reaktionen-der-medien-und-politik/">Horst Köhler und die Militäreinsätze: Reaktionen der Medien und Politik (Update)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Horst Köhler und der Krieg für Arbeit und Einkommen</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 16:48:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Friede]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Horst Köhler hat am Wochenende die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Zu diesem Anlass gab er am Samstag Christopher Ricke vom Deutschlandradio ein Interview. Darin spricht er über den Afghanistan-Einsatz, über Ziele, Probleme, Beweggründe. Und eine Passage ist es wert, genauer betrachtet zu werden: „Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">Horst Köhler und der Krieg für Arbeit und Einkommen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Horst Köhler hat am Wochenende die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Zu diesem Anlass gab er am Samstag Christopher Ricke vom Deutschlandradio ein Interview. Darin spricht er über den Afghanistan-Einsatz, über Ziele, Probleme, Beweggründe. Und eine Passage ist es wert, genauer betrachtet zu werden:</p>
<blockquote><p>„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen – negativ, durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“</p></blockquote>
<p><em><font size="1"><a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/05/22/drk_20100522_0609_46a27ea3.mp3">Quelle</a> (audio)/ <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1188780/">Transkript</a> der gekürzten Version des Deutschlandradios/ <a href="http://joese.de/blog/2010/05/23/pressestelle-oder-journalismus/">Transkript</a> der hier zitierten Passagen beim &#8220;tastendrescher&#8221; (Richtigkeit des Transkripts von mir geprüft)</font size></em></p>
<p>Bricht man das Zitat einmal auf und bringt es in eine sinnvolle Reihenfolge, sagt Köhler in etwa Folgendes:</p>
<p>Deutschland muss seine Interessen wahren.<br />
Dazu ist im Notfall auch Einsatz des Militärs notwendig.<br />
Zu den zu wahrenden Interessen gehören ein hohes Einkommen, ein hoher Beschäftigungsstand und freier Handel [1], der durch freie Handelswege gewährleistet wird.<br />
Speziell vom Handel ist Deutschland als Exportland stark abhängig, er muss besonders geschützt werden.<br />
Der freie Handel wird unter anderem gefährdet durch regionale Instabilitäten.</p>
<p>Daraus folgt: Zur Sicherung des freien Handels (Unterziel) bzw. zur Sicherung der wirtschaftlichen Situation (Oberziel in Form von Beschäftigung, Einkommen) kann ein Militäreinsatz nötig sein, etwa um Regionen zu stabilisieren.</p>
<p>Die Sprengkraft, die diesem Zitat innewohnt, ist riesig. Ich bin kein Verfassungsjurist, lasse mich also gerne korrigieren, aber meines Wissens definiert das Grundgesetz die Aufgaben des Militärs, also der Bundeswehr, im <a href="http://bundesrecht.juris.de/gg/art_87a.html">Art. 87a GG</a> so: Verteidigung des Staatsgebiets gegen einen Angriff mit Waffengewalt bzw. Verteidigung der FDGO (<a href="http://bundesrecht.juris.de/gg/art_91.html">Art. 91 GG</a>) sowie Aufgaben, die das GG ausdrücklich erlaubt. Das können nur solche sein, die sich aus Bündnissen ergeben, an die der Bund Hoheitsrechte abtritt (<a href="http://bundesrecht.juris.de/gg/art_24.html">Art. 24 GG</a>).<br />
Militärische Einsätze dürfen also nur erfolgen, wenn sie dazu dienen, das Existenzrecht Deutschlands zu verteidigen.</p>
<p><strong>Wirtschaftliche Prosperität rechtfertigt militärische Gewalt </strong></p>
