Sarrazins 18 Prozent: Und, was können Sie sich so vorstellen?

Der Bildblog hat sich verdienstvollerweise schon um die Umfrage gekümmert, der zufolge sich 18 Prozent der Deutschen vorstellen könnten, eine Partei mit Thilo Sarrazin zu wählen. Ich möchte dazu noch einige Worte mehr verlieren.

Um es kurz zu sagen: Die Fragebögen – und damit die Ergebnisse – sind das Papier nicht wert, auf dem sie möglicherweise gedruckt wurden. Möglicherweise, schreibe ich, und hier beginnen bereits die Probleme.
Denn weder auf der Emnid-Seite noch auf Bild.de finde ich detaillierte Angaben zur Ausarbeitung der Studie. Es fehlen sämtliche Hintergrundinformationen, es fehlt alles, das Ergebnisse einer Studie eigentlich überprüfbar macht, das erlaubt, eine Studie einzuschätzen. Ich kann zum Beispiel nicht wissen, ob die Befragung telefonisch durchgeführt wurde oder schriftlich oder vis–à–vis. Das mag noch zu verschmerzen sein, weitaus problematischer ist, dass unklar bleibt, wie viele Personen befragt wurden und wie sie ausgewählt wurden. Wer auch nur ein wenig Ahnung davon hat, wie eine Befragung bewertet werden kann, wird an dieser Stelle schon extrem vorsichtig. Zum Beispiel macht es einen extrem großen Unterschied, ob die Probanden zufällig oder eben nicht zufällig ausgewählt wurden. Auch die Größe der Stichprobe ist relevant – zumindest, wenn es sich um eine Zufallsauswahl handelt. Aber eben: Nichts.

Gut. Oder eben: Nicht gut. Aber glücklicherweise findet sich auf Bild.de eine Klickstrecke, die die Fragen und Ergebnisse detailliert auflistet. 1 Ein Blick auf die Fragen lohnt sich definitiv.

Und, was können Sie sich so vorstellen?

Zunächst die zentrale Frage: „Könnten Sie sich vorstellen, eine neue Partei zu wählen, wenn Thilo Sarrazin Vorsitzender dieser Partei wäre?“
Dazu hat, wie erwähnt, Stefan Sichermann im Bildblog schon einiges geschrieben. Trotzdem noch einmal: Der Witz an dieser Frage ist ihre Unbestimmtheit. Könnten Sie sich vorstellen, wird da gefragt, und vorstellen kann man sich zunächst einmal vieles. Die Beispiele Linkspartei und Horst Schlämmer sind im Bildblog ja aufgeführt und illustrieren das Problem ganz anschaulich. Also, wenn man die Frage aufschlüsselt, steht da:

1) Es gibt eine hypothetische neue Partei.
2) Deren Vorsitzender ist Thilo Sarrazin.
3) Es gibt keine Angabe zum Zeitpunkt.
4) Es gibt keine Angabe zu den Inhalten, die diese Partei vertritt. Noch nicht einmal eine Einordnung ins Parteiensystem nach dem klassischen Rechts-Links-Schema.
5) Es gibt keine Angabe zur Art der Wahl. (Kommunalwahl? Landtagswahl? Bundestagswahl? Europawahl?).

Punkt 4) ist dabei der wichtigste. In der Frage steht nicht, dass diese Partei eine rechte, rechts-populistische oder rechts-extreme, jedenfalls eine rechts der Union wäre. Ich für meinen Teil könnte mir zum Beispiel schon eine Konstellation vorstellen, in der ich eine neue Partei, deren Vorsitzender Thilo Sarrazin ist, wählen würde. Es fällt mir schwer, aber ich könnte. Wie ich mir so vieles möglicherweise vorstellen könnte.
Zum Beispiel, wenn diese Partei Positioonen verträte, die ich selbst teile und die ich so in keiner anderen Partei repräsentiert sehe. Eine solche Partei könnte keinesfalls die Inhalte vertreten, die Sarrazin in der, nennen wir sie: Integrationsdebatte vertritt – aber in der Frage steht mit keinem Wort, dass sie das tut. Der Vorsitzende Sarrazin müsste sich vermutlich auch persönlich ändern, damit die Partei für mich wählbar wäre – das glaube ich nicht, aber thereotisch vorstellen kann ich es mir.
Doch selbst wenn Sarrazin weiter ein Rassist mit kruden Thesen bliebe, könnte ich mir möglicherweise eine Konstellation vorstellen – vielleicht auf kommunaler Ebene -, in der ich seine Partei doch wählte, solange er der einzige Rassist mit kruden Thesen in der Partei wäre (und möglicherweise schon massiv an seinem Stuhl gesägt würde).
Was ich mit alldem sagen möchte: Die Frage ist höllisch unpräzise formuliert. Hätte ich sie beantworten müssen, ich hätte wohl eigentlich antworten müssen „Ja, zumindest theoretisch könnte ich mir das in bestimmten Konstellationen vorstellen“; trotzdem hätte ich wohl „Nein“ angekreuzt, weil ich zu glauben weiß, wie die Antwort interpretiert wird. Wenn eine Frage derart unpräzise formuliert ist2, kann man das Ergebniss in die Tonne treten. Es ist nicht belastbar, weil das Antwortverhalten der Befragten nicht einschätzbar ist.

