Replik auf FAZ: Zivilcouragierter Thilo Sarrazin als Held genau wie, aber doch anders als Dominik Brunner?
„Zivilcourage bedeutet Risiko“ betitelt die FAZ einen Kommentar von Jasper von Altenbockum, der sich mit dem Umgang der Öffentlichkeit mit Thilo Sarrazin beschäftigt. Es ist ein provokanter Kommentar, der die Aussagen Sarrazins nicht nur verteidigt, sondern den ehemaligen Berliner Finanzsenator über die Maße heroisiert.
Eine Replik – es empfiehlt sich, zunächst den Originalartikel zu lesen.
Über die Aussagen Thilo Sarrazins gegenüber dem Magazin Lettre International ist viel geschrieben und diskutiert worden. Während die einen die klaren Worte loben, beklagen andere populistische Stammtischparolen. Einige haben sogar Klage gegen Sarrazin eingereicht – wegen Volksverhetzung. Schwer vorstellbar allerdings, dass ihr stattgegeben wird.
Die FAZ respektive Jasper von Altenbockum schlägt sich mit diesem Kommentar deutlich auf die Seite Sarrazins und das inhaltlich wie in der Art der Argumentationsführung auf eine äußerst kritikwürdige Art.
Im ersten Absatz schreibt Altenbockum:
Was hat der Fall Brunner mit dem Fall Sarrazin zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Brunner kam Kindern zur Hilfe und wurde dafür zu Tode geprügelt. Sarrazin sprach unbequeme Wahrheiten aus und wurde dafür heftig kritisiert.
Indem er die Fälle Sarrazin und Brunner parallelistisch gegenüberstellt, eine Vergleichbarkeit jedoch als schwierig beschreibt, erreicht der Autor hier die Verknüpfung der beiden Fälle im Kopf der Leser, ohne sich jedoch direkt angreifbar zu machen – schließlich hat er ja gesagt, dass beide auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben.
Dann leitet er über.
Doch beide Fälle haben mit Zivilcourage zu tun; beide mit einer Öffentlichkeit, die empört reagiert – einmal für, einmal gegen den Helden. Es lohnt sich, vor allem letzteren Aspekt zu betrachten. Er führt zu der alten Frage, warum Zivilcourage in Deutschland einen so schweren Stand hat.
Hier geht er einen ähnlichen Weg. Er stellt dem „ersten Blick“ nicht, wie es stringent und sinnvoll wäre, einen zweiten Blick gegenüber, sondern belässt es bei einem schlichten „Doch beide“. So stellt er endgültig den Bezug zwischen beiden Fällen her, vermeidet aber die klare Bekenntnis dazu. Er entzieht sich, so weit das angesichts der Thesen möglich ist, der Kritik, indem er zwar implizit sehr eindeutig ist, aber nicht explizit wird. Das ist ein intelligenter Schachzug, denn erstens ist die Aussage, Sarrazin sei ein „Held“ mehr als provokant und zweitens existiert die Parallele, die er implizit zieht, eigentlich nicht.
Altenbockum hat ja eingangs selbst geschrieben: Die Fälle an sich sind nicht im Geringsten vergleichbar. Folglich müsste die Reaktion der Öffentlichkeit, auf die er ja eingeht, vergleichbar sein – doch auch sie ist es nicht. Was als Parallele bleibt, ist allein die wackelige Behauptung, auch Sarrazin habe Zivilcourage bewiesen.
Doch: hat er?
Es gibt viele Definitionen von Zivilcourage, doch die meisten beinhalten die Punkte: Orientierung an demokratischen und humanen Prinzipien und das Einsetzen für eine irgendwie geartete Minderheit.
Sarrazin aber hat sich nicht für eine Minderheit ausgesprochen, sich schützend vor sie gestellt, sondern eine Minderheit massiv angegangen und das von der Warte des Mächtigeren, besser Situierten aus. Er hat darüber hinaus implizit die Fortpflanzung eines Bevölkerungsteils als weniger wünschenswert bezeichnet als die einen anderen Teils. Damit spricht er dem demokratischen Gleichheitsgrundsatz Hohn.