<p>Nun nimmt Deutschland auch an UN-Missionen teil, die nicht der Selbstverteidigung dienen, und die das Ziel haben, Regionen zu stabilisieren – aber diesen Missionen ist das Ziel der Stabilisation mehr oder minder Selbstzweck. Auch Einsätze dieser Art und auch wenn sie durch eine UN-Resolution gedeckt sind, kann man kritisieren, zumindest auf dem Papier geht es bei UN-Einsätzen aber immer darum, den „Frieden in der Welt“ zu sichern. Instabile Regionen sollen stabilisiert werden, weil Stabilität gleichgesetzt wird mit Sicherheit – für die Menschen vor Ort und für die Weltgemeinschaft.<br />
In Köhlers Argumentation wird die Stabilisation von Krisenherden dagegen zum Mittel, um einen rein nationalen Zweck zu erreichen: wirtschaftliche Prosperität. Das hat eine völlig andere Qualität.</p>
<p>Frappierend ist die Beiläufigkeit, mit der Köhler, als Bundespräsident ja Verfassungsorgan, mit dem bei der Staatsgründung zentralen Gedanken bricht: Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen. Erschreckend ist der Verweis auf Deutschlands Größe; ganz klar wird nicht, wieso er überhaupt erwähnt, dass Deutschland „ein so großes Land“ ist, aber man bekommt zumindest den Eindruck, als rechtfertige eine gewisse Machtposition militärische Gewalt – als gelte das Recht des Stärkeren. Das ist ein Gedanke, der im anarchischen internationalen System vielleicht empirisch zu beobachten ist, der mit dem normativen Fundament, auf dem die Bundesrepublik steht, aber nicht vereinbar ist.<br />
Natürlich hat Köhler weder das Wort Krieg in den Mund genommen, noch haben seine Aussagen  unmittelbare Konsequenzen. Natürlich ist nicht zu erwarten, dass Deutschland in naher Zukunft weltweit militärisch aktiv wird. Natürlich ist Köhler nur wegen dieser Aussagen kein Kriegstreiber.<br />
Und dennoch: Dass ein deutscher Bundespräsident derart unverhohlen Militäreinsätzen das Wort redet, dass er derart deutlich mit der bisherigen, zumindest offiziellen, Staatsräson bricht, dass er ungeniert wirtschaftliche nationale Interessen mit Waffengewalt zu sichern erwägt, ist ein Skandal.</p>
<p><strong>Gewandeltes Selbstbild</strong></p>
<p>Wirklich überraschen kann es indes nicht. Köhlers Aussagen reihen sich ein in die Forderungen nach Respekt vor deutschen Soldaten, in zu Guttenbergs Rede davon, dass man stolz sein dürfe auf die toten Soldaten, in die Rede vom Krieg in Afghanistan, in die Wiederkehr des Verbs „fallen“; sie sind Ausdruck eines neuen bundesrepublikanischen Selbstverständnisses, das sich in Einsätzen im Kosovo, in Afghanistan, vor Somalia manifestiert. Militäreinsätzen, dem Krieg haftet nicht mehr der Ruch an wie früher. Die demütige Täternation von einst versteht sich heute als legitimen Global Player mit legitimen, auch nationalen Zielen und den gängigen politischen Mitteln zu ihrer Durchsetzung.</p>
<p><strong>Die Medien schweigen</strong></p>
<p>Bliebe noch die Frage, warum die Medien nicht auf Köhlers Aussagen reagieren. Von den großen überregionalen Medien (online) <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundespraesident-koehler-in-afghanistan-warum-hoere-ich-das-nicht-von-ihnen-1.948375">erwähnt</a> bisher nur die Süddeutsche Zeitung Köhlers Zitat, ohne es aber einzuordnen oder zu kommentieren. Die gedruckte SZ bringt heute eine dpa-Meldung, wonach Köhler bei seinem Besuch die Soldaten „irritiert“ habe mit dem Vorwurf, ihnen fehle es an Überzeugung: kein Wort zu Köhlers Interview. Ich finde online keine Meldung der dpa, keine des ddp, keine von afp. Einzig <a href="http://rivva.de/http://holgi.blogger.de/stories/1636681/">eine Handvoll Blogs</a>, darunter mit <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b50645fb">fefe</a> nur ein einigermaßen bekannter, nahmen Notiz.</p>
