Beitrags-Archiv für die Kategory 'In eigener Sache'

Irrer Killer-Hund ballert um sich

Mittwoch, 4. April 2012 22:34

Zurück mit reißerischer Überschrift und einem Kuriosum:

Ab heute werden sämtliche Journalismuslehrbücher umgeschrieben. “Mann erschießt Hund” ist keine Nachricht. “Hund erschießt Mann” dagegen…


Quelle

Zur längsten Pause dieses Blog eine Erklärung in Kürze: Uni, Uni, Leben, Uni, Respekt vor dem lange nicht beschriebenen Blog.
Vielleicht, hoffentlich, bestimmt ab jetzt wieder mehr.

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Bild-Chef Diekmann in der taz im Focus

Dienstag, 17. Januar 2012 21:47

Mit einem kleinen Bonmot eröffne ich hier 2011 20121, wünsche verspätet allen Lesern ein gutes neues Jahr und bedanke mich sehr herzlich bei allen, die hier lesen und ganz besondern bei denen, die sogar kommentieren!

Dieser Neujahrs-Hänger könnte sich langsam zu einer echten Tradition entwickeln. Ich habe gerade aber auch einfach sehr viel anderes zu tun.

Nun zum völlig belanglosen Schmankerl: Die taz veröffentlicht heute die Antwort von Kai Diekmann auf eine Reihe von Fragen zum Anruf von Christian Wulff und dem Umgang der Bild mit diesem Material.

Unter anderem schreibt Diekmann:

“Bild war die erste Zeitung, die über eine mögliche Verschleierung der Kreditgeberschaft geschrieben und den Namen des Kreditgebers veröffentlicht hat. Am 13. und 14. Dezember 2011 stand dieses Thema im Focus der Berichterstattung.”

[Hervorhebung JS]

Sogar der Bild-Chefredakteur setzt Helmut Markworts Lebenswerk in eins mit dem Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Hier zeigt sich, wer in Wahrheit die mächtigste Publikation im Land ist.

Update, 18.01.12, 00.07 Uhr: Dem so geadelten Blatt ist’s nicht geheuer – da wird im Focus der Focus zum Fokus.

  1. Hoppla…

Thema: Humoriges, In eigener Sache | Kommentare (0) | Autor:

r.i.p @romelu

Mittwoch, 5. Oktober 2011 15:27

Robin Meyer-Luchts letzter Artikel auf Carta schickte das Projekt in eine Sommerpause. Leider bringt mich das dazu, die Sommerpause hier mit einem Nachruf zu beenden.

Schon vor etwa zwei Wochen ist Robin Meyer-Lucht überraschend gestorben.

Ich kannte ihn aus dem Netz, persönlich getroffen habe ich ihn nur einmal kurz, am Rande der Konferenz The Future Face Of Media in Frankfurt. Einige Male häufiger haben wir Mails ausgetauscht. In diesem Rahmen wirkte er immer erfrischend unprätentiös, außerdem offen, interessiert an Ideen und Texten. Beim-wort-genommen war gerade einen Monat online, da meldete er sich schon: Ob ich mir vorstellen könne, dass Carta Texte von mir crosspostet? Bis es soweit war, dauerte dann zwar deutlich länger, aber wir mailten in der Zwischenzeit hin und wieder. Er schlug sogar selber Themen vor. Und nachdem Horst Köhler zurückgetreten und ich von dem sich anschließenden Medienrummel noch etwas überfordert war, schrieb er, ich solle ihn einfach anrufen, wenn ich Fragen oder Zweifel hätte. Ich habe es dann nicht getan, mich aber sehr über das Angebot gefreut.

Carta sammelt Nachrufe, zumeist von Menschen, die ihn besser kannten. Lange habe ich überlegt, ob ich genug zu sagen habe, um auch einen zu schreiben. Dann fand ich: Ja. Obwohl wir eher wenig Kontakt hatten, finde ich es wirklich traurig, dass er tot ist.

Auf Twitterformat gebracht: R.I.P @romelu. Aber, du weißt, das Netz vergisst nicht: Du und deine Texte, ihr seid zumindest #iminternetnochnichtgestorben.

