„Der entfesselte Skandal“ – und andere Dinge, die einen vom Bloggen abhalten

Es ist ein gutes Gefühl, vermisst zu werden. Falls sich also jemand gewundert haben sollte, ob ich die Lust am Bloggen verloren habe und ähnliches: Ach wo.1 Und auch auf die Gefahr hin, einer von denen zu werden, die ständig nur erklären, warum sie nicht bloggen und bald wieder bloggen werden, hier und in Bälde einige Zeilen zu Dingen, mit denen ich so im letzten Jahr mein Leben verbracht habe.
Neben allerlei gewöhnlichem Uni-Stress gegen Ende eines Bachelorstudiums und diesem Ding, das man Leben nennt, lag die Abstinenz der letzten Monate unter anderem ein der Mitarbeit an einem Buch, das im Januar erscheinen wird2 und an einer größeren Forschungsarbeit zu Ungarn, die ich mit drei KommilitonInnen und FreundInnen geschrieben hab. Dazu mehr in den nächsten Tagen hier.

Der digital entfesselte Skandal in Buchform

Vorab noch ein etwas verspäteter Hinweis auf ein anderes Buch, an dem ich mitgewerkelt habe, auch wenn da der Hauptteil der Arbeit schon letztes Jahr gemacht wurde: Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft in Tübingen, und Hanne Detel, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl, haben im Juni ein Buch veröffentlicht: „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter„.
Ich habe als Hilfskraft daran mitgearbeitet, vor allem Fälle recherchiert.

Cover: Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Von Prof. Dr. Bernhard Pörksen und Hanne Detel; Herbert von Halem Verlag
Pörksen/Detel (2012): Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Herbert von Halem Verlag, Köln. ISBN: 978-386962-058-9, 19,80 Euro, 248 Seiten.
Bildquelle: Herbert von Halem Verlag

Ich war, zugegebenermaßen, am Anfang vom Konzept nicht ganz überzeugt, das hat sich aber schnell geändert. Ich finde, es ist ein sehr kluges, sehr instruktives und bei alldem auch gut zu lesendes, unterhaltsames Buch geworden. Und ich glaube, in der Terminologie Pörksens, dass darin Fall um Fall wirklich ein interessantes Meta-Muster sichtbar gemacht wird.

In 15 Fallgeschichten, darunter bekannte und politische wie die Lewinsky-Affäre und die Folterfotos von Abu Ghraib ebenso wie eher unbekanntere, boulevardeskere wie Tiger Woods‘ Sexskandale oder das Schicksal einer chinesischen Studentin, die zwischen die Fronten von Tibet-Aktivisten und chinesischen Nationalisten gerät, zeigen Pörksen und Detel, wie der Skandal sich durch das die Digitalisierung verändert hat.
Informationen verbreiten sich blitzschnell, werden geteilt und verschoben, erfahren zu neuen Zeiten oder in anderen Kontexten einen Bedeutungswandel – und lösen urplötzlich eine Empörungswelle aus, mit der die Betroffenen nicht gerechnet haben oder gar nicht rechnen konnten. Die Betroffenen, das sind längst potentiell alle – vorbei die Zeit, in der es hieß, gegen Ohnmächtige bricht kein Skandal aus. Die Skandalisierer sind nicht mehr nur journalistische Gatekeeper in den Redaktionen. Die Möglichkeit der Kontrolle schwindet – der Skandal ist entfesselt.

Rezensionen finden sich im Netz zuhauf – exemplarisch: Zeit-Online, FR, Carta, NDR, Deutschlandfunk. Das Buch gibt es bei allen Buchhändlern, oder bei Amazon. Allerdings ohne Affiliate Link.
Ich kann es trotzdem sehr empfehlen.

  1. Sollte mich niemand vermisst haben, untersteht euch, mir das zu schreiben!
  2. Spannung! Zur gegebenen Zeit dann mehr hier

13. Juli 2012 von Jonas Schaible
Kategorien: In eigener Sache | Schlagwörter: , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. (sorry, den Kommentar habe ich jetzt erst aus dem Spamfilter befreit)

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