<p>Die Frage ist: warum? Mir scheint, inhaltlich wäre die Nachricht sogar Stoff für einen Aufmacher – doch findet sie noch nicht einmal eine Erwähnung als Meldung. Ist Köhlers Meinung in relevanten politischen Kreisen etwa viel gehörter Konsens? Ist sie Politikjournalisten also so bekannt, dass sie keiner Erwähnung für wert befunden wird? Dürfen Journalisten nicht berichten [2]? Übersehe ich etwas fundamental Wichtiges? </p>
<p>Ich habe gestern Abend den Redaktionen der Online-Auftritte von SZ, FAZ, taz, FR und Zeit eine Mail geschrieben und gefragt, warum die Aussagen Köhlers nicht behandelt wurden, ob das Thema redaktionsintern diskutiert wurde, warum es eventuell für nicht berichtenswert befunden wurde.<br />
Bisher habe ich keine Antwort erhalten.</p>
<p><strong>Update, 25.10.2010, 14.30 Uhr:</strong> <del datetime="2010-05-26T12:02:00+00:00">Im Laufe des Tages werde ich eine äquivalente Anfrage noch an die gedruckten Zeitungen und die Agenturen schicken.</del> Anfragen an dpa, ddp, spiegel-online und welt.de sind verschickt, zusätzlich habe ich via Twitter angefragt. Sollte ich Antworten erhalten, werde ich sie hier im Blog zur Verfügung stellen.</p>
<p><strong>Update, 26.05.2010, 16.16 Uhr:</strong> Eben hat mich &#8220;monoh&#8221; in den Kommentaren darauf <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/26/horst-kohler-und-militareinsatze-anfragen-an-bundestagsfraktionen/">hingewiesen</a>, dass wohl morgen in der neuen <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/mcmac/das-unheimliche-schweigen-im-blaetterwald">Ausgabe des Freitags</a> ein Artikel zu diesem Thema erscheinen wird (siehe dort die Kommentare). </p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
[1] Am Rande erwähnt: Man könnte ergänzen, dass die Interessen, die Köhler hier nennt, stark in die Richtung des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck">gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts</a> gehen, das in <a href="http://dejure.org/gesetze/GG/109.html">Art. 109</a> GG als ein Staatsziel Deutschlands festgelegt und im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stabilit%C3%A4ts-_und_Wachstumsgesetz">Stabilitäts- und Wachstumsgesetz</a> konkretisiert ist: ein hoher Beschäftigungsstand, ein hohes Sozialprodukt (= Einkommen) als Maß für Wirtschaftskraft, Handel im Sinne von Außenhandel. Ja, es fehlt die Preisniveaustabilität, statt Wirtschaftswachstums wird nur das Einkommen genannt und das außenwirtschaftliche Gleichgewicht weicht dem Außenhandelsüberschuss, der als maßgeblich für Deutschlands wirtschaftliche Situation eingeschätzt wird. Die Tendenz aber ist eindeutig.</p>
<p>[2] Diese These mag dadurch gestützt scheinen, dass das dradio das Originalinterview um die hier behandelte Passage kürzte; allerdings ist das ursprüngliche Interview wie oben verlinkt online nach wie vor abrufbar &#8211; und das Deutschlandradio hat eine <a href="http://www.dradio.de/nachrichten/201005221200/1">eigene Meldung</a> zum Thema gebracht. Außerdem halte ich von solcherlei Verschwörungstheorien nichts. Auf die Existenz gleichgeschalteter Mainstream-Medien, die einschlägige Blogs häufig beklagen, gibt es keinerlei Hinweise. Ich halte die Mehrzahl der Journalisten für kritisch und unabhängig. Ich halte den deutschen Journalismus für so gut, dass von der Politik verordnete Maulkörbe keine Wirkung hätten.<br />