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Würden Sie bitte die Katze füttern? (Update)

Donnerstag, 18. August 2011 12:53

Ich bin ab morgen im Urlaub – hier gehen für zwei vier Wochen die Jalousien herunter1

Cat
Foto: martin_kalfatovic; Quelle: flickr.com; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0
Bloghaustier: Katze (Symbolbild)

Bleiben Sie und bleibt mir gewogen2 – und könnte bitte jemand nach der virtuellen Katze sehen, solange ich weg bin? Katzenfutterdosen finden sich bestimmt noch im Archiv.

Bis bald!

  1. Es hat sich noch eine andere Reise angeschlossen, wie (hoffentlich) schon irgendjemandem aufgefallen ist. In einer Woche bin ich wieder blogbereit.
  2. Subtiler Hinweis: Wer den RSS-Feed abonniert, verpasst auch garantiert nicht, wenn es wieder los geht!

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In eigener zukünftiger Sache: Offener Brief an Verleger

Dienstag, 5. Juli 2011 19:44

Zur Zeit befinden sich Journalistengewerkschaften und Presseverleger im Tarifstreit. Manch einer wird mitbekommen haben, dass gestreikt wurde, dass die Zeitung hin und wieder etwas dünner war als normal.

Im Streit um die Löhne von Journalisten liegen Angebote der Verlage auf dem Tisch, die sich in einer außergewöhnlichen Größenordnung bewegen: Sie wollen den Lohn nicht nur nicht erhöhen, sondern im Gegenteil massiv kürzen. Nach dem Vorschlag der Verleger würden Neueinsteiger bis zum Ende ihrer Laufbahn etwa 25% weniger verdienen als bereits arbeitende Journalisten. Zur Einordnung: Bisher verdient ein Journalist in seinen ersten beiden Jahren als Volontär bei einer Tageszeitung laut Tarif “zwischen 1.521 und 1.955 Euro“.

[...Weiterlesen...]

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Vorübergehend nicht erreichbar

Dienstag, 1. März 2011 1:11

Dieser Blog war heute den ganzen Tag vorübergehend, ich wiederhole: vorübergehend, nicht erreichbar.

Ich bin ein Mensch mit Fehlern und Schwächen (ich bin ein lausiger Webmaster), WordPress ist zwar kein Mensch, hat aber offensichtlich auch Fehler und Schwächen (irgendetwas wollte nicht mehr; mögich, dass es etwas mit dem Update auf WordPress 3.1 zu tun hatte). Dank geduldiger und kundiger Hilfe scheint hier jetzt wieder alles zu funktionieren, auch wenn nicht hunderprozentig klar ist, wo der Fehler lag.
Ganz schön nervenaufreibend. (Und ja, auch ein bisschen ärgerlich, dass ich Besucher vom Dradio Wissen heute wohl allesamt verschreckt habe. Naja, sei’s drum.)

Ich hoffe jedenfalls, der Blog läuft ab jetzt wieder rund.

Ach ja, übrigens: Die obige Erklärung ist selbstverständlich kein, ich betone: kein, Plagiat.

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Ein Hallo und Links zu Ägypten

Dienstag, 1. Februar 2011 19:35

Hallo. Es wird jetzt fürchterlich selbstreferentiell.

Frohes neues Jahr.

Das wollte ich eigentlich schon vor einem Monat schreiben, aber ich habe noch nicht mal das geschafft. Oh je, ein ganzer Monat ohne Artikel, das gab es, wenn ich mich recht entsinne, auch noch nicht hier. Abgesehen von Uni-Pflichten fehlten mir in den letzten Wochen irgendwie die Themen und es fehlte auch die Muse, zu bloggen.

Ich weiß, ich weiß, in Blogs muss gar nicht alles auf Anhieb vollständig durchdacht und durchrecherchiert sein. Trotzdem passiert es mir in letzter Zeit immer häufiger, dass ich Texte anfange, aber nicht beende oder nicht veröffentliche, weil ich nicht zufrieden bin damit. Weil ich nicht sehe, wieso das, was ich schreibe, relevant ist oder neu. Oder auch nur gut geschrieben.

Und je mehr Zeit vergeht, desto weniger nützlich erscheinen mir meine entstehenden Artikel. Aber, man kann ja versuchen, sich selbst zu täuschen. Das hier ist also der berüchtigte erste Strich auf dem weißen Blatt 2011.
Jetzt ist der Blog sowieso beschmutzt, da kann es ja vielleicht weitergehen.