Deshalb ist die Verbindung des Falles Sarrazin mit der Frage nach dem Stand der Zivilcourage in Deutschland eine rein konstruierte.
Weiter schreibt Altenbockum:
Zivilcourage ist nicht nur eine Frage von Tapferkeit. Das ist sozusagen nur die äußere Hülle. Bürgermut ist mehr. Er setzt sich für einen Staat ein, dessen rechtliche Grundlagen und soziale Errungenschaften es wert sind, verteidigt zu werden – ob in der S-Bahn, im Bundestag, in Uniform, in Interviews oder nachts in Neukölln. Zivilcourage als Beruf – dafür gibt es die Polizei, die Politiker, die Abgeordneten, die Soldaten. Aber sie alle scheitern, wenn es nicht die Bürger gibt, die sie unterstützen und kontrollieren, sei es im Wahllokal, sei es im Ehrenamt oder sei es im Wehrdienst.
Dieser Überleitungsabsatz ist verhältnismäßig wenig kontrovers. Es ist jedoch anzumerken, dass Zivilcourage, der Bürgermut, historisch als Gegenpol zum „Soldatenmut“ verstanden wurde bzw. so von Otto von Bismarck in die deutsche Sprache eingeführt worden ist.
Dieser Aspekt ist nicht unwichtig, denn er macht beinahe den kompletten folgenden Absatz hinfällig:
Zivilcourage bedeutet Risiko. Bei Polizisten und Soldaten liegt das auf der Hand. [...] Doch der Eid, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes „tapfer zu verteidigen“, ist nicht allein eine militärische Angelegenheit.
Weiter schreibt Altenbockum:
Dass „Zivil“-Courage so weit von der „Militär“-Courage nicht entfernt ist, wird in Deutschland als Zeichen von Verirrung behandelt. So weit hat sich die Gesellschaft schon von der Gewalt entfernt, aus der sie vor sechzig Jahren – gewissermaßen als Kollektiv von Kriegsdienstverweigerern – hervorgegangen ist.
Was genau dieser Absatz meint, erschließt sich mir nicht. Aufgeschlüsselt steht da:
Die Gesellschaft ist vor sechzig Jahren aus der Gewalt hervorgegangen.
Die Gesellschaft war damals ein Kollektiv von Kriegsdienstverweigerern.
Die Gesellschaft hat sich schon sehr von dieser Gewalt entfernt.
Deshalb glaubt die Gesellschaft, dass es schlecht ist, dass Bürgermut und Soldatenmut nicht so weit voneinander entfernt sind.
Selbst wenn man diese wirren Annahmen gelten lässt – wieso ist das negativ? Denn dass es negativ ist, geht aus dem „so weit schon“ hervor.
Wieso ist es überhaupt irgendwie relevant, ob die Gesellschaft Bürger- und Soldatenmut als ähnlich ansieht oder nicht?
Welcher Zusammenhang besteht zwischen all diesen Thesen, dem Stand der Zivilcourage und den Fällen Sarrazin und Brunner?
Weiter:
Doch der Glaube, ganz ohne sie auskommen zu können, macht sie empfänglich für Verdrängungskünste. Gemeinschaftliches Kerzenanzünden oder Rufe nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts werden die Geister nicht vertreiben, die als Bedrohung empfunden werden. Erst recht nicht die realen Gefahren des Alltags.
Ohne sie? Ohne wen? Zivilcourage, Militär-Courage oder Gewalt?
Dem Satzbau nach ohne „Gewalt“. Es geht also nicht ohne Gewalt, denn ohne Gewalt verschwinden die realen Gefahren des Alltags nicht? Heißt das, mit Gewalt verschwinden diese realen Alltagsgefahren? Das wäre eine mutige Behauptung.
