Beiträge vom 29. Januar 2010

Denn alles andere ist Alltag!

Freitag, 29. Januar 2010 13:38

Die Süddeutsche berichtete gestern über eine völlig missratene Werbung (siehe unten) des Österreichischen Bundesheers, mit der “junge Menschen ab 18″ dazu bewegt werden sollen, sich doch der Armee anzuschließen. Auch die taz und SPON schließen sich heute der Berichterstattung und der Kritik an: Der Clip sei sexistisch und bediene billige Klischees. Frauenrechtsgruppen aus Österreich liefen Sturm.
Und all das völlig zu Recht.

Ein Alltag voller Waffen

Etwas anderes, das aber offenbar niemanden stört, ist der letzte Satz: “Denn alles andere ist Alltag”.
Man muss sich, um die Tragweite dieses Satzes wirklich zu begreifen, den Clip einmal genau ansehen.
Bevor der wirkliche Film beginnt, sieht man einen Trailer mit stilisierten Figuren auf gelbem Hintergrund. Zuallererst: Ein Soldat mit Maschinengewehr, der anlegt. Dann einer mit Gasmaske. Dann einer, der ein Kind hochhebt – vermutlich Symbol für humanitäre Hilfe. Dann setzt sich ein Soldat den Helm auf – und zum Schluss darf noch einmal einer in die Knie gehen und das Maschinengewehr im Anschlag halten.
Schnitt zum Film: Als der Panzer einfährt, zeigt die Kamera zuerst das erschrockene Gesicht des glaztköpfigen Autobesitzers. Dann filmt die Kamera aus der Sicht des Panzerfahrers, bzw. filmt eher direkt am Kanonenrohr entlang – als seien Macho und seine Damen im Visier des Panzers.
Als der Soldat aus dem Panzer aussteigt, streichelt er das Kanonenrohr. Als die Damen auf seine Frage nach einer Spritztour zu jubeln beginnen, sagt er: “Kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren!”
Als der Panzer abdreht, um wegzufahren, stoppt die Kamera kurz und das Kanonenrohr zeigt direkt auf den Zuschauer.

Dann weisen die Damen den Macho ab, rennen dem Panzer hinterher. Schnitt. Ein Panzer fährt durch die Landschaft. Ein Sprecher verkündet: “Das Österreichische Bundesheer bietet einmalige Chancen für die Jugend ab 18. Denn alles andere ist Alltag!”

Einmal abgesehen von der sexistischen Aussage, als Soldat liefen einem die Frauen scharenweise hinterher, besteht die ausgesprochen martialische Botschaft des Clips vorwiegend in Waffen, Waffen, Waffen und Waffen. Damit umzugehen ist also die einmalige Chance, die Möglichkeit, dem tristen Alltag – der so ganz ohne Waffen auskommt – zu entfliehen.
Für ein selbsternanntes “Friedensheer” ist das eine erstaunlich platte, aber auch erstaunlich entlarvende Botschaft.

Kein Einzelfall

Auch der Clip “Die Garde” wirbt übrigens am Ende mit den Schlagwörtern: “Team – Leistung – Sport – Erlebnis“.

Außerdem: Der Clip wurde mittlerweile von der Homepage entfernt – was youtube sei Dank wenig an der Verbreitung ändern dürfte.
Die anderen Trailer sind zwar weniger kriegslüstern und sexistisch, aber kaum weniger unsinnig – sogar wenn man sie als völlig überspitze Werbung anerkennt. Einmal sprintet ein junger Mann über diverse Hindernisse zu einem Date. “Wehrdienst zahlt sich aus”, heißt es da. Ob man allerdings roofjumping wirklich bei der Armee lernt?
Und der Panzer, der wie bei einem Boxenstop gewartet und betank wird – “Wehrdienst zahlt sich aus”: Hä?

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