Prantl zur Sicherungsverwahrung
Möglicherweise schreibe ich selber noch etwas zum Thema. Aber eigentlich trifft Heribert Prantl den Nagel einmal mehr ziemlich gut auf den Kopf.
Er hält die Reform der Sicherungsverahrung nämlich für eine “hohle Nuss”, die vor dem Bundesverfassungsgericht und dem EuGH kaum Bestand haben wird, und kritisiert:
“Der Gesetzesplan versucht, psychische Krankheit und Gefährlichkeit gleichzusetzen. [...] Wäre der Gewalttäter psychisch krank, hätte man ihn schon mit dem Urteil statt ins Gefängnis in die Psychiatrie einweisen müssen. Ist der Straftäter aber erst während der Strafhaft psychisch krank und gefährlich geworden, dann stimmt ganz grundsätzlich etwas mit dieser Strafhaft nicht.
Ein guter Kommentar, bitte bei Süddeutsche.de vollständig lesen.
Montag, 30. August 2010 13:11
Das ist wohl wahr… Vor allem gefällt mir die Bezeichnung “Hohle Nuss” in diesem Zusammenhang! Doch stellt sich mir die Frage, ob für Taten, deren Ausmaß eine spätere Sicherheitsverwahrung nicht wirklich ein gewisses Maß an Krankhaftigkeit von Nöten ist – selbst, wenn dieses nicht bei der Beurteilung berücksichtigt wurde…?!
Dienstag, 31. August 2010 16:14
@ Ben: Der Meinung bin ich auch, vor allem nach dem ich mir einen ZDF-Beitrag zum Thema *Unschuldig verurteilt* angeschaut hatte -da ist Vorsicht besser als Nachsicht… Das heißt, eine Verlängerung im Nachhinein ist menschlicher als eine zu hohes Strafmaß im Voraus…
Mittwoch, 8. September 2010 14:25
Ja ich bin ja gerne mal ein bisschen radikal und posaune heraus, dass Gefängnisse allgemein abgeschafft werden sollten. Erstens haben wir mittlerweile wahrhaftig eine Vielzahl sozialer Kontrollmechanismen und zweitens sind die alle besser als Gefängnis, weil Gefängnis einfach die schlechteste Variante der Bestrafung ist, die es gibt. Von diversen Autobiographien ehemaliger Insassen kann man manches lernen (zb. Andrea Mohr “Pixie”) über die Ineffizienz und Idotie des Gefängnisses. Niemand wird da resozialisiert, wie man das so schön nennt, eher wird man da noch grober und zu Gewalt neigender. 5 Jahre im Knast und die “Außenwelt” ist ein Alien für dich, die Desintegration par excellence. Du hast keine Drogen genommen, bevor du in den Knast kamst? Da wirst du es tun. Du wolltest nicht an abartigen Hierarchien teilnehmen müssen? Du wirst du es tun. Du wolltest mal was sinnvolles arbeiten? Wirst du da nicht tun. Du hast dir nie viele Sorgen um deine Privatsphäre gemacht? Da wird man sie dir entziehen und dich beschmutzen (was genau WEM hilft und WEN WIE weiterbringen, “resozialisieren” soll? Wer wird WIE durch Erniedrigung und Gewalt ein angenehmeres Gesellschaftsmitglied? Sperrt man nicht gerade deswegen weg, weil jemand für die Gesellschaft nicht erträglich ist? Gleiches mit Gleichem, als Strafe, die dir Lebensjahre entzieht, die du sinnlos rumsitzen musst, “absitzen”? Kann man sich 2010 wohl schon vorstellen, wie dumm so etwas ist?)
Du wolltest schon immer mal wissen, wie es ist, völlig schutzlos vergewaltigt zu werden? Dann ist das Gefängnis dein Laden? Du wolltest schon immer mal wissen, wie man richtig Drogen schmuggelt und wie man richtig kriminell ist? Auch dann ist das Gefängnis dein Laden. Du bist ein 16jähriger Mensch, der 5 Jahre in den Knast soll? Du wirst danach vieles über Drogen, Gewalt und Kriminalität wissen, aber was du mit deinem Leben noch machen sollst (“Was ist denn mit diesen 5 Jahren leerem Lebenslauf?”), dass wirst du nicht mehr wissen und helfen wird dir auch kaum jemand können (Bewährungshelfer sind nicht viel mehr als eine Verblendung).
Nein wirklich, Gefängnisse sind unethisch, verletzen jeden denkbaren Punkt der Menschenwürde (ob sie es absichtlich tun oder nicht ist egal), Reformen bringen hier so lange etwas, bis wieder das Geld gekürzt wird, Willkür kann kaum begegnet werden, es ist eine perverse Überwachungs- und Demütigungsmaschine und von einer Epoche, die sich selbst als bereits aufegklärt bezeichnet sollte man wirklich mehr erwarten als eine so billige Racheinstitution, ups, sorry, “Vergeltung” nennt man das ja. Tolle Vergeltung, wenn du hinterher noch aggressiver bist als vorher, weil man dir Jahre ins Gesicht gespuckt hat.
Sicher, gegen Mörder usw. muss man was unternehmen, aber mit dem Knast macht man eben nichts außer das Problem aus den Augen der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen, d.h. es weiterhin zu ignorieren. Kein Mensch wird als Mörder geboren, keiner als Dieb, Drogendealer, Kinderschänder, Steuerbetrüger. Das wird man erst in Gesellschaft. Wegsperren ist die einfachste und schlechteste Lösung, denn “Strafen ist die schwierigste Sache der Welt.”
Samstag, 11. Dezember 2010 11:45
Liebe Alexina, das hätte ich nicht besser sagen können. Du hast Pixie wirklich aufmerksam gelesen, herzlichen Dank, liebe Grüße Andrea aka Pixie