Oder besteht zwischen diesen Zeilen abermals kein direkter Zusammenhang?
Weiter:
Warum sollten eigentlich Kinder, die heute erwachsen werden, couragierter sein als ihre Eltern? Deren Jugend fiel in eine Zeit, die es noch für zukunftsträchtig hielt, dass Soldaten und Wehrdienstleistende Mörder genannt werden durften, dass Polizisten zu „Bullen“ geworden waren, Lehrer als Respektspersonen demontiert wurden und dass Politiker, die eine geistig-moralische Wende forderten, zu Idioten gestempelt wurden. Das ergab eine absurde Konsequenz: Die Leute, die Zivilcourage zum Beruf machten, wurden lächerlich gemacht oder gar kriminalisiert; die Leute, die sie kriminalisierten, galten als Vorbilder für Zivilcourage; wer vor den Folgen warnte, also Zivilcourage zeigte, war als angepasster Spießer isoliert.
Mal davon abgesehen, dass dieser Abschnitt wiederum keinen Bezug zum vorhergehenden hat und dass abermals nicht getrennt wird zwischen Zivilcourage und Militär-Courage: Es ist also verwerflich, dass Soldaten und Wehrdienstleistende Mörder genannt werden durften? Nicht nur, dass sie so genannt wurden, sondern schon, dass man es durfte?
Durch die 68er-Generation (die nicht direkt genannt ist, wohl aber gemeint sein dürfte), durch deren Kritik an Autoritäten wurde also Zivilcourage nicht nur stigmatisiert, sondern sogar für die nachfolgende Generation erschwert, so der Autor. Dadurch wurde dann genau die uncouragierte Gesellschaft erst möglich, in der Dominik Brunner erschlagen wurde – um den Einleitungsgedanken des Autors konsequent zu Ende zu bringen.
Das ist eine harte Anschuldigung und eine, die aus extrem einseitigem Denken resultiert. Denn dass das Aufstehen gegen als ungerecht empfundene Zustände, dass Kritik an Krieg, an Entscheidungsträgern, auch an Strukturen ebenfalls Zivilcourage beinhaltet, wird nicht beachtet. Dass Grundideen dieser Zeit Humanismus, das Aufstehen gegen Ungerechtigkeiten, das Aktiv-Werden genau Motoren sind für Zivilcourage, auch das erwähnt von Altenbockum nicht.
Und wieder: Wo ist eigentlich der Zusammenhang zwischen diesen Zeilen über den schädlichen Einfluss der 68er und der Kritik an den Äußerungen Thilo Sarrazins?
Nun könnte man sagen: Das war gestern, gut, dass es nicht mehr so ist. Aber ist es nicht mehr so? Wer hat im Entsetzen über den Tod Dominik Brunners in München einen Zusammenhang zwischen wehrhafter Demokratie und Zivilcourage hergestellt?
Wieso sollte irgendjemand einen solchen Zusammenhang denn herstellen? Was haben jugendliche Gewalttäter und untätige Zuschauer mit wehrhafter Demokratie (also mit einer Demokratie, die gegen Angriffe auf ihr Wesen vorzugehen berechtigt ist) zu tun?
Richtig: absolut gar nichts.
Die Tabubrüche, die in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren bis in die Spitzen der Gesellschaft hinein als zivilisatorischer Fortschritt bejubelt wurden, werden noch mindestens eine Generation nachwirken. Die Reaktionen auf Thilo Sarrazins Berliner Bestandsaufnahme haben das wieder bestätigt. Wie kann jemand der Menschenverachtung und Volksverhetzung bezichtigt werden, dem es darum geht, auf Staatsversagen, Gewalt und rechtsfreie Räume hinzuweisen?
Was genau die Tabubrüche der 68er-Generation mit der Kritik an Thilo Sarrazin zu tun haben, bleibt wieder im Dunkeln. Die einzig mögliche Lesart: Erst durch die 68er wurde es möglich, dass einerseits eine Autoritätsperson wie Sarrazin überhaupt kritisiert wurde und erst durch die 68er ist ein verbaler Rundumschlag gegen Minderheiten nicht mehr gesellschaftsfähig.
Diese Entwicklungen verurteilt der Autor. Das ist seine Haltung, die aber nicht eben demokratisch anmutet.
Thilo Sarrazin wurde außerdem nicht der Menschenverachtung bezichtigt, weil er „auf Staatsversagen, Gewalt und rechtsfreie Räume“ hingewiesen hat, sondern weil er Sätze gesagt hat wie die Folgenden:
“Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren.”
“Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der Türken und für 90 Prozent der arabischen Bevölkerung.”
Berlin habe „einen Teil von Menschen, etwa 20 Prozent der Bevölkerung, die ökonomisch nicht gebraucht werden, 20 Prozent leben von Hartz IV und Transfereinkommen, bundesweit sind es nur acht bis zehn Prozent.”
So etwas ist kein “Hinweisen” auf Missstände und auch kein Aussprechen von unbequemen Wahrheiten, sondern gefährlicher Unsinn.
Weiter:
So versuchen die Zivilcouragierten von gestern, die Zivilcourage mundtot zu machen, die sie so inbrünstig fordern. Sie müssen das tun, weil es sonst ihre Feindbilder selbst sind, die sie als Verächter bürgerlicher Tugenden entlarven. Wer Polizisten für ein nötiges Übel, Soldaten für Mörder und Politiker für Idioten hält, kultiviert nicht das Bürgerliche in Staat und Gesellschaft, sondern Verachtung und Verwahrlosung. Das Ergebnis sind die dunklen und gefährlichen Ecken, in denen ein Mann wie Dominik Brunner zum Opfer wird.
Die Zivilcouragierten von gestern (Wer? Die 68er?) versuchen also die Zivilcourage mundtot zu machen, indem sie Bewertungen von Menschen nach Ökonomischem Nutzen, undifferenzierte Kritik an ganzen Bevölkerungsgruppen und Behauptungen, manche Ethnien seien per se intelligenter als andere, zurückweisen. Sie tun das, damit irgendwelche nicht genannten Feindbilder (Polizisten, Militärs und Politiker?) sie nicht als Verächter nicht genannter bürgerlicher Tugenden entlarven.
Damit sorgen sie dafür, dass es manche Leute zuschauen, wenn andere einen Menschen zu Tode prügeln.
Eine bemerkenswert krude Argumentation.
Vollends krude wird es dann auch im letzten Absatz:
Mittlerweile grenzt es schon an Tollkühnheit, sich in gewissen Situationen schützend vor andere zu stellen. Die Polizei warnt ausdrücklich davor. Den Deutschen wird damit Unmögliches abverlangt. Sie sollen Zivilcourage zeigen, aber nicht den Helden spielen. Sie sollen aufstehen und nein sagen, aber nur, wenn alle ja dazu sagen. In einer bürgerlichen Gesellschaft jedoch sollte es nicht als verrückt gelten, die eigene Existenz aufs Spiel zu setzen, wenn sie für die bürgerliche Gesellschaft, ihre Freiheiten und ihre Sicherheit eingesetzt wird. Verrückt ist es nur, wenn die bürgerliche Gesellschaft bestraft, wer so handelt.
Jetzt ist es die Polizei (also der konstruierte Gegner der „ehemaligen Zivilcouragierten“, d.h. der 68er), die Zivilcourage einschränkt, weil sie rät, nicht den Helden zu spielen und sich zurückzuhalten.
Und es ist verrückt, wenn die speziell bürgerliche Gesellschaft (also wohl einfach die Gesellschaft) jemanden bestraft, der seine Existenz für die Sicherheit und Freiheit der Gesellschaft aufs Spiel setzt, sagt von Altenbockum.