Immerhin geht beim-wort-genommen jetzt auch schon ins dritte Kalenderjahr 1 – und hat ein Jahr hinter sich, das zumindest phasenweise ein klein wenig turbulent war.

An dieser Stelle möchte ich übrigens eine schöne Sitte aus anderen Blogs aufgreifen und mich ganz herzlich bei allen bedanken, die bisher hier mitgelesen und vor allem kommentiert haben 2. Ich glaube, ich habe das noch nie gemacht, aber ich freue mich wirklich immer wieder, wenn ich feststelle, dass trotz all der Pausen und Lücken, trotz des Default-Layouts und meiner manchmal missmutigen Kommentare Leute das hier lesen.

So.

Zum Schluss einige Links, wild durcheinander.

Wer wissen will, was in Ägypten passiert, dem seien folgende Seiten empfohlen.

  • Der Guardian kann nicht nur geleakte Dokumente schön aufbereiten, er beherrscht auch das Internet wie kaum eine Zeitung sonst und berichtet, oft mit Live-Tickern, über die Geschehnisse.
  • In Ägypten gesperrt, von der ARD gelobt, im Netz on air: Al-Jazeera English
  • Eine ungewöhnliche Stimme aus Ägypten: Journalist und Blogger Richard Gutjahr ist spontan nach Kairo geflogen und bloggt und twittert von dort.
  • Apropos Twitter: Einschlägig sind vor allem die Hashtags #jan25 und #egypt.

    Außerdem:

  • Karl-Theodor zu Guttenberg hat bereits am Freitag in Davos in Bezug auf die Proteste in Tunesien und Ägypten von einer Gefahr eines “infektiösen Moments” gesprochen, berichtet Reuters.Weitgehend friedliche Proteste und Demonstrationen in einem nicht freien Land gleichsam als ansteckende Krankheit zu bezeichnen, ist schon starker Tobak. Ich habe das Verteidigungsministerium bzw. zu Guttenberg um eine Stellungnahme gebeten, aber bisher keine Antwort erhalten.
  • Die ägyptische Armee wird, so ein Sprecher, nicht auf die Demonstranten schießen. Das ist bemerkenswert.
  1. Ich tue einfach so, als hätte es den Januar nie gegeben
  2. Ok, bei fast allen.

Thema: In eigener Sache, Linkempfehlung | Kommentare (5) | Autor:

Jakubetz’ Journalismusbuch

Montag, 20. September 2010 12:50

Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten.

Mit Freuden erledigt.

Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, Jakblogger, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) Journalisten, weil er findet, man solle diese Aufgaben nicht den “alten Männern” überlassen.

Dafür bittet er um Spenden, Ideen, Mitarbeit und Verbreitung der Idee, damit er mehr Spenden, Ideen und Mitarbeiter findet.

Bitte seinen Artikel dazu lesen. Bitte ihn unterstützen. Ich bin gespannt und drücke die Daumen, dass es klappt. (Und zumindest die ersten Reaktionen sind offenkundig viel versprechend).

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Jakubetz' Journalismusbuch

Montag, 20. September 2010 12:50

Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten.

Mit Freuden erledigt.

Christian Jakubetz, Autor der oben zitierten Zeilen, Journalist und Journalimuslehrer, Jakblogger, Bildblogger und Buchautor, möchte ein weiteres Buch schreiben; eine Art Lehrbuch für angehende (oder etablierte) Journalisten, weil er findet, man solle diese Aufgaben nicht den “alten Männern” überlassen.

Dafür bittet er um Spenden, Ideen, Mitarbeit und Verbreitung der Idee, damit er mehr Spenden, Ideen und Mitarbeiter findet.

Bitte seinen Artikel dazu lesen. Bitte ihn unterstützen. Ich bin gespannt und drücke die Daumen, dass es klappt. (Und zumindest die ersten Reaktionen sind offenkundig viel versprechend).

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Schreiben auf Transparenzpapier

Sonntag, 18. Juli 2010 14:26

Michalis Pantelouris (print-würgt.de) wagt etwas Neues. Der freie Journalist und Blogger wird sich nach Athen begeben und dort versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einer jungen Frau, die vergangenes Jahr unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Er wird dabei jeden Schritt seiner Recherchen dokumentieren; jedes Gespräch, jeden Kontaktversuch per Telefon, jede Aktenstudie. Pantelouris hat in seinem Blog ausführlich geschildert, wie es zu diesem Projekt kam, wie es genau aussieht und warum er glaubt, dass der (Online-)Journalismus mehr Transparenz braucht.