Die Gründe für das Nicht-Berichten müssen redaktionsinterner Natur sein – und ich hoffe immer noch, die ein oder andere Antwort zu erhalten.</p>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/2e0a74450f9348978f9f39799c375fc6" width="1" height="1" alt=""></p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">Horst Köhler und der Krieg für Arbeit und Einkommen</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schnell verlinkt: Wenn der Staat zum Hehler wird</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 14:30:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schnell verlinkt]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerhinterziehung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Felix Neumann beschreibt lesenwert seine[1] Haltung zur Frage, ob denn der Staat illegal beschaffte Daten über vermutete Steuerhinterzieher aus der Schweiz kaufen dürfe und solle. Felix Neumann &#8211; &#8220;Stehler, Hehler und Befehler&#8220; &#8212;&#8212;&#8212;- [1] Und meine. Deshalb spare ich mir auch die Zeit, einen eigenen Kommentar dazu zu verfassen. Er sähe dem verlinkten sehr ähnlich.</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/02/02/schnell-verlinkt-wenn-der-staat-zum-hehler-wird/">Schnell verlinkt: Wenn der Staat zum Hehler wird</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Felix Neumann beschreibt lesenwert seine[1] Haltung zur Frage, ob denn der Staat illegal beschaffte Daten über vermutete Steuerhinterzieher aus der Schweiz kaufen dürfe und solle.</p>
<p>Felix Neumann &#8211; <strong>&#8220;<a href="http://tinyurl.com/ygrs8kd">Stehler, Hehler und Befehler</a>&#8220;</strong></p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
[1] Und meine. Deshalb spare ich mir auch die Zeit, einen eigenen Kommentar dazu zu verfassen. Er sähe dem verlinkten sehr ähnlich.</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/02/02/schnell-verlinkt-wenn-der-staat-zum-hehler-wird/">Schnell verlinkt: Wenn der Staat zum Hehler wird</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Linkempfehlung &#8211; &#8220;Internet: Im Netz der Kinderschänder&#8221; (FAZ)</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 16:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linkempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Internetsperren]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Stefan Tomik hat für die FAZ einen sehr langen Artikel rund um den Themenkomplex Kindepornographie im Internet geschrieben und dabei auch die Möglichkeit der Internetsperren angesprochen. Der Text mäandert irgendwo zwischen fundiert, informativ und plump agitierend hin und her. Es ist erkennbar, dass der Autor sich mit dem Problem als Ganzem, der Diskussion um die [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/01/09/linkempfehlung-internet-im-netz-der-kinderschander-faz/">Linkempfehlung &#8211; &#8220;Internet: Im Netz der Kinderschänder&#8221; (FAZ)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan Tomik hat für die FAZ einen sehr langen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E421A3CC2FBDA447AA0E85EB79BDDB656~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Artikel</a> rund um den Themenkomplex Kindepornographie im Internet geschrieben und dabei auch die Möglichkeit der Internetsperren angesprochen.<br />
Der Text mäandert irgendwo zwischen fundiert, informativ und plump agitierend hin und her. Es ist erkennbar, dass der Autor sich mit dem Problem als Ganzem, der Diskussion um die Sperren und auch den Argumenten der Gegner genauso auseinandergesetzt hat wie mit der rechtlichen Situation in Deutschland und Dänemark oder dem Vorgehen der Ermittlungsbehörden. Kurz: Man merkt, dass er weiß, wovon er schreibt &#8211; was an sich selbstverständlich sein sollte, es gerade bei diesem Thema aber nicht immer war. Und dennoch bleibt am Ende irgendwie der Eindruck zurück, all die zusätzlichen Informationen, die beschriebenen Randaspekte, die Einzelfälle, all diese interessanten Punkte bildeten nur den Rahmen, um, mal mehr mal weniger unverhohlen, für Internetsperren zu argumentieren oder eher: Stimmung zu machen.</p>
