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	<title>beim wort genommen &#187; Kommentar</title>
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	<description>weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat</description>
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		<title>Kommentar zu Köhlers Rücktritt: Vielleicht bedauerlich, aber nötig</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 13:52:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>

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		<description><![CDATA[Horst Köhler tritt zurück, mit sofortiger Wirkung. Dieser in der Bundespolitik beispiellose Schritt kommt überraschend. Und wenn man sieht, wie Köhler die Erklärung verliest, wie er mit den Worten schließt, es sei eine Ehre gewesen, Deutschland zu dienen – da kann man fast ein wenig Mitleid haben. Den Rücktritt zu erklären, das war nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Horst Köhler <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/31/horst-kohler-tritt-zuruck/">tritt zurück</a>, mit sofortiger Wirkung. Dieser in der Bundespolitik beispiellose Schritt kommt überraschend. Und wenn man sieht, wie Köhler die Erklärung verliest, wie er mit den Worten schließt, es sei eine Ehre gewesen, Deutschland zu dienen – da kann man fast ein wenig Mitleid haben. Den Rücktritt zu erklären, das war nicht nur ein überraschender Schritt von Horst Köhler, es war mit Sicherheit auch kein leichter für ihn. Dafür gebührt ihm Respekt. </p>
<p>Als Begründung führte Köhler die Kritik an seinen <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/05/25/horst-kohler-und-der-krieg-fur-arbeit-und-einkommen/">Äußerungen</a> zu Militäreinsätzen an. Die Kritik sei so weit gegangen, dass man ihm unterstellte, er befürworte Einsätze, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Derlei Vorwürfe entbehrten jeder Rechtfertigung und ließen den Respekt vor seinem Amt vermissen, so Köhler in seiner kurzen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6A2D437D5C094F678A6F77D736AEBC2C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Erklärung</a>.</p>
<p>Man muss dabei betonen und ihn so weit in Schutz nehmen: Köhler hat Militäreinsätze zur Sicherung des Wohlstandes tatsächlich nicht befürwortet. Aber er hat sie für unter Umständen notwendig erklärt. Schon das ist nicht verzeihlich. Als jemand, der dem Grundgesetz qua Amtseid verpflichtet ist, müsste er solchen Gedankenspielen eine klare Absage erteilen.</p>
<p>Dass er genau das nicht getan hat, mag der Übermüdung geschuldet gewesen sein oder mangelndem rhetorischen Geschick. Darum kann es, darum darf es aber nicht gehen.<br />
Die Kritik am Deutschlandradio-Interview war im Kern völlig berechtigt – und sie fußte allein auf dem Wortlaut des Interviews und auf dem Wortlaut der Klarstellung durch das Bundespräsidialamt. Sie war mithin gut begründet. </p>
<p>Müßig zu spekulieren, ob die aktuelle Kritik einziger Auslöser für den Rücktritt war, oder ob verschiedene Faktoren zusammenkamen; Köhler war in den letzten Monaten häufiger wegen seiner Amtsführung in der Kritik. Laut ARD gab es auch Reibungen im Bundespräsidialamt. </p>
<p>Den Zeitpunkt des Rücktritts in einer ohnehin von politischen Turbulenzen geprägten Zeit kann man ungünstig finden. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen muss nun unvorbereitet die Geschäfte übernehmen, Bundestagspräsident Norbert Lammert muss innerhalb von 30 Tagen eine Bundesversammlung einberufen, Kandidaten müssen gefunden werden. Bei alldem muss das Tagesgeschäft reibungslos weiterlaufen.<br />
Man kann den Rücktritt auch bedauerlich finden. Horst Köhler war während seiner gesamten Zeit sicherlich kein schlechter Bundespräsident. Er wird durch seine Aussagen auch kein Kriegstreiber. Persönliche Angriffe auf den Menschen Köhler sind daher genauso zu unterlassen wie Häme.</p>
<p>Doch darf gerade der Bundespräsident als oberster Repräsentant der Verfassung nie den Eindruck erwecken, nicht mehr voll hinter dem Grundgesetz zu stehen.<br />
Erst aus dem Respekt vor dem politischen System, das in seinem Wesen eben durch die Verfassung konstituiert wird, kann schließlich Respekt vor dem Amt erwachsen. Deshalb greift auch Köhlers Begründung nicht.<br />
Weil bei ihm der Eindruck aufkam, er orientiere sich nicht strikt an der Verfassung, musste er gehen.</p>
<p>Letztlich war der Schritt konsequent und nötig. Der Rücktritt an sich ist zu begrüßen.</p>
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			</a>
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		<title>Lose Gedanken zur &#8220;Future Face of Media&#8221;-Konferenz</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/05/19/lose-gedanken-zur-future-face-of-media-konferenz/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 18:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Paid Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Große Namen waren da, gestern, bei der „Future Face of Media“-Konferenz in Frankfurt. Und ich war da, ein kleiner Name, zusammen mit einigen Onlinejournalismus-Studenten aus Darmstadt, die ich dort zufällig getroffen habe (und auf deren Projekt-Blog bei der taz ich hier einfach mal verweise). Wir kleiner Haufen unbedeutender Medienmacher, die wir allesamt über carta an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Große Namen waren da, gestern, bei der „<a href="http://www.malekigroup.com/web/media/event/de/The-Future-Face-of-Media_Programme_2010_11764.pdf">Future Face of Media</a>“-Konferenz in Frankfurt. Und ich war da, ein kleiner Name, zusammen mit einigen Onlinejournalismus-Studenten aus Darmstadt, die ich dort zufällig getroffen habe (und auf deren Projekt-Blog bei der taz ich hier einfach mal <a href="http://blogs.taz.de/neuewelt/">verweise</a>). Wir kleiner Haufen unbedeutender Medienmacher, die wir allesamt über carta an Tickets gekommen waren (danke dafür), sahen also den Großen zu, wie sie debattierten über die Zukunft der Medien.</p>
