Köhler und ich: Eine Klarstellung

Einige Worte zum Rücktritt von Horst Köhler – weil mein Name ja jetzt in diesem Zusammenhang kursiert. Weil ich in eine Rolle gedrängt werde, die nicht der Realität entspricht. Weil ich immer noch Interviewanfragen bekomme. Ich hatte gedacht, das Interesse würde nach einem Tag erlahmen. Da dem nicht so zu sein scheint, möchte ich einiges klarstellen.

Um das gleich eingangs zu betonen: Nein, ich habe Horst Köhler nicht gestürzt. Natürlich nicht. Ich glaube nicht, dass ich relevanten Einfluss auf das Geschehen genommen habe – zumal nicht in meiner „Funktion“ als Blogger. Immerhin hatten bis gestern gerade einmal ein paar Dutzend Menschen meine Artikel zu Köhler auf diesem Blog gelesen. Ich war nur einer von vielen, die über Köhlers Äußerungen berichtet haben, und dabei bei Weitem nicht der Erste und nicht der meist Gelesene. Unpolitik hat zum Beispiel schon am Samstag darüber berichtet, fefes blog, der ungleich mehr Leser erreicht als ich, hatte das Thema am Sonntag. Eine ganze Reihe von Blogs war schon an der Sache dran. Ich selbst habe erst aus dem Bildblog, der in 6vor9 auf den Blog Tastendrescher verlinkt hatte, davon erfahren.
Außerdem: Auch alle Blogger Deutschlands zusammen haben Horst Köhler nicht gestürzt. Dazu fehlt es der so genannten Blogosphäre nach wie vor an Reichweite und an Relevanz. Nicht umsonst kamen Reaktionen aus der Politik erst, als die großen Nachrichtenmedien berichteten.

Was die Gesamtheit der Blogs wohl getan hat, war, zu verhindern, dass das Thema gänzlich in der Versenkung verschwindet; die Gesamtheit der Blogs konnte den etablierten Medien signalisieren: Hier interessieren sich Menschen für das Deutschlandradio-Interview. Das ist ein Faktum, das man aus medientheoretischer Sicht durchaus bemerkenswert finden kann.

Das einzige, was ich offenbar vor anderen getan habe, war, große Nachrichtenmedien gezielt anzuschreiben und nachzufragen, wieso nicht berichtet wird, in dem festen Glauben, das Thema sei bekannt. Dass es einige Medien, namentlich zeit-online und die Frankfurter Rundschau, gab, für die meine Anfrage ein Hinweis war, war Zufall.
Der im Übrigen mit meinen Artikel hier im Blog nichts zu tun hatte – auf den hatte ich gar nicht hingewiesen. Ich hatte nicht damit gerechnet, etwas in Rollen zu bringen und das war auch nicht mein Ziel. Im Prinzip habe ich nichts weiter getan, als einen Leserbrief zu schreiben.

Den großen Knall gab es ohnehin erst deutlich später. Wie der Deutschlandfunk selbst im Interview mit Ruprecht Polenz betont, haben dort viele Hörer kritisch nachgefragt (Ich gehöre nicht dazu; dem Deutschlandradio habe ich nicht geschrieben). Das habe die Redaktion dazu bewogen, Köhlers Äußerungen noch einmal aufzugreifen – und eben Polenz zu interviewen.
Und erst nach diesem zweiten Deutschlandfunk-Interview stieg mit Spiegel-Online das deutsche Leitmedium im Netz, stiegen auch viele andere Nachrichtenseiten ein. Erst Spiegel-Online bewegte die Opposition zu Kritik. Damit war der Damm gebrochen. Auch die Redaktion von zeit.de, die nach eigener Aussage vor meiner Anfrage keine Kenntnis des Interviews hatte, berichtete mit Verweis auf den dortigen Artikel erst nach Spiegel-Online. Dabei gibt es kein Anzeichen dafür, dass Spiegel-Online meine E-Mail-Anfrage auch nur gelesen hat. Eine Antwort habe ich nicht erhalten. Eher scheint es so, als habe der Deutschlandfunk hier die wesentliche Rolle gespielt – denn Spiegel-Online bezieht sich ausdrücklich auf das Polenz-Interview.
Nachdem Spiegel-Online berichtet hatte und daran anschließend die Tagesschau, wurde das Thema endgültig ein Massenthema.
Irgendwelche Kausalitäten zwischen meinen Anfragen oder gar meinen Blogartikeln und den später massiven Medienberichten zu Horst Köhler zu vermuten, ist also reine Spekulation – und unseriös.