<p>Etwa wenn es heißt:</p>
<blockquote><p>Darüber soll Vogt aber nicht sprechen. Auch „politische“ Fragen möge man bitte gar nicht erst stellen, bittet sein Chef. Und so darf Vogt auch nicht seine Meinung über die Internetsperren kundtun, die die Verbreitung von Kinderpornographie im Netz erschweren sollten und nun zunächst doch nicht eingeführt werden.</p></blockquote>
<p>Und wenn dann nach diesen Sätzeen ausführlich von Peter Vogts Verdiensten im Kampf gegen Kinderpornographie erzählt wird, so dass ein Zusammenhang suggeriert wird, der so nicht gegeben ist.</p>
<p>Oder wenn von einer &#8220;Kampagne&#8221; der &#8220;Internetgemeinde&#8221; die Rede ist, die &#8220;erfolgreich&#8221; verhindert habe, dass die Sperren eingeführt werden, weshalb nun das BKA &#8220;wie bislang versuchen [soll], die Seiten löschen zu lassen, auch wenn sie im Ausland bereitgestellt werden. Den Zugang zu ihnen sperren darf es nicht.&#8221;</p>
<p>Oder wenn Tomik das offenbar schier unendliche Angebot an Kinderpornographie im frei zugänglichen WWW schildert:</p>
<blockquote><p>Ein paar Mausklicks und Suchbegriffe genügen, um in die Online-Welt der Kinderschänder einzutreten. Unzählige Seiten zeigen Hunderte Bilder von Teenagern in aufreizenden Posen, bei sexuellen Handlungen untereinander oder mit Erwachsenen. Ein Klick auf ein beliebiges Bild führt zu weiteren Seiten mit weiteren Bildern. Motive wiederholen sich, doch das Angebot scheint unendlich.</p></blockquote>
<p>Unabhängig davon, dass auch der Autor selbst das gar nicht wissen können dürfte, weil es verboten ist, solche Seiten anzusurfen, kann natürlich auch kein Leser diese Angaben nachprüfen &#8211; weil es verboten ist, solche Seiten anzusurfen. So muss man unbesehen und unbelegt glauben, was hier beschrieben ist, auch wenn es durchaus anderslautende Darstellungen gibt.</p>
<p>Und vor allem verschweigt der Autor, dass in Deutschland eigentlich nicht die fehlende Wirksamkeit der Sperren Hauptkritikpunkt war und dass es vielmehr darum ging, dass das im Zugangserschwerungsgesetz beschriebene Vorgehen mit den Prinzipien des Grundgesetzes nicht vereinbar ist.<br />
So schneiden die Sperrgegner, schneidet die ominöse Internetgemeinde im Text nicht allzu gut ab, werden doch die wichtigsten Bedenken ausgeklammert und nur erwähnt, letztere habe in dem Vorhaben Zensur gesehen, was danach klingt, als seien diese Ängste lediglich eingebildete gewesen.</p>
<p>Nichtsdestotrotz, der Artikel ist lesenwert und es schadet sicher keinem Sperrgegner, sich mit der Gegenseite auseinanderzusetzen.</p>
<p><a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E421A3CC2FBDA447AA0E85EB79BDDB656~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Lesen!</a></p>
<p><strong>Siehe auch:</strong> <a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/08/24/ubersichtsartikel-von-der-leyens-internetsperren/">Übersichtsartikel: Von der Leyen und die Kinderpornographie</a></p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/01/09/linkempfehlung-internet-im-netz-der-kinderschander-faz/">Linkempfehlung &#8211; &#8220;Internet: Im Netz der Kinderschänder&#8221; (FAZ)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Linkempfehlung &#8211; &quot;Internet: Im Netz der Kinderschänder&quot; (FAZ)</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 16:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linkempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Internetsperren]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Stefan Tomik hat für die FAZ einen sehr langen Artikel rund um den