<p>Und was soll ich sagen? Alles rosig, alles top, vor allem dem zweiten Panel zu Folge. Christoph Keese war sich sicher, in fünf Jahren seien die Fragen nach der Zukunft der großen Verlage hinfällig, weil die sich ohnehin durchsetzen werden. Man habe ja auch den Bürgerjournalismus besiegt – besiegt! &#8211; und man verstehe auch das Internet besser als andere, weil die Verlage selbst die eigentlichen Pioniere des Netzes sind. Die anderen Vertreter bliesen, mehr oder weniger, ins gleiche Horn.<br />
Ein Geburtsfehler des Internets sei es gewesen, dass Medieninhalte von Anfang an kostenlos verfügbar waren, meinte Laurent Joffrin von Liberation. Einig war man sich, dass Paid Content unumgänglich sei. Nicht mehr Content, sondern Encouragement sei jetzt King, erklärte Rona Fairhead von der Financial Times. Arthur J. Sulzberger von der NY Times erklärte das geplante metred System, musste aber einräumen, noch nicht so genau zu wissen, was genau vor oder hinter der Paywall zu finden sein wird. Und so weiter und so weiter.</p>
<p>Das erste Panel zum Thema Agenda-Setting ging etwas an mir vorbei, weil ich zu spät kam und dann so recht den Einstieg nicht mehr schaffte. Hängen blieben vor allem zwei Aussagen: Chris Ahearn von Reuters Thomson stellte richtig fest, es gebe nicht die eine richtige Agenda, die man setzen müsse, sondern viele Agenden; und Katharina Borchert von SPON forderte mehr Revolution, bitte! von Journalistenschülern, die sich in ihren Augen keine Gedanken mehr zum Thema Qualität im Journalismus machen (was man vermutlich bezweifeln kann).<br />
Sie und taz-Chefin Ines Pohl im letzten Panel schienen die einzigen zu sein, denen es ein Anliegen war, primär über Qualität zu reden und darüber, was Qualität letztlich ausmacht (wenn Ines Pohl nicht gerade ihr Smartphone in der Hand hielt). Die Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen gaben (gerne) zu, privilegiert zu sein. Die Vertreter des privaten Rundfunks und der Verlage warfen den ÖR vor, mit dem Engagement im Netz ein tragfähiges Geschäftsmodell unmöglich zu machen. Springer möchte mit dem Leistungsschutzrecht ein Business-to-Business-Erlösmodell eingeführt wissen – ich hatte keine Lust, Christoph Keese zu fragen, wie das denn mit freien Journalisten sei, die ja auch irgendwo „Business“ sind; die Fragen stellte vor allem Thomas Knüwer. Kai Diekmann schaute still zu. Robin Meyer-Lucht schien beim Moderieren irrsinnigen Spaß zu haben. Man weiß mittlerweile, dass es, natürlich, gute und kluge Blogs gibt, weiß aber genauso, dass das, natürlich, sehr sehr wenige Ausnahmen sind.</p>
<p>Und irgendwie ist dieser Text hier genauso, wie die Konferenz war: Ich hatte nichts Bahnbrechendes oder wirklich Neues zu sagen, was man nicht auch <a href="http://carta.info/27679/future-face-of-media-rettet-lieber-das-altbekannte-eine-nachbetrachtung/">anderswo</a> schon <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/05/das-future-face-of-media-es-qualt-die-stille-es-klaffen-die-widerspruche/">gelesen</a> haben könnte, aber am Ende waren dann doch sieben Stunden vorbei (oder ~ 3000 Zeichen getippt). Irgendwie. Zusammenfassen könnte ich meinen Eindruck von der Konferenz wohl in etwa mit: Joahöhm. Ok. </p>
<p>Doch so wirklich verwunderlich ist das auch nicht: Woher soll denn irgendjemand plötzlich wissen, wie sich professioneller Journalismus in Zukunft finanzieren kann? Wieso sollten sich Private und ÖR plötzlich einig sein? Wie sollten sich die Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern des Leistungsschutzrechtes auch aufgelöst haben?<br />
Auch die einflussreichsten Medienmacher haben auf die drängende Frage nach dem künftigen Gesicht der Medien keine Antwort. Egal, wie viele die Maleki Group auch auf einem Fleck versammelt.<br />
Das ist zwar nicht die beruhigendste Erkenntnis, die man als junger/angehender Journalist mitnehmen kann, aber immerhin doch eine Erkenntnis.</p>
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			</a>
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		<title>Wir brauchen keine Debatte</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2010/03/02/wir-brauchen-keine-debatte/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 16:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Westerwelle]]></category>

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		<description><![CDATA[Westerwelle hat weder ein Tabu gebrochen noch etwas Wegweisendes oder Neues oder überhaupt Diskussionswürdiges ausgesprochen. Dass jetzt über den Sozialstaat geredet wird, ist unnötig – und spielt Westerwelle unfreiwillig in die Karten. Mehr als zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass Guido Westerwelle in einem Kommentar in der Welt von spätrömischer Dekadenz phantasierte und sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Westerwelle hat weder ein Tabu gebrochen noch etwas Wegweisendes oder Neues oder überhaupt Diskussionswürdiges ausgesprochen. Dass jetzt über den Sozialstaat geredet wird, ist unnötig – und spielt Westerwelle unfreiwillig in die Karten.</strong></p>
<p>Mehr als zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass Guido Westerwelle in einem <a href="http://www.welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html">Kommentar</a> in der Welt von spätrömischer Dekadenz phantasierte und sich über angeblich anstrengungslosen Wohlstand mokierte. Man vergesse diejenigen im Land, die Leistung bringen und all die Steuern erwirtschaften, die umzuverteilen einziges Ziel in Deutschland sei. Sogar „sozialistische Züge“ trage die Diskussion um die Hartz-Sätze im Zuge des BverfG-Urteils, mahnte der Außenminister.</p>