Dazu kommt noch, dass ich bei dieser Frage ja theoretisch unendlich viele Stimmen habe. Jeder der Befragten könnte etwa auf die Frage „Könnten Sie sich vorstellen CDU/SPD/GRÜNE/FDP/LINKE/Eine-neue-Sarrazin-Partei zu wählen“ sechsmal Ja antworten. Die Aussage: Sarrazin würde bei einer Wahl wohl 100% bekommen, kann man daraus trotzdem nicht ableiten. Wollte man eine halbwegs verlässliche Aussage in diese Richtung treffen, müsste man vielleicht eine Art Sonntags-Frage stellen und zusätzlich zu den etablierten Parteien eine neue – inhaltlich definierte – Sarrazin-Partei aufführen.
Aus der schon extrem unpräzisen Aussage „18 Prozent könnten sich vorstellen, eine Partei mit Sarrazin an der Spitze zu wählen“ die Aussage „18 Prozent würden Sarrazin ihre Stimme geben“ zu machen, ist nicht einmal mehr nur unzulässig verkürzt.

Wie sähe die Zukunft im Vergleich zu einer anderen Zukunft aus, wenn die Vergangenheit anders ausgesehen hätte?

Aber es geht ja noch weiter, der Bogen beinhaltet noch mehr Fragen, von denen es mir zwei andere besonders angetan haben.
Diese hier ist zum Beispiel hübsch: „Glauben Sie, es wäre für die Zukunft Deutschlands besser, wenn diese [= die bisherige. Anm. bwg] Zuwanderung rückgängig gemacht werden könnte?“
Ob ich glaube, dass eine andere Zukunft als die wirkliche – die ich ja auch nicht kennen kann, immerhin ist es die Zukunft – besser wäre, wenn ich die Vergangenheit ändern könnte, was ich nicht kann – auch wenn ich nicht weiß, wie die Vergangenheit ansonsten ausgesehen hätte. Ich muss als Befragter, bevor ich antworte, also erst einmal die Vergangenheit einschätzen, dann die Zukunft, dann die geänderte Vergangenheit und die geänderte Zukunft, sage aber niemanden, wovon ich ausgehe: Und dann möchte aus meiner Antwort jemand irgendetwas ableiten? Auch wenn ich mir legitimerweise als Alternativ-Vergangenheit eine ausmalen kann, in der es keine Einwanderung gab, aber eine höhere Geburtenrate, oder eine mit wenig Einwanderung, aber niedriger Geburtenrate, oder eine, in der die Wiedervereinigung nie stattgefunden hat?
Wer meint, aus solchen Antworten etwas ablesen zu können, sollte sich einmal als Astrologe versuchen. Er könnte Talent haben.

Ist mangelnde Präzision ein Problem?

