Medien-Praktika: Blogs sind im Journalismus immer noch nicht anerkannt

Gerade gingen in Berlin etwa 200 Praktikanten auf die Straße, demonstrierten für mehr Rechte, faire Arbeitsbedingungen und traten für einen Tag sogar in einen Streik. Ähnliches macht die „Génération Précaire“ in Frankreich seit Jahren. Die Praktikanten wehrten sich dagegen, dass Praktika in der Regel unbezahlt sind oder so schlecht bezahlt werden, dass nicht einmal die Unterkunft und Verpflegung davon finanziert werden kann. Sie prangerten an, dass so nur die Wohlhabenden, von den Eltern Subventionierten die obligatorischen Praktika absolvieren können. Sie forderten, nicht als billige Vollzeit-Arbeitskräfte herhalten zu müssen, damit Unternehmen Kosten sparen. Sie kritisierten, dass auch Hochschulabsolventen nach dem Studium noch mit Praktika abgespeist werden.
All das sind richtige und wichtige Punkte, die in allen Bereichen gelten, und es ist begrüßenswert, dass einige Vertreter der viel zitierten „Generation Praktikum“ nun eine Diskussion anzustoßen versuchen.
Speziell in der Medienbranche ist allerdings noch ein weiteres Problem akut – eines, das kaum je diskutiert wird. Ein Problem, das ganz direkt mit dem allgegenwärtigen Streit zwischen Print und Online in Verbindung steht.

Wer ernsthaft plant, Journalist zu werden, der kommt nicht umhin, bei Zeitungen oder Rundfunkanstalten zu hospitieren. Eine möglichste große Zahl an Praktika, so liest und hört man allenthalben, sei heutzutage nicht mehr nur empfehlenswert, sondern Grundvoraussetzung dafür, dass man überhaupt die Chance erhält, im Journalismus Fuß zu fassen.
Nur wer während des Studiums schon Referenz um Referenz sammelt, der kann später Karriere machen. Am Besten sind natürlich wohlklingende Namen der Branchenführer: SZ etwa, oder FAZ, Zeit, Spiegel. Sie geben dem Lebenslauf Gewicht, suggerieren Erfahrung, sind eine Empfehlung.
So weit, so schlecht. Dass dadurch schon früh ein immenser Druck auf jungen Journalisten lastet und dass ein starkes Konkurrenzempfinden aufgebaut wird, ist schon bedauerlich genug.
Doch es gibt ein grundlegenderes, systemimmanentes Problem.

Besonders heikel ist, dass bei sehr vielen Publikationen bereits redaktionelle Erfahrung Voraussetzung für ein Praktikum ist. Kurz gesagt: Ohne Praktikum bekommt man kein Praktikum, bekommt man kein Praktikum, bekommt man kein Praktikum. Und das gilt beileibe nicht nur für die großen Zeitungen, sondern auch für viele Lokalzeitungen.
Es ist ein paradoxer Kreislauf, den nur durchbrechen kann, wer entweder Glück hat und in einer Stadt wohnt, deren Lokalzeitung keine derart hohen Ansprüche hat, oder wer Beziehungen in die Medienhäuser besitzt. Jedes Praktikum wirkt dann wieder als Katalysator und hilft bei der Suche nach anderen Praktika.
So sind es trotz des hektischen Wettlaufes um die begehrten Plätze, trotz des früh gelebten Konkurrenzkampfes und des hohen Drucks nicht zwangsläufig jene, die am geeignetsten sind für die Stellen, sondern jene, die irgendwie in die sich selbst befeuernde Spirale geraten sind, die die besten Chancen haben.
Nun wäre es heute so einfach wie nie, aus diesem System auszubrechen. Mehr als je zuvor hat jeder Mensch heute die Möglichkeit, zu publizieren. Einen Blog zu führen kostet gar nichts bis wenige Euro im Jahr und ist vor allem quasi immer und überall möglich. Niemand ist mehr abhängig von der Gunst der Verleger und Zeitungsmacher: Wer etwas zu sagen hat, kann das tun und das ist gut so. Es ist dies die viel gefeierte Demokratisierung der Medienlandschaft durch das Internet – es ist der Bürgerjournalismus, den anzuerkennen sich viele Etablierte aber immer noch sträuben.
Auch wenn der Freitag mit einem neuen Konzept Zeitung und Blogs verknüpft, auch wenn der Guardian in England schon länger auf Bürgerjournalismus setzt, auch wenn mehr und mehr Zeitungen Blogs schalten, Kommentare zulassen und langsam in einen Diskurs mit den Lesern treten und auch wenn Blogger im Iran oder in China bejubelt und als Journalisten ernst genommen werden: Noch ist das Verhältnis der etablierten Medien zu Blogs ein unreifes.