<p>Und nicht nur das. Ein Sprechverbot meinte Westerwelle außerdem zu erkennen. Er <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,678548,00.html">geriert</a> sich standhaft als Tabubrecher, als einer, der das ausspricht, was zwar die „schweigende Mehrheit“ denkt, was aber die anderen angepassten Politiker nicht zu sagen wagen. Dafür ist er, ein wenig überraschend, von Bundeskanzlerin Merkel <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EBE7B5BC4422646BC8EA04C14E1363E92~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews">gerügt</a> worden. </p>
<p><strong>Westerwelles Text ist vage, ziellos und uninspiriert</strong></p>
<p>Nur, welches Tabu will Westerwelle eigentlich angerührt haben? Sieht man sich den diskutieren Gastkommentar Westerwelles einmal an und beim Lesen von den vielen Floskeln ab, bleibt am Ende: nichts. Nichts, das irgendwie neu wäre oder auch nur so konkret, dass es wert wäre, diskutiert zu werden. Westerwelles durchweg unspräzise formulierter Text zeigt allenfalls zwei Dinge: erstens, dass der FDP-Chef sein Wissen um die römische Geschichte vertiefen sollte, und zweitens, dass er kein sonderlich talentierter Autor ist.<br />
An einer einzigen Stelle wird Westerwelle konkret: wenn er das Beispiel einer Kellnerin nennt, die weniger verdient, als sie es mit Hartz IV täte – und an dieser einen Stelle liegt er <a href="http://www.bildblog.de/16128/wie-sich-alle-mit-hartz-iv-verrechnen/">falsch</a>. Zudem wird er auch hier schnell wieder vage: „Diese Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken“ beunruhige ihn; allein: welche und vor allem wessen Leichtfertigkeit er meint, bleibt unbeantwortet.<br />
Der Rest des Artikel mäandert zwischen bekannten und FDP-typischen Allgemeinplätzen und so unkonkreten wie unbelegten Behauptungen darüber, was „man“ und „wir“ diskutieren und „Deutschland“ so tut, hin und her und lässt den Leser mit dem Gefühl zurück, diese logisch lückenhafte Litanei schon viele viele Male gehört zu haben.</p>
<p>Der Text ist, um es kürzer zu sagen, nicht der Rede wert. Vermutlich verfolgte Westerwelle damit noch nicht einmal ein großes, übergeordnetes Ziel. Ein wenig Umverteilung kritisieren, ein wenig vor dem Sozialismus warnen, ein wenig der Mittelschicht schmeicheln, markige Formulierungen wählen, ohne konkrete Konzepte zu benennen – all das klang typisch FDP, typisch Westerwelle. Polemisch, ja, völlig unangebracht, ja, aber nicht neu. Er wollte auf sich aufmerksam machen und die Gunst der Stunde nutzen, um bekannte Floskeln zu wiederholen – diese Strategie der redundanten Botschaft hat der FDP immerhin bei der vergangenen Bundestagswahl ein Rekordergebnis beschert.</p>
<p>Was der Text bei alldem nicht enthielt, war ein ausgesprochenes Tabu oder gar den Aufruf, die Zukunft des Sozialstaates zu diskutieren. Die viel zitierte Aussage zum anstrengungslosen Wohlstand, der zur spätrömischen Dekadenz einlädt, war vielmehr eine kalkulierte Provokation, die gleichwohl viel größere Folgen hatte, als selbst der geübte Provokateur Westerwelle hätte vorhersehen können.</p>
<p><strong>Unerwarteter Beistand belebt eine eigentlich tote Debatte erneut</strong></p>
<p>Auf seine Äußerungen hin regte sich schließlich massive und gerechtfertigte Kritik –  die Presse höhnte über sein mangelndes Geschichtswissen, rügte seine Wortwahl und widerlegte auch inhaltlich seine Aussagen. Westerwelle schien entlarvt. Auf einmal sah er sich gezwungen, sich öffentlich zu rechtfertigen. Er tat das gewohnt laut und schrill, dichtete seinen Aussagen nachträglich einen tieferen Sinn an, eröffnete Nebenkriegsschauplätze wie den des Tabus, das es nie gab, und des Tabubruchs, den es folglich nie geben konnte. Sogar die Kanzlerin sah sich zu einer deutlichen und schroffen Distanzierung genötigt. Sie hatte, das kommt selten genug vor, ein Machtwort gesprochen. An dieser Stelle hätte die Diskussion beendet sein können.<br />
Und doch, auf einmal sprangen Westerwelle unverhoffte Verbündete wie etwa Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bei, und <a href="http://www.zeit.de/2010/08/01-Hartz-IV">betonten</a>, Westerwelle habe sich im Ton vergriffen, natürlich, aber irgendwie habe er ja Recht, Deutschland brauche schon eine Debatte über die Zukunft des Sozialstaats. Und Deutschland debattiert.</p>
<p>Nur: Deutschland braucht diese Debatte nicht. Zumindest nicht jetzt, nicht unter diesen Vorzeichen, nicht derart vorbelastet, nicht in dieser Undifferenziertheit. Denn natürlich wird die Diskussion über den Sozialstaat ohnehin unablässig geführt. Die SPD steht heute da, wo sie steht, gerade weil große Teile der ehemaligen Wählerschaft ihr die weitreichenden Arbeitsmarkt- und Sozialreformen verübeln. Die das Parteiensystem durcheinanderwirbelnde Linke schaffte den Aufstieg von der Regional- zur Flächenpartei vor allem, indem sie den Finger in genau diese offene Wunde der SPD legte. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Herbst war das Thema Mindestlöhne eines der meist diskutierten. Und nicht zuletzt spürt die FDP in Person von Philipp Rösler, der mit seiner Kopfpauschale eine herbe politische Niederlage zu erleiden droht, am eigenen Leib, dass in Deutschland das Thema Sozialstaat ein präsentes ist.<br />
Die Diskussion über den Sozialstaat ist nötig, ohne Frage. Aber sie muss permanent geführt werden, nicht auf Zuruf, – und sie wird permanent geführt. Dazu braucht es keinen verbal um sich schlagenden Stichwortgeber, der, wie im Falle der Sanktionen für Arbeitsunwillige, fordert, was schon lange Gesetz ist.</p>
<p><strong>Dass Westerwelle die Situation zugunsten der FDP nutzt, ist erstaunlich</strong></p>