Und noch eine schöne Frage: „Thilo Sarrazin fordert, bei mangelndem Integrationswillen von Einwanderern Sozialleistungen zu kürzen. Stimmen Sie dem zu?“
Ein Grundprinzip bei der Fragebogenkonstruktion ist es, den Befragten nicht zu lenken. Suggestivfragen oder stark wertbesetze Begriffe sind zu vermeiden. Eine andere Grundregel besagt, man solle hinreichend präzise Begriffe verwenden. Integration ist aber kein präziser Begriff. Der eine stellt sich darunter vor, dass Einwanderer Deutsch lernen; der andere versteht unter Integration, dass Einwanderer ihr Muslim-Sein aufgeben (falls sie Msulime sind); der Dritte versteht unter Integration nur, dass das Grundgesetz oder Strafgesetze anerkannt werden. Es kann sich also jeder heraussuchen, welchen Integrationsbegriff er anlegt, wenn er die Frage beantwortet. Wie sollen da vergleichbare, aggregierbare Ergebnisse zustande kommen?
Außerdem ist Integration, würde ich zumindest behaupten, ein hochgradig positiv besetzer Begriff. Egal ob rechts oder links, dass sich Ausländer irgendwie integrieren sollen, da ist man sich einig. Integration – ja, gelungene Integration – ist ein anerkanntes Ziel von Einwanderungspolitik. Und zwar auch, weil der Begriff so unscharf ist: Für die einen meint er völlig Anpassung an eine nebulöse Leitkultur, für die anderen nur Bereitschaft zum harmonischen Miteinander, bei allen kulturellen Unterschieden.
Und dann noch: Mangelnd. Mangelnde Integration. Alleine das Wort mangeln drückt ja schon aus, dass der Zustand unerwünscht ist. Mangelernährung, eine Mangelhaft in der Deutsch-Arbeit, das möchten wir nicht. Es mangelt in der Frage also, leider, an etwas, das doch für alle wünschenswert ist.
Und, finden Sie das jetzt schlecht? Wirklich? Erstaunlich. 3

Sarrazin würde von Menschen gewählt!

Zusammengefasst sagt der Artikel hier, was schon am Anfang stand: Die Umfrage, die Emnid für die Bild am Sonntag durchgführt hat, taugt nichts. Sie ist nichts wert. Man kann ihre Ergebnisse getrost ignorieren. Nun ist das an sich noch nicht verwerflich.
Ich vermute, dass bei Emnid durchaus fähige Meinungsforscher arbeiten, die wissen, dass ihre Umfrage handwerklich schlecht ist. Ich vermute aber auch, dass die BAMS bei solchen Auftragsstudien nicht viel Wert auf eine methodisch saubere Arbeit legt, sondern für möglichst wenig Geld Ergebnisse möchte, die sich publizistisch irgendwie verwerten lassen. Emnid liefert und solange die Informationen zur Studie unter Verschluss bleiben, ist das für alle Seiten in Ordnung. Solange, ja solange nicht andere Medien die verkürzten und unzulässig uminterpretierten Ergebnisse einer handwerklich völlig untauglichen Studien verbreiten.

RP-Online: Angst vor der Sarrazin-Partei.
„Nach einer in der Zeitung „Bild am Sonntag“ veröffentlichten Emnid-Umfrage würden 18 Prozent einer von Thilo Sarrazin angeführten Partei ihre Stimme geben.“

Die Welt: „Sarrazin-Partei“ wäre ein Erfolg.
„Fast jeder fünfte Deutsche würde Thilo Sarrazin wählen. Sollte er eine eigene Partei gründen, könnte er mit großem Zuspruch rechnen. Für 18 Prozent der Bürger ist es nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ vorstellbar, eine „Sarrazin-Partei“ zu wählen.“

Frankfurter Rundschau: Zulauf für die Sarrazin-Partei
„Eins hat Thilo Sarrazin geschafft: Laut einer Emnid-Umfrage würden 18 Prozent der Deutschen eine von ihm geführte Partei wählen.“

Kleine Zeitung: Deutschland streitet über Integrationspolitik.
„Kanzlerin Merkel und SPD-Chef Gabriel versuchen, eine Debatte über Migration zu versachlichen. 18 Prozent würden eine Partei von Sarrazin wählen.“

Stern: Bestwerte für Sarrazin: Fast jeder Fünfte würde Thilo wählen
„Noch will Sarrazin keine Partei gründen, aber er könnte. Eine Umfrage sieht ihn bei 18 Prozent.“
Immerhin schreibt der Autor richtigerweise: „Ob Sarrazin bei einer kommenden Wahl tatsächlich 18 Prozent der Stimmen erhalten würde, sagt die Umfrage nicht.“ Vielleicht gehen Überschrift und Lead ja nicht auf das Konto des Autors.