Das zeigt sich auch bei den Praktika. Denn die Arbeit als Blogger wird längst nicht so ernst genommen wie ein Praktikum bei einer Lokalzeitung. Mit einem Blog im Lebenslauf bleibt zumeist sogar der Eintritt in den Praktikakreislauf verwehrt – selbst wenn dahinter ein jahrelanges Engagement steht. Ein Praktikum steht für Erfahrung und auch für Initiative – denn man musste sich ja darum bemühen. Ein Blog ist nicht gleichwertig. Obschon „Journalist“ keine geschützte Bezeichnung ist und obschon es keinen Königsweg zu diesem Beruf gibt, wird zumeist ausdrücklich redaktionelle Erfahrung gefordert. Keine allgemein journalistische – etwa in Blogs.
Dabei kann es von weitaus mehr Engagement und Leidenschaft für den Journalismus zeugen, sich ohne Bezahlung und vor einer kleinen Leserschaft in einem Blog abzumühen, als eine Bewerbung an eine Zeitung zu schicken oder, wie erwähnt, über Kontakte hineinzurutschen.
Es kann auch die Arbeit als Blogger weitaus anspruchsvoller sein als die in einer Redaktion als Praktikant. Sicher, es gibt in einem Blog keinen Redaktionsschluss und keine Zeilenbeschränkung – dafür gibt es auch keinen Redaktionsschluss und keine Zeilenbeschränkung. In Blogs kann ein jeder tun, was eigentlich genuin journalistisch ist: sich durch Informationen wühlen, interessante Themen suchen, uninteressante Themen herausfiltern, Themen setzen, Zusammenhänge erklären ohne Grenzen in Zeit und Zeile. Ein Blogger kann schreiben, was er für lesenswert erachtet. Unabhängig und unbequem. Ein Blogger muss sich nicht dem Willen der Chefredaktion beugen, sondern nur vor sich selbst gerade stehen.
Dieses eigenständige Arbeiten ohne die starren Zwänge einer Redaktion kann verhindern, dass junge Journalisten in Abhängigkeit ihr Handwerk erlernen und Unabhängigkeit fördern.

Natürlich gibt es viele Blogger, die keine derartigen Ambitionen haben. Es ist die überwiegende Mehrzahl. Viele Blogger wollen keinen guten Journalismus bieten und manche können es vielleicht nicht.
Doch all das entwertet nicht, was ein guter Blog sein kann: eine Plattform für sauberen Journalismus. Blogs sind eine nie da gewesene Chance für den Journalismus. Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Entscheidungsträger in der Medienwelt zu dieser Erkenntnis gelangen. Es wird Zeit, dass „Ich haben einen Blog“ nicht mehr geringer geschätzt wird als „Ich habe ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht“. Das soll nicht heißen, dass Blogs nun die wichtigste Referenz werden sollen. Aber sie sollen eine gleichwertige Referenz werden.
Damit junge Journalisten sowohl das eigenständige und völlig freie Arbeiten als auch das reglementierte Arbeiten lernen. Damit noch mehr Menschen sich motiviert fühlen, zu bloggen. Damit die Zeitungen ausbrechen aus dem Irrglauben, nur sie seien relevant – ein Glauben, der dem Journalismus in Zeiten des Netzes schwer schadet.
Und damit bei Bewerbungen nicht mehr vorrangig ist, in welchem Medium ein jemand veröffentlicht hat, sondern was. Das kann dem Journalismus als Ganzes nur gut tun.

16. Oktober 2009 von Jonas Schaible
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Kommentare (20)

  1. Leider demonstriert derjenige, der von „der Blog“ — gerade in einer Auseinandersetzung mit dieser Medienform — spricht, nur begrenzte journalistische Kompetenz — auch wenn das kleinkariert sein mag.

  2. Sorry – aber was ist das für ein weinerlicher Unsinn.

    Natürlich haben Zeitungen bei dem erdrückenden Angebot an Bewerbern eine hohe Messlatte. Die in den so dekorativ eingestreuten Stellenanzeigen genannten Kriterien sind nicht in Stein gemeisselt – das zeigen solche versteckte Hinweise wie „z.B.“ oder „usw.“. Und natürlich hat der betreuende Redakteur es lieber, wenn der Praktikant schon in Grundzügen die Arbeitsabläufe einer Redaktion und weiß wie ein Redaktionssystem funktioniert.