<p>Trotzdem wird die Diskussion gerade jetzt geführt und die schwimmende FDP stürzt sich begierig auf den zugeworfenen Rettungsanker; nun versucht sie sogar, die Situation noch gewinnbringend zu nutzen. Ob nun nur mit dem Ziel, kurzfristig den Wählerabgang zu stoppen und so die NRW-Wahl zu retten, oder weil Westerwelle, wie die Zeit <a href="http://www.zeit.de/2010/09/Wut?page=2">spekuliert</a>, mit der FDP wirklich langfristig die Nische besetzen möchte, in der sich andernorts (recht)populistische Parteien wie die FPÖ, die Schweizer SVP oder Geert Wilders PVV eingerichtet haben – Westerwelle und seine Gesandte Birgit Homburger tingeln durch die Presse und diskutieren über den Sozialstaat an sich. Auch wenn sie das, wie Homburger bei Anne Will, nicht sehr souverän tun, so schlagen sie doch Kapital aus der bloßen Existenz einer Diskussion, die zu führen kein Grund besteht.</p>
<p>Sie machen das clever, wenngleich sie das Risiko eingehen, sich für weite Teile der Wechselwähler unwählbar und für die Union als Partner immer unattraktiver zu machen. Doch es wirkt: Derzeit steigen die Umfragewerte wieder.<br />
Dass Westerwelle das geschafft hat, ist erstaunlich. Und sollte Anlass sein, darüber nachzudenken, wie man mit Populisten kommuniziert, will man ihnen nicht in die Karten spielen. Manchmal nämlich ist Reden gelb, Schweigen dagegen gold.</p>
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			</a>
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		<title>Feigenblatt achtsemestriger Bachelor</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/19/feigenblatt-achtsemestriger-bachelor/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 11:52:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[Er ist en vouge, dieser Tage. Die Hamburgische Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) fordert ihn. Die parteilose sächsische Staatsministerin für Bildung, Sabine von Schorlemer, fordert ihn. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) fordert ihn. Der Tübinger Universitäts-Rektor Bernd Engler hat ihn angekündigt. Er soll eine Lösung sein für die Probleme im Bildungssystem, die gerade von tausenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er ist en vouge, dieser Tage.<br />
Die Hamburgische Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/gaaaanz-viel-verstaendnis/">fordert</a> ihn.<br />
Die parteilose sächsische Staatsministerin für Bildung, Sabine von Schorlemer, fordert ihn.<br />
Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/niedersachsen-nach-bildungsstreikprotesten-reformen-bei-bachelor-studiengaengen-angekuendigt_aid_455185.html">fordert</a> ihn.<br />
Der Tübinger Universitäts-Rektor Bernd Engler hat ihn angekündigt.<br />
Er soll eine Lösung sein für die Probleme im Bildungssystem, die gerade von tausenden Studenten angeprangert werden: der achtsemestrige Bachelor.</p>
<p>Es ist eine verständliche Reaktion, dass Politiker derzeit versuchen, die protestierenden Studenten zu besänftigen. Man zeigt sich verständnisvoll, gesprächsbereit und bietet Lösungen an. Die müssen griffig sein und umsetzbar, so dass am Ende niemand sagen kann, es sei nichts passiert. Der achtsemestrige Bachelor ist so eine Lösung.</p>
<p><strong>Der Bachelor ist ein Fehlkonstrukt</strong></p>
<p>Auf den ersten Blick klingt das auch sinnvoll: Der Bachelor, für gewöhnlich in sechs Semestern abgeleistet, wird zu Recht gegeißelt als überladen, hektisch, durchgeplant, einengend. Er erlaubt keine Auseinandersetzung mit fachfremden Themengebieten oder auch nur eine tiefere, deutlich über die Pflichtlektüre hinausgehende Beschäftigung mit dem studierten Fach. Er verpflichtet zur permanenten Anwesenheit und erlaubt kaum individuelle Schwerpunktsetzung. Er ist gespickt mit Präsentationen und Prüfungen und weitaus verpflichtender als Schule, weil zumeist radikal Fehlzeiten notiert werden; wer mehr als zwei oder drei Fehlpunkte sammelt, muss die Veranstaltung in einem späteren Semester wiederholen. Wenn es in einem Seminar schon ausreichen kann, sechsmal fünf Minuten zu spät zu kommen, im Ganzen also 30 Minuten gefehlt zu haben, damit das Seminar als nicht bestanden gewertet wird, dann ist der Vorwurf der Verschulung sogar noch schmeichelhaft.<br />
Der Bachelor ist in seiner derzeitigen Form ein Fehlkonstrukt.<br />
Da liegt es nahe, die ungeliebte Reform abermals zu reformieren.</p>
<p>Allein: Die Umstellung auf einen achtsemestrigen Bachelor trüge nichts dazu bei, an diesen Problemen auch nur irgendetwas zu ändern.<br />
Das liegt daran, dass die Struktur des gesamten Studiums im Rahmen des Bologna-Prozesses festgelegt ist. Bachelor plus Master ergeben eine Gesamtheit von zehn Semestern Regelstudienzeit. Die Krux ist folglich: Wird der Bachelor um ein Jahr verlängert, verkürzt sich gleichzeitig der Master um ein Jahr.</p>
<p>Statt 180 LP, so genannten Leistungspunkten oder Credit Points, müsste ein Student in acht Semestern Bachelor eben 240 LP sammeln. Diese Leistungspunkte sollen den Arbeitsaufwand normieren, wobei ein Punkt etwa 30 Stunden Arbeit für einen durchschnittlichen Studenten entsprechen soll.<br />
Wenn aber der Bachelor nicht nur um zwei Semester verlängert, sondern auch inhaltlich proportional aufgestockt wird, ändert sich nichts. Ob 180 in sechs oder 240 in acht Semestern – netto stehen 30 LP pro Halbjahr.<br />
Auch im achtsemestrigen Bachelor werden also Leistungsdruck, Struktur und Lernzwänge herrschen.</p>
<p align="center"><img src="http://beim-wort-genommen.de/wp-content/uploads/2009/11/Bildungsstreik_Göttingen_1770.jpg" alt="" /><em>Wie im Sommer 2009 hier in Göttingen protestieren dieser Tage europaweit Studenten gegen das Hochschulsystem<br />
<font size="1"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Bildungsstreik_G%C3%B6ttingen_1770.jpg">Bild</a>: Jonathan Groß, CC-BY-NC-SA</font></em></p>
<p><strong>Argumentative Nebelkerzen</strong></p>