Spiegel-Online: Umfrage sieht großes Potential für Protestpartei.
„Der Unmut vieler Bürger über die etablierten Parteien wächst – und das Potential für eine bürgerliche Protestpartei in Deutschland ist zurzeit enorm: Wie eine repräsentative Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab, würden 18 Prozent aller Deutschen eine neue Partei wählen – wenn ihr Chef der Migrationskritiker Thilo Sarrazin wäre. Damit stellt sich fast jeder fünfte Deutsche eindeutig hinter dessen umstrittene Thesen.“

Zeit-Online und Tagesspiegel: Die Nicht-Partei der Grummeldeutschen
„Siebzehn Prozent würden ihn also wählen, genauer gesagt eine Partei, die von Thilo Sarrazin geführt würde. Das hat das Demoskopie-Institut Emnid im Auftrag der Bild am Sonntag herausgefunden.“

Herrje. Und das sind nicht alle – selbst wenn man die automatisiert übernommenen Agenturmeldungen gar nicht betrachtet4

Dass über so viele Studien ungeprüft und ohne Blick in die Umsetzung berichtet wird, halte ich für eines der größten Ärgernisse im Journalismus. Nicht nur hier. Aber auch hier.

  1. Zumindest nehme ich an, dass in der Klickstrecke auch die wirklichen Fragen zu finden sind. Sollte Bild.de da selber herumformuliert haben, gehen meine Ausführungen natürlich am Thema vorbei, sind aber allgemein und losgelöst vom konkreten Fall immer noch gültig.
  2. – einmal abgesehen davon, dass hypothetische Fragen ohnehin vermieden werden sollten –
  3. Kleine inhaltliche Randbemerkung. Man erkläre mir mal, wo diese ganzen Einwanderer herkommen sollen, die Sozialleistungen beziehen. Und ich meine wirkliche Einwanderer. Also ausländische Staatsbürger, nicht in Deutschland geboren, ohne deutsche Staatsbügerschaft. Deutsche mit etwa türkischen Wurzeln sind nämlich auch Deutsche. Und Deutsche, die zum Islam konvertieren oder muslimisch erzogen werden, sind auch Deutsche. Sollen die sich integrieren? Wie denn jetzt genau? Die Ausländer, die es sich im deutschen Sozialstaat bequem machen, mag es, das kann ich nicht beurteilen, früher einmal gegeben haben; heute halte ich sie für eine Schimäre. Ein Blick in das seit 2005 gültige Aufenthaltsgesetz zeigt nämlich, dass Bedingung für einen längerfristigen – oder gar unbefristeten – Aufenthaltstitel ist, dass eine Person ihren Lebenshalt selbst finanzieren kann. Davon ausgenommen sind selbstverständlich politische Flüchtlinge.
  4. Die taz machts ganz unautomatisiert.

06. September 2010 von Jonas Schaible
Kategorien: Innenpolitik, Journalismus, Medienkritik | Schlagwörter: , , | 9 Kommentare

Kommentare (9)

  1. Bisher bin ich immer noch nicht dazu gekommen das Buch von Sarrazin zu lesen. Ist bei uns in Frankfurt leider immer noch nicht zu haben. Aufgrund der Medienberichte bin ich zwar skeptisch, aber ich will mir selbst ein Bild davon machen. Was mich aber extrem empört ist, dass Sarrazin jetzt Polizeischutz braucht. Das geht natürlich nicht, Wenn wir schon soweit sind, dann stimmt wirklich etwas nicht mit unserem Land. Noch empörender ist, dass die Merkel dazu gar nix sagt. Und der Gabriel auch ncihts.

  2. Das ist doch nun mal das tolle an solchen Umfragen: Man kann sich das Ganze nach Gutdünken hinbiegen, wie mans gerne hätte… oder uminterpretieren… denn eigentlich sind die 18% ja ein Schlag ins Gesicht der Sarrazin-Befürworter, wo doch eigentlich immer von überwiegender Zustimmung im Land die Rede war.

  3. Danke für diesen Exkurs in die Niederungen des Automatismus-Journalismus. Wie wichtig doch die klassischen Medien mit ihren hochqualifizierten, kritischen Berichterstattern sind!

