Beiträge vom Juli, 2011

Terror-, Finanz- und Wissenschaftsexperten: Mehr Präzision!

Samstag, 23. Juli 2011 18:57

Und wo ich gerade dabei bin, gleich noch eine Medienkritik hinterher.
Karim el-Gawhary, unter anderem Nahost-Korrespondent der taz, befasst sich mit so genannten Terror-Experten, die sich gestern teilweise sehr früh (wohl fälschlich) auf islamistische Terroristen festgelegt hatten. Er fordert: weg mit den Terror-Experten, die wie alle anderen auch nur im Trüben fischen können.

Ich möchte, das brennt mir schon lange unter den Nägeln, sogar noch weitergehen und fordern: Weg mit den Experten. Weg mit ihnen, allesamt weg.
Allerdings nicht unbedingt mit denjenigen, die sich als Experten bezeichnen oder als solche bezeichnet werden. Nein, was verschwinden muss, ist der Begriff des „Experten“ an sich. Der Experte ist nämlich schon lange keine Einordnungshilfe mehr, so er es denn je war.
So sehr ich verstehe, warum Journalisten verdichten und ihren Lesern Informationen vereinfacht vermitteln wollen, so sehr halte ich den Experten für ungeeignet, das zu erreichen.

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Es war einmal Norwegen?

Samstag, 23. Juli 2011 17:36

Christoph Bertram schreibt heute auf Zeit-Online unter der Überschrift “Es war einmal Norwegen”:

“Noch kann niemand hier wirklich glauben, was er sieht und hört. Und wenn das kleine Land mit seinen fünf Millionen Menschen irgendwann aus dem Schock erwacht, wird das Trauma dieser Tage auf alle Zeit auf ihm lasten.
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Es wird ein anderes, sich seiner Fragilität bewußteres Norwegen sein.

[...]

Und dennoch: Das Land ist nach der Katastrophe vom 22.Juli 2011 nicht mehr wie es vorher war. Der Schatten einer verwundbaren Welt wird es nicht mehr verlassen.”

Wie auf Zuruf: ein Beispiel1 für genau diese Art von unreflektierter (und floskelhafter) Idenitätskonstruktion, die ich gestern kritisiert habe.

  1. Vermutlich nicht das einzige

Thema: Schnell verlinkt | Kommentare (0) | Autor:

“Wird jetzt in Norwegen alles anders?”

Freitag, 22. Juli 2011 22:31

Kurzer Zwischenruf zu den Ereignissen in Oslo.

Habe eben sowohl bei N24 als auch einige Zeit vorher bei Al-Jazeera English gehört, wie Augenzeugen vor Ort zugeschaltet wurden. Das ist natürlich völlig legitim. Auf beiden Sendern – und ich würde tippen, dass es auf anderen Sendern weltweit ähnlich gehandhabt wurde – wurde den Augenzeugen irgendwann sinngemäß die Frage gestellt: Und, wie geht es jetzt weiter mit Norwegen, wie geht es weiter mit Oslo?

Einmal davon abgesehen, dass die Frage ohnehin wenig fruchtbar ist, denn woher soll das irgendjemand wissen? Also davon einmal abgesehen, stört mich noch etwas: Die Antworten gingen in beiden Fällen in die Richtung, es sei schrecklich, ein fürchterlicher Tag für Norwegen, klar müsse man versuchen, normal weiterzuleben, aber das werde Norwegen schon verändern.
Und auch verschiedene Analysten sprachen davon, Norwegen habe seine Unschuld verloren (was für eine schräge Metapher) und nun werde alles anders.

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Ein lauter Schrei nach? – Einfach nur ein lauter Schrei

Dienstag, 19. Juli 2011 23:24

Michael Stepper hat bei Philibuster den offenen Brief von Daniel Stahl an die Verleger kommentiert – in Form eines offenen Briefs an die lieben jungen Journalisten. Ich bin vermutlich einer der Angesprochenen, denn ich habe den offenen Brief neulich unterzeichnet. Obwohl ich manches anders formuliert hätte, übrigens.
Mittlerweile habe ich Steppers Brief dreimal gelesen und bin unverändert überzeugt, dass er sich in zwei Fehlschlüssen verheddert und damit am Ende nichts sagt, zumindest nichts mit Substanz. Eigentlich hatte ich keine Lust auf so ein Replikduell, weil es erfahrungsgemäß ziemlich anstrengend werden kann. Aber der Text wird so fleißig verbreitet1, dass ich nicht anders konnte. Wenn offenbar alle gut finden, was dort steht, muss ja irgendwer den Kritiker mimen.

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  1. unter anderem von Thomas Knüwer, Bildblog, Mario Sixtus und von Online-Journalismus.de verlinkt, vom DJV Mecklenburg-Vorpormmern für „lesenswert“ befunden, gefällt Jens Weinreich wie 125 anderen bei Facebook

Thema: Journalismus, Standpunkt | Kommentare (0) | Autor:

Bundeswehr-PR

Montag, 18. Juli 2011 12:38

“Wir benötigen die Hoheit über den Küchentischen. Wenn Vater, Opa, Tante oder Onkel dem Nachwuchs im Haus davon abraten würden, in den Streitkräften zu dienen, dann hätten wir verloren. Wir müssen also alles unternehmen, um – wo immer möglich – eine positive Grundstimmung für die Bundeswehr zu erzeugen.”


Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere, Quelle

Steffen Hebestreit schreibt heute in der Berliner Zeitung/ Frankfurter Rundschau über Seminare für Schülerzeitungsredakteure, Jugendleiter und andere “Multiplikatoren”, die von der Bundeswehr finanziert, aber von den “Young Leaders” veranstaltet werden – ohne dass den Teilnehmern klar gemacht würde, wer der Geldgeber ist.

Hebestreit: “Einladungen für solche Seminare seien „nur durch den Auftragnehmer auszusprechen“, von einem „Bundeswehr-Seminar“ dürfe nicht die Rede sein.”
Und weiter: “„Um insbesondere auch nicht-bundeswehr-affine Teilnehmer gewinnen zu können, sollen ,Sicherheitspolitik und Bundeswehr’ thematisch nicht im Vordergrund stehen, sondern im Kontext mit einer Vielzahl von Themenfeldern wie Politik, Ethik, Bildung/Forschung, Kultur und Journalismus“, heißt es in den Ausschreibungsunterlagen.

[...]

Die Durchführung der jeweiligen Tagung erfolge „in Absprache mit dem BMVG Pr-/InfoStab“, das gelte insbesondere „für die zu behandelnden Themen“.

[...]

Pro Jahr hofft die Bundeswehr auf diese Weise mehr als 600 „engagierte Multiplikatoren bereits als Jugendliche (Meinungsführer)“ zu erfassen und ihnen in einen allgemeinen Kontext eingebettet sicherheitspolitische Themen zu vermitteln, „um so das Verständnis für die Komplexität heutiger Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu verdeutlichen.”

Thema: Außenpolitik | Kommentare (1) | Autor:

Gedanken zum Kontrollverlust

Dienstag, 12. Juli 2011 18:34

Der folgende Texte ist drüben bei diesesinternet erschienen und auch dafür entstanden. ich bin selber noch nicht restlos überzeugt von dem, was ich geschrieben habe – aber wenn der Texte ohnehin schon in diesem Internet drin steht, dann kann ich ihn auch hier crossposten. Vielleicht bekomme ich ja kluge Resonanz und bin hinterher klüger. Oder auch nicht.

Die aktuelle Seminar-Aufgabe lautet: Schreib’ etwas über Michael Seemann1, den Kontrollverlust oder Wikileaks.

Ich leite deshalb so unelegant ein, weil ich andernfalls Schwierigkeiten hätte zu erklären, warum ich gerade jetzt über Seemann, den Kontrollverlust oder Wikileaks schreibe. Irgendwie fehlt der aktuelle Aufhänger – also tue, was ich meistens tue, und versuche, Seemanns Kontrollverlust anhand seines carta-Artikels darüber zu analysieren und zu kritisieren. Ein wenig Aktualität erhält das Thema eventuell durch die Gesichts-Tagging-Versuche bei Musikfestivals.

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  1. Der demnächst in Tübingen einen Vortrag hält. An dieser Stelle: ctrl-Verlust und mspr0. Seine Blogs. Lesen.

Thema: Replik | Kommentare (5) | Autor:

Im Zweifelsfall entscheiden wir uns für Stabilität und gegen Menschenrechte

Montag, 11. Juli 2011 10:54

Das ist meines Erachtens, auf den Punkt gebracht, die zentrale Aussage Thomas de Maizieres aus seinem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Thomas de Maiziere hat dem Abendblatt auf die Frage, ob es vertretbar sei, schwere Waffen an Diktaturen zu liefern, geantwortet:

Die Entscheidung über Rüstungslieferungen ist zunächst eine sicherheitspolitische. Menschenrechtsüberlegungen müssen eine Rolle spielen, doch überwiegen die internationalen Sicherheitsinteressen.

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Thema: Außenpolitik | Kommentare (4) | Autor:

In eigener zukünftiger Sache: Offener Brief an Verleger

Dienstag, 5. Juli 2011 19:44

Zur Zeit befinden sich Journalistengewerkschaften und Presseverleger im Tarifstreit. Manch einer wird mitbekommen haben, dass gestreikt wurde, dass die Zeitung hin und wieder etwas dünner war als normal.

Im Streit um die Löhne von Journalisten liegen Angebote der Verlage auf dem Tisch, die sich in einer außergewöhnlichen Größenordnung bewegen: Sie wollen den Lohn nicht nur nicht erhöhen, sondern im Gegenteil massiv kürzen. Nach dem Vorschlag der Verleger würden Neueinsteiger bis zum Ende ihrer Laufbahn etwa 25% weniger verdienen als bereits arbeitende Journalisten. Zur Einordnung: Bisher verdient ein Journalist in seinen ersten beiden Jahren als Volontär bei einer Tageszeitung laut Tarif “zwischen 1.521 und 1.955 Euro“.

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Thema: In eigener Sache | Kommentare (0) | Autor: