Beiträge vom November, 2009

Die Medien und Robert Enkes Tod

Mittwoch, 11. November 2009 15:19

Gerade eben wollte ich einen Artikel darüber anfangen, wie sehr mich große Teile der, sagen wir einmal Berichterstattung über Robert Enkes Tod anwidern. Jetzt sehe ich, dass Stefan Niggemeier soeben genau das getan hat – mit Verweis auf Dirk Gieselmann von den 11Freunden, der ebenfalls genau das getan hat.
Bitte lesen!

Neben den Beispielen, die Stefan Niggemeier erwähnt, gäbe es dann beispielsweise ein Video bei Süddeutsche.de, das wohl so etwas wie die tiefe Trauer unter den Fans zeigen soll, aber sich eigentlich fernab jeden Informationsgehalts in Voyeurismus ergeht. Oder natürlich bei Bild.de Text, Fotos, Überschrift, Video inklusive Fotos vom Ort des Geschehens und Kommentarspalte, die betitelt ist mit: “Robert Enke ist tot: Drücken Sie hier Ihr Beileid aus!” Oder die Meldung bei web.de, die groß Enkes Witwe abbildet.
Dass Johannes B. Kerner heute Abend offenbar eine Sondersendung zu dem Thema ausstrahlt, passt da dann erschütternd gut ins Bild.
Und ich habe nicht alle Newsseiten durchforstet.
Zu diesen Texten: Bitte nicht lesen!*
Zu dieser Sendung: Bitte nicht ansehen!

Danke.
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*Deshalb auch, wider meine Prinzipien, keine Links. Wer suchet der findet – oder fragt in den Kommentaren an.
Aber: Bitte nicht suchen!

Thema: Journalismus, Medienkritik | Kommentare (1) | Autor:

Nachtrag: Bild, Wikipedia und der mysteriöse Panther

Mittwoch, 11. November 2009 13:57

Der Panther-Beitrag liefert wieder einmal ein schönes Beispiel, wie man bei der Bild mit Fehlern umgeht.
Das Video ist aus dem Beitrag – der sich allerdings inhaltlich nach wie vor darauf bezieht – verschwunden.
Und noch etwas fehlt: Nämlich jeder Hinweis auf die Änderung.
Jetzt findet ein Leser eben nur noch den reißerischen Text, der so anfängt:

Unheimlich schleicht die schwarze Silhouette durch die Wälder. Das große, muskulöse Tier reißt Schafe, verbreitet Angst bei den Menschen. Schon auf den ersten Blick ist klar: Dieses Tier ist keine normale Katze.

Davon, dass das große, muskulöse und Schafe reißende Tier eine kleine, vermutlich flauschige und eher Mäusen jagende Hauskatze ist, kann sich der Leser allerdings nicht mehr überzeugen. Dreist.

Der fehlerhafte und von Wikipedia kopierte Infotext findet sich dagegen immer noch unter dem anderen Panther-Artikel.

Via Mikaela in den Kommentaren

Thema: Medienkritik | Kommentare (0) | Autor:

Bild, Wikipedia und der myteriöse Panther*

Montag, 9. November 2009 22:17

Der Bildblog hat heute berichtet, wie Bild über den Panther berichtet, der angeblich Belgien und mittlerweile auch Deutschland unsicher macht.
Dass es die Bild mit gutem Journalismus nicht so hat, ist bekannt. Dass sie es auch mit Katzen nicht so hat, wusste ich bisher nicht. In diesem Beitrag beweist sie beides.

Zunächst einmal der Infotext:

„Der Schwarze Panther (Panthera pardus) ist eine Leopardenart, die besonders häufig in Höhenlagen und im Regenwald auftritt. Er ist in Afrika und Asien weit verbreitet. Panther werden 90 bis 190 cm lang, den 60 bis 110 cm langen Schwanz nicht mitgerechnet. Männliche Panther wiegen 40 bis 90 Kilo, haben eine Schulterhöhe von 70 bis 80 cm. Weibchen sind etwa halb so groß, wiegen nur 30 bis 60 Kilo

Normalerweise müsste ich ja jetzt beinahe Angst haben, dass die Bild mich abmahnen lässt – denn immerhin zitiere ich den ganzen Absatz. So etwas kann heutzutage ja schnell ins Auge gehen. Allein: Texte der Wikipedia sind für gewöhnlich frei kopierbar [1]. Das wusste offensichtlich auch die Bild…

Das allein ist schon peinlich genug. Richtig schlimm wird es aber, wenn wie hier die einzige Information, die selbstständig hinzugefügt wurde, falsch ist.
Der Panther ist nämlich keineswegs eine Leopardenart. Er ist überhaupt keine Art und damit ist sein Artname auch nicht panthera pardus.
Panthera pardus ist vielmehr der wissenschaftliche Name für den Leopard. Der sieht für gewöhnlich so aus – ist aber eben auch nicht selten schwarz. Diese melanistischen Exemplare werden im Volksmund Panther genannt, sind und bleiben aber ganz normale Leoparden.
Dasselbe trifft außerdem auf melanistische Jaguare (panthera onca) zu.

Überhaupt gibt es auch keine Leopardenarten, denn der Leopard ist eine eigene Art (panthera pardus) innerhalb der Gattung panthera. Eine Art ist definiert als eine Fortpflanzungsgemeinschaft. Alle Individuen einer Art können also miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen. So wie schwarze Leoparden und alle anderen Leoparden oder wie schwarze Jaguare und alle anderen Jaguare.
Allenfalls gibt es Leoparden-Unterarten (auch Subspezies genannt), wobei die Unterteilung einer Art in verschiedene Unterarten höchst umstritten ist, weil niemand so recht weiß, anhand welcher Kriterien diese Einteilung vorgenommen wird. Deshalb ändert sich die Zahl der Unterarten einer Art auch häufiger einmal. Aber, wie auch immer: Der Panther ist noch nicht einmal eine Unterart des Leoparden (oder des Jaguars).
All das kann man, wenn man es nicht weiß, auch in der Wikipedia nachlesen. Aber sogar so viel Eigenrecherche war dann wohl zu viel.

Aber es geht ja noch weiter. In dem zugehörigen Video nämlich. Die Sprecherin fragt gleich zu Beginn:
„Was hätten Sie getan, wenn Ihnen beim Spazierengehen der hier über den Weg gelaufen wäre?“

Möchte sie das wirklich wissen? Wenn ja: Ich hätte ihn (oder sie) gestreichelt.
Denn offenbar trifft zu, was sie im nächsten Satz sagt: „Bisschen schwierig zu erkennen.“ Nur ihre Schlussfolgerung stimmt nicht: „Das ist ein Panther“.
Nein, ist es nicht. Es ist, vermutlich, felis silvestris, die Hauskatze.
Zwar schreibt Bild.de unter dem Video noch einmal: „Schon auf den ersten Blick ist klar: Dieses Tier ist keine normale Katze.“ Das macht die Behauptung aber nicht wahrer.

Ich bin nun kein Biologe oder ein Experte für Großkatzen. Aber selbst wenn man keine Ahnung von den Proportionen einer Hauskatze und eines Leoparden/Jaguars hat: Die Tatsache, dass das Tier über den Grünstreifen in der Mitte des Weges springt, sowie das Größenverhältnis zwischen Weg und Tier lassen jeden, der schon einmal einen Feldweg und eine Hauskatze gesehen hat, begründet vermuten, dass es sich hier um genau so eine Hauskatze handelt.
Auf keinen Fall ist irgendwie gesichert, dass das Video einen Panther zeigt.

Was den Leiter des Euregiozoos Aachen, Wolfram Graf-Rudolf, dazu veranlasst hat, im Video zu behaupten, das Tier sei womöglich oder vermutlich ein Panther, verrät er mir hoffentlich per Mail. Falls ja, werde ich hier updaten.

Update, 10.02.09, 11.30 Uhr: Wolfram Graf-Rudolf hat sich soeben bei mir gemeldet. Die Aussage, “das könnte einer [ein Panther] sein”, habe er unter der Prämisse getroffen, dass der fragliche Weg eine Breite von 10,20 Meter aufweist. Dieser Wert sei ihm von einem Journalistenteam – nicht der Bild, er meinte unverbindlich WDR – versichert worden.
Auf Basis dieser Vorannahme könne man eine Hauskatze ausschließen und lande zwangsläufig bei einer Großkatze.
Ist der Weg allerdings schmaler, wie man zunächst wohl vermutet, wäre man wieder bei einer Hauskaze. Eine Einschätzung über die Frage “Leopard oder Jaguar” könne er aufgrund der schlechten Bildqualität nicht geben.
Damit steht und fällt das Ganze mit der Breite des Weges.

Ich selbst bleibe nach wie vor bei der Hauskatze.[2] Erstens ist mir noch kein 10,20 Meter breiter Feldweg unter gekommen, zweitens deuten Proportionen und Bewegungsablauf für mich weiter auf eine Hauskatze hin.

Kleine Info am Rande: Die Bild meldet, nun komme ein Panther-Hunter zum Einsatz. Darauf hat mich Graf-Rudolf auch hingewiesen. Er hält das Unterfangen aber für wenig erfolgversprechend, immerhin müsse man mit einem Narkosegewehr auf etwa 30 Meter an das Tier heran. Denkbar schwierig, bei einem Tier, von dem man nicht weiß, wo es sich aufhält – und eigentlich noch nicht einmal, ob es überhaupt existiert.

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[1] Weil ich in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht wurde, formuliere ich es sauberer: Die Texte sind natürlich nicht uneingeschränkt frei kopierbar, sondern stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Eine Verwertung ist erlaubt, solange der Autor (in diesem Fall eher die Quelle: Wikipedia) genannt wird und das Werk unter gleichen Bedingungen weitergegeben wird. (Da könnte es bei der Bild schwierig werden, denn deren kopierter Text steht sicher nicht unter cc…)
[2] Also, im übertragenen Sinne.

Thema: Medienkritik | Kommentare (20) | Autor:

Uni-Streik: Vollversammlung in Tübingen

Donnerstag, 5. November 2009 12:01

Um 16.00 findet in Tübingen eine zumindest so deklarierte Vollversammlung unter dem Motto “unibrennt” statt. Ich werde versuchen, von dort zu twittern, falls es Interessantes gibt.

Siehe: @beimwort

Thema: Hochschulpolitik, Schnell verlinkt | Kommentare (0) | Autor:

Uni-Streiks erreichen Deutschland

Mittwoch, 4. November 2009 23:19

Wie ich eben bei carta gelesen habe, haben die östereichischen Uni-Streiks jetzt auch Deutschland erreicht.

Sowohl in Heidelberg als auch in Münster und Potsdam besetzen Studenten derzeit jeweils den Audimax.

In Anlehnung an das österreichische Vorbild “unsereuni” wurde die Homepage “unsereunis.de” gegründet, die Nachrichten aus allen deutschen Unis, in denen gestreikt wird, gesammelt werden.
Der allgemeine Studierendenausschuss AStA, der mir vor einigen Tagen noch per Mail erklärt hatte, sich nicht politisch äußern zu dürfen, begrüßt die Streiks.

Für den 17.11.2009 sind in ganz Deutschland Bildungsstreiks geplant.

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Siehe auch:

Allgemein ist die Resonanz in den deutschen Medien aber eher gering.

Thema: Hochschulpolitik, Nebenbei bemerkt | Kommentare (0) | Autor:

Im Westen viele Fehler

Mittwoch, 4. November 2009 16:04

DerWesten hat ein Interview mit Waldemar Hartmann geführt. Darin erzählt er, warum er Sportjournalist geworden ist; außerdem spricht er über sein Kabarett-Programm. Das alles ist nicht so richtig spektakulär, allerdings kommt beim Lesen die Frage auf, was genau der zuständige Redakteur beim Redigieren eigentlich gemacht hat. Redigiert hat er jedenfalls nicht.
Dass versucht wurde, Hartmanns Dialekt auch in der Transkription Rechnung zu tragen, ist in Ordnung. Dass sehr sehr viele Sätze mit „und“ beginnen und viele Sätze eher abgehackt klingen, liegt vielleicht an Hartmann selbst und daran, dass die Redaktion nicht so viel am Originaltext verändern wollte. Geschenkt.
Aber so viele Fehler sollten in einem redigierten Text nun wirklich nicht zu finden sein.

Der [Rudi Völler, Anm. von bwg.de] ist ja damals auf Dellinger und Netzer losgegangen.

Der Name ist falsch geschrieben: Delling.

Das war wie ne Situation wie die, als das Tor in Madrid beim BVB-Spiel umgefallen ist.

Ein Wort („wie”) ist zu viel.

Aber ich schon auch so’n paar Sendungen, die ein bisschen mehr waren als ein normales Interview.

Es fehlt ein Verb.

Wir haben damals 40 Minuten überzogen, weil alle begannt vor dem Fernseher saßen, auch die Sendeleitung.

Ein Wort ist völlig falsch geschrieben.

Und dann auch so manches Gespräch, das ich mit Hoeness geführt habe. Das waren schon immer welches, wo es schon gefunkt hat.

Der Name ist falsch geschrieben (Hoeneß) und eine furchtbar falsche Relativsatz-Konstruktion.

Sie haben ein Buch veröffentlich „Born to be Waldi”.

Es fehlt je ein Buchstabe und ein Satzzeichen.

Die Idee ist entstanden, als ich mich mit Frank Elstner vor eineinhalb Jahren nach einer Sendung zusammengesessen bin. Wir haben über alte Geschichten gesprochen. Und der Unterhaltungschef des Südwestfunks sagte damals, Sie müssen Ihre Geschichten mal alle aufschreiben. Und Frank sagte: Ne, Du musst sie erzählen. Das war so mal der erste Gedanke. Und dann hat mir Harald Schmidt bei der Olympiade in Peking da gleiche sagt.

Ein Wort („mich”) ist zu viel, es fehlen zweimal Anführungszeichen und es fehlt ein Buchstabe.

Und das sind ne ganze Menge an Geschichten…

Die Verbform ist falsch, denn eine Menge „ist”.

Den [Stefan Reuter, Anm. von bwg.de] kannte ich ja noch als 17-Jährigen, als er beim Club in die Bundesliga gekommen ist. Und besucht mich heute noch bei Geburtstagsfeiern oder bei meiner Hochzeit.

Es fehlt ein Wort, genauer das Subjekt.

Doch habe ich auch zu den handelnden Personen einen Draht. Josef Schneck.

Ein Name steht nach einem Punkt als eigener Satz. Hier fehlen so einige Satzteile.

Zu Watzke habe ich weniger Kontakt. Kloppo natürlich auch. Über die Zeit, etwa auch Jürgen Kohler, Thomas Helmer. Meistens die, die von Bayern zum BVB gekommen sind.

Ein Verb fehlt – und dadurch wird der Bezug unklar: Hat Kloppo nun zu Watzke wenig Kontakt oder zu Hartmann? Der folgende Satz ist völlig fehlkonstruiert,

Und da hab ich dann auch meine Maul zu weit aufgerissen.

Ein Buchstabe ist überschüssig.

Hier kommen sie, weil sie mich sehen wollen, zahlen und wollen nicht irgendein Sportevent.

Dieser Satz ist ebenfalls völlig fehlkonstruiert.

Weihnachten werde ich dann feststellen: Schaffe ich das? Oder ist es mir – auch physisch – zu heavy? Dann sage ich, wir treten kürzer.

Auch hier sind die Bezüge seltsam: Hartmann sagt, er werde feststellen „ob” es ihm zu viel ist, wobei er feststellen müsste, „dass” es zu viel ist – oder eben nicht. Und dann wird „er” feststellen, dass „sie” (Wer?) kürzer treten.

Wie so etwas passieren kann, ist ein Rätsel. Zumal es sich um eine Vielzahl von verschiedenen Fehlern handelt, die nicht alle mit Tippfehlern erklärbar sind.
Aber wenigstens in einer Sache kann man beim Westen sicher sein: An einer abgeschriebenen dpa-Meldung liegt es nicht…

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via bildblog

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