    Wenn Du mit Deinem Blog journalistisch gute Arbeit machst, werden Journalisten wahrscheinlich sowieso auf Dich aufmerksam. Mit diesem Artikel hier würde ich mich aber nicht bewerben.

  3. @Erford: Ich empfehle einen Blick auf die Seite „Über diese Seite“, dort dann ganz unten. Ergänzend auch in die Wikipedia oder den Duden. Danke.
    @Torsten: Wieso weinerlich?
    Und kritisieren ich die hohe Messlatte? Nein, im Gegenteil, ich fordere doch sogar, die inhaltliche Messlatte höher anzulegen; eben anstelle der bloßen Referenz.
    Dass die in den Anzeigen Kriterien hin und wieder durch ein „z.B.“ oder „usw.“ schein-relativiert werden, sehe ich auch. Mir geht es aber darum, dass da irgendwann explizit steht: z.B. durch freie Mitarbeit, Praktika oder Blogs.
    Warum, steht ja oben.
    Und ein Redaktionssystem zu bedienen ist nun wirklich nichts, was man nicht in kürzester Zeit lernen können.

  4. behalt‘ die nerven und mach weiter so.

  5. Warum genügt den Reddaktionen die Erfahrung mit einem Blog nicht? Die Redaktionen brauchen Mitarbeiter (und nichts anderes sind Praktikanten), die mindestens das grundlegende Handwerkszeug beherrschen: Wie schreibe ich 40 Zeilen Meldung aus einem Polizeibericht? Was ist ein sinnvoller O-Ton? Wie kriege ich meine Recherche so hin, dass Text und Bild zum Andruck da sind? Und so bitter es klingen mag: Die Schöngeister und Edelfedern überwiegen nunmal bei den Bewerbern. Die gestellten Anforderungen stellen nur sicher, dass zumindest die Chance besteht Leute zu bekommen, die in einem alltäglichen Redaktionsablauf einsetzbar sind, ohne dass sie einen Vollzeit-Babysitter brauchen Ohne Praktikum kein Praktikum? Es gibt auch den Weg über freie Mitarbeit ins Praktikum. Beim Kreisblatt. Kaninchenzüchterverein, Gemeinderatssitzung, Sportverein sind dann die Themen. Und hier scheidet sich dann auch die Möchtegern-Edelfeder von demjenigen, der wirklich journalistisch arbeiten will. Journalismus ist nun mal nur zu einer Hälfte Schreiben, die andere Hälfte ist Handwerk, das man eben nicht in einem Blog lernt.

  6. Wer schreiben kann bzw. das Talent oder den Willen dazu mitbringt, wird immer ein Praktikumsplatz bekommen. Eine gewissen Auslese ist ja auch gut.

    Und das Führen eines eigenen Blogs zählt sogar eigentlich noch mehr – zumindest bei mir wie Ex-Praktikanten erzählen können.

  7. Das oder der Blog? War und ist mir immer ziemlich egal und mache mir jetzt große Sorgen ob meiner „begrenzten journalistischen Kompetenz“. Ich finde den Text auch nicht weinerlich, sondern gut und wichtig. Kein Witz: Mach doch ein Praktikum beim Niggemeier. Da lernst Du sowieso mehr als in einer Redaktion.

  8. Wo ist denn hier die Linie für die Unterschrift unter den Blogpost?

    Wobei man natürlich von Blog zu Blog unterscheiden muss, mein Urlaubsblog in dem ich von meinem Austauschjahr in Hinterousemuckel berichte darf sicher nciht als Referenz dienen. Führe ich jedoch ein Multiautorenblog mit durchaus teilweise Journalistischem Anspruch, sollte das Berücksichtigt werden.
    Dazu müssten aber die Personalchefs ja recherchieren udn sich die Blogs anschauen….

    Für micb steht fest, sollten Arbeitsproben verlangt werden, werde ich nicht davor zurückscheuen ausgewählte Beiträge von netzfeuilleton.de mitzuschicken.