<p>Die geforderten Reformen sind demnach nichts als argumentative Nebenkerzen, die die eigentlichen Probleme verschleiern sollen. Und sie sind zudem scheinheilig, weil achtsemestrige Bachelorstudiengänge seit Beginn möglich sind und in Einzelfällen auch angeboten werden. Eine Regel, nach der ein B.A. in sechs Semestern abzuleisten sei, gab es nie.</p>
<p>Genauso scheinheilig ist es, wenn der eingangs erwähnte Lutz Stratmann fordert, der Bachelor müsse „der erste berufsqualifizierende akademische Abschluss sein“  &#8211; das ist er nämlich der offiziellen Darstellung zufolge schon heute.<br />
Dass sogar dort de facto verbessert werden muss, wo de jure kein Verbesserungsbedarf bestehen kann, zeigt nur, wie unfertig das Bachelor/Master-System eigentlich ist.</p>
<p>Den einzig positiven Effekt, den eine flächendeckende Umstellung auf den achtsemestrigen Bachelor hätte, wäre der, dass jeder Student diese vier Jahre studieren kann. Angesichts der Tatsache, dass nur etwa ein Drittel der B.A.-Absolventen einen Masterplatz bekommt, ist das nicht selbstverständlich.<br />
Allerdings: Es ist zu befürchten, dass ein System 4 + 1 – also vier Jahre Bachelor, ein Jahr Master – als Vorwand dienen könnte, um genau diese ungleiche Verteilung zu rechtfertigen.<br />
Der geringere Unterschied würde womöglich als geringere Benachteiligung gesehen, die notwendige, aber freilich kostspielige Schaffung von mehr Studienplätzen könnte so vermieden werden. Die Masterquote könnte bleiben.<br />
Gerade, da in den nächsten Jahren etliche „Doppeljahrgänge“, also zwei Abiturjahrgänge pro Bundesland, anstehen, wäre der achtsemestrige Bachelor eine billige Rechtfertigungs-Alternative zur Abschaffung der Masterquote.</p>
<p><strong>Nur eine Verlängerung der Gesamtstudienzeit löste effektiv Probleme</strong></p>
<p>Die Forderung nach einem achtsemestrigen Bachelor wäre nur dann hilfreich, wenn damit eine Verlängerung des gesamten Studiums einherginge – womit eine Ausdünnung des Stoffes möglich würde.<br />
Wer dagegen innerhalb eines bestehenden Zeitfensters von zehn Semestern die Grenze zwischen Bachelor und Master verschieben möchte, ohne gleichzeitig die Stofffülle zu reduzieren oder die Masterquote abzuschaffen, der fordert keine Verbesserung des Systems, sondern eine Maskierung des Problems durch blinden Aktionismus. Eine solche Reform wäre ein Feigenblatt. Sie zu fordern ist blanker Populismus.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Replik auf carta: Bildungsstreik analog statt digital?</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/13/replik-auf-carta-bildungsstreik-analog-statt-digital/</link>
		<comments>http://beim-wort-genommen.de/2009/11/13/replik-auf-carta-bildungsstreik-analog-statt-digital/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 14:29:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[social web]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[Mathhias Schwenk hat auf Carta einen Artikel darüber geschrieben, wie wenig die demonstrierenden Studenten hierzulande auf die Möglichkeiten des social web zurückgreifen. Auf einige Punkte möchte ich gerne eingehen. Obwohl die Studenten von heute oft als “Digital Natives” gesehen und ihnen daher eine hohe Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet zugeschrieben wird, zeigen die aktuellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mathhias Schwenk hat auf Carta <a href="http://carta.info/18102/bildungsstreik-analog-statt-digital/">einen Artikel</a> darüber geschrieben, wie wenig die demonstrierenden Studenten hierzulande auf die Möglichkeiten des social web zurückgreifen. Auf einige Punkte möchte ich gerne eingehen.</p>
<blockquote><p>Obwohl die Studenten von heute oft als “Digital Natives” gesehen und ihnen daher eine hohe Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet zugeschrieben wird, zeigen die aktuellen Vorgänge rund um den Bildungsstreik im Grunde fast das Gegenteil. Die Studenten koordinieren sich ganz überwiegend offline und führen Blogs, Twitter und Fanseiten auf StudiVZ bzw. Facebook nur nebenher.</p></blockquote>
<p>Diese Analyse scheint mir zutreffend zu sein – allerdings nicht nur in Bezug auf den Bildungsstreik. Eine auf eigenen Erfahrungen basierende Einschätzung ist nun nicht wirklich generalisierbar, doch scheint mir der „internetaffine“ Teil der Menschen die Reichweite, den Einfluss und die Nutzung des Internet etwas zu überschätzen.<br />
Junge Menschen nutzen das Netz, ohne Frage. Beinahe jeder hat ein Mail-Postfach, fast genauso viele nutzen Wikipedia und die schnelle google-Suche bei Referaten und privatem Interesse; ein nicht unerheblicher Teil nutzt Nachrichtenseiten (dabei vor allem Spiegel-Online); im StudiVZ angemeldet sind ebenfalls viele, weil man dort Bilder hochladen kann und Kontakt halten und herstellen kann; und einige wenige nutzen sogar interessenspezifische Foren. Und gerade fürs Studium läuft viel Organisatorisches nur noch über das Internet. So weit, so gut. </p>
<p><strong>Blogs als Tagebuch, Twitter als Frühstückmelder</strong></p>
<p>Darüber hinaus sieht es jedoch so aus:<br />
Nur ein winziger Teil liest Blogs, ein noch kleinerer Teil schreibt selber für einen. Für viele ist ein Blog nach wie vor dieses diffuse Etwas, in dem von Weltschmerz zerfressene Selbstdarsteller Geschichten aus ihrem privaten Leben ausbreiten.<br />
Das Verständnis, dass Blogs kritische Instanzen sein, echte Gegenöffentlichkeit herstellen und Partizipation ermöglichen können, haben die Wenigsten.<br />
Von Twitter gar nicht erst nicht zu reden. Twitter ist der Ort, an dem jemand der Welt mitteilt, was er gerade gefrühstückt hat.<br />
In meinem Serminar über Print- und Online-Medien bin ich von etwa 30 Medienwissenschaftsstudenten der einzige, der bloggt.</p>