Warum Köhler letztlich zurücktrat, wissen wohl nur er und seine Frau. Auch hier gilt: Spekulationen darüber anzustellen, halte ich für müßig und für unredlich. Anhaltspunkte dafür, dass es nicht nur an der Kritik und der Berichterstattung lag, scheint es indes zu geben. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert: Im Laufe der ganzen Diskussion habe ich in keinem Medium und auch von keinem Oppositionspolitiker eine Rücktrittsforderung vernommen.

Ich habe den Fall von Anfang an hier im Blog publizistisch begleitet, weil ich das Thema für relevant hielt und halte. Warum, das habe ich hier mehrfach beschrieben, zuletzt in meinem Kommentar zum Rücktritt. Inhaltlich stehe ich voll und ganz hinter allem, was ich zum Thema veröffentlicht habe. Das Bundespräsidialamt habe ich um Stellungnahme gebeten, die ich gerne veröffentlicht hätte; leider habe ich keine Antwort erhalten. Ich habe bewusst auf jeden persönlichen Angriff verzichtet und mich nicht an Spekulationen beteiligt.
Ich bin nicht stolz auf mich, wie mir zahlreiche Kommentatoren unterstellen und ich wollte auch keine Macht ausüben; ich wollte berichten, das habe ich getan. Um Aufmerksamkeit geht es mir nicht und ging es mir nie. Ja, ich wollte gelesen werden, als Autor, als berichtendes Subjekt. Sollten meine Artikel inhaltlich gefallen haben, freut mich das. Daran, Objekt der Berichterstattung zu werden, habe ich nicht das geringste Interesse.

Einen großen Fehler habe ich aber gemacht: Ich habe der dpa vorgestern ein Kurzinterview gegeben, das dann als Meldung Furore machte. Ich habe gedacht, eine derart banale Meldung würde niemanden interessieren, vielleicht abgesehen von der hiesigen Lokalzeitung. Ich hätte mich gleich darauf besinnen müssen, dass ich nichts Relevantes zu sagen habe.
Ich habe unterschätzt, dass viele Medien auf jede Geschichte anspringen, die gute Klickraten und Zuschauerzahlen verspricht. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass die Kombination aus Köhler, dem vielen immer noch fremden Internet und aufmüpfigen Bloggern, personalisiert durch einen 20-jährigen Studenten, genau eine solche gute (und schnelle) Geschichte ist. Ob sie nun relevant ist oder richtig, ist da nur Nebensache.

Ich soll nun zum Gesicht der gesamten Blogosphäre gemacht werden. Dabei geht es nicht darum, was ich geschrieben habe, sondern darum, dass ich ein greifbares Gesicht bin, weil die dpa meinen Namen durch den Äther schickte. Das mag reizvoll sein als Kunstgriff, um das abstrakte Thema zu personalisieren – in der Sache ist es völlig übertrieben. Darauf, dass ich als Blogger eine besondere Rolle gespielt habe, gibt es keinen Hinweis. Meine Beiträge wurden in großen Medien inhaltlich nie aufgegriffen, ich nie zitiert. Dass ich als Leserbriefschreiber eine Art Hinweisgeber war, mag in Einzelfällen stimmen, ist aber banal und trivial: Natürlich nehmen Medien Reaktionen und Anregungen des Publikums auf. Das ist nun wirklich Alltag in Redaktionen.

Was Anfragen der Medien angeht: Hier soll über den Weg der Personalisierung Emotionalisierung betrieben und damit Auflage oder Quote gemacht werden; das ist aus Sicht der Medien rational und verständlich, doch dabei, schient mir, geht ein wenig der Blick für das rechte Maß verloren: Ein Blogger mit gut 1000 Lesern im Monat hat den Bundespräsidenten gestürzt? Klingt gut, ja, aber bitte – wer glaubt denn das?
Es ist an vielen Stellen im Netz nachzulesen, wer wann worüber berichtet hat, man kann ziemlich deutlich erkennen, dass die entscheidenden Impulse vom deutschlandfunk und Spiegel-Online ausgingen, wenn man das denn möchte; und immerhin die Süddeutsche Zeitung ordnet meine Rolle und die Rolle der Blogs ja auch relativ nüchtern ein, ohne unbelegte Kausalitäten zu suggerieren (genauso der standard.at und Johannes Boie, Redakteur der SZ, in seinem Blog schaltzentrale). Genau das erwarte ich von seriösem Journalismus. Ich hoffe, dass sich andere daran ein Beispiel nehmen.
Warum die großen Medien zum Zeitpunkt t berichteten und warum vorher nicht, muss man die jeweiligen Redaktionen fragen. Ich jedenfalls habe zu Köhlers Aussagen nichts mehr zu sagen, die Geschichte ist vorbei; zur Berichterstattung habe ich sowieso nichts Erhellendes zu sagen. Und abgesehen von diesem Beitrag hier möchte ich das auch nicht mehr tun.