Es ist anzunehmen, dass hier der Rückbezug zu Sarrazin erfolgt und also kritisiert wird, dass er nun Kompetenzen abgeben muss, weil er angeblich couragiert war. Was das nun wieder mit den Weisungen der Polizei zu tun hat, bleibt offen.
Zusammengefasst sagt dieser Kommentar:
Thilo Sarrazin ist ein Held, weil er Zivilcourage bewiesen hat, indem er Missstände angeprangert hat.
Dominik Brunner ist ein Held, der sterben musste, weil die 68er die Zivilcourage stigmatisiert haben, indem sie Polizei und Militär nicht uneingeschränkt respektierten, sondern stark kritisierten.
Die Gesellschaft hat sich zu weit von der Gewalt entfernt, die aber nötig ist, um reale Gefahren zu bekämpfen.
Die Polizei schränkt Zivilcourage ein.
Klingt unzusammenhängend und journalistisch schwach? Ist es auch.
—
Anmerkung: Ich habe bis auf einige Sätze den gesamten Artikel zitiert. Mir ist bewusst, dass das aus zitatrechtlicher Sicht schwierig und gerade in diesen Tagen, da das Urheberrecht ein großes Thema ist, heikel ist. Allerdings weiß ich nicht, wie ich sonst eine ordentliche Replik auf den Artikel schreiben könnte. Ich hoffe, mit dem Hinweis zu Beginn des Textes, doch bitte erst den Artikel zu lesen, deutlich gemacht habe, dass es mir nicht um den Diebstahl fremden geistigen Eigentums geht.
Sollte sich der Autor, die Zeitung oder der Verlag dennoch in seinen Rechten verletzt fühlen, bin ich aber gerne und jederzeit bereit, die Passagen zu kürzen, bzw. weite Teile davon aus der Replik herauszunehmen, so ich darum gebeten werde.
Donnerstag, 15. Oktober 2009 14:55
Mein Lieber, ob ein Vergleich von Herrn Sarazzin mit Herrn Brunner nötig ist, kann man getrost bezweifeln. Dass es aber einiges an Rückgrat braucht, gerade in seiner Position, diese Aussage zu machen, die nota bene noch niemand sachlich widerlegt hat, beweist auch Ihr Artikel. Herr Sarrazin beschreibt einen desaströsen Zustand. Sie versuchen nun mit Verdrehungen, Spitzfindigkeiten und Skandalisierungen (Stichwort “menschenverachtend) vom Thema abzulenken und auf den Mann zu spielen. Wie das die linken, gutmenschlichen, Alt 68 geprägten “Journalisten” in grossen Teilen der Massenmedien reflexartig schon getan haben. Mittlerweile hat Herr Sarrazin auch berufliche Konsequenzen zu tragen (Fragt sich nur, was die Zuständigleit für Bargeldverkehr mit dem inkriminierten Interview zu tun hat). Es ist also offensichtlich, dass es für ein solches Statement, dass sachlich nicht bestritten wird (“aber der menschenverachtende Tonfall…”) einiges an Zivilcourage braucht. Zumindest etwas mehr, als im gutmenschlichen Empörungschor mitzuheulen.
Donnerstag, 15. Oktober 2009 17:58
Zunächst einmal geht es mir nicht in erster Linie um die Aussage Sarrazins, sondern um den Kommentar von Jasper von Altenbockum. Der ist, wie hoffentlich dargelegt, unübersichtlich, unstrukturiert, unlogisch und in weiten Teilen unbegründet.
Ansonsten: Das “Stichwort menschenverachtend” stammt nicht von mir, sondern ist dem Text von Altenbockums entnommen.
Dass man Sarrazins Aussagen nicht sachlich begegnen kann, wie Sie suggeriern (“sachlich nicht bestritten”), würde wiederum ich bestreiten – es war aber nicht mein Anliegen, das zu tun.