<p>Junge Menschen sind keine Digital Natives oder wenn sie es doch sind, dann nur in dem Sinne, dass sie grundsätzlich mit dem Internet umgehen können. Sie nutzen das www, es ist nicht wegzudenkender Teil ihres Lebens. Das haben sie der Elterngeneration vielleicht voraus. Aber sie sehen es in der Mehrheit eben auch als das: als Normalität, nicht als Gelegenheit. Sie gehen nicht in die Tiefe, suchen nicht gezielt, sie setzten sich nicht mit Möglichkeiten und Problemen auseinander.</p>
<p>Allein die Tatsache, dass es das Internet gibt, hat die Generation der Digital Natives nicht per se zu internetinteressierteren Menschen gemacht; also zu solchen, die Technik nicht nur nutzen, sondern sich auch damit beschäftigen.</p>
<p>All das ändert natürlich nichts am Problem, das Matthias Schwenk beschrieben hat. Wenn in der größten Plenumssitzung der Uni-Tübingen direkt vor der Räumung am Anfang gefragt wird, ob denn jemand der Admins vom offiziellen Streik-Account aus twittere oder das tun wolle und der offizielle Account dann nur wenige tweets in den Äther schickt, dann ist das den Zielen der Streikenden nicht dienlich.</p>
<p>Allein: Ich sehe das Problem nicht als derart zentral an. Viel wichtiger scheint mir der nächste Punkt. </p>
<p><strong>Auch das social web macht Studenten nicht politischer</strong></p>
<blockquote><p>Das Schielen auf die Presse zeigt, dass die Studenten sich noch nicht in der Lage sehen, die Öffentlichkeit über das Internet direkt anzusprechen und sich dazu die erforderliche Reichweite selbst aufzubauen.</p></blockquote>
<p>Allein die Tatsache, dass es neue Möglichkeiten der politischen Partizipation gibt, hat die Generation der Digital Natives noch lange nicht zu politischeren Menschen gemacht.</p>
<p>Das Problem der Studentenproteste ist nicht die fehlende Mobilisierung via facebook und twitter, sondern die fehlende Mobilisierung an sich.<br />
In Tübingen erschienen zur Plenumssitzung direkt vor der Räumung wohl etwa 500 Studenten. So viele wie nie. Das sind in etwa zwei Prozent der 24 000 Studierenden.<br />
Kurz: Die Öffentlichkeit will offenbar gar nicht angesprochen werden.</p>
<p>Klar, viele wussten noch nicht einmal, dass besetzt worden war, als die Polizei die Besetzer bereits geräumt hatte – aber das lag dann an mangelndem Interesse, nicht an der Öffentlichkeitsarbeit der Besetzer.<br />
So viel das social web vermag: In einer Kleinstadt wie Tübingen, deren Einwohner zu einem Drittel Studenten sind, ist es immer noch weniger effektiv als die anaolge Werbung. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt keinen Campus, aber fast alle Uni-Gebäude stehen in einem Bereich, der vermutlich kleiner ist als viele Campi. Nicht umsonst besagt ein Spruch: „Tübingen hat keine Uni, Tübingen ist eine Uni.“<br />
Wenn in einer so kleinen Stadt Solidaritätsplakate an beinahe jedem Hörsaalgebäude, dazu Aufkleber, Infoplakate und Flyer in der ganzen Stadt, sogar auf den Toiletten der Universität, die Studenten nicht einmal dazu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann wollen sich diese Studenten auch nicht damit auseinandersetzen.</p>
<p>Natürlich, in Großstädten sieht das anders aus und dort ist das social web womöglich weitaus wichtiger.<br />
Dennoch: Offensichtlich sieht die Mehrzahl der Studenten keinen Grund, zu protestieren.<br />
Ich habe mich im Laufe der letzten Woche immer wieder einmal umgehört und es scheint mehrere Gründe zu geben:</p>
<p><strong>1) Unwissenheit</strong><br />
Ein erschreckender Teil wusste nicht, dass und vor allem warum besetzt war. Oftmals hatte das mit dem nächsten Punkt zu tun.<br />
<strong>2) Gleichgültigkeit</strong><br />
Vielen ist das alles schlicht egal. Sie möchten ihr Studium durchbekommen, mehr nicht. Ob nun so, wie es jetzt ist oder anders. Sollte sich etwas ändern, dann sei es so, aber sie müssten sich auf ihr Studium konzentrieren.<br />
Dazu gehören auch jene, die zwar mit den Besetzern sympathisierten, aber nicht einmal im besetzten Hörsaal erschienen.<br />
<strong>3) Ablehnung den Besetzern gegenüber</strong><br />
Einige sehen bzw. sahen die Besetzer als linke Chaoten an, denen es vorwiegend darum gehe, auch einmal einen Hörsaal zu besetzen und dort zu feiern. Daraus resultierte prinzipielle Ablehnung dem Streik gegenüber.<br />
<strong>4) Akzeptanz der/Zufriedenheit mit der Situation</strong><br />
Einige haben kein Problem damit, Studiengebühren zu zahlen, Vorlesungen per Audiostream mitzuverfolgen, in einem extrem verschulten Studiengang zu studieren, oder damit, dass nur ein Teil auch einen Masterplatz bekommt. Ihnen gehe es gut.<br />
Ein sehr kleiner Teil dieser Gruppe findet all das auch einfach gut und richtig.<br />
<strong>5) Resignation</strong><br />
Der meiner Einschätzung nach häufigste Grund. Viele sympathisieren zwar mit den Ideen und auch Methoden der Streikenden, sind aber der Meinung: Das bringt doch eh nichts. Und wenn etwas ohnehin nichts bewirken kann, versuchen sie es gar nicht.</p>
<p><strong>Können die Proteste etwas bewirken?</strong></p>
<p>Ich weiß nicht, ob das eine spezifische Eigenschaft der aktuellen Studentengeneration ist oder ob es nicht vielmehr schon immer so war, dass nur ein kleiner Teil politisch aktiv wurde und der Großteil nicht. Auch der Verweis auf die APO und die gesamte Studentenbewegung der 68er ist fehl am Platz. Der Vergleich wird beiden nicht gerecht. Die Studenten von damals haben mit denen von heute allenfalls gemein, dass sie Studenten sind. Die Gründe für den Protest sind genauso verschieden wie die verfolgten Ziele &#8211; und damit auch die gewählten Mittel.</p>
<p>Die jetzige Protestwelle kann aber in jedem Fall nur dann etwas bewirken, wenn erstens noch viel mehr Universitäten sich anschließen und zweitens mehr Studenten aktiv werden. Ersteres halte ich für möglich, bei Letzterem bin ich skeptisch.