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  10. Also, ohne Praktikum kein Praktikum, kein Pr…
    ist gleichermassen Quatsch, wie richtig.
    In einer Readktion wird mit einem sehr hohen Anspruch und unter permanentem Zeitdruck gearbeitet. Der Praktikant sollte also schon gewisse Fertigkeiten mitbringen. Und nicht bei ZEIT, SZ, FAZ etc. erlernen. Das ist ewta so, als wollte ein Autointeressierter sein KfZ-Schulpraktikum bei AMG oder Brabus machen.
    Ich habe bei unserer Kleinstadtzeitung (Auflage ca. 3000, der Verlag ca. 19000) mein erstes Praktikum gemacht. Hingegangen, persönlich nachgefragt und vorgestellt, zwei Wochen später angefangen. Zwei Wochen Praktikum, bezahlt wie jeder Freie nach Zeilen. DAnach habe ich da als freier MA am Wochenende gearbeitet. Zuerst Kindergärten, dann Pfarrfest, Fereinlager. Dann Konzerte, Kabarett (Dieter Nuhr, Wilfreid Schmickler etc.). Damit habe ich nach drei Jahren ohne Probleme ein viermonatiges Praktikum bei der SZ bekommen. Danach habe ich im Studium als Freier beim Bonner GA angefangen. Wieder Karnickel, Katzen, Kirchen, Bauernhöfe etc. Und dann, nach fünf Jahren habe ich meine erste Grosse Reportage von der Frankfurter Buchmesse geschrieben und Wahlberichterstattung aus dem Kreishaus gemacht.
    Jetzt laufen meine Volontariatsbewerbungen und nicht mal schlecht. Das ist der normale, schaffbare Lauf der Dinge und JEDER Journalist wird die sagen, dass es so gelaufen ist.
    Zum Thema Blog: Du weisst selber wieviel Schrott im Internet kursiert und ehrlich, deine bittere, persönliche und leider auch als Kommentar oder Glosse ungeeignterer text oben zeigt, dass zwar (fast) jeder Journalist bloggen kann, aber noch lange nicht jeder Blogger Journalist ist.
    Denn nicht von ungefähr haben sich die deutschen Verleger und Gewerkschaften darauf geeinigt mit dem Volo die Grundlage für eiine qualitativ hochwertige, allen Redaktionen genügende Ausbildung zu sichern.

    Also: frag beim Kreisboten, dem Anzeigenblättchen etc. und dann lauf dir die Hacken ab.

  11. Zunächst: Sie finden einen Text bitter, der mit der Hoffnung endet, es mögen sich doch mehr Menschen journalistisch engagieren, der Journalismus möge sich öffnen, weil ihm das gut täte; der die Möglichkeiten der neuen journalistischen Formen lobt?
    Sie finden einen Text persönlich, der nicht eine persönliche Erfahrung explizit betont, sondern eine grundlegende Problematik thematisiert? (Oder liegt es daran, dass ich nicht in einer Zeitung, sondern in einem dieser Blogs Blogs lobe und Sie deshalb glauben, ich lobte speziell meinen Blog, obwohl der keine Zeitung ist? Ich hoffe nicht, denn es wäre genauso verworren, wie es sich liest.)
    Erstaunlich.

    Wenn ich Ihren Kommentar richtig verstehe, werfen Sie mir weiterhin vor, zu erwarten, dass man als Journalist sofort bei einer der drei, vier großen Überregionalen einsteigt. Dieser Vorwurf ist falsch. Wie Sie feststellen, wenn Sie den Text lesen, schrieb ich zum Beispiel, das gelte „beileibe nicht nur für die großen Zeitungen, sondern auch für viele Lokalzeitungen.“

    Ich sage daran anschließend: Glück hat derjenige, dessen Lokalzeitung vor Ort keine hohen Ansprüche hat und der deshalb das erste Praktikum einfach bekommt.
    Sie antworten: Ich war bei einem kleinen Blatt, das mich ohne große Umstände hat anfangen lassen.
    Ich sage: eben.

    Ich sage: Praktika bei Redaktionen sind nicht zwingend besser als Blogs. Man hat weniger Freiraum und Möglichkeiten, selbstständig zu lernen und Leidenschaft wird gebremst. (Oder übersetzt: Man muss halt über Karnickel, Katzen, Kirchen und Bauernhöfe schreiben und kann nicht selber die Themen setzen, die an für wichtig hält). Also sollten Blogs anerkannter werden. Das Internet bietet viele völlig neue Mittel und damit Chancen.
    Sie antworten: Laufe dir die Hacken ab und schreibe über Karnickel, Katzen, Kirchen und Bauernhöfe, so haben das bisher auch alle gemacht. Hat ja auch keinem geschadet.
    Ich sage: Heute muss man nicht mehr stur den Weg gehen, den Sie gegangen sind, was gut ist, weil dieser Weg nicht der einzige, nicht der Königsweg ist. Er ist natürlich auch gut, aber warum zum Teufel soll alles bleiben, wie es ist, obwohl es nicht mehr bleiben muss, wie es ist?

    Ich sage: Die Zeitungen verharren in dem Irrglauben an die eigene alleinige Relevanz – das schadet dem Journalismus. Der Journalismus muss sich öffnen.
    Sie antworten: Dein Text eignet sich nicht als Kommentar oder Glosse.* Und im Internet findet sich sowieso ganz viel Schund.
    Ich sage: Sie denken schon wieder in festgefahrenen, alten Mustern, in denen klassische Darstellungsformen höher stehen als Blogartikel (die ja nicht als Höheres taugen) und in denen das Internet kein gleichwertiges Medium ist.

    Oder, um es noch einmal kurz zu sagen, Sie sagen: Der klassische Weg ist der vom Lokalblättchen zur Lokalzeitung zur (gegebenenfalls) Überregionalen, das ist gut so und Punkt. Schließlich hat man sich ja mal darauf geeinigt, dass das Volo und so weiter.
    Das ist genau die Haltung, die ich kritisiere, zu genau der Situation, die ich kritisiere. Aber das steht ja auch eigentlich schon alles oben.

    —-
    Ich bin doch ganz froh, dass der Text als Glosse ungeeignet ist. Das hat einen relativ einfachen Grund: Er ist keine Glosse. Sollte die Bemerkung ohnehin ausschließlich abfällig gemeint gewesen sein, wovon ich zu Ihren Gunsten einmal nicht ausgehe, dann haben Sie sich selbst für jede weitere Diskussion disqualifiziert.

  12. Die Bemerkung „Glosse“ war sicherlich nicht abfällig gemeint. Und das Thema an sich würde sich sicherlich gut zu einer solchen eignen, eben weil sich der Journalismus ganz sicher dem Internet und seinen Möglichkeiten öffnen muss.
    Es reicht aber leider nicht in obigem Artikel in recht weinerlichem Tonfall die vermeintliche Arroganz der Zeitungen zu kritisieren, ohne auf die vorhandenen Möglichkeiten der Bloggosphäre hin zu weisen. Nur:“Bloggen ist auch Journalismus“, zu rufen, reicht nicht. Und aus Missmutigkeit darüber, dass die Zeitungen dich/euch Blogger nicht mitspielen lassen, so zu schreiben, bringt auch nichts.
    Schreiben ist ein Handwerk und das kann und muss man lernen. Zeitungen arbeiten mit ganz bestimmten Darstellungsformen, auch die muss man zu schreiben lernen. Und es ist auf gar keinen Fall so, dass man das einfach kann. UNd leider ist es so, dass die Themen, an denen man das bei einer Lokalzeitung übt nicht im Internet zu finden sind. Eben weil es die Dinge der nachbarschaft sind. Also wird jeder, auch der spätere oder gleichzeitige Blogger das machen müssen. das eigenen Blog wird auch deshalb nicht anerkannt, eben weil da nie ein ausgebildeter Redakteur mit Berufserfahrung über die Texte drüber gesehen hat.
    zum letzten: der Ursprung des Bloggens. Blogs sind doch „Internet-Medien“, die als Meinungsforen fungieren. Sie sind im wesentlichen deshalb entstanden, weil die amerikanische „Qualitätspresse“, abgesehen von vielleicht der NY Times, fast keine investigativen enthüllungsgeschichten mehr bringt oder kritisch Regierung, Wirtschaft und GEsellschaft kommentiert. Sie haben eine Kommentarfunktion. Mittlerweile bringen zusätzlich informierte Spezialisten beiträge aus der neuen Dimension unserer Lebenswirklichkeit: dem Internet. (siehe Mac-Blogs etc.) Aber auch diese Informationen werden von ausgebildeten Journalisten gefiltert, aufbereitet, gegenrecherchiert und weiterveröffentlicht. Und deswegen spricht gar nichts gegen Blogs und viele Journalisten schreiben Blogs, teilweise für grosse Zeitungen.
    ABER du kannst dich nicht selber journalistisch ausbilden. Dafür die Praktika und dafür die Ochsentour. Beschwer dich nicht, tu es, dann werde freier Mitarbeiter und als offensichtlich Internetaffiener Mensch bringst du dann mal beim Verleger die Qualität der der Internetausgae aufs Tablett. Mach Vorschläge, Umsetzungspläne etc. und jeder Verleger wird sich um dich reissen Aber erst nachdem einer seiner redakteure ihm gesagt hat: „Der Schaible, das ist unser Mann, der kann was, der ist sich für nix zu schade und kann schreiben.“

  13. Das beschriebene Problem kann ich nachvollziehen, da es sich nicht nur auf den Journalismus beschränkt, sondern sich auch in den anderen Berufsfeldern manifestiert: Es wird zwar Berufserfahrung gefordert, aber nicht dafür gesorgt, daß man diese auch bekommt.