Stefan Niggemeier, bei dem ich davon erfahren habe, kommentiert das Projekt und spricht wichtige Fragen an: Ist es vertretbar, vom Tod einer Frau so detailliert zu berichten? Die Eltern zu besuchen, zum Tatort zu reisen, mit Bekannten zu sprechen, die Akten zu studieren, die Umstände zu schildern – und das alles in einem „live-blog“ auf neon.de? Wird hier nicht menschliches Leid zu einer Inszenierung, mit der vor allem Voyeurismus befriedigt wird?

Ich weiß es nicht. Wohl ist mir dabei auch nicht.

Aber das Unwohlsein liegt am Thema. Grundsätzlich finde ich das Projekt toll. Deshalb: Bitte alle die Texte von Pantelouris und Niggemeier lesen und ein eigenes Urteil bilden.

Im Übrigen erinnert mich das Projekt an einen Text, den ich vor fast drei Monaten geschrieben, aber nicht veröffentlicht habe; der Text blieb im Ordner, weil ich das darin angesprochene „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ noch nicht fertig hatte. (Und auch noch nicht habe: Aber es ist schon begonnen und hiermit erhöhe ich offiziell den Druck auf mich selbst, es endlich einmal zu Ende zu schreiben).

Ich nutze hiermit die Gelegenheit, den Text endlich online zu stellen. Zeit wird es. Weil ich finde, dass Pantelouris Recht hat, wenn er mehr Transparenz fordert. Und weil es im Internet so einfach ist, diese Forderung zu erfüllen.

Text vom 28.04.10:
———-

„Internetpublizistik ist vom Prinzip her lustgetrieben: Wer Spaß hat, über ein Thema zu schreiben, tut das, wenn er keine Lust mehr hat, hört er auf. Und wenn gerade andere Dinge wichtiger sind, sind andere Dinge eben wichtiger.“ Habe ich eben gelesen – und mich ein bisschen schlecht gefühlt. Recht hat sie ja, die Eva-Marie Schnurr: Lustgetrieben das alles. Andererseits hat sie auch Recht, und andere Dinge sind gerade nun mal wichtiger.
Wie dem auch sei: Ich dachte, der lesenswerte Text „Wie der Blauflossenthunfisch“, aus dem obiges Zitat entnommen ist, könnte Anlass sein, den Blog hier zu beleben – und eine Idee umzusetzen, die mir schon länger im Kopf herumschwirrt.

„In den USA gehen Journalismusprojekte inzwischen diesen Weg: Sie legen offen, was eine Recherche kostet. Warum nicht auch Transparenz darüber, wie lange der Journalist recherchiert hat, ob er vor Ort war oder nur telefonieren konnte? Wer die Reise bezahlt hat. Ob ein Profi am Werk war oder ein Hobbyautor.“

Schon länger denke ich mir, dass es möglich sein müsste, die viel beschworene Transparenz im Netz Wirklichkeit werden zu lassen. Denn, mal ehrlich, bis heute ist es damit nicht so wirklich weit her. Ja, Quellen werden verlinkt, sicher. Manche Autoren versehen manche ihrer Beiträge mit einem „Disclosure“, wenn sie etwa über ehemalige oder aktuelle Arbeitgeber schreiben. Alles gut und wichtig. Das alles ändert aber nichts daran, dass ich häufig auf mir bisher unbekannten Blogs lande, mich umschaue – und nichts finde, das mir helfen könnte, den Autor besser einzuschätzen. Der erste Klick geht immer ins Impressum, lieber zu einem „About“. Doch meistens hilft auch das nicht wirklich weiter. Dabei will ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Rechtsradikaler, Linksradikaler, Kirchengläubiger, Kirchenhasser, Kulturpessimist, Konstruktivist, Kriegsbefürworter oder Pazifist, hü oder hott? Denn wenn ich weiß, wo jemand politisch oder generell weltanschaulich zu verorten ist, kann ich seine Texte besser einordnen.

Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sich die Lage auf beim-wort-genommen nicht anders darstellt: Viel erfährt der Leser schließlich nicht über mich. Bisher steht da auf „Über diese Seite“: „Beim-wort-genommen steht keiner Partei, keinem Unternehmen, keiner Kirche, keinem Verein und keiner wie auch immer gearteten Vereinigung nahe. Der Autor fühlt sich allenfalls der Wahrheit, gutem Journalismus und den universellen Menschenrechten verpflichtet.“
Klingt ja ganz nett 1, aber: Kann dadurch jemand einschätzen, warum ich für X und gegen Y argumentiere, oder warum ich A ablehne und B nicht? Welchen Wahrheitsbegriff habe ich, was verstehe ich unter gutem Journalismus und wie eigentlich begründe ich meine Unterstützung für die Menschenrechte? Mit Gott? Rechtspositivistisch? Gar nicht – es ist halt so?
Auch mein About versucht noch, eine Art Objektivität zu suggerieren. Aber bedeutet die Tatsache, dass ich keiner Partei nahe stehe, etwa auch, dass ich nicht Grundüberzeugungen habe, die mit den Ideen der einen besser zu vereinbaren sind als mit denen der anderen? Die Information, dass beim-wort-genommen kein Parteiblog ist, ist notwendig, aber keineswegs hinreichend.

Irgendwie ist das so kein zufriedenstellender Zustand. Ich möchte, dass ein neuer Leser auf meiner Seite einschätzen kann, wie ich zu meinen Aussagen komme. Ich möchte, dass er dann entscheiden kann, ob er meine Positionen teilt oder ob er meine Haltung ablehnt und mich deshalb nie wieder lesen wird. Ich möchte, dass er die Chance hat, meine Argumentation zu analysieren und gegebenenfalls logische Fehler zu entdecken (und mich dann in den Kommentaren darauf hinzuweisen).

In der Wissenschaft gehört es zum Fundament einer jeden Arbeit, dass Quellen und Prämissen offengelegt werden. Nur so wird Wissenschaft nachvollziehbar und damit sinnvoll kommunizierbar. Im Journalismus der Knappheit, in dem Zeitungsseiten genauso rar waren wie Sendeminuten, konnte man dieses Prinzip nicht sinnvoll umsetzen – obwohl es genauso hilfreich wäre wie in der Wissenschaft.
Und vielleicht können noch nicht einmal Internet-Zeitungen so vorgehen, weil so viele Autoren involviert sind. Aber: Ich kann hier meine Prämissen und Quellen offenlegen. Jeder Blogger kann das tun – und, wenn man mich fragt: Jeder Blogger sollte es.

Deshalb habe ich jetzt eine Seite „Warum ich argumentiere, wie ich argumentiere“ 2 eingerichtet. Darin versuche ich zu erklären, von welchen +Annahmen ich ausgehe, welches Menschenbild ich habe, von welcher Realität ich ausgehe.
Um auch hier transparent zu sein: Vieles davon ist Stückwerk. In vielen Punkten muss ich selbst noch innere Widersprüche auflösen, bevor ich eine klare Haltung formulieren kann. Oft werde ich in Artikeln meine Prämissen weiter spezifizieren müssen. Das Ganze ist ein Versuch, Transparenz herzustellen, nicht mehr. Es erhebt nicht den Anspruch, vollständig kohärent und umfassend zu sein. Und, ganz wichtig: Diese Seite kann immer und jederzeit bearbeitet werden – so wie sich auch Einstellungen mit der Zeit verändern können.

Außerdem werde ich versuchen, zu jedem Beitrag anzugeben, auf welche Quellen ich mich stütze. Ein bisschen wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Im Journalismus ist die Versuchung groß, so zu tun, als sei man völlig informiert. Man schreibt eine Geschichte, suggeriert dem Leser völlige Selbstsicherheit – und hofft danach fingernägelkauend, dass sich kein Fehler eingeschlichen hat und wenn doch, dass es keinem auffallen möge. 3 Und bitte bitte, es möge doch niemand bemerken, dass man hier und da noch tiefer hätte recherchieren können.