Deshalb habe ich allen Medien, die angefragt haben, kein Interview gegeben und deswegen werde ich auch in Zukunft keine Interviews geben.


Update: Weil man das heute journal kaum ignorieren kann, auch dazu einige (hoffentlich letzte) Worte. Ja, richtig, ich habe „Antworten“ gefordert in meinem Tweet mit den 138 Zeichen – Antworten auf meine E-Mails, die in den meisten Fällen ausblieben. Nicht etwa Antworten auf die Äußerungen Köhlers, wie der Beitrag suggeriert.
Und dann: Ich habe in meinem Beitrag vor allem die Medien angegriffen? Das jedenfalls behauptet das heute journal.
Nach mehr als drei Vierteln meines Artikels, nach der ausführlichen Analyse von Köhlers Äußerungen leite ich mit „Bliebe noch die Frage“ auf die Berichterstattung über, schildere wertfrei die Situation, wundere mich, frage danach, ob ich etwas übersehe, erwähne noch, dass ich die obligatorischen Verschwörungstheorien zur Zensur nicht teile – und greife so „vor allem“ die Medien an? Ich schreibe etwas von „sie sollen berichten“? Ehrlich?
Herrje.

02. Juni 2010 von Jonas Schaible
Kategorien: Standpunkt | 46 Kommentare

Kommentare (46)

  1. Unfassbar. Lass dich nich unterkriegen, Jonas. Hier der Link zu dem heute bericht, der wohl etwas aktueller sein dürfte: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1060454/Köhler-von-Blogger-zu-Fall-gebracht

  2. Jop, danke.

  3. Deine Klarstellung ist absolut nachvollziehbar. Ich hätte nicht gedacht, dass sich ein seriöses Medium wie das ZDF zu solch einem Bericht hinreißen lässt, in dem es einen 20 jährigen Studenten an den Pranger stellt und ihm den Vorwurf macht den Bundespräsidenten gestürzt zu haben, oder noch schlimmer, gestürzt haben zu wollen. Auch der Vorwurf „die Blogger wollen sich zu dem Thema nicht mehr äußern“ ist bei solch einer Berichterstattung auch nicht weiter verwunderlich. Man sollte dagegen froh sein, dass es junge Leute gibt, die sich für solche Themen interessieren und auch mal kritisch nachfragen. In meinen Augen ist das lobenswert und verdient großen Respekt.
    Mach(t) weiter so!

  4. Ach komm, du versuchst dich doch nur von deiner Verantwortung zu drücken :>

    Wegen dir bekommen wir jetzt eine Landesmutti! :D

  5. Die alten Medien haben unseren Ex Bundespräsidenten mit einer beispiellosen Schmutzkampagne, streng nach dem Motto wir interpretieren eine Aussage halt mal Falsch, überzogen und nun sollen Blogger im Netz daran Schuld sein das Horst Köhler zurück getreten ist, lächerlich.

  6. hast gesehen? ronnie grob hat noch einen link zum merkur-online gefunden: http://www.bildblog.de/19313/somalia-koehler-public-viewing/

    waren die vielleicht sogar vorher? hat zdf eine agentur meldung verbraten? vielleicht eine von ddp? weisst du schon mehr? freue mich auf deine „updates“. hier mein kommentar von gestern abend:
    http://blog.rebell.tv/p15014.html

    sei dir gut!

  7. Ich habe das heute journal gesehen und wäre fast drauf reingefallen. Wie gut, dass es BILDblog gibt, und seine 6-vor-9-Links.

  8. Immerhin können wir jetzt jemandem die Schuld geben. So was ist immer sehr bequem. Habe einen Schuldigen und die Sache ist erledigt :)

    Der Witz ist, aus meiner Sicht, dass Köhler nun mal Recht hatte. Er ist Ökonom und nicht Politiker. Er versteht was vom Geld… der Bundestag nicht.

  9. Doch, hast du. Aber mach dir nichts draus ;)

  10. Da hat wohl irgendein medialer Zufallsgenerator zugeschlagen und dieses Mal Dich getroffen – kein Einzelfall.

    Andererseits muss unter den Hunderten oder Tausenden Lesern eines Blogs theoretisch ja nur ein echter Multiplikator sein, um eine Lawine loszutreten. Das ist natürlich eine potenzielle Gefahr, aber möglicherweise – global und auf lange Sicht – auch eine Chance.