    Ich fordere mehr solcher Umfragen und ergo auch mehr Protestpartei-Gespenster, z.B. mit Eva Hermann oder Loddar Maddäus als Vorsitzende, die bestimmt auch 74% wählen würden.

    http://alrightokee.de/quatsch/mehr-protestparteien-braucht-das-land/

  4. Da wird einfach das WählerPOTENTIAL mit der TATSÄCHLICHEN Wählerschaft verwechselt. 2008 hat Infratest 40% Wählerpotential bei der FDP festgestellt, tatsächlich haben sie zur Zeit etwa 5%, Die Linke hat ein Wählerpotential von ca. 25%, tatsächlich 10%. Anders ausgedrückt: das Wählerpotential einer hypothetischen Sarrazin-Partei ist geringer als das ALLER im Bundestag vorhandenen Parteien. Nur bei günstigen tagespolitischen Voraussetzungen, hohem Protestpotential und geschicktem Wahlkampf dürfte so eine Partei die 5%-Hürde schaffen.

  5. Dank an den Autor für den interessanten Artikel, ein Schlag ins Kontor des Qualitätsjournalismus.

    Von wegen Polizeischutz: vorgestern habe ich einen deutschen Proll lautstark einen bei McDonalds arbeitenden vermutlich türkischstämmigen Mitarbeiter beschimpfen hören „Du bist kein ordentlicher Deutscher, geh nach Hause,“ etc. … und fragte mich, wieviele Menschen wohl verbale oder physische Gewalt erfahren, die durch die Bild/Sarrazin Ausgrenzungs-Maschinerie begünstigt oder getriggert wird.

    Heute hörte ich beim Mittagessen einen Studenten, der locker-flocker „integration hat nicht geklappt“ konstatierte … während er gerade in einem afghanischen Restaurant bedient wurde, wo ein Pärrchen seit 8 Jahren für eine stetig wachsende Kundschaft kocht, günstig, freundlich, selbstständig (und sie ohne kopftuch und sehr selbstbewußt übrigens) … ich weiß von beiden dass wenn sie nach afghanistan zurückgingen, sie sofort verhaftet/verschleppt würden … und dieser ca. 20-jährige Student meint also, abschließend beurteilen zu können, dass die Integration nicht klappte und Sarrazin sich halt nur im Ton vergriffen hätte … oh mannomann. Das nächste Mal werde ich mich einmischen, denke ich mir.

    übrigens kann man auf „buch.de“ online die ersten 40 seiten in das sarrazin buch reinlesen. Ich persönlich habe nach einigen Seiten aber bereits genug gehabt. Fängt an mit Lobhudelei auf das (West-)Deutschland nach 45 und geht mit seinen hinreichend kritisierten Dummheits/Gen-Thesen weiter. Das wollte ich mir nicht weiter geben.

  6. „rückgängig gemacht werden könnte“ ist auch sehr schoen. Ein „koennte“ ist fast immer von Vorteil, denn ich muss ja nicht, aber wenn’s doch Probleme gibt koennte ich. Nicht koennen waere nur gut beim Atomausstieg, aber das ist ein anderes Fass ;)

  7. „oh mannomann. Das nächste Mal werde ich mich einmischen, denke ich mir.“

    Ich brech ab. Seit wann mischt sich denn jemand aus den gebildeten Kreisen ein?! Na dann halt beim nächsten mal… Immer schön vor sich her schiebend.

  8. Er hat den Nagel getroffenen!Die Merkel passt sich nur aus Politischen an sonst….Endlich mal jemand der sagt was er denkt…Das hat in unser Politik oder wie er es sagt gefehlt..Ich bin der Meinung einer muß endlich mal den Anfang machen ,ich hoffe das,das nicht jetzt schon vorbei ist….weil wir müssen uns mal aufbäumen denn wir sind das Volk die alles vorran bringt und nicht die da oben…Der Staat kann ohne das Volk ja nicht oder….Ich find der Mann hat es gut gemacht ,nicht in allen seiner Meinung stimme ich zu ..Aber einer muß ja mal aufrütteln…

  9. Ich wundere mich langsam überhaupt nicht mehr, warum es in Deutschland möglich ist, absolut nichts zu leisten und der Solidargemeinschaft dabei ununterbrochen auf der Tasche zu liegen.