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		</item>
		<item>
		<title>Der Proporzzwang leistet Politikverdrossenheit massiv Vorschub</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/10/29/der-proporzzwang-leistet-politikverdrossenheit-massiv-vorschub/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Oct 2009 19:21:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Versuch zu ergründen, welche neun Abgeordneten der künftigen Regierungskoalition der Kanzlerin bei der Wahl ihre Stimme verweigert haben, fällt der Verdacht mittlerweile auf die ostdeutsche CDU. Die nämlich ist, so heißt es, unzufrieden, weil kein einziger Bundesminister im neuen Kabinett aus dem Osten kommt. Die einzige Ostdeutsche im Kabinett: die Bundeskanzlerin höchstselbst. Das reicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Versuch zu ergründen, welche neun Abgeordneten der künftigen Regierungskoalition der Kanzlerin bei der Wahl ihre Stimme verweigert haben, fällt der Verdacht mittlerweile auf die ostdeutsche CDU.<br />
Die nämlich ist, so heißt es, unzufrieden, weil kein einziger Bundesminister im neuen Kabinett aus dem Osten kommt. Die einzige Ostdeutsche im Kabinett: die Bundeskanzlerin höchstselbst.<br />
Das reicht nicht, meint zumindest Arnold Vaatz, der gestern mit 95% der Stimmen in seiner Position als Sprecher der ostdeutschen Abgeordneten <a href="http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-10/15315079-arnold-vaatz-heute-mit-grosser-mehrheit-als-ost-sprecher-bestaetigt-007.htm">bestätigt</a> worden ist.</p>
<p>Trotzdem sei es eine Unterstellung, die ostdeutsche Union sei für die fehlenden Stimmen verantwortlichen. Sie seien keine Heckenschützen, <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/ostdeutsche-abgeordnete-im-verdacht/">so Vaatz zur taz</a>.<br />
Allerdings sei er selbstverständlich „nicht glücklich“ damit, dass kein Ostdeutscher Minister ist.<br />
Außerdem befürchte er nach wie vor eine <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,658106,00.html">Benachteiligung des Ostens</a> durch die geplanten Maßnahmen im Gesundheitswesen.</p>
<p>Nun muss das ein Ost-CDU-Abgeordneten-Sprecher wohl meinen und befürchten, andernfalls wäre er kein guter Ost-CDU-Abgeordneten-Sprecher. Natürlich sind Proporzfragen in der Politik die Regel, nicht die Ausnahme. Und wahrscheinlich ist es gut und richtig, dass einzelne Gruppierungen versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Vielleicht lässt sich nur so gewährleisten, dass alle Interessen irgendwie berücksichtigt werden.<br />
Die inhaltliche Kritik an konkreten Maßnahmen ist daher in Ordnung.</p>
<p>Das reflexartige Gezeter aber, egal in welcher Partei und zu welchem Anlass, hier sei dieses Bundesland oder jener Regierungsbezirk oder eine kleine Kommune bei der Verteilung des Personals benachteiligt worden, ist unsäglich.<br />
Und mehr als das: Die Forderungen, bei der Verteilung der Posten müsse vor allem dem Geschlechter- und Regionalproporz Genüge getan werden, desavouieren letzten Endes den ganzen Politikbetrieb. Sie sind nämlich das unverblümte Eingeständnis, dass es nicht oder nur zweitrangig um Inhalte geht. Sie fordern explizit das Überordnen von irgendwelchen willkürlichen Merkmalen über Fähigkeiten und Kompetenz.<br />
Solange es gängige Praxis bleibt, dass Ämter so verteilt werden, kann eine primär – oder gar einzig – auf das Wohl des Staates abzielende Politik nur Illusion bleiben.<br />
Proporzansprüche leisten damit der Politikverdrossenheit massiv Vorschub.
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		</item>
		<item>
		<title>Medien-Praktika: Blogs sind im Journalismus immer noch nicht anerkannt</title>
		<link>http://beim-wort-genommen.de/2009/10/16/medien-praktika-blogs-sind-im-journalismus-immer-noch-nicht-anerkannt/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 01:33:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Schaible</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Praktikum]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade gingen in Berlin etwa 200 Praktikanten auf die Straße, demonstrierten für mehr Rechte, faire Arbeitsbedingungen und traten für einen Tag sogar in einen Streik. Ähnliches macht die „Génération Précaire“ in Frankreich seit Jahren. Die Praktikanten wehrten sich dagegen, dass Praktika in der Regel unbezahlt sind oder so schlecht bezahlt werden, dass nicht einmal die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade gingen in Berlin etwa 200 Praktikanten auf die Straße, demonstrierten für mehr Rechte, faire Arbeitsbedingungen und traten für einen Tag sogar in einen <a href="http://praktistreik09.blogsport.de/">Streik</a>. Ähnliches macht die „Génération Précaire“ in Frankreich seit Jahren. Die Praktikanten wehrten sich dagegen, dass Praktika in der Regel unbezahlt sind oder so schlecht bezahlt werden, dass nicht einmal die Unterkunft und Verpflegung davon finanziert werden kann. Sie prangerten an, dass so nur die Wohlhabenden, von den Eltern Subventionierten die obligatorischen Praktika absolvieren können. Sie forderten, nicht als billige Vollzeit-Arbeitskräfte herhalten zu müssen, damit Unternehmen Kosten sparen. Sie kritisierten, dass auch Hochschulabsolventen nach dem Studium noch mit Praktika abgespeist werden.<br />
All das sind richtige und wichtige Punkte, die in allen Bereichen gelten, und es ist begrüßenswert, dass einige Vertreter der viel zitierten „Generation Praktikum“ nun eine Diskussion anzustoßen versuchen.<br />
Speziell in der Medienbranche ist allerdings noch ein weiteres Problem akut – eines, das kaum je diskutiert wird. Ein Problem, das ganz direkt mit dem allgegenwärtigen Streit zwischen Print und Online in Verbindung steht.</p>
<p align="center"><img src="http://www.abload.de/img/zeitu1oc.jpg" alt="" /></p>
<p>Wer ernsthaft plant, Journalist zu werden, der kommt nicht umhin, bei Zeitungen oder Rundfunkanstalten zu hospitieren. Eine möglichste große Zahl an Praktika, so liest und hört man allenthalben, sei heutzutage nicht mehr nur empfehlenswert, sondern Grundvoraussetzung dafür, dass man überhaupt die Chance erhält, im Journalismus Fuß zu fassen.<br />