    Ich wünsche Dir gute Nerven und jede Menge Hilfe für diese überraschende Prüfung.

  11. *seufz*

    War der Redakteur vom heute journal bei Dir auch so pikiert, dass Du kein Interview geben wolltest?

  12. Den Medien musst du dich auf jeden Fall auch zuschreiben. Nur weil dein Medium nicht so etabliert ist wie das heute journal, bist du dennoch im Bereich der öffentlichen Meinung tätig.

    Weiterhin hast du ja gelernt, dass jedes Medium eine Meinung vertritt. Ob diese richtig ist, kann man hinterfragen. Ist die Berichterstattung des heute journals richtig? war es von dir richtig, Köhlers fauxpas zu pushen? War es von allen Medien richtig, Köhlers Äußerungen so zu kritisieren? Die Frage möchte ich nicht beantworten.

    Es wäre nur schön, wenn du dir darüber im Klaren wärst, dass dein Blog eine Mitschuld an Köhlers Rücktritt trägt. Denn ähnlich wie das heute journal bist auch du Teil der Medienlandschaft.

  13. Über die Wirkmechanismen und Motivationen von Medien konnte ich in kleinen Teilen auch schon persönliche – bisher eher negative – Erfahrungen sammeln.

    Man gewinnt den Eindruck genau wie Du es beschreibst: Es geht den meisten Medien offenbar fast nur noch um Einschaltquote, Werbeeinnahmen durch hohe Klickraten (zus. mit „Bilderstrecken“) und verkaufte Auflage.

    Dramatisieren und skandalisieren steigert eben die Zuschaerquote und damit meist die Einnahmen. Normales (relativ neutrales) berichten war gestern.

    Wundert mich dass es nicht noch ne (wie auch sonst teure und meist unsinnige) „Live-Schaltung“ in den Serverraum des Hosters Deines Blogs gab…

    Das Niederschreiben des Kommentars auf die Berichterstattung war sehr gut!

    Dein Verhalten war genau richtig, sowohl beim Artikel als auch beim nicht mehr Interviews geben wollen!

    Leute, lasst Euch nicht zu sehr von „den Medien“ einfangen.

    Sie dienen bedauerlicherweise in erster Linie mittlerweile dem (massiven) Geldverdienen und nicht mehr der „neutralen Bürgerinformation“.

    Große Medienkonzerne bestimmen, wo es lang geht. Politik nimmt zunehmend Einfluss auf (öff/rech) Medien, siehe Hessen/Koch/Brenner.

    Alternative Medien wie Hintergrund.de oder auch die vielen Links auf Net-News-Global.org machen deutlich, dass es nicht nur „Mainstream-Medien-Meinungen“ mit (regierungs/politischen) Einflüssen gibt.

    Jörg

  14. Ein überzeugender Text! Du gehst auf alle wichtigen Punkte ein, und deiner Meinung kann ich gerne anschließen. Ich schaue in Zukunft öfter mal hier vorbei, denn 1000 Besucher/Monat sind für so eine Schreibe zu wenig.

  15. Der Grund für Köhlers Rücktritt war, dass er wirtschaftliche Gründe als möglichen Grund für politische Kriegsentscheidungen gegeben hat. Darüber zu berichten ist legitim und es gibt keinerlei Grund für eine Rechtfertigung. Schade ist nur, dass es nicht Thierse werden wird. Hoffen wir mal, dass es Lammert wird und nicht die Zensursula-Mami.

    @ReneS: Wenn man sich mal mit der Biographie von Köhler beschäftigt, fällt schnell auf, dass er auch von Ökonomie wenig Ahnung hatte.

  16. Kann mir das mal jemand erklären warum hier gegen Köhler gewettert wird? Der Mann hat lediglich das ausgesprochen was man getrost als tatsächliche Wahrheit bezeichnen kann. Dafür wird jetzt Zensursula von den Midien gepusht. Kein Wort in den grossen Medien, dass es viele Vorbehalte gegen sie gibt. Wenn es heisst : „Usula v. d. L. als Präsidentin favorisiert“ ist auf einmal kein Wort mehr von kritischen Bloggern zu vernehmen. Wir schiessen uns da ein Eigentor. Lieber ein Präsident der sagt was los ist als eine Marionette der Bundesregierung. Schaut Euch die Vita an und Ihr könnt erfahren warum Zunsursula nicht geeignet ist. Hier ein Link zum Thema Köhler und seine Worte:
    http://www.meinungs-blog.de/horst-koehler-und-die-kriegsnotwenige-wahrung-der-handelswege9047