Man mag von Jeff Jarvis halten, was man will; im Interview mit der Berliner Zeitung hat er neulich etwas sehr Kluges gesagt: „Die Schlüsselqualifikation für Journalisten wird in Zukunft eher sein, zu sagen, was wir nicht wissen, als was wir wissen. Wir müssen zugeben, dass wir nicht allwissend und allmächtig sind. Hier ist die ganze Geschichte, hieß es früher. Bullshit, es war nie die ganze Geschichte, konnte es gar nicht sein, schließlich entwickelt sich die Geschichte weiter, während die Zeitung gedruckt wird. Muss ich deswegen meinen Artikel hundertmal umschreiben? Nein. Im Blog kann man den Prozess verfolgen, in den Links stecken die Fußnoten und die Quellen.“

Bullshit, es ist nie die ganze Geschichte. Wie Recht er hat. Und zum Thema Fehler führt Jarvis aus: „Als ich ein Reporter war, habe ich mich immer geschämt, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich wollte mich verstecken und hoffte, dass niemand es entdeckt und wir keine Korrektur drucken müssen. In der Blogwelt habe ich gelernt, dass seine Fehler zu korrigieren, die eigene Glaubwürdigkeit vergrößert. Man beseitigt den Fehler nicht, man streicht ihn durch und zeigt, dass man es nun besser macht.“
Vielleicht geht es nur mir so, aber ich kenne diese Angst vor dem Fehler; eine Angst, die auch entsteht, weil ein gedruckter Fehler nun mal ein gedruckter Fehler ist. Zunächst einmal nicht mehr veränderbar. Eine Angst, die verstärkt wird durch die Fassade der Fehlerfreiheit. Dabei ist Freiheit vor Fehlern eine Uropie. „Wir machen alle welche! […] Wir sind Menschen. Überraschung!“, sagt Jarvis. Eben. Deshalb: Unter jedem Text wird sich künftig eine Liste mit Quellen finden.

Wenn es keine gibt, weil ich aus dem Kopf geschrieben habe, wird da stehen, dass es keine gibt. Wenn es Internetseiten sind, werde ich darauf verlinken. Wenn es Mails gibt, werde ich sie, so es erlaubt ist, hochladen (und darauf hinweisen, wenn ich es nicht darf). Wenn es – was für den Blog selten vorkommt – Telefonate sind, werde ich es vermerken. 4

Oft genug frage ich mich selber, woher Autor X seine Informationen hat. Klingt überzeugend und informiert – aber verkauft er mir gerade Wikipedia-Halb-Wissen 5 oder hat er stundenlang in der Bibliothek wissenschaftliche Aufsätze gewälzt und mit Experten telefoniert?

Mit einer ordentlichen Auflistung aller Quellen wird eine möglicherweise dünne Recherche nicht weniger dünn und angreifbar als vorher – aber es behauptet dann auch keiner, mehr oder gar alles wissen. Das nimmt Druck vom Autor und ist vor allem fair dem Leser gegenüber.

Über Meinungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge 6 freue ich mich genauso wie über Blogger, die dem Beispiel möglicherweise folgen.

——–

  1. Darf man so eigene (langweilige) Selbstbeschreibungen beschreiben?
  2. Mein Blog heißt beim-wort-genommen.de – ich darf sperrige Titel wählen.
  3. In Zeiten, da Medienblogs Hochkonjunktur haben und Kommentarfunktionen Webstandard sind, ist diese Hoffnung allerdings oft vergebens.
  4. Bei Links, die ich ja normalerweise auch jetzt schon im Text setze, muss ich mir noch überlegen, ob ich eine andere Linkfarbe für Quellenlinks und solche, die für den Leser ergänzend eingebaut wurden, wähle (z.B. Wikipedia-Links, die ich für den konkreten Text nicht genutzt habe). Denn die Links nur am Ende aufzuführen, wäre wohl dem Textverständnis nicht dienlich. Bis auch Weiteres werde ich es wohl mit folgendem Muster versuchen: Gefettete Links sind Recherchequellen, nicht-gefettete sind ergänzend.
  5. Nicht missverstehen: Ich liebe Wikipedia, ich nutze Wikipedia und ich halte Wikipedia für eine meistens sehr verlässliche Quelle, sofern man grundlegende Spielregeln beachtet (Diskussionsseite checken, Versionenseite checken, Quellenlage checken, eventuell Weblinks lesen).
  6. Bitte bitte: Wie kann ich ordentliche Fußnoten erstellen, so wie z.B. bei coffee-and-tv? Hilfe?!

Thema: In eigener Sache, Journalismus | Kommentare (6) | Autor: