Der FT zu Gast bei Freunden – Monika-Hohlmeier-Porträt

Der Fränkische Tag (FT), die in einer Auflage von etwa 70.000 Exemplaren erscheinende Lokalzeitung mit quasi-monopolartiger Stellung im Großraum Bamberg, ist nicht eben berühmt für kritischen Journalismus. Weniger charmant formuliert: hier wird gelegentlich Hofjournalismus betrieben.
Dass der FT nicht die SZ ist und nicht der Spiegel und nicht in regelmäßiger Folge politische Skandale aufdecken kann, versteht sich von selbst. Das kann, das darf man nicht erwarten.
Allerdings gibt sich der FT im lokaljournalistischen Alltag zumeist noch nicht einmal Mühe, eine kritische Grundhaltung einzunehmen.
Einen negativen Höhepunkt stellt das am 14.08.09 auf Seite 3 erschienene „Porträt“ der einstigen bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier dar. Es ist ein haarsträubend anbiedernder Text, der eins zu eins aus der Feder von Hohlmeiers PR-Abteilung stammen könnte und quasi keine für ein Porträt relevante Information enthält.

Dabei verlief Hohlmeiers politische Karriere durchaus turbulent: Im Jahr 2004 war die damalige Kultusministerin und Münchner CSU-Chefin über die Münchner Wahlfälschungsaffäre gestolpert und von ihren Ämtern zurückgetreten. Auch der Versuch, 2008 bei der Landtagswahl ein Mandat zu erringen, war gescheitert. Hohlmeiers politische Karriere schien beendet. Kurz vor der Europawahl 2009 aber gab die Tochter von Franz Josef Strauß ihren Umzug von Oberbayern nach Oberfranken bekannt – vom oberfränkischen Listenplatz eins aus startete sie prompt ihre Rückkehr in die Politik. Nicht wenige kritisierten dieses Vorgehen und so wurde die Tochter von Franz Josef Strauß in ihrer Wahlheimat nicht gerade begeistert empfangen.

All das hätte man schreiben können.
All das war für den Fränkischen Tag aber kein Thema. Genauso wenig übrigens, wie Hohlmeiers politische Ziele oder ihre Arbeit in Straßburg und Brüssel.
Stattdessen sprach FT-Redakteur Matthias Einwag mit ihr darüber „wie sie sich in Franken eingelebt hat.“

Und so erfährt man aus dem Artikel unter anderem, dass sie „mediterranes Gemüse und Kronfleisch“ mag, dass sie „Lebensfreude“ ausstrahlt, „heiter und gelöst“ wirkt und eine „rote Hose“ und ein „weißes Shirt“ trägt – was beides ebenso wie die „rot-weiße Himbeersahnetorte“ zeigt, dass Monika Hohlmeier „offenbar in Franken angekommen“ ist.
Es folgen die üblichen warmen Worte (Die Menschen in ihrem Wohnort Bad Staffelstein seien „herzlich, nett, unkompliziert und überhaupt unberührt von negativen Meldungen“), gefolgt von der kleinen sympathischen Unvollkommenheit, denn obwohl ihr Haus noch nicht bezugsfertig ist, habe „Monika Hohlmeier […] offenbar kein Problem damit, diese Übergangszeit in einer Ferienwohnung zu verbringen“.
Außerdem betont der Artikel die harte Arbeit Hohlmeiers – „44 Wochen sei sie in Brüssel und Straßburg, nur knapp acht Wochen dürfe sie nach Hause“ – und ihre Volksnähe: Weil die Angler so gerne „ratschen“, betreibe sie „Jogging mit Unterbrechungen“.
Ihre Rollen als Ehefrau eines Mannes, der sich anfangs so gar nicht wohl fühlte in der Öffentlichkeit an der Seite einer so prominenten Frau und als sorgende Mutter von Kindern, die ja zum Glück „anders aufwachsen dürfen“ als die während des deutschen Herbstes permanent unter Personenschutz stehende Hohlmeier selbst, kommen auch nicht zu kurz.
Schließlich darf sich Monika Hohlmeier noch unwidersprochen und unkommentiert über „unwahre Veröffentlichungen“ über ihren Vater in „Stern und Spiegel“ ärgern, über jene „Form des Journalismus, der ein festes Bild von Franz Josef Strauß gemauert hat“ und der seit seinem Tod angeblich noch „verbissener“ gegen ihn kämpft.
Und wer dann noch nicht überzeugt davon ist, dass Monika Hohlmeier einfach nur nett, bodenständig und patent ist und sich so richtig pudelwohl fühlt im schönen Franken, wo es die Bratwürste gibt, die sie genauso liebt wie Karl Theodor zu Guttenberg, der bekommt dann noch den Holzhammer in Form einer 16-teiligen Bildergalerie auf den Kopf. (Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Bilder 5 und 13, 8 und 14, 2 und 15 sowie 7 und 16 jeweils die gleichen sind.)
Die Bilder zeigen ausnahmslos Monika Hohlmeier im Porträt und sind beispielsweise untertitelt mit „Monika Hohlmeier bereitete für unseren Redakteur extra einen Kuchen vor“ oder „Und wenn die Wäsche dreckig ist, wird natürlich auch im Hause Hohlmeier gewaschen.“
Als Sahnehäubchen sei noch das im Artikel gebotene Video empfohlen.
Man darf annehmen, dass die Frage „So, und das ist jetzt also italienischer Kaff, äh, Espresso?“ die kritischste Frage ist, die Monika Hohlmeier an diesem Tag gestellt wurde.


update, 28.08.09: Auch der Blog baminfo hat sich des Artikels angenommen.

Autor:
Datum: Montag, 24. August 2009 22:32
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Ein Kommentar

  1. 1

    Dem ist nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen

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