  17. Das war nich der richtige Link. Macht aber nichts. Informiert Euch selber über das Weißbuch der Bundeswehr von 2006. Hier ein Link mit deutlichen Worten. Als wenn wirklich einer daran glaubt, dass Kähler wegen Internetblogs ging.
    http://www.dermerkur.de/artikel/horst_koehler_sagt_die_wahrheit_-_und_tritt_dann_zurueck/22664/427/12

  18. Gratuliere,
    Sie haben die A-Karte gezogen.
    Nach reiflicher Überlegung halte ich „ignorieren“ für die beste Alternative.
    Journalismus strebt ja leider zu oft nicht nach Wahrheit sondern nach Quote und mit der Rücktritt war eine ultimative Steilvorlage ;-)

    Gute Nerven und weiterhin frohes Bloggen.

  19. Hallo.

    Ich bin nur über netzpolitik.org auf diesen Blog gestossen und habe mir einiges durchgelesen. Ich hoffe es ist noch Platz für den 1001. Leser. ;)

    Ansonsten würde ich schon sagen, dass der Ursprung des Themas bei den Blogs liegt, weil diese das Thema thematisiert und hinterfragt haben. Blogs können wohl mobilisieren, aber das sie den Bundespräsidenten stürzen, davon kann meiner Meinung keine Rede sein. Das Thema war bestimmt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

    Ich schliesse mich mal Knoetchen an, dass das A-Karte ist.

    Viel Glück, Durchhaltevermögen und starke Nerven beim Ignorieren!

  20. Sehr geehrte Damen und Herren!
    Herr Schaible hat den durchaus beliebten Bundespräsidenten nicht gestürzt! Am Ende und in der sachlichen Analyse der Dinge war es Horst Köhler selber, der offenkundig Schwierigkeiten in der richtigen Wortwahl hat. Völlig in den Medien untergegegangen ist jene Rede, die Herr Köhler am 14.05.2010 vor dem Bundesverfassungsgericht anlässlich des Amtswechsels des Vorsitzenden gehalten hat. Hier sprach Herr Köhler von einer “Anomalie” der Demokratie, wenn, so sinngemäß, mehrheitlich getroffene Entscheidungen, von unterlegenen parlamentarischen Minderheiten eine Überprüfung in Karlsruhe verlangten! Welches Rechtsverständnis hat ein Bundespräsident, der so etwas sagt? Ein Bundespräsident hat sachlich die Aussagen des Grundgesetzes zu wahren. Jene Aussage hätte öffentlich diskutiert werden müssen, es geschah aber nichts dergleichen! Wenn dies erfolgt wäre, dann hätte Herr Köhler allen Grund gehabt, seinen sofortigen Rücktritt zu erklären.

  21. @Dan: Lustiges Verständnis von „Schuld“ :-D Weder Blogger, noch Medien, noch sonstwas kann „Schuld“ sein an einem Rücktritt, denn ein Rücktritt ist nichts, das „passiert“, weil wer anderes irgendwas tut oder nicht tut, sondern eine aktive Tat, die auf einer gefällten Entscheidung beruht, beides in der Hand und Souveränität dessen, der diese Handlung vollzieht. Du sprichst da Köhler mal eben jeglichen freien Willen ab ;-) Mal davon ab, dass „Schuld“ hier sowieso ein sonderbarer Begriff ist, neben der Frage, wie jemandes Entscheidung die „Schuld“ eines anderen sein könnte: Wo Schuld ist ist auch Sanktion, Sühne, Gut & Böse, Moral, Wertung etc., der ganze Kontextkomplex dieses Begriffes suggeriert Dinge, die (nicht nur hier, seltenst auch sonstwo) in dem Zusammenhang irgendwas zu suchen hätten.