Themenkomplex Kindepornographie im Internet geschrieben und dabei auch die Möglichkeit der Internetsperren angesprochen. Der Text mäandert irgendwo zwischen fundiert, informativ und plump agitierend hin und her. Es ist erkennbar, dass der Autor sich mit dem Problem als Ganzem, der Diskussion um die [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/01/09/linkempfehlung-internet-im-netz-der-kinderschander-faz-2/">Linkempfehlung &#8211; &quot;Internet: Im Netz der Kinderschänder&quot; (FAZ)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stefan Tomik hat für die FAZ einen sehr langen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E421A3CC2FBDA447AA0E85EB79BDDB656~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Artikel</a> rund um den Themenkomplex Kindepornographie im Internet geschrieben und dabei auch die Möglichkeit der Internetsperren angesprochen.<br />
Der Text mäandert irgendwo zwischen fundiert, informativ und plump agitierend hin und her. Es ist erkennbar, dass der Autor sich mit dem Problem als Ganzem, der Diskussion um die Sperren und auch den Argumenten der Gegner genauso auseinandergesetzt hat wie mit der rechtlichen Situation in Deutschland und Dänemark oder dem Vorgehen der Ermittlungsbehörden. Kurz: Man merkt, dass er weiß, wovon er schreibt &#8211; was an sich selbstverständlich sein sollte, es gerade bei diesem Thema aber nicht immer war. Und dennoch bleibt am Ende irgendwie der Eindruck zurück, all die zusätzlichen Informationen, die beschriebenen Randaspekte, die Einzelfälle, all diese interessanten Punkte bildeten nur den Rahmen, um, mal mehr mal weniger unverhohlen, für Internetsperren zu argumentieren oder eher: Stimmung zu machen.</p>
<p>Etwa wenn es heißt:</p>
<blockquote><p>Darüber soll Vogt aber nicht sprechen. Auch „politische“ Fragen möge man bitte gar nicht erst stellen, bittet sein Chef. Und so darf Vogt auch nicht seine Meinung über die Internetsperren kundtun, die die Verbreitung von Kinderpornographie im Netz erschweren sollten und nun zunächst doch nicht eingeführt werden.</p></blockquote>
<p>Und wenn dann nach diesen Sätzeen ausführlich von Peter Vogts Verdiensten im Kampf gegen Kinderpornographie erzählt wird, so dass ein Zusammenhang suggeriert wird, der so nicht gegeben ist.</p>
<p>Oder wenn von einer &#8220;Kampagne&#8221; der &#8220;Internetgemeinde&#8221; die Rede ist, die &#8220;erfolgreich&#8221; verhindert habe, dass die Sperren eingeführt werden, weshalb nun das BKA &#8220;wie bislang versuchen [soll], die Seiten löschen zu lassen, auch wenn sie im Ausland bereitgestellt werden. Den Zugang zu ihnen sperren darf es nicht.&#8221;</p>
<p>Oder wenn Tomik das offenbar schier unendliche Angebot an Kinderpornographie im frei zugänglichen WWW schildert:</p>
<blockquote><p>Ein paar Mausklicks und Suchbegriffe genügen, um in die Online-Welt der Kinderschänder einzutreten. Unzählige Seiten zeigen Hunderte Bilder von Teenagern in aufreizenden Posen, bei sexuellen Handlungen untereinander oder mit Erwachsenen. Ein Klick auf ein beliebiges Bild führt zu weiteren Seiten mit weiteren Bildern. Motive wiederholen sich, doch das Angebot scheint unendlich.</p></blockquote>
<p>Unabhängig davon, dass auch der Autor selbst das gar nicht wissen können dürfte, weil es verboten ist, solche Seiten anzusurfen, kann natürlich auch kein Leser diese Angaben nachprüfen &#8211; weil es verboten ist, solche Seiten anzusurfen. So muss man unbesehen und unbelegt glauben, was hier beschrieben ist, auch wenn es durchaus anderslautende Darstellungen gibt.</p>
