Beiträge vom 29. September 2009

Tsunami-Warnung neu bei Twitter?

Dienstag, 29. September 2009 22:32

Verschiedene Medien melden ein Seebeben der Stärke 8,3 auf der Richterskala im Pazifik und das US-Warnzentrum an der Westküste gab Tsunami-Warnungen für den Pazifikraum von Neuseeland bis Hawaii heraus.
Ich möchte ein Medienexperiment wagen: Der Kurznachrichtendienst Twitter ist oft dafür gelobt worden, in Ausnahmesituationen schnell Meldungen vor Ort zu liefern – welche Infos bringt Twitter zum Tsunami und wie schneidet Twitter gegenüber klassischen Medien ab?


Im TV erfährt man bisher auf n.tv in den Bauchbinden und soeben im ZDF heute-journal etwas.
Online-Zeitungen berichten auch schon über die Welle in Samoa, die ca. 100 Meter ins Inland reichte.
Twitter-User @redcrossmom meldet um 22.18, die Welle sei 10 feet, also etwas mehr als 3 Meter hoch gewesen.
Eine Tsunami-Karte und Voraussagen, wann der Tsunami andere Inseln erreichen soll, schlagen reihenweise bei Twitter auf.
In den klassischen Medien findet sich bisher nur die Vorhersage für Neuseeland: 22.40.
Google-Maps-Karte sagt 22.44 für East-Cap voraus.
22.19: @CBC-News fragt via Twitter nach Augenzeugenberichten und Bildern.
22.35: Mehrere Online-Nachrichtenportale melden Tote.
22.41: Angeblich (via @craignetworker) hat Hawaii die Tsunami-Warnung zurückgezogen.
22.42: Die ARD-Tagesthemen melden ein Seebeben der Stärke 7,9 und Tote auf Samoa. Jetzt Fußball.
22.45: @BreakingNewsDeu meldet, Neuseeland evakuiere niedrig liegende Gebiete.
22.51: @taurus schreibt – “In Samoa the beach village of Sau Sau Beach Fale was leveled to the ground by 25 ft wave”.
22.52: “Twitter is over capacity – too many tweets! Please wait a moment and try again.”
Oha.
22.52: @winegeeknz – “reports of people gathering on the beach at the Mount to watch the #tsunami come in”
22.53: @NZKiteboarding – “#Tsunami hit NZ Far North at 9:44am. No damage expected. Little impact expected in NZ”
23.02: @American Red Cross – “Tsunami watch canceled for Hawaii.”

Zwischeneinschätzung: Pro Minuten treffen meiner Einschätzung nach etwa 100 Tweets mit dem Schlagwort oder Hashtag Tsunami bzw. #Tsunami ein. Eher etwas mehr. Schwierig, den Überblick zu behalten. Der Informationsgehalt ist bisher eher gering. Wenn Meldungen kommen, dann meist Links zu Online-Zeitungen oder Hinweise auf Radio New Zeeland.
Augenzeugen-Tweets finden sich bisher quasi nicht.
Unerfreuliche Nebenwirkung: Etliche Trittbrettfahrer verlinken, dank URL-Verkürzer ungesehen, auf ihre meist kommerziellen Internetseiten.

23.16: @five15design – “Fullers in Auckland putting it’s boats out in the harbour. Other East Coast harbours doing the same. #Tsunami”

23.20: Die Zahl der Tweets pro Minute ist auf etwa 50 zurückgegangen, seit bekannt ist, dass der Tsunami Neuseeland wohl ohne größere Schäden getroffen hat und nicht größer als etwa einen Meter war.

23.25: @joshuabartlett – “Just been evacuated due to a tsunami warning. On top of an extremely big hill.”

23.37: So, eine gute Stunde Tsunami auf Twitter – und eigentlich weiß ich unwesentlich mehr als vorher. Ich bin kein Twitter-Gegner, überhaupt nicht, aber in diesem Fall war Twitter bisher nicht mehr als ein riesiger und unübersichtlicher Link-Aggregator.
Ich beende das Experiment vorerst. Werde nur gelegentlich noch reinschauen.
Sollte es interessante Tweets geben, wird dieser Beitrag ergänzt.

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