  22. @Martin: „Ausprechen“ und „Befürworten“ (das war das (angebliche) „Missverständliche“ der Aussagen) ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied ;-)

  23. Ich sehe, du kannst Unterstützung brauchen, die ich dir gern hiermit ausspreche. Es muss doch möglich sein, bei Medien nachzufragen, warum sie gewisse Themen unterschlagen! Dafür dann wiederum zum Sündenbock gemacht zu werden, ist typisch für unsere Gesellschaft und die Medienlandschaft.
    Ich beschäftige mich z.B. gerade mit der Medienberichterstattung über den verblichenen Michael Jackson, wo ich genau dieselben Dinge feststelle. Zum einen berichten die Medien absolut nicht objektiv und gehen Dingen nicht auf den Grund, wobei auch kaum mehr ein Unterschied zwischen seriösen und Boulevardmedien zu erkennen ist. Es kommt immer nur auf Quoten und Sensationsmache und nicht auf die Wahrheit an.
    Zum anderen, wenn man die Medien dann auf Fehler aufmerksam macht und auf die Informationen auf Blogs verweist, werden sie aggressiv. Sie halten dann zusammen im Stil von Ärzten, die einen Kunstfehler vertuschen wollen.
    Es tut mir leid, dass du diese Erfahrung machen musst. Aber mach weiter so! Man findet die wahren Informationen inzwischen ohnehin eher im Internet als in den Medien. Ich bin froh, dass es solche Blogsites gibt, wo noch nachdenkende Menschen sich die Mühe machen, Dingen auf den Grund zu geben und nicht wie eine Schafherde den Medien hinterherzulaufen und alles zu schlucken!

  24. Hallo,
    Eigentlich ärgerlich, dass du kein flattr oder ähnliches nutzt. Auch wenn die meiste Zeit kaum ein Cent zusammenkommt (Geld verdienen ist mit diesem Blog vermutlich noch nicht dein Primärziel) kann es dennoch mal pssieren, dass man den großen Treffer landet. Gewollt oder ungewollt. Da hättest du jetzt drei Euro fuffzig mitnehmen können. ;-)
    Mir gefallen kritische Fragen. Und wenn die „Leitmedien“ behaupten, dass in den Blogs eine Menge Macht steckt, dann haben sie recht. Diese Macht ist aber eine sehr gute Macht, weil sie weit verteilt ist. Sie alleine zu missbrauchen ist nicht leicht. Wenn andere Blogger merken, dass man Mist schreibt, dann stellen sie einen auch bloß. Wenn sich aber alle einig sind, dass ein Thema wichtig ist, dann können sie problemlos verhindern, dass etwas unter den Tisch gekehrt wird.

    Lass dich nicht unterkriegen. Und behalte deine kritische, Antworten fordernde Art bei.

    Gruß
    Tobias

  25. Sehr geehrter Herr Schaible,

    „Weil eine Lüge über die ganze Welt laufen kann, bevor die Wahrheit ihre Stiefel angezogen hat“ – Sie sind Ihrem Motto mit Fantasie, Leidenschaft und Können konsequent treu geblieben, ohne dabei stur und arrogant zu werden. Dazu gratuliere ich Ihnen! Bleiben Sie weiter unbestechlich und beharrlich – die etablierten Medien als Teil eines Herrschaftssystems bedürfen einer scharfen, demokratischen Kontrolle. Ich sehe bisher allerdings keine andere Instanz als diese hier (Internet/Blogger), die dazu besser in der Lage wäre; das ist einer der wenigen wirklichen Vorteile der sogenannten Globalisierung.
    Ich hoffe, dass uns keiner so schnell die oben zitierten Stiefel nehmen (wahlweise „abkaufen“ oder „mit Gewalt entwenden“) kann.
    Viel Glück & Danke.

  26. Deine letzte Stellungsnahme kann ich gut verstehen und akzeptieren. Einen Gedanken von Dir möchte ich aufnehmen:
    „Einen großen Fehler habe ich aber gemacht: Ich habe der dpa vorgestern ein Kurzinterview gegeben, das dann als Meldung Furore machte. Ich habe gedacht, eine derart banale Meldung würde niemanden interessieren, vielleicht abgesehen von der hiesigen Lokalzeitung.“

    Klarnamen im Internet vermeiden! Rede mit keinem Journalisten, den Du nicht persönlich kennst (mach Deine Recherche zur Person).
    Dass was einmal über Dich (namentlich) ins Netz kommt, bleibt abrufbar. Es gibt in diesem Geschäft keine Richtigstellung!
    Das schreibt Dir ein sogen. Alter Hase.
    Dennoch bin ich sehr froh darüber, dass es Dich gibt; der seinen zukünftigen Beruf mit Leidenschaft und Biss betreibt.
    Gruß
    Fritz

  27. [Kommentar gelöscht]
    Anm.: Kommentare ohne gültige Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht.