Nur wer während des Studiums schon Referenz um Referenz sammelt, der kann später Karriere machen. Am Besten sind natürlich wohlklingende Namen der Branchenführer: SZ etwa, oder FAZ, Zeit, Spiegel. Sie geben dem Lebenslauf Gewicht, suggerieren Erfahrung, sind eine Empfehlung.<br />
So weit, so schlecht. Dass dadurch schon früh ein immenser Druck auf jungen Journalisten lastet und dass ein starkes Konkurrenzempfinden aufgebaut wird, ist schon bedauerlich genug.<br />
Doch es gibt ein grundlegenderes, systemimmanentes Problem.</p>
<p align="center"><img src="http://www.abload.de/img/frno59.jpg" alt="" /></p>
<p>Besonders heikel ist, dass bei sehr vielen Publikationen bereits redaktionelle Erfahrung Voraussetzung für ein Praktikum ist. Kurz gesagt: Ohne Praktikum bekommt man kein Praktikum, bekommt man kein Praktikum, bekommt man kein Praktikum. Und das gilt beileibe nicht nur für die großen Zeitungen, sondern auch für viele Lokalzeitungen.<br />
Es ist ein paradoxer Kreislauf, den nur durchbrechen kann, wer entweder Glück hat und in einer Stadt wohnt, deren Lokalzeitung keine derart hohen Ansprüche hat, oder wer Beziehungen in die Medienhäuser besitzt. Jedes Praktikum wirkt dann wieder als Katalysator und hilft bei der Suche nach anderen Praktika.<br />
So sind es trotz des hektischen Wettlaufes um die begehrten Plätze, trotz des früh gelebten Konkurrenzkampfes und des hohen Drucks nicht zwangsläufig jene, die am geeignetsten sind für die Stellen, sondern jene, die irgendwie in die sich selbst befeuernde Spirale geraten sind, die die besten Chancen haben.<br />
Nun wäre es heute so einfach wie nie, aus diesem System auszubrechen. Mehr als je zuvor hat jeder Mensch heute die Möglichkeit, zu publizieren. Einen Blog zu führen kostet gar nichts bis  wenige Euro im Jahr und ist vor allem quasi immer und überall möglich. Niemand ist mehr abhängig von der Gunst der Verleger und Zeitungsmacher: Wer etwas zu sagen hat, kann das tun und das ist gut so. Es ist dies die viel gefeierte Demokratisierung der Medienlandschaft durch das Internet – es ist der Bürgerjournalismus, den anzuerkennen sich viele Etablierte aber immer noch sträuben.<br />
Auch wenn der Freitag mit einem neuen Konzept Zeitung und Blogs verknüpft, auch wenn der Guardian in England schon länger auf Bürgerjournalismus setzt, auch wenn mehr und mehr Zeitungen Blogs schalten, Kommentare zulassen und langsam in einen Diskurs mit den Lesern treten und auch wenn Blogger im Iran oder in China bejubelt und als Journalisten ernst genommen werden: Noch ist das Verhältnis der etablierten Medien zu Blogs ein unreifes. </p>
<p align="center"><img src="http://www.abload.de/img/sz5quf.jpg" alt="" /></p>
<p>Das zeigt sich auch bei den Praktika. Denn die Arbeit als Blogger wird längst nicht so ernst genommen wie ein Praktikum bei einer Lokalzeitung. Mit einem Blog im Lebenslauf bleibt zumeist sogar der Eintritt in den Praktikakreislauf verwehrt – selbst wenn dahinter ein jahrelanges Engagement steht. Ein Praktikum steht für Erfahrung und auch für Initiative – denn man musste sich ja darum bemühen. Ein Blog ist nicht gleichwertig. Obschon „Journalist“ keine geschützte Bezeichnung ist und obschon es keinen Königsweg zu diesem Beruf gibt, wird zumeist ausdrücklich redaktionelle Erfahrung gefordert. Keine allgemein journalistische – etwa in Blogs.<br />
Dabei kann es von weitaus mehr Engagement und Leidenschaft für den Journalismus zeugen, sich ohne Bezahlung und vor einer kleinen Leserschaft in einem Blog abzumühen, als eine Bewerbung an eine Zeitung zu schicken oder, wie erwähnt, über Kontakte hineinzurutschen.<br />
Es kann auch die Arbeit als Blogger weitaus anspruchsvoller sein als die in einer Redaktion als Praktikant. Sicher, es gibt in einem Blog keinen Redaktionsschluss und keine Zeilenbeschränkung – dafür gibt es  auch keinen Redaktionsschluss und keine Zeilenbeschränkung. In Blogs kann ein jeder tun, was eigentlich genuin journalistisch ist: sich durch Informationen wühlen, interessante Themen suchen, uninteressante Themen herausfiltern, Themen setzen, Zusammenhänge erklären ohne Grenzen in Zeit und Zeile. Ein Blogger kann schreiben, was er für lesenswert erachtet. Unabhängig und unbequem. Ein Blogger muss sich nicht dem Willen der Chefredaktion beugen, sondern nur vor sich selbst gerade stehen.<br />
Dieses eigenständige Arbeiten ohne die starren Zwänge einer Redaktion kann verhindern, dass junge Journalisten in Abhängigkeit ihr Handwerk erlernen und Unabhängigkeit fördern.</p>
<p align="center"><img src="http://www.abload.de/img/taz3t9i.jpg" alt="" /></p>
<p>Natürlich gibt es viele Blogger, die keine derartigen Ambitionen haben. Es ist die überwiegende Mehrzahl. Viele Blogger wollen keinen guten Journalismus bieten und manche können es vielleicht nicht.<br />
Doch all das entwertet nicht, was ein guter Blog sein kann: eine Plattform für sauberen Journalismus. Blogs sind eine nie da gewesene Chance für den Journalismus. Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Entscheidungsträger in der Medienwelt zu dieser Erkenntnis gelangen. Es wird Zeit, dass „Ich haben einen Blog“ nicht mehr geringer geschätzt wird als „Ich habe ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht“. Das soll nicht heißen, dass Blogs nun die wichtigste Referenz werden sollen. Aber sie sollen eine gleichwertige Referenz werden.<br />
Damit junge Journalisten sowohl das eigenständige und völlig freie Arbeiten als auch das reglementierte Arbeiten lernen. Damit noch mehr Menschen sich motiviert fühlen, zu bloggen. Damit die Zeitungen ausbrechen aus dem Irrglauben, nur sie seien relevant – ein Glauben, der dem Journalismus in Zeiten des Netzes schwer schadet.<br />
Und damit bei Bewerbungen nicht mehr vorrangig ist, in welchem Medium ein jemand veröffentlicht hat, sondern was. Das kann dem Journalismus als Ganzes nur gut tun.
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