Im Übrigen scheint mir, Sie verwechseln im letzten Satz Zivilcourage und Mut. Oder zumindest Chuzpe. Siehe Definition “Zivilcourage”.
Donnerstag, 15. Oktober 2009 22:27
…ein grund mehr, die faz “links” liegen zu lassen.
Freitag, 16. Oktober 2009 0:00
Die FAZ ist mMn schon eine hervorragende Zeitung mit differenzierten Meinungen. So lese ich das in keiner anderen Zeitung.
Andererseits fielen mir in letzter Zeit eben auch Artikel negativ auf, in denen irgendwie nicht gänzlich ausgereifte Thesen verarbeitet werden.
Freitag, 16. Oktober 2009 0:51
Die FAZ ist natürlich gut. Aber der Kommentar war großer Mist.
Mittwoch, 21. Oktober 2009 0:21
Liest man von Altenbockums Text, so bleibt das Gefühl zurüc, Sarrazin läge tot bei den Gleisen, erschlagen won 68ern.
Mittwoch, 21. Oktober 2009 0:22
Pardon, “zurück” und “von”, nicht “zurüc” und “won”. Kein Editbutton – oder doch?
Mittwoch, 21. Oktober 2009 0:31
Ja, Sie dürfen so frei sein, vielen Dank für den Hinweis!
Nur befürchte ich, dass es wenigen so sehr aufgestoßen ist, wie Ihnen und mir. Wenn eine der besten Zeitungen Deutschlands so etwas auf der Titelseite bringen kann, kriege ich so ein mulmiges Gefühl.
Mittwoch, 21. Oktober 2009 0:57
@Sefan W.: Nein, kein Edit-Button. Die Kommentare würden dadurch kaum mehr moderierbar – und letztendlich bin ich es, der dafür haftet. Ich bitte, das zu entschuldigen.
Mittwoch, 21. Oktober 2009 7:12
Danke für diese wirklich gelungene Replik.
Eine Bitte hätte ich aber noch: Könnten Sie Zitate vielleicht in einer etwas dunkleren/kontrasreicheren Schrift darstellen. Zumindest für meine Augen ist das Hellblau/-grau sehr schlecht zu lesen bzw. nur indem ich den Text markiere. Danke
Mittwoch, 21. Oktober 2009 10:41
@1:
Die inflationäre Verwendung des Wortes “Gutmensch” ist kein Argument ;-)
Mittwoch, 21. Oktober 2009 22:00
Man kann sich fast fragen, warum Jasper von Altenbockum Herrn Sarrazin nicht auch gleich für das Verdienstkreuz oder eine andere Auszeichnung vorschlägt. Vielleicht sollte er auch einen Aufrauf wie in Bild machen.
Manchmal muß man sich wirklich nicht wundern, wenn selbst eigentlich seriöse Blätter solche Kommentare drucken, warum die rechte Bewegung in diesem Land immer mehr Zulauf findet.
An dieser Stelle noch vielen Dank für Ihre ausführliche und wirklich gute Replik.
Freitag, 23. Oktober 2009 1:31
@Moira N.: Ist es so besser?
Freitag, 23. Oktober 2009 9:42
Zivil-Courage ist und bleibt Zivil-Courage… Eine Missdeutung des Wortes zum Ausschlachten eigener Zwecke wird nicht funktionieren. Sarrazin hat Zivil-Courage gezeigt. Er wusste doch was passieren wird… und dennoch hat er es ausgesprochen.
Freitag, 23. Oktober 2009 15:00
Die Darstellung der Zitate ist nun deutlich besser.
Grundlegend halte ich Sarrazins Denkanstoß für gut. Nur weil das Problem weder angesprochen oder angegangen wurde, entwickelte sich in vielen Stadtteilen diese unsägliche “Parallele-Gesellschaft” Der genaue Wortlaut von Sarrazin ist natürlich untragbar…