  28. „SILENCE = DEATH“ lautet eine zentrale Botschaft der Kunst von Keith Haring, und wenn die Blogosphäre verhindert hat, wie Du schreibst, „dass das Thema gänzlich in der Versenkung verschwindet“, dann haben die betreffenden Blogger ihren Beitrag geleistet. Daß Horst Köhler zurückgetreten ist, weil das Thema nicht gestorben ist, ist nun wirklich sein persönliches Problem, und ich find’s verdammt richtig, daß ein Bundespräsident abtritt, der die Militarisierung der deutschen Außenpolitik komplett unkritisch befürwortet.

  29. Hallo Jonas,
    zunächst mal: Ich wünsche dir, dass du die Sache mit Gelassenheit sehen kannst und nicht so an dich heranlässt. Natürlich hast du nicht Köhler gestürzt! Er hat sich selbst aus dem Spiel genommen. Die Äusserungen im Radio-Interview waren nur der Anlass. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren. Meine Meinung dazu habe ich hier etwas geschrieben.
    Die Frage, die du gestellt hast, war okay und legitim. Auch wenn ich persönlich glaube, dass was Köhler gesagt hat, inhaltlich von der gesamten Bundesregierung geteilt wird.

  30. Köhler und ich ist fast noch besser als ICH & KÖHLER;-)

  31. Prima Reaktion. Hier noch ein Schmankerl zum Frühstück: http://twitter.com/mmeckel/status/15355266018 Tja.

  32. Lieber Jonas Schaible,

    zuerst einmal meinen Respekt für diesen Beitrag. Tatsächlich war auch nach meinem Eindruck das Polenz Interview der Auslöser für die spätere Entwicklung mit dem doch recht unerwarteten Rücktritt Köhlers – und damit weniger Blogger oder Medien, sondern das innerparteiliche Geflecht in der Union.Ich weiß zwar nicht, was Du beruflich einmal machen willst, denke aber, Du hättest das Zeug für einen guten Journalisten. Das ist zwar nur meine Meinung, aber immerhin … . Diese Distanz zu sich selbst aufzubringen, wie in diesem Artikel, wenn einen die Medien gerade zur einer Art Lena der Blogger machen wollen, ist eine Leistung.

  33. a) Auch wenn du es scheinbar nicht magst: Ein lob von mir, du bist an dem Thema drangeblieben.
    b) Ich war überrascht als ich den Heute Journal Bericht gesehen habe, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass es hier in allererster Linie um eine „Köhler-Sturz-Aktion“ ging, sondern um eine „Warum ist bei D-Radio die Mitschrift anders als das Interview“ und warum berichtet sonst niemand drüber-Thema. Arg verkürzt also um ein Zensur Thema. Der Aspekt fehlte ich Heute Journal komplett. Da habe ich mich ja nicht komplett geirrt.
    c) Du hast einen für die Medienwelt wichtigen Mechanismus live erlebt. Ist doch toll!
    d) Du hast doch einen wichtigen Part in den Nummer gespielt. Das Nachfragen war wichtig. Sei nicht so bescheiden ;-)
    e) Das *ich* denke, dass du der wichtigste Part in der Geschichte war, liegt nur daran, dass du der einzige der Beteiligten bist, dem ich auf Twitter folge ;-)
    f) Mach mal die orange Schrift im Kommentarfeld weg. Ich kann das kaum lesen :-( Alle Tippfehler gehen auf deine Kappe ;-)

  34. @egghat: Zu Befehl – Schriftfarbe im „Kommentar abgeben“-Fenster ist geändert. Das war wirklich nötig.

    Und grundsätzlich: Danke für die vielen netten Kommentare!

  35. Respekt!

  36. Hallo Jonas

    Respekt! der Text ist echt gut zu lesen.

  37. *Teehee*
    Mehr fällt mir dazu nicht mehr ein ;D

  38. Ludwig Erhard würde sich im Grabe herumdrehen wenn es das lesen könnte mit Horst Köhler.Es stimmt schon das Jonas was zum Thema geschrieben hatte. Aber vor ihm stand es bereits in anderen Blogs.Ich selber habe zuerst im Bildblog gelesen.
    Aber wollen wir nicht gleich den Bildblog die Schuld geben. Weil auch der Bildblog war nicht der erste. Der Urheber die reines Interesse zeigten um Horst Köhler schlecht zu machen sitzen in gewissen Patein. Ich selber hatte über Twitter eine Anfrage ob ich auch das Thema aufgreifen würde zum damaligen frühen Zeitpunkt (einige Tage danach wo die Aussagen schon gemacht wurden und es keine Sau juckte). Meine Antwort war damals. Wir sind ein neutrales Forum und ziehen keine Leute in den Dreck egal ob sie nun Recht oder Unrecht haben. Ich selber finde nur Schade das wir in Deutschland nun Amerikanische Verhältnisse in der Politik einführen. Auf Gott Will Schlammschlacht Hoch 3. Ich möchte hier nicht Jonas als Blogger in Schutz nehmen. Nur was recht ist soll auch recht bleiben. Damit verbürge ich mich mit meiner Webseite für die Aussage.Mir ist echt schlecht vor einigen Leuten der deutschen Politik. Ahmen das war mein Wort zum Samstag. *kotz*

    gruß eXer/Steffen
    http://www.computerguard.de
    Official German Symantec,Eset,Avira,F-Secure,Bitdefender Support Board.