    Man hat den Eindruck, daß viele Arbeitgeber in Zenons Denkschema gefangen sind, wonach der Läufer Achilles eine Schildkröte niemals einholen kann, da er jedesmal, wenn er einen Punkt erreicht hat, wo die Schildkröte gewesen ist, diese sich längst weiterbewegt hat.

    Unter den Kommentaren konnte ich das Argument lesen, daß eine Edelfelder für ein Praktikum nicht in Betracht kommt, wenn er das Handwerkszeug des journalistischen Alltags nicht beherrscht. An dieser Stelle möchte ich das Beispiel des indischen Mathematikers Ramanujan nennen, der sich sein Wissen autodidaktisch beigebracht hatte und seine Erkenntnisse intuitiv herleiten konnte, aber sich nicht um die Beweisführung kümmerte. Dennoch haben die Akademiker in Cambridge sich die Mühe gemacht, seine Formeln auseinanderzunehmen, ein paar Trugschlüsse auszusortieren und den Rest auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen.

    Mir ist schon klar, daß nicht jeder Bewerber ein Genie ist, aber trotzdem sollte man sich Gedanken über den Begriff „Berufserfahrung“ machen und wie diese zustande kommt. Anstatt auf Märchenprinzen zu warten, sollten die Zeitungen (und andere Arbeitgeber auch) ihren Beitrag dazu leisten, daß Berufsanfänger ihr Wissen ständig ausbauen können.

    Wer es nicht für nötig erachtet, daß Anfänger eine Chance bekommen, ihre Wissenslücken auffüllen, dem stelle ich die Vermutung entgegen, daß solche Betriebe möglicherweise sich keine Gedanken über ihre eigenen Abläufe und deren Verbesserung machen.

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  15. Hier fühlen sich ja einige auf den Schlips getreten. Die Formel „Ohne Praktikum kein Praktikum kein Praktikum…“, sofern man keine Beziehungen oder schlicht Glück hat, stimmt voll und ganz.

  16. eh… strange post )

  17. Warum jetzt genau?

  18. Hey super Blog! Weiter so :)

  19. I am new here and looking to meet some nice people.

    Gucci Shoes

  20. Dieser Bericht, über den ich durch Zufall beim Googeln gestoplert bin, ist zwar schon etwas älter, aber im Jahre 2013 immer noch genau so aktuell. Die Lage dürfte sich sogar abermals verschärft haben.

    Wer diesen Bericht als „weinerlich“ empfindet, tut denen unrecht, die sich trotz vorhandener journalistischer Fähigkeiten wirklich um Praktika bemühen, die aber keinerlei Chance erhalten – trotz Affinität zum Schreiben.

    Ich habe zu Schulzeiten 5 Jahre bei einem kleinen Lokalradiosender in der Jugendredaktion gearbeitet und demzufolge auch einiges an Erfahrung gesammelt.
    Als der Radiosender dicht machte und meiner Arbeit dort ein Ende setzte war ich 20, jetzt bin ich 29.
    Es hat bisher weder Online Redaktionen, noch (Lokal-) Zeitungen oder sonst wen interessiert, dass ich schon langjährige Erfahrungen beim Radio gesammelt habe. Und je älter ich wurde, desto unrelevanter wurde meine Arbeit beim Radio, zumal mangels Möglichkeiten keine neuen Erfahrungen dazu kommen konnten.

    Demzufolge muss ich dem Bericht zustimmen:
    Nicht allen journalistischen Talenten wird auch eine Chance geboten! Denn ohne Kontakte ist man wirklich zu Beginn auf viel Glück angewiesen überhaupt erst einmal eine Chance zu bekommen!

    Und in Zeiten, wo die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, liegt der Bericht meiner Ansicht nach goldrichtig mit der Aussage, dass unentgeltliche Praktika großteils nur für die Absolventen zu tragen sind, die finanzkräftige Eltern als Unterstützer haben.

    Für mich bestätigt dieser Bericht leider voll und ganz meine Erfahrungen während der vergangenen Jahre und stellt somit die Realität dar!

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