<p>Und vor allem verschweigt der Autor, dass in Deutschland eigentlich nicht die fehlende Wirksamkeit der Sperren Hauptkritikpunkt war und dass es vielmehr darum ging, dass das im Zugangserschwerungsgesetz beschriebene Vorgehen mit den Prinzipien des Grundgesetzes nicht vereinbar ist.<br />
So schneiden die Sperrgegner, schneidet die ominöse Internetgemeinde im Text nicht allzu gut ab, werden doch die wichtigsten Bedenken ausgeklammert und nur erwähnt, letztere habe in dem Vorhaben Zensur gesehen, was danach klingt, als seien diese Ängste lediglich eingebildete gewesen.</p>
<p>Nichtsdestotrotz, der Artikel ist lesenwert und es schadet sicher keinem Sperrgegner, sich mit der Gegenseite auseinanderzusetzen.</p>
<p><a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E421A3CC2FBDA447AA0E85EB79BDDB656~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Lesen!</a></p>
<p><strong>Siehe auch:</strong> <a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/08/24/ubersichtsartikel-von-der-leyens-internetsperren/">Übersichtsartikel: Von der Leyen und die Kinderpornographie</a></p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/01/09/linkempfehlung-internet-im-netz-der-kinderschander-faz-2/">Linkempfehlung &#8211; &quot;Internet: Im Netz der Kinderschänder&quot; (FAZ)</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Antworten zu: Art. 38 GG vs. Koalitionsvertrag</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 23:37:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fraktionszwang]]></category>
		<category><![CDATA[freies Mandat]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassungsrichter]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Nach einigen Tagen ohne Internetzugang geht beim-wort-genommen wieder online. Ich hatte ja vor einiger Zeit in einem Artikel die Frage gestellt, wie das Verhältnis von Art. 38 GG und Koalitionsverträgen aussieht. Während das Grundgesetz das freie Mandat festlegt, werden Abgeordnete durch Fraktionsdisziplin und speziell Koalitionsverträge in ihrem Abstimmungsverhalten beeinflusst. Das ist nicht neu, natürlich nicht. [...]</p><p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/10/07/antworten-zu-art-38-gg-vs-koalitionsvertrag/">Antworten zu: Art. 38 GG vs. Koalitionsvertrag</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einigen Tagen ohne Internetzugang geht beim-wort-genommen wieder online.<br />
Ich hatte ja vor einiger Zeit in <a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/09/19/stehen-koalitionsvertrage-uber-art-38-gg/">einem Artikel</a> die Frage gestellt, wie das Verhältnis von Art. 38 GG und Koalitionsverträgen aussieht. Während das Grundgesetz das freie Mandat festlegt, werden Abgeordnete durch Fraktionsdisziplin und speziell Koalitionsverträge in ihrem Abstimmungsverhalten beeinflusst.<br />
Das ist nicht neu, natürlich nicht. Mich faszinierte damals nur, mit welcher inneren Überzeugung MdB Thomas Silberhorn davon sprach, Abgeordnete müssten sich schließlich den Verträgen beugen – und wie klar er damit zu erkennen gab, dass Art. 38 GG zwar de jure, nicht aber de facto gilt.<br />
Daraufhin habe ich den beiden Verfassungsrichtern und Professoren der Universität Tübingen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mellinghoff">Rudolf Mellinghoff</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Kirchhof">Ferdinand Kirchhof</a>, geschrieben und vor einigen Tagen auch Antworten erhalten. Die sind nicht wirklich erhellend, aber ich wollte sie der Vollständigkeit halber doch veröffentlichen.</p>
<p><strong>Prof. Mellinghoff:</strong></p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Schaible,<br />