  39. Und nun nicht stehen bleiben…

    ….jetzt weiter mit der übrigen Regierung!

    Zwing Sie zum Amtsverzicht und Rücktritt!

    :-)

  40. Den Beitrag vor mir mit Regierung Rücktritt ist einfach Kinder Kacke. bist du von der Links Partei ?

    @eXer
    von dir habe ich schon viel gelesen. Deine Einstellung finde ich ok.Ich hätte aber schon gern erfahren welche Politiker aus welcher Partei etwas gegen Köhler gehabt haben.

  41. Hey,

    ich verfolge deinen Blog schon seit einer weile und finde die Beiträge echt ziemlich lesenswert!! Auch die Reaktion auf die Köhlerkritik war angemessen und richtig!! :)

    Ich habe mich gefragt, ob du mich vllt. auf deiner Blogroll verlinken würdest? Ich habe dich bereits drin, weil es meines Erachtens wichtig ist, dass mehr Leute deinen Blog lesen. Wenn du keinen Bedarf hast, ist’s auch ok…ich lass dich drin.

    http://floinamsterdam.wordpress.com/

    Liebe Grüße Flo

    P.S.: Und bitte ziehe dich nach den vergangenen Ereignissen nicht aus der Bloggerwelt zurück und schreib mal wieder was :)

  42. Erst mal nur kurz zum PS: Puh. Ja, ich würde auch gerne mal wieder etwas schreiben. Aber Voraussetzung dafür ist, dass ich ausreichend Zeit habe, mich zu informieren und Themen zu entdecken und dass ich Zeit habe, sie zu bearbeiten – und die Zeit aufzutreiben, gestaltet sich aufgrund des Studiums gerade eher schwierig. (Es war ja auch Zufall, dass die Köhler-Sache genau in meiner freien Pfingst-Woche Thema war).
    Will heißen: Ich fürchte, in nächster Zeit wird die Frequenz eher niedrig bleiben.

  43. Sehr geehrter Herr Schaible,

    aus aktuellem Anlass habe ich heute mal wieder bei Ihnen vorbei geschaut, da ich gehofft hatte, Sie hätten vielleicht einige Gedanken zu unserem Kriegsminister hier veröffentlicht.

    Wussten Sie eigentlich, dass die Nato einige Tage vor dem Interview von Herrn Köhler ein u.a. von Frau Albright erarbeitetes Expertenpapier mit dem Titel NATO 2020 vorgestellt hatte, das genau die von Herrn Köhler und jetzt von Herrn Guttenberg angesprochene „Ausweitung der Nato-Kampfzonen“ vorschlug?

    http://www.nato.int/strategic-concept/expertsreport.pdf

    Im Nachhinein bin ich mir recht sicher, dass das kein Ausrutscher von Herrn Köhler war. Es sieht eher so aus, als habe man ihn vorgeschickt und dann im Medienhagel allein gelassen. Bezeichnenderweise hat damals nur Herr Guttenberg ihm die Stange gehalten.

  44. Hallo,

    schön, dass Sie mal wieder vorbei schauen. War nicht zufrieden mit meinem Text, deshalb habe ich ihn nicht veröffentlicht. Jetzt habe ich ihn etwas ungeschrieben und online gestellt. Quintessenz: Guttenberg kann mehr Militäreinsätze fordern – anders als Köhler -, aber es ist bedenklich. Wenn Sie (und alle anderen) mögen: Zu Guttenberg: Interessen wahrt die Armee?

  45. Es ist immer wieder schön, wenn man sich als Retter der Welt begreift – nur leider ist man es am Ende doch nicht.
    Und für die Selbstherrlichen unter uns: Ich meine damit nicht Herrn Köhler!

  46. Ein super Blog danke! Gibt es einen Link, wo man über die
    Neuigkeiten in diesem Blog benachrichtigt wird?

    danke
    Hektor Dimansik

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