    Die Diskussionen in der Öffentlichkeit, speziell von Politikern zeigen ganz deutlich, dass jeder von allen Seiten Rückendeckung bekommt, wenn er wieder einmal irgendeine geringe oder große Chance oder Weiterbildungsmaßnahme „verpasst“ hat, oder weil kulturelle oder religiöse Hintergründe es ihm nicht ermöglichen sich seinem Umfeld ausreichend anzupassen.

    Glücklicherweise hat Thilo Sarrazin in seinem Buch genügend Angriffspunkte geliefert, damit in der Öffentlichkeit die Kernaussage seines Buches (ich habe es gelesen) erst gar nicht zur Sprache kommt.

    Ich selbst stelle mir schon seit vielen Jahren eine Frage:
    Warum kann ich in Deutschland jede Unterstützung erhalten und muss dafür nichts tun? Oder anders gefragt: Warum wird meine Unterstützung nicht gekürzt oder ganz gestrichen, wenn ich nachweislich Auflagen, Anforderungen, Angebote, etc. nicht erfülle.
    Wenn ich in Deutschland nur falsch parke muss ich dafür bezahlen. Wenn ich nicht rechtzeitig Steuern bezahle, muss ich Säumnisszuschlag zahlen,etc. (Liste lässt sich beliebig fortsetzen)

    Wenn ich aber hartnäckig weder die Landessprache lerne noch mir Arbeit suche oder jedes Arbeitsangebot verweigere. Wenn jede Weiterbildung oder Ausbildung zum Scheitern verurteilt ist oder gar nicht erst angetreten wird, weil mir entweder die schulische Ausbildung oder die Kenntnisse der Landessprache fehlt. Wenn ich bereits in der Schule hartnäckig die regelmäßige Teilnahme am Unterricht verweigere… (auch hier lässt sich die Liste beliebig fortsetzen)

    WARUM WIRD DANN MEIN MANGELNDER PERSÖNLICHER EINSATZ FÜR MEINE ZUKUNFT, MEINE FAMILIE, MEIN LAND
    NICHT ENTSPRECHEND GEWÜRDIGT ???

    WARUM ERHALTE ICH TROTZDEM NOCH DEN VOLLEN SATZ AN FINANZIELLER UNTERSTÜTZUNG, KRANKENVERSORGUNG, RENTE??

    Das ist für mich die Kernaussage des Buches. Und das ist die Frage die nicht nur mich, sondern viele beschäftigt, die jeden Tag dafür arbeiten, das immer mehr, ungestraft immer weniger tun !!!!

    In meiner eigenen (angeheirateten) Familie gibt es viele, die seit über 20 Jahren von Hartz IV und ähnlichem leben. Alle eigenen Versuche diesen Personen dauerhaft eine Arbeit zu besorgen, sind am Verhalten derjenigen gescheitert…unpünktlich, großspurig,
    anmaßend seien nur einige Adjektive die in diesem Zusammenhang passen.

    Was aber immer funktioniert, ist die Organisation von Nebenjobs (ohne Steuerkarte und Anmeldung). Ich weiß aus realen Erfahrungen (Familie und deren Freunde), das ein Großteil des vom Staat erhaltenen Geldes in Alkohol, Zigaretten, Geldspiele und Unterhaltungselektronik umgesetzt wird. Die zahlreich vorhandenen (und ständig mehr werdenden) Kinder werden massivst vernachlässigt. Die „Eltern“ beschweren sich ständig darüber, das sie nichts vom Leben haben und ihre Kinder einfach zu teuer sind, weil sie am liebsten viel Milch trinken statt Wasser.

    Diese Familien werden nicht nur ununterbrochen vom Staat unterstüzt, sondern erhalten noch zusätzlich soziale Betreuung, damit die Kinder wenigstens regelmäßig zur Schule gehen.

    Und als wenn dieses nicht schon schlimm genug wäre, wird man von diesen Personen auch noch dafür ausgelacht, das man jeden Tag pünktlich zur Arbeit fährt und bis zum neuen Rentenalter für andere arbeiten geht.

    2 Erwachsene und 5 Kinder erhalten monatlich mehr Unterstützung als ich jemals verdienen werde. Und doch muss ich jeden Monat einen großen Teil meines Lohnes
    für diese Personen abgeben, die mich dafür auch noch auslachen.

    Ist das, das Solidarprinzip, weshalb mir jedes Jahr mehr von meinem Lohn abgezogen wird?

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