nach Rückkehr von einem Auslandsaufenthalt finde ich Ihre E-mail vor. Sie sprechen mit der Frage, ob und inwieweit ein Abgeordneter sich der Fraktionsdisziplin unterwirft, ein Thema an, das Gegenstand von Vorlesungen zum Staatsrecht ist und vielfach in der Literatur behandelt wird. Dabei ist zwischen der verfassungsrechtlich abgesicherten Freiheit eines Abgeordneten und den tatsächlichen politischen Rahmenbedingungen zu unterscheiden.<br />
Verfassungsrechtlich gesichert ist, dass die Gewissensfreiheit eines jeden Abgeordneten auch gegenüber den Fraktionen und Empfehlungen der Bundesregierung gilt. Rechtlich besteht weder durch Fraktionsbeschlüsse noch<br />
durch Koalitionsvereinbarungen eine Pflicht des Abgeordneten in einer bestimmten Art und Weise abzustimmen. Fraktionsbeschlüsse, die Koalitionsvereinbarungen regelmäßig umsetzen, haben nur den Charakter<br />
unverbindlicher Empfehlungen. Wenn diese &#8220;Empfehlungen&#8221; gleichwohl eine erhebliche praktische Wirkung haben, liegt dies an der Organisation von Macht im Parlament. Damit wirksam regiert werden kann, wird die Mehrheit in<br />
Fraktionen organisiert, die grundsätzlich befugt sind, ein möglichst geschlossenes Auftreten im Parlament durch Verfahrens- und Verhaltensregeln für die ihnen angehörenden Abgeordneten herbeizuführen. Dem Abgeordneten<br />
steht es natürlich frei, ob er sich den Empfehlungen seiner Fraktion unterwirft. Auf der anderen Seite haben die Fraktionen die Möglichkeit von Sanktionen, wenn Abgeordnete auf Dauer eine andere Auffassung als die<br />
Fraktion vertreten.<br />
Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen wollen, empfehle ich Ihnen in den Kommentaren zum Grundgesetz unter dem Stichwort &#8220;Fraktionsdisziplin&#8221; nachzulesen.<br />
Mit freundlichen Grüßen<br />
Rudolf Mellinghoff</p></blockquote>
<p><strong>Iris Kemmler i.A. Prof. Kirchhof:</strong></p>
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Schaible,<br />
im Auftrag von Herrn Prof. Kirchhof darf ich Ihnen auf Ihre Anfrage vom 19.9.09 wegen des Konflikts zwischen Koalitionsverträgen und Art. 38 GG wie folgt antworten.<br />
Die Koalitionsverträge stehen wie der interne Koalitionszwang im Konflikt mit der Freiheit des Mandats aus Art. 38 GG. Diese Absprachen zwischen den Fraktionen sind aber nur politische Verträge ohne Rechtsbindung, die Einfluss auf die verfassungsrechtlich garantierte Stellung des Abgeordneten haben könnte. In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist hier der Vorrang des Art. 38 GG festgelegt. Dass sich einzelne MdB in der Praxis gezwungen fühlen, steht auf einem andern Blatt. Rechtlich geht jedenfalls Art. 38 GG vor.<br />
Weitere Hinweise auf Urteile und Aufsätze finden Sie in den Kommentaren zum GG unter Art. 38.<br />
 <br />
Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.<br />
Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>I. Kemmler</p></blockquote>
<p>Heißt also genau das, was ich oben schrieb: De jure ist Art. 38 GG höherrangig und de jure ist jeder Abgeordnete nur seinem Gewissen unterworfen, de facto aber spielen Fraktions- und Koalitionszwänge für die Abgeordneten im politischen Tagesgeschäft eine wichtigere Rolle, weshalb sie keineswegs ein freies Mandat haben.<br />
Hilft einem das jetzt weiter? Vermutlich nicht. So wirklich zufriedenstellend geklärt scheint mir das alles nicht – ob es nun beruhigend oder beunruhigend ist, dass es Verfassungsrichtern offenbar genauso geht?</p>
<p><a href="http://beim-wort-genommen.de/2009/10/07/antworten-zu-art-38-gg-vs-koalitionsvertrag/">Antworten zu: Art. 38 GG vs. Koalitionsvertrag</a> - <a href="http://beim-wort-genommen.de">beim wort genommen - weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</a></p>